Thema der Folge
Pleuraerguss = Flüssigkeit im Pleuraspalt zwischen viszeraler und
parietaler Pleura. Klinisch häufig und diagnostisch wichtig.
Grundlagen
Entscheidend ist die Unterscheidung:
• Transsudat: eiweiß- und zellarm, meist durch veränderte Druck-
oder Eiweißverhältnisse
• Exsudat: eiweiß- und zellreich, meist durch Entzündung, Tumor
oder erhöhte Permeabilität
Typische Ursachen:
• Transsudat: Herzinsuffizienz, Leberzirrhose, nephrotisches
Syndrom, Hypoalbuminämie
• Exsudat: Pneumonie, Malignom, Tuberkulose, virale Pleuritis,
Lungenembolie
Klinik
Kleine Ergüsse oft asymptomatisch. Häufige Beschwerden bei
größeren Ergüssen:
• Dyspnoe
• trockener Husten
• pleuritischer Thoraxschmerz
• Symptome der Grunderkrankung, z. B. Fieber, Ödeme, Aszites,
B-Symptomatik
Untersuchungsbefunde:
• verminderter Stimmfremitus
• abgeschwächtes Atemgeräusch
• verminderte Bronchophonie
• basal gedämpfter Klopfschall
🩺 Diagnostik
Sonografie ist Methode der ersten Wahl:
• sensitiver als Röntgen
• bedside verfügbar
• ideal zur Punktionsplanung
• Septierungen/Fibrin sprechen für komplizierten Erguss oder
Empyem
Weitere Bildgebung:
• Röntgen: Meniskuszeichen, basale Verschattung
• CT: bei Malignomverdacht, Pleuraauflagerungen, komplexen
Befunden
Wann punktieren?
Grundsatz: Jeder erste oder unklare Pleuraerguss sollte
diagnostisch punktiert werden, wenn sicher durchführbar.
Wichtig:
• möglichst sonografisch gesteuert
• Punktionsort dorsal/dorsolateral am Oberrand der Rippe
• therapeutisch meist nicht mehr als ca. 1,5 Liter pro Sitzung
wegen Reexpansionsödem
Punktatdiagnostik
Mindestens bestimmen:
• Eiweiß
• LDH
• Glukose
• pH
• Zellzahl und Zelldifferenzierung
Je nach Verdacht zusätzlich:
• Grampräparat/Kultur
• mykobakterielle Diagnostik
• Zytologie
Light-Kriterien für Exsudat:
• Pleuraeiweiß/Serumeiweiß > 0,5
• Pleura-LDH/Serum-LDH > 0,6
• Pleura-LDH > 2/3 des oberen Serum-Normwerts
️ Wichtige Sonderformen
Parapneumonischer Erguss:
• unkompliziert: meist steril, pH > 7,3, Glukose > 60 mg/dl
• kompliziert: pH 7,1–7,2, LDH hoch, Glukose niedrig meist
Drainage nötig
Pleuraempyem:
• eitriges Punktat
• pH meist < 7,1
• immer: Antibiotika + Drainage
Maligner Erguss:
• meist Exsudat
• oft rezidivierend, teils blutig
• negative Zytologie schließt Malignität nicht aus
Hämatothorax:
• blutiger Erguss nach Trauma/Intervention
• Punktat-Hämatokrit > 50 % des peripheren Hämatokrits
• meist Drainage, ggf. operativ
Chylothorax:
• milchig-weißes Punktat
• erhöhte Triglyzeride
• Therapie: Drainage, Reduktion der Chylusproduktion, ggf. OP
Therapieprinzipien
Immer Grunderkrankung behandeln:
• Herzinsuffizienz Diurese, z. B. Furosemid
• parapneumonischer Erguss/Empyem Antibiotika, ggf. Drainage
• maligner Erguss Entlastung, Drainage, Pleurodese
• Chylothorax Ernährungstherapie, ggf. Octreotid
• Pleuritis Analgesie und Ursachenbehandlung
Wann wird es gefährlich?
Akut kritisch bei:
• respiratorischer Einschränkung
• Pleuraempyem
• Hämatothorax mit Blutverlust
• Spannungsgeschehen
• gefährlicher Grunderkrankung wie Lungenembolie oder kardialer
Dekompensation
Merkschema für den Alltag
1. An Pleuraerguss denken bei Dyspnoe, basaler Dämpfung,
abgeschwächtem Atemgeräusch
2. Mit Sonografie bestätigen
3. Ursache durch Anamnese, Klinik, Bildgebung und ggf. Punktion
klären
4. Punktat systematisch auswerten
5. Grunderkrankung behandeln, bei Bedarf entlasten oder
drainieren
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