Ein Pneumothorax ist Luft im Pleuraspalt mit Verlust des
pleuralen Unterdrucks und Kollaps der betroffenen Lunge.
Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen stabilem
Pneumothorax und Spannungspneumothorax.
Kernbotschaft
Der Spannungspneumothorax ist eine klinische Diagnose.
Bei passender Klinik und Instabilität: sofort entlasten.
Keine Verzögerung durch Röntgen, CT oder „perfekten“ Ultraschall.
Pathophysiologie
• Normalerweise hält der Unterdruck im Pleuraspalt die Lunge
entfaltet
• Beim Pneumothorax geht dieser Unterdruck verloren
• Beim Spannungspneumothorax entsteht ein Ventilmechanismus
• Folge: zunehmender intrathorakaler Druck,
Mediastinalverlagerung, verminderter venöser Rückstrom,
obstruktiver Schock
Wichtige Risikogruppen
• Junge, schlanke, groß gewachsene Raucher: primärer
Spontanpneumothorax
• Patientinnen und Patienten mit COPD, Emphysem, Fibrose, Asthma,
Mukoviszidose etc.: sekundärer Spontanpneumothorax
• Nach Trauma, Beatmung, ZVK-/Subklaviapunktion, Pleurapunktion,
Lungenbiopsie: erhöhtes Risiko
Klinik
Typisch:
• plötzlich einsetzender, atemabhängiger Thoraxschmerz
• Dyspnoe
• Tachypnoe, Tachykardie
• abgeschwächtes/fehlendes Atemgeräusch
• verminderte Thoraxexkursion
• hypersonorer Klopfschall
Zusätzlich bei Trauma:
• subkutanes Emphysem
• Rippenfrakturen
• instabile Thoraxwand
Wichtig:
Kein einzelner Untersuchungsbefund schließt einen Pneumothorax
sicher aus.
️ Zeichen des Spannungspneumothorax
• akute respiratorische Verschlechterung
• Hypotonie oder Kreislaufinstabilität
• einseitig fehlendes Atemgeräusch
• steigende Beatmungsdrücke unter Beatmung
• Desaturierung
• ggf. Halsvenenstauung
Merke:
Trachealverlagerung ist ein Spätzeichen.
🩺 Diagnostik
Bei stabilen Patientinnen und Patienten:
• Thoraxsonografie: fehlendes Lungengleiten, Lungenpunkt
• Röntgen-Thorax: Pleuralinie, fehlende periphere Gefäßzeichnung
• CT: am sensitivsten, aber nichts für Instabile
• BGA zur Beurteilung von Oxygenierung/Ventilation
Bei instabilen Patientinnen und Patienten:
• Behandlung vor Bildgebung bei klinischem Verdacht auf
Spannungspneumothorax
Akuttherapie
• ABCDE-Vorgehen
• Sauerstoff nach klinischer Situation titrieren
• gute Analgesie
• bei Spannungspneumothorax: sofortige Dekompression
Punktionsort für Nadeldekompression:
• bevorzugt 4./5. ICR vordere bis mittlere Axillarlinie im
sicheren Dreieck
• oberhalb des Rippenoberrands punktieren
• großlumige, ausreichend lange Kanüle verwenden
Wichtig:
Nadeldekompression ist nicht die definitive Therapie.
️ Definitive Therapie
• meist Thoraxdrainage
• bei Pneumothorax typischerweise 4./5. ICR im sicheren Dreieck
• Drainagefunktion eng überwachen: Dichtigkeit, Knick, Luftleck,
klinischer Verlauf
• bildgebende Kontrolle nach Anlage
Therapie je nach Situation
• Kleiner, stabiler primärer Spontanpneumothorax: oft konservativ
möglich
• Symptomatischer primärer Spontanpneumothorax: ggf. Aspiration
oder Drainage
• Sekundärer Spontanpneumothorax: niedrige Schwelle zur Drainage
• Traumatischer Pneumothorax: häufig Drainagetherapie
• Offener Pneumothorax: Wundverschluss mit Vorsicht, dann
Drainage
• Beatmete Patientinnen und Patienten: Pneumothorax meist
drainagerelevant
OP-Indikationen
• Rezidiv
• persistierendes Luftleck
• fehlende Reexpansion
• Bullae/Blebs
• beidseitiger Pneumothorax
• besonderes berufliches Risiko, z. B. Tauchen oder Fliegen
Häufiges Verfahren:
• VATS mit Bullaresektion und Pleurodese
Entlassung und Beratung
• Rauchstopp ist essenziell zur Rezidivprophylaxe
• nicht fliegen bis zur vollständigen radiologischen Rückbildung
• Tauchen nur nach fachärztlicher Beurteilung, oft
kontraindiziert ohne definitive Rezidivprophylaxe
4 Merksätze
• Luft im Pleuraspalt lässt die Lunge kollabieren
• Sekundärer Spontanpneumothorax ist oft klinisch gefährlicher
• Spannungspneumothorax führt zu Hypoxie und obstruktivem Schock
• Spannungspneumothorax klinisch erkennen und sofort entlasten
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