Was passiert, wenn ein Bürgermeister plötzlich merkt: Es
geht nicht mehr? In dieser Folge von „Amtsgeheimnisse
vor Ort“ spricht Gemeindebund-Präsident Johannes Pressl mit dem
Melker Bürgermeister Patrick Strobl über ein Thema, über das in
der Politik noch immer viel zu selten offen gesprochen wird:
mentale Überforderung und Burnout.
Strobl erzählt, wie sich bei ihm über Wochen hinweg Warnsignale
bemerkbar machten. Schlaflosigkeit, Vergesslichkeit und eine
zunehmende Lustlosigkeit gegenüber Dingen, die ihm eigentlich
Freude bereiteten, führten schließlich zu einer klaren
Erkenntnis: Er brauchte professionelle Unterstützung.
„Der Körper plötzlich sagt: Stopp. Du musst die Stopptaste
drücken“, erzählt Patrick Strobl. Nach der Aufnahme im
Landesklinikum Mauer folgte eine mehrwöchige stationäre
Rehabilitation. Dabei ging es nicht nur darum, wieder gesund zu
werden, sondern auch um die Frage, welche Faktoren zur
Überforderung beigetragen hatten. Strobl spricht unter anderem
über die zusätzlichen Belastungen, die Bürgermeister während der
Corona-Pandemie, der Ukraine-Krise und angesichts der
angespannten Gemeindefinanzen bewältigen mussten.
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs ist die Frage, was
passiert, wenn eine Führungskraft plötzlich ausfällt. Strobl
erzählt offen über seine ungeplante Auszeit: Sein Handy blieb
ausgeschaltet, erreichbar war er nur für seine Frau und den
Vizebürgermeister. Im Rathaus übernahmen der Vizebürgermeister
und die Stadtamtsdirektorin gemeinsam mit dem Team die
notwendigen Aufgaben. „Wenn es einmal so weit ist, hat man keinen
Kopf und keine Zeit mehr, noch irgendetwas zu organisieren“,
erinnert sich der Bürgermeister.
Auch die Reaktionen der Bevölkerung und des politischen Umfelds
kommen zur Sprache. Von wilden Gerüchten bis hin zu großer
persönlicher Unterstützung reichten die Reaktionen auf seine
Abwesenheit. Besonders positiv erlebt Strobl den Zusammenhalt im
Gemeinderat und in seinem politischen Team. Aus seiner Erfahrung
leitet er konkrete Empfehlungen für Betroffene ab:
Frühwarnsignale ernst nehmen, die Zahl der Termine reduzieren,
bewusst Pausen einplanen und professionelle Hilfe nicht als
Schwäche betrachten. Denn: „Es kann jedem so gehen. Jeder kann in
so eine Situation kommen“, betont der Bürgermeister und ergänzt:
„Aber man kann sich professionelle Hilfe holen. Ich glaube, das
ist ganz, ganz wichtig.“
Heute achtet Strobl stärker auf einen strukturierten Tagesablauf,
Bewegung, Familienzeit und klare Grenzen bei der Erreichbarkeit:
„Früher habe ich auch noch abgehoben, wenn mich abends um 23 Uhr
jemand wegen einer Nichtigkeit angerufen hat. Heute denke ich
mir: Das hat Zeit bis morgen.“
Eine persönliche und offene Folge über Verantwortung, Grenzen,
Führung – und darüber, warum es manchmal Stärke bedeutet,
rechtzeitig auf die Stopptaste zu drücken.
Österreichischer Gemeindebund
Kommentare (0)
Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben.