Überblick
Mukoviszidose bzw. zystische Fibrose ist eine autosomal-rezessive
Multisystemerkrankung durch Defekte im CFTR-Gen.
Kernmechanismus:
Defekter Chloridkanal zähes Sekret Obstruktion Infektion
Entzündung fortschreitende Organschädigung
Betroffen sind v. a.:
• Lunge
• Pankreas
• Darm
• Leber/Gallenwege
• Schweißdrüsen
• Genitaltrakt
Epidemiologie
Mukoviszidose ist keine reine Kinderkrankheit mehr.
• Zunehmend erwachsene Betroffene
• Mildere Verläufe teils erst im Erwachsenenalter diagnostiziert
• Mediane Lebenserwartung heute etwa 60 Jahre
Je mehr Restfunktion verbleibt, desto milder oft der Verlauf.
🫁 Pathophysiologie & Organbeteiligung
Lunge:
• gestörte mukoziliäre Clearance
• chronische Infektionen und Entzündung
• Bronchiektasen, Emphysem, respiratorische Insuffizienz
Pankreas:
• exokrine Pankreasinsuffizienz
• Maldigestion, Steatorrhö, Gedeihstörung
• später CF-assoziierter Diabetes
Leber/Darm:
• Cholestase, biliäre Fibrose, Zirrhose
• Mekoniumileus beim Neugeborenen
• distales intestinales Obstruktionssyndrom (DIOS)
Genitaltrakt:
• Männer: häufig obstruktive Azoospermie
• Frauen: verminderte Fertilität
Schweiß:
• erhöhter NaCl-Gehalt
• „salzig schmeckendes“ Kind als klassischer Hinweis
🩺 Klinik
Je nach Alter unterschiedlich:
• Neugeborene: Mekoniumileus
• Säuglinge/Kleinkinder: chronischer Husten, obstruktive
Bronchitiden, Gedeihstörung, Fettstühle
• Kinder/Jugendliche: Bronchiektasen, Sinusitis, Nasenpolypen,
Malnutrition, verzögerte Pubertät
• Erwachsene: produktiver Husten, rezidivierende Infekte,
Infertilität, Pankreatitis, CFRD
Typische Erreger:
• früh: Staphylococcus aureus, Haemophilus influenzae
• später: Pseudomonas aeruginosa, Burkholderia cepacia
• mitdenken: ABPA bei Husten, Giemen, Infiltraten, IgE,
Eosinophilie
Diagnostik
Wichtige Praxisregel:
Typische Klinik schlägt negatives Neugeborenenscreening.
Bestätigung:
• Schweißtest mittels Pilocarpin-Iontophorese
• entscheidend ist die Chloridkonzentration
• ≥ 60 mmol/l in 2 unabhängigen Messungen spricht stark für CF
• < 30 mmol/l macht klassische CF eher unwahrscheinlich
Zusätzlich bei unklaren Fällen:
• molekulargenetische Diagnostik
• ggf. nasale Potenzialdifferenz
• intestinale Kurzschlussstrommessung
Basisdiagnostik nach Diagnosestellung
• Wachstum, Gewicht, klinischer Status
• Lungenfunktion
• Sputum/Rachenabstrich
• Entzündungsparameter, Leberwerte
• fettlösliche Vitamine, Eisen, Zink, Selen
• Stuhl-Elastase
• Abdomen-Sonografie
• Thorax-Bildgebung nach Bedarf
• ab 10 Jahren jährlich oraler Glukosetoleranztest
Wichtig:
CFRD-Screening mit oGTT, nicht nur HbA1c.
Therapie
Supportive Basistherapie:
• Inhalation
• Atemphysiotherapie
• Bewegung
Pulmonal:
• hypertonische Kochsalzlösung
• Dornase alfa
• ggf. Bronchodilatator vor Inhalation
• inhalative Antibiotika nach Sekretmobilisation
Antiinfektiv:
• Pseudomonas-Eradikation bei Erstnachweis
• chronische inhalative Suppression bei Kolonisation
• Exazerbationen je nach Erreger, Resistenzlage und Schweregrad
oral oder i.v.
Pankreasinsuffizienz:
• Pankreasenzyme zu jeder Mahlzeit und fetthaltigen Snacks
• hochkalorische, eiweißreiche, nicht fettarme Ernährung
• Obergrenze: dauerhaft nicht > 10.000 Lipase-Einheiten/kg/Tag
Zusätzlich:
• Substitution von Vitamin A, D, E, K
• Salzsubstitution bei Bedarf
• Ursodeoxycholsäure bei cholestatischer Leberbeteiligung
• CFRD: Insulintherapie
Merksätze für den Alltag
• Wiederholte obstruktive Bronchitiden +
Gedeihstörung/Fettstühle: an Mukoviszidose denken
• Negatives Screening schließt CF nicht sicher aus
• Zentraler Bestätigungstest: Schweißchlorid
• Pulmonale Beteiligung bestimmt meist die Prognose
• Enzyme zu jeder Mahlzeit, aber Lipase-Obergrenze beachten
• Fettlösliche Vitamine, Salzverluste und CFRD nicht vergessen
• Modulatoren verbessern viel, ersetzen aber nicht automatisch
die gesamte Basistherapie
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