Erreger & Übertragung
Legionellose wird meist durch Legionella pneumophila verursacht,
ein gramnegatives, obligat aerobes, fakultativ intrazelluläres
Stäbchenbakterium.
Wichtige Punkte:
• „Nasskeim“: Vermehrung v. a. in Warm- und Kondenswasser
• Typische Quellen: Duschen, Hotels, Krankenhäuser, Pflegeheime,
Klimaanlagen, Kühlwerke, Whirlpools
• Wachstum besonders bei 20 bis 50 Grad Celsius
• Abtötung typischerweise bei 60 bis 70 Grad Celsius
• Übertragung durch Inhalation kontaminierter Aerosole, nicht
typischerweise durch Trinken
• Keine relevante Mensch-zu-Mensch-Übertragung in der Regel
keine spezielle Isolierung nötig
Risikogruppen
Besonders gefährdet:
• ältere Menschen
• Raucherinnen und Raucher
• chronisch Kranke
• immunsupprimierte Patientinnen und Patienten
️ Klinische Formen
Pontiac-Fieber
• leichte Verlaufsform ohne Pneumonie
• Inkubationszeit meist 1 bis 3 Tage
• grippeähnlich mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen,
Abgeschlagenheit
• oft klinisch kaum von viralem Infekt zu unterscheiden
Legionärskrankheit
• schwere Form mit atypischer Pneumonie
• Inkubationszeit meist 2 bis 10 Tage
• häufig: Fieber, reduzierter Allgemeinzustand, trockener Husten
• wichtige extrapulmonale Hinweise: Diarrhö, Hyponatriämie,
Verwirrtheit
• Hyponatriämie oft im Rahmen eines SIADH
Wann an Legionellen denken?
Besonders bei:
• atypischer Pneumonie
• trockenem Husten und hohem Fieber
• Diarrhö und/oder Hyponatriämie
• älteren oder immunsupprimierten Patientinnen und Patienten
• Exposition zu Wasseranlagen, Hotelaufenthalt,
Pflegeeinrichtung, Krankenhaus
Diagnostik
Im Alltag zentral:
• Legionellen-Antigen im Urin: schnell, praktisch, früh anfordern
• PCR aus Sputum: direkter Erregernachweis
• Kultur aus Sputum: Ergebnis meist nach 4 bis 7 Tagen, wichtig
für Sicherung und Epidemiologie
• Serologie: für die Akutsituation meist wenig hilfreich
Praxis-Tipp:
• wenn möglich Proben vor Antibiotikagabe abnehmen
• Therapie bei relevantem Verdacht dennoch nicht verzögern
Therapie
Jede Legionellen-Pneumonie sollte früh antibiotisch behandelt
werden.
Erste Wahl:
• Levofloxacin 500 Milligramm 1-mal täglich
• bei schweren Verläufen teils 500 Milligramm 2-mal täglich
• Nierenfunktion beachten, ggf. Dosisanpassung
• oft initial intravenös, später oral
Alternativen:
• Clarithromycin 500 Milligramm 2-mal täglich
• auch Azithromycin ist möglich
Therapiedauer:
• meist 5 bis 10 Tage
• bei Immunsuppression bis zu 21 Tage
Wichtige Nebenwirkungs- und Interaktionspunkte:
• Levofloxacin: QT-Zeit-Verlängerung, Tendinopathien,
ZNS-Nebenwirkungen
• Clarithromycin: QT-Zeit-Verlängerung, relevante
Arzneimittelinteraktionen
Merksatz:
• Bei atypischer Pneumonie Legionellen immer mit abdecken.
Supportive Therapie
Je nach Schweregrad:
• Sauerstoff bei Hypoxämie
• Flüssigkeitstherapie mit Bedacht
• Kreislaufstabilisierung
• Fiebersenkung
• intensivmedizinische Überwachung bei schwerem Verlauf
• Hyponatriämie klinisch ernst nehmen
Prävention & Hygiene
Bei kontaminierten Wasserstellen:
• Nutzung sofort stoppen
• nur Wasser ohne erhöhte Legionellenkonzentration verwenden
• thermische oder chemische Desinfektion
• thermische Desinfektion: gesamtes Leitungssystem für mindestens
3 Minuten auf mehr als 71 Grad Celsius
• endständige Filter in Risikobereichen möglich
Meldepflicht
• Erregernachweis ist namentlich meldepflichtig
• bei Verdacht oder Nachweis früh Hygieneteam und ggf.
Gesundheitsamt einbeziehen
Take-home-Message
Legionellen mitdenken bei:
Wasserexposition + atypischer Pneumonie + trockenem Husten +
Diarrhö + Hyponatriämie
Kurzformel:
Wasser – Aerosol – atypische Pneumonie – Diarrhö – Hyponatriämie
– Urin-Antigen – Levofloxacin
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