🫁 Grundprinzip
Eine Thoraxdrainage verbindet den Pleuraspalt mit einem externen
Drainagesystem, um Luft, Blut oder Flüssigkeit abzuleiten.
Kernziel:
• Wiederherstellung des negativen intrathorakalen Drucks
• Entfernung pathologischer Luft oder Flüssigkeit
• Reexpansion der Lunge
Wichtige Indikationen
Therapeutisch:
• Pneumothorax
• Pleuraerguss
• Hämothorax
• Hämatopneumothorax
Weitere Einsatzgebiete:
• Pleurodese
• postoperative Drainage von Blut/Wundsekret
• Notfall: Spannungspneumothorax als vital bedrohliche Situation
Merke:
Bei klinischem Verdacht auf Spannungspneumothorax nicht auf
perfekte Bildgebung warten, sondern sofort dekomprimieren.
️ Kontraindikationen und Rahmen
Relative Kontraindikationen:
• erhöhte Blutungsneigung
• pleurale Adhäsionen, z. B. nach OP oder Entzündung
Wichtig:
• ärztliche Tätigkeit
• sterile Anlage
• klare Indikation
• Monitoring, Material, funktionierendes Drainagesystem
• Bildgebung zur Lagekontrolle möglichst einplanen
Die 3-Ebenen-Denkweise
Bei Problemen immer systematisch denken:
1. Patient:
• Luft, Flüssigkeit, Blut, Fistel, Infektion, Malexpansion
2. Drainage:
• offen oder abgeknickt?
• diskonnektiert?
• verstopft?
• disloziert?
• Behälter voll?
• Sog vorhanden?
3. Klinik:
• Dyspnoe
• Schmerzen
• Hautemphysem
• Fieber
• verändertes Sekret
• ausbleibende Förderung
Schmerztherapie
Thoraxdrainagen sind schmerzhaft – bei Anlage, im Verlauf und bei
Entfernung.
Wichtige Punkte:
• gründliche Lokalanästhesie, häufig mit Lidocain
• Pleura parietalis besonders schmerzempfindlich
• systemische Analgesie je nach Setting, z. B. Metamizol, Opioide
titriert
• bei dyspnoischen spontan atmenden Patienten mit Augenmaß
sedieren
Management nach Anlage
Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit:
• fördert die Drainage?
• besteht eine Luftleckage?
• ist das System dicht?
• bessert sich der Patient klinisch?
Bei Beschwerden oder unklarem Verlauf:
• Röntgenkontrolle großzügig einsetzen
Pendeltest:
Atemabhängige Bewegung im System spricht für Druckübertragung.
Fehlendes Pendeln ist unspezifisch und muss eingeordnet werden.
️ Typische Probleme
Dyspnoe trotz Drainage:
• Diskonnektion
• fehlender Sog
• voller Behälter
• Okklusion
• Dislokation
• Parenchymverletzung
• Pneumonie
• Reexpansionsödem
Sistierende Sekretion:
• kann normal sein
• alternativ: Okklusion, Diskonnektion, voller Behälter,
Dislokation
Luftleckage/Fistel:
• technisches Problem oder bronchopleurale Fistel
• Verlauf und Muster des Luftaustritts beobachten
Nässender Verband:
• Stichkanalblutung
• Infektion
• Leckage
• Dislokation
Verändertes Sekret:
• blutig Blutung
• eitrig Pleuraempyem
• milchig Chylothorax
Hautemphysem:
• Warnzeichen für unzureichende Luftableitung oder Fehlfunktion
🫧 Reexpansionsödem
Wichtiges, oft vergessenes Krankheitsbild:
• nichtkardiogenes Lungenödem nach rascher Reexpansion
• klinisch Dyspnoe und Hypoxie trotz technisch erfolgreicher
Drainage
• Therapie: supportiv, ggf. intensivmedizinisch
Abklemmen der Drainage
Nicht routinemäßig abklemmen.
Besonders wichtig:
• nicht für den Transport abklemmen
• bei bestehender Luftleckage Gefahr eines Spannungspneumothorax
🩺 Wann darf die Drainage entfernt werden?
Orientierungskriterien:
• Patient kreislaufstabil
• Lunge radiologisch expandiert
• keine Luftleckage seit mindestens 6 Stunden
• Sekretmenge < 200 ml/24 h
Entfernung und Nachsorge
Entfernung:
• strukturiert, zügig, mit Atemkommando
• sterile Abdeckung sofort nach Zug
• Analgesie vorher mitdenken
Nachsorge:
• radiologische Kontrolle am Folgetag
• bei Dyspnoe, Thoraxschmerz, Sättigungsabfall oder Husten früher
kontrollieren
Take-home-Messages
• Thoraxdrainagen sind kein reines Technik-, sondern vor allem
ein Managementthema.
• Probleme immer über Drainage, Patient und Bildgebung
analysieren.
• Vor Entfernung: stabile Klinik, expandierte Lunge, keine
Luftleckage, geringe Fördermenge.
• Thoraxdrainage nicht routinemäßig und nicht für den Transport
abklemmen.
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