Definition und Abgrenzung
CAP = Infektion des Lungenparenchyms, außerhalb des Krankenhauses
erworben, auch in Pflegeeinrichtungen möglich.
Wichtige Abgrenzung:
• nosokomiale Pneumonie
• Pneumonie bei schwerer Immunsuppression
Diese Unterscheidung beeinflusst Erregerspektrum und kalkulierte
Therapie entscheidend.
Erreger und Pathophysiologie
Häufigster Mechanismus: Mikroaspiration in die tiefen Atemwege.
Typische Erreger:
• Streptococcus pneumoniae
• Haemophilus influenzae
• Staphylococcus aureus
• Enterobakterien
• atypische Erreger: Mycoplasma, Chlamydophila, Legionellen,
Coxiella
• respiratorische Viren: Influenza, RSV u. a.
Risikofaktoren
Besonders gefährdet:
• ältere Menschen
• multimorbide oder funktionell eingeschränkte Personen
• Menschen mit geschwächten pulmonalen Schutzmechanismen
Wichtige Risikofaktoren:
• Rauchen, Alkohol, Mangelernährung
• schlechte Mundhygiene
• COPD, Asthma, zystische Fibrose
• Herz-, Nieren-, Lebererkrankungen, Diabetes
• neurologische Erkrankungen, Dysphagie, Bewusstseinsstörungen
• PPI, Antipsychotika, Glukokortikoide
• unzureichender Impfschutz
️ Multiresistente Erreger
Bei klassischer CAP insgesamt selten.
Risikofaktoren:
• kürzlicher Krankenhausaufenthalt
• Dialyse
• Pflegeheim
• kürzliche Antibiotikatherapie
• chronische Lungenerkrankung
• Immunsuppression
• bekannte Besiedlung/Infektion mit MRE
Wichtig: nicht reflexhaft zu breit therapieren – Antibiotic
Stewardship beachten.
🩺 Klinik und Diagnostik
Typische Symptome:
• Husten
• Fieber
• Dyspnoe
• Thoraxschmerz
• Allgemeinsymptome, Schwäche, Verwirrtheit
Bei älteren Menschen oft atypisch:
• Delir, Sturz, reduzierte Nahrungsaufnahme, Leistungsabfall
Diagnosesicherung:
Klinik plus neues Infiltrat in der Thoraxbildgebung, meist
Röntgen-Thorax.
Differenzialdiagnosen:
• kardiales Lungenödem
• Lungenembolie
• interstitielle Lungenerkrankung
• Malignom
• alveoläre Hämorrhagie
• Atelektase
Basis- und Erregerdiagnostik
Bei stationären/schweren Verläufen:
• Blutbild, CRP, PCT
• Elektrolyte, Nieren- und Leberwerte
• BGA bei respiratorischer Beeinträchtigung
• Lactat bei Sepsisverdacht
️ Antibiotika nicht unnötig verzögern:
• stationär möglichst innerhalb von 8 Stunden
• bei Sepsis/septischem Schock innerhalb von 1 Stunde
Schweregradeinschätzung
CRB-65:
• C: Confusion
• R: Atemfrequenz ≥ 30/min
• B: RR systolisch < 90 oder diastolisch ≤ 60 mmHg
• 65: Alter ≥ 65 Jahre
Aber: Score ersetzt nie den klinischen Gesamteindruck.
Auch Hypoxämie, Pleuraerguss, instabile Komorbiditäten oder
soziale Faktoren können stationäre Aufnahme erfordern.
Therapie
Grundprinzipien:
• frühzeitige empirische Antibiotikatherapie
• später Deeskalation nach Erregernachweis
• früh an Oralisierung denken
Typische Dauer:
• leichte/mittelschwere CAP: meist 5 Tage
• schwere CAP: meist 7 Tage
• immer mindestens 2 Tage über klinische Stabilisierung hinaus
Leichte CAP:
• Amoxicillin als Leitsubstanz
Alternativen je nach Situation:
• Doxycyclin
• Clarithromycin
• Azithromycin
Mittelschwere CAP:
• Ampicillin/Sulbactam i.v.
• Amoxicillin/Clavulansäure i.v.
• Cefuroxim, Ceftriaxon, Cefotaxim
• ggf. Makrolid bei Verdacht auf atypische Erreger
Schwere CAP:
• z. B. Piperacillin/Tazobactam + Makrolid
• oder Ceftriaxon + Makrolid
🫁 Supportive Maßnahmen
Wesentlich sind auch:
• Sauerstofftherapie
• Flüssigkeit mit Augenmaß
• Sepsistherapie nach Standard
• Antipyrese, Analgesie
• Thromboseprophylaxe
• frühe Mobilisation
• Atemtherapie
• adäquate Ernährung
Bei fehlender Besserung prüfen:
• stimmt die Diagnose?
• richtige Substanz, Dosis, Applikation?
• Pleuraerguss/Empyem?
• neuer Erreger?
• unerkannte Immunsuppression?
• nicht-infektiöse Mimics?
Take-home-Messages
• CAP = Klinik plus neues Infiltrat
• CRB-65 hilft, ersetzt aber nicht die klinische Beurteilung
• die ersten 72 Stunden sind entscheidend
• Antibiotikatherapie früh starten
• Therapiedauer meist 5 bzw. 7 Tage
• bei Nichtansprechen zuerst Diagnose und Komplikationen
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