Baut die Schweiz künstliche Intelligenz selber oder kaufen wir
sie künftig einfach ein? Marcel Salathé hat die Frage
durchgerechnet: Der Co-Direktor des AI Center der EPFL kommt auf
rund eine Milliarde Franken pro Jahr, ein Bruchteil dessen, was
in den USA in diese Technologie fliesst. Passiert nichts, sagt
er, werden wir vollständig abhängig von Amerikanern und Chinesen
und wer die Technologie besitzt, bestimmt Preis und Zugang. Ein
Gespräch über das Schweizer Modell Apertus, über ein Departement
für Technologie, das es in Bern nicht gibt, darüber warum KI
privat längst funktioniert und in Unternehmen harzt – und was das
für unsere Kinder in der Schule heisst.
Gast: Marcel Salathé https://www.linkedin.com/in/salathe/
Host: Andy Huber
https://www.linkedin.com/in/andy-huber-ai-consulting/
Takeaways
Eine eigene Schweizer KI kostet rund eine Milliarde pro
Jahr. Für Modelle und Ökosystem, nicht für den weltweiten
Betrieb – ein kleiner Prozentsatz dessen, was die grossen
Anbieter investieren. Die Schweiz wäre damit durchaus
kompetitiv.
Ohne Entscheid wird die Abhängigkeit zum Fakt. «Dann
werden wir vollständig abhängig sein von Chinesen und
Amerikanern.» Für Unternehmen heisst das: Die Technologie, auf
der die eigenen Prozesse laufen, gehört jemand anderem.
Apertus ist Vorarbeit, Als Forschungsprojekt wertvoll,
insgesamt aber «massiv unter seinem Potenzial». Für ein
konkurrenzfähiges Modell braucht es Ressourcen im Faktor
hundert.
Individuell klappt KI, institutionell harzt es. Der
Grund ist nicht fehlender Wille: Die Technologie arbeitet nicht
deterministisch, sondern probabilistisch – und fein austarierte
Unternehmensprozesse kommen damit schlecht zurecht.
Die Schule muss den Prozess bewerten, nicht das
Resultat. Wer im Fitnessstudio die Maschine für sich arbeiten
lässt, hat am Schluss keine Muskeln. Genau das passiert, wenn nur
das abgegebene Dokument zählt.
Kapitel
00:00 – Intro und Einordnung
00:11 – Wie Marcel Salathé KI im Alltag nutzt – und
wo bewusst nicht
02:18 – Sein Setup: 80 Prozent Codex, 20 Prozent
Claude
03:27 – Modell auf dem eigenen Laptop: 27 Sekunden
gegen 37 Minuten
05:13 – Das AI Center der EPFL und die Rolle als
Co-Direktor
06:54 – Warum er «Kompass Künstliche Intelligenz»
geschrieben hat
09:35 – Wer das Buch liest – und was zurückkommt
11:12 – Vom Biologen zur KI: warum das Tempo nie neu
ist
14:47 – Der Sprung in die Wirtschaft – und wo er
stockt
15:10 – Warum Institutionen härter kämpfen als jeder
Einzelne
18:10 – Drei Typen von Unternehmen: bereit, willig,
überholt
20:26 – Die Schweiz im KI-Ranking ganz unten – und
warum das richtig war
23:25 – Braucht Bern ein Departement für
Technologie?
24:41 – USA und China: Milliarden für Rechenzentren
25:55 – Die Rechnung: eine Milliarde Franken pro
Jahr
27:05 – Apertus: «massiv unter seinem Potenzial»
31:20 – Schule, Kinder und der Vergleich mit dem
Fitnessstudio
34:48 – KI an der EPFL: wie Prüfungen heute
funktionieren
38:52 – Die Fähigkeiten der Zukunft: das T-shaped
Skillset
46:31 – In fünf Jahren: hat die Schweiz ihre Chance
genutzt?
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