Basics
COVID-19 = Erkrankung
SARS-CoV-2 = Erreger
- Behülltes RNA-Virus aus der Familie der Coronaviren
- Gegen Standardhygiene und Händedesinfektion gut empfindlich
- Relevanz weiter hoch, v. a. für vulnerable Gruppen
️ Wer ist besonders gefährdet?
Erhöhtes Risiko für schwere Verläufe bei:
- höherem Alter, besonders ab etwa 60 Jahren
- Immunsuppression, Organtransplantation
- aktiver Chemotherapie
- multiplen Komorbiditäten
- chronischen Herz-, Lungen-, Leber- oder Nierenerkrankungen
- Adipositas, Diabetes mellitus
Übertragung und Infektiosität
Hauptübertragung über respiratorische Partikel:
- Tröpfchen
- Aerosole
Besonders riskant:
- Intubation
- NIV
- Bronchoskopie
- Absaugen der Atemwege
Wichtig:
- Ansteckung schon vor Symptombeginn möglich
- höchste Infektiosität meist 1–2 Tage um Symptombeginn
- bei Immunsuppression oder schwerem Verlauf länger infektiös
Pathophysiologie
- Spike-Protein bindet an ACE2, Eintritt u. a. über TMPRSS2
- Frühphase: virale Replikation antivirale Therapie relevant
- Spätphase bei schweren Verläufen: Hyperinflammation,
endotheliale Dysfunktion, Gerinnungsaktivierung
immunmodulatorische Therapie relevant
Merksatz:
Früh antiviral, später antiinflammatorisch/immunmodulatorisch.
🩺 Klinik
Häufige Symptome:
- Fieber
- Husten, Schnupfen, Halsschmerzen
- Kopf- und Gliederschmerzen
- Fatigue
- Anosmie/Dysgeusie
- Dyspnoe
- gastrointestinale Beschwerden
Warnzeichen für schweren Verlauf:
- Atemfrequenz > 25–30/min
- SpO2 < 92 % unter Raumluft
- neu aufgetretene Luftnot
- Hypotonie
- Vigilanzminderung
- rasche Verschlechterung
Praxispunkt:
Früh Pulsoxymetrie durchführen – auch bei zunächst unauffälligem
Eindruck.
Diagnostik
Goldstandard:
- PCR für Akutdiagnostik
Antigentest:
- schnell verfügbar
- aber weniger sensitiv
Wichtige Fallstricke:
- negativer Antigentest schließt Infektion nicht sicher aus
- negativer Rachenabstrich schließt bei Pneumonie/ARDS COVID-19
nicht aus
- bei spätem Verlauf ggf. Material aus den unteren Atemwegen
untersuchen
Zusätzlich bei schwerem Verlauf:
- Blutbild, CRP, Nieren- und Leberwerte
- Gerinnung, D-Dimere
- Blutgasanalyse
- ggf. Troponin
- Bildgebung: Röntgen, CT, Lungensonografie
Therapie
Frühe Phase, Hochrisikopatienten:
- Nirmatrelvir/Ritonavir (Paxlovid)
- Alternative: Remdesivir
Ganz wichtig:
Ohne Interaktionscheck kein Paxlovid.
Ritonavir verursacht zahlreiche relevante
Arzneimittelinteraktionen.
Milder Verlauf ohne Risikofaktoren:
- symptomatische Therapie
- keine routinemäßigen Antibiotika
- keine systemischen Glukokortikoide ohne Hypoxämie
Bei Sauerstoffbedarf:
- Dexamethason 6 mg 1x täglich für bis zu 10 Tage
Bei schwerem inflammatorischem Verlauf:
- zusätzlich Tocilizumab erwägen
Weitere Bausteine:
- Sauerstofftherapie, High-Flow, NIV, ggf. Intubation
- Bauchlagerung auch bei wachen Patientinnen und Patienten
sinnvoll
- stationär Thromboseprophylaxe mitdenken
Besondere Gruppen
Besondere Aufmerksamkeit bei:
- Schwangeren
- immunsupprimierten Patientinnen und Patienten
- transplantierten Personen
- Kindern und jungen Erwachsenen trotz meist milderer Verläufe
️ Prävention
Wichtigste Präventionsmaßnahme:
- Impfung schützt v. a. vor schwerem Verlauf, Hospitalisierung
und Tod
Zusätzlich relevant:
- Masken
- Lüftung
- Händedesinfektion
- Isolationsmaßnahmen im klinischen Setting
Long-COVID / Post-COVID
Mögliche Beschwerden über Wochen bis Monate:
- Fatigue
- Belastungsintoleranz
- Dyspnoe
- Husten
- Konzentrationsstörungen
- Schlafstörungen
- Thoraxschmerz
- Palpitationen
- Geruchs-/Geschmacksstörungen
- psychische Symptome
Praxis:
- ernst nehmen
- organische Differenzialdiagnosen aktiv ausschließen
- symptomorientierte, interdisziplinäre Nachsorge
5 Take-home-Points
- Früh Sauerstoffsättigung messen
- Risikopatienten sofort erkennen
- Antivirale Therapie früh prüfen
- Dexamethason nur bei Sauerstoffbedarf
- Long-COVID mitdenken und Beschwerden ernst nehmen
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