Überblick
Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) = chronische, meist
progrediente Atemwegserkrankung mit persistierender, nicht
vollständig reversibler Obstruktion.
Leitsymptome:
• Atemnot
• Husten
• Auswurf
Häufige Ursache: inhalative Noxen, v. a. Rauchen. Oft zusätzlich
Emphysem und chronische Bronchitis.
Wann an COPD denken?
Besonders bei:
• älteren Patient:innen
• Raucheranamnese
• chronischem Husten, Auswurf oder Belastungsdyspnoe
Wichtige Risikofaktoren:
• aktives/passives Rauchen
• Feinstaub, Luftverschmutzung
• berufliche Expositionen
• gestörte Lungenentwicklung
• Alpha-1-Antitrypsin-Mangel bei jungen oder atypischen Fällen
Diagnostik
Entscheidend ist die Spirometrie:
• Nachweis einer persistierenden Obstruktion
• FEV1/FVC nach Bronchodilatation < 0,7 spricht für COPD
Zusätzlich wichtig:
• gezielte Anamnese zu Symptomen, Exazerbationen, Rauchverhalten,
Expositionen
• Pulsoxymetrie
• Blutgasanalyse bei Hypoxämie, schwerer Symptomatik oder
Verdacht auf Hyperkapnie
• Röntgen-Thorax zum Ausschluss/Darstellen von Begleitbefunden
Differenzialdiagnosen:
• Asthma / Asthma-COPD-Overlap
• Herzinsuffizienz
• Bronchiektasen
• ILD
• Bronchialkarzinom
Dauertherapie
Wichtigste krankheitsmodifizierende Maßnahme:
• konsequente Rauchentwöhnung
Inhalative Therapie:
• Bedarf: SABA oder SAMA
• Dauertherapie: LABA und/oder LAMA
• bei unzureichender Kontrolle oft LABA + LAMA
• ICS selektiv, v. a. bei häufigen Exazerbationen, Eosinophilie
oder Asthmaanteil
Merke:
ICS sind nicht Standard für alle COPD-Patient:innen und erhöhen
das Pneumonierisiko.
🫁 Nicht medikamentöse Maßnahmen
• Rauchstopp
• Bewegung / körperliches Training
• Atemphysiotherapie
• Patientenschulung
• Ernährungsberatung
• pneumologische Rehabilitation
• Impfungen: Influenza, Pneumokokken, COVID-19
Bei ausgewählten Fällen:
• Roflumilast
• Makrolid-Langzeittherapie
• Lungenvolumenreduktion / Transplantationsabklärung
️ Exazerbation
Definition: akute Verschlechterung der respiratorischen Symptome
mit Therapiebedarf.
Typische Zeichen:
• mehr Dyspnoe
• mehr Husten
• mehr oder purulenter Auswurf
Akutdiagnostik:
• Allgemeinzustand, Atemfrequenz, Sättigung, Vigilanz
• Blutgasanalyse bei schwerer Exazerbation
• EKG, Röntgen-Thorax
• differenzialdiagnostisch an Pneumonie, Lungenembolie,
Pneumothorax, kardiale Dekompensation denken
Therapie der Exazerbation
• atemerleichternde Position
• kontrollierte O2-Gabe, Ziel-Sättigung meist 88–92 %
• kurzwirksame Bronchodilatatoren: SABA + SAMA
• systemische Glukokortikoide, z. B. Prednisolon 40 mg für 5 Tage
• Antibiotika bei purulentem Sputum, Infektzeichen oder
Beatmungspflicht
• bei schwerer Dyspnoe in Einzelfällen niedrig dosiertes Morphin
️ Beatmung
NIV früh erwägen bei:
• hyperkapnischer respiratorischer Insuffizienz
• Azidose
• Erschöpfung trotz Therapie
NIV reduziert Intubationsrate und verbessert Prognose.
Invasive Beatmung nur bei Versagen oder Unmöglichkeit der NIV –
frühzeitig Therapieziel klären.
Langzeitsauerstofftherapie
Indikation:
• chronische Hypoxämie in stabiler Krankheitsphase
Wichtig:
• Anwendung idealerweise ≥ 16 h/Tag
• nur bei korrekter Indikation prognostisch wirksam
🫶 Langzeitbetreuung & Palliation
Regelmäßig prüfen:
• Inhalationstechnik
• Exazerbationshäufigkeit
• Ernährungsstatus
• Komorbiditäten
• Impfstatus
Palliative Aspekte früh ansprechen bei fortgeschrittener COPD:
• Dyspnoelinderung, auch mit Opioiden
• Angstreduktion
• Patientenverfügung / Therapieziel
• psychosoziale Unterstützung
Kernbotschaften
• COPD denken bei Husten, Auswurf, Dyspnoe
• Diagnose mit Spirometrie sichern
• Rauchstopp ist die wichtigste Therapie
• LABA/LAMA sind Basis der Dauertherapie
• Inhalationstechnik regelmäßig kontrollieren
• Exazerbationen strukturiert und früh behandeln
• bei hyperkapnischer Azidose an NIV denken
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