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Überblick

Chlamydien sind gramnegative, obligat intrazelluläre Bakterien.
Relevant für Klinik und Prüfung:

• Augen, Urogenitaltrakt und Atemwege betroffen

• oft asymptomatisch

• mögliche Komplikationen trotz milder Verläufe

• β-Laktame wirken nicht zuverlässig

Mikrobiologie

Charakteristischer Entwicklungszyklus:

• Elementarkörperchen = infektiöse, extrazelluläre Form

• Retikularkörperchen = intrazelluläre, metabolisch aktive
Vermehrungsform

• Vermehrung in Einschlusskörperchen

Merke:

• infektiös = Elementarkörperchen

• proliferativ = Retikularkörperchen

• Anzucht schwierig wegen intrazellulärer Lebensweise

Therapie-Grundsatz

Bevorzugt:

• Doxycyclin

Alternativen:

• Makrolide, z. B. Azithromycin, Clarithromycin

• Fluorchinolone in ausgewählten Situationen, z. B. Levofloxacin,
Moxifloxacin

Nicht erste Wahl:

• β-Laktam-Antibiotika

Wichtige Erreger

• Chlamydia trachomatis

• Chlamydia pneumoniae

• Chlamydia psittaci

️ Chlamydia trachomatis: Serovare

• A–C: Trachom

• D–K: urogenitale Infektionen, okulogenitales Paratrachom

• L1–L3: Lymphogranuloma venereum

🫁 Atemwegsinfektionen

Chlamydia pneumoniae:

• atypische Atemwegsinfektionen

• Pharyngitis, Sinusitis, Bronchitis, atypische Pneumonie

• oft trockener Husten, schleichender Verlauf

Chlamydia psittaci:

• Psittakose / Ornithose

• Übertragung über Vogelkot oder Federstaub

• wichtiger Hinweis: Vogelkontakt

• Mensch-zu-Mensch-Übertragung meist keine Rolle

Typische Psittakose-Befunde:

• Fieber, Abgeschlagenheit, trockener Reizhusten

• atypische Pneumonie

• mögliche Hepatosplenomegalie

• selten ZNS- oder kardiale Komplikationen

Urogenitale Chlamydieninfektion

Meist durch C. trachomatis D–K, häufige bakterielle STI.

Typisch:

• oft asymptomatisch

• Männer: Urethritis, Dysurie, Ausfluss, Epididymitis,
Prostatitis

• Frauen: Zervizitis, Fluor, Kontaktblutungen, Dysurie,
Unterbauchschmerzen

• aufsteigend: Endometritis, Salpingitis, Adnexitis, PID

Mögliche Folgen:

• chronische Schmerzen

• Adhäsionen

• Fertilitätsstörungen

• extrauterine Schwangerschaft

Diagnostik

Goldstandard:

• PCR auf Chlamydien-DNA

Geeignetes Material:

• Abstrich entzündeter Areale

• Erststrahlurin, nicht Mittelstrahlurin

Serologie:

• bei akuter urogenitaler Infektion meist nicht führend

Therapieschemata

Unkomplizierte Urethritis / Zervizitis / asymptomatische
Infektion:

• Doxycyclin 100 mg 2x täglich für 7 Tage

Alternative:

• Azithromycin 1 g einmalig

Epididymitis:

• Doxycyclin 100 mg 2x täglich für 14 Tage

Lymphogranuloma venereum:

• Doxycyclin 100 mg 2x täglich für 21 Tage

Psittakose:

• Doxycyclin, meist 100 mg 2x täglich für 10–21 Tage

Partnerbehandlung

Zentral bei sexuell übertragenen Infektionen:

• Partner der letzten 2 Monate informieren, testen, meist
mitbehandeln

• keine sexuellen Kontakte bis Therapieende

• viele vermeintliche Therapieversager sind Reinfektionen

️ Wichtige Komplikationen

• reaktive Arthritis

• Fitz-Hugh-Curtis-Syndrom: Perihepatitis mit rechtsseitigen
Oberbauchschmerzen

• PID

• Neonatalinfektion nach perinataler Übertragung

Schwangerschaft & Neugeborene

In Schwangerschaft und Stillzeit:

• Azithromycin bevorzugt

• Doxycyclin nicht Mittel der ersten Wahl

Wichtig:

• asymptomatische Mutter schließt Risiko fürs Kind nicht aus

• möglich beim Neugeborenen: Konjunktivitis, Otitis media,
interstitielle Pneumonie

Okuläre Infektionen

• Trachom: C. trachomatis A–C, global wichtige Ursache für
Erblindung

• Paratrachom: D–K, oft assoziiert mit genitaler Infektion

️ Praxis-Merksätze

• Chlamydien = intrazellulär Doxycyclin/Makrolide, nicht
β-Laktame

• PCR aus Erststrahlurin ist Standard

• asymptomatisch schließt Infektion nicht aus

• atypische Pneumonie + Vogelkontakt = an Psittakose denken

• Partnerbehandlung ist Teil der Therapie
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„Chlamydien-Infektionen“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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