Worum es geht
Pulmonale Hypertonie (PH) ist ein erhöhter Druck im
Lungenkreislauf und wird oft spät erkannt, weil die Symptome
anfangs unspezifisch sind. Entscheidend ist: Nicht jede PH ist
eine pulmonalarterielle Hypertonie (PAH) – und genau das bestimmt
die Therapie.
Definition und Hämodynamik
PH liegt vor bei:
• mittlerem pulmonalarteriellem Druck > 20 Millimeter
Quecksilbersäule in Ruhe
Goldstandard der Diagnose:
• Rechtsherzkatheter, nicht Echokardiografie allein
Wichtige Parameter:
• PCWP / pulmonaler Kapillarverschlussdruck
• PVR / pulmonaler Gefäßwiderstand
Präkapillär:
• PCWP höchstens 15 Millimeter Quecksilbersäule
• PVR > 2 Wood-Einheiten
Postkapillär:
• PCWP > 15 Millimeter Quecksilbersäule
Klinisch wichtige Gruppen
1. PAH
• idiopathisch, hereditär, medikamenten- oder toxinassoziiert
• assoziiert z. B. mit systemischer Sklerose, HIV, portaler
Hypertension, angeborenen Herzfehlern
2. PH bei Linksherzerkrankungen
• häufigste Gruppe im Alltag
• z. B. HFpEF, HFrEF, Mitral- oder Aortenklappenvitien
3. PH bei Lungenerkrankungen / Hypoxie
• z. B. COPD, interstitielle Lungenerkrankungen, Emphysem,
Adipositas-Hypoventilation
4. CTEPH
• chronisch-thromboembolische pulmonale Hypertonie
• besonders wichtig, weil potenziell operativ behandelbar
5. Multifaktorielle / unklare Formen
• z. B. Sarkoidose, hämatologische Erkrankungen, chronische
Nierenkrankheit
️ Typische Symptome
• Belastungsdyspnoe
• Leistungsminderung, Müdigkeit
• Schwindel, Belastungssynkopen
• später: Ödeme, Halsvenenstauung, Aszites, Stauungsleber
Warnsignal:
• Synkope bei Belastung
🩺 Diagnostik
Wichtige Bausteine:
• Echokardiografie als zentrales Screening
• EKG, NT-proBNP
• Lungenfunktion inklusive DLCO
• 6-Minuten-Gehtest
• Bildgebung je nach Verdacht
Wichtig für die Praxis:
• Echo schätzt die Wahrscheinlichkeit, ersetzt aber nicht den
Rechtsherzkatheter
• Zum Ausschluss einer CTEPH ist die
Ventilations-Perfusions-Szintigrafie besonders wichtig
Pathophysiologie
Erhöhter Widerstand im Lungenkreislauf führt zu:
• erhöhter Nachlast des rechten Ventrikels
• zunächst Hypertrophie, später Dilatation
• im Verlauf Cor pulmonale und Rechtsherzinsuffizienz
Therapieprinzipien
Bei den meisten PH-Formen:
• Behandlung der Grunderkrankung steht im Vordergrund
Allgemeine Maßnahmen:
• optimale Therapie von Herz- oder Lungenerkrankung
• Sauerstoff nur bei relevanter Hypoxämie
• Diuretika bei Rechtsherzinsuffizienz und Volumenüberladung
• Impfprophylaxe, körperliche Aktivität im individuell
tolerierten Bereich
PAH-spezifische Therapie:
• Endothelin-Rezeptor-Antagonisten
• PDE-5-Hemmer
• Riociguat
• Prostazyklinanaloga / Selexipag
Wichtig:
• spezifische PAH-Medikamente nicht routinemäßig bei PH durch
Linksherz- oder Lungenerkrankung
• Calciumkanalblocker nur bei nachgewiesenen
Vasoreagibilitäts-Respondern
CTEPH:
• lebenslange Antikoagulation
• Vorstellung im spezialisierten Zentrum
• pulmonale Endarteriektomie als Therapie der Wahl
• Riociguat bei inoperabler oder persistierender CTEPH
Häufige Fehler
• Dyspnoe bei COPD nur der COPD zuschreiben
• PAH-Therapie ohne Rechtsherzkatheter starten
• V/Q-Szintigrafie bei CTEPH-Verdacht vergessen
• Belastungssynkopen nicht ernst genug nehmen
• Riociguat mit PDE-5-Hemmern oder Nitraten kombinieren
Take-home-Messages
• PH früh mitdenken bei unklarer Belastungsdyspnoe, Schwindel
oder Synkopen
• Häufigste Ursachen: Herz- und Lungenerkrankungen
• Rechtsherzkatheter ist der Goldstandard
• Erst klassifizieren, dann therapieren
• CTEPH nicht übersehen – sie kann potenziell kurativ behandelbar
sein
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