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  4. Atemwegsinfektion in der Praxis: häufig, meist viral, meist selbstlimitierend
Epidemiologie & Ätiologie

• Besonders häufig in der kalten Jahreszeit

• Kinder: bis zu 8 Infekte/Jahr, Erwachsene: etwa 2–4/Jahr

• Meist viral: Rhinoviren, RSV, Coronaviren, Parainfluenzaviren,
Adenoviren

• Übertragung über Tröpfchen- und Schmierinfektion

• Prävention: Händehygiene, Abstand, ggf. Masken

️ Typischer Verlauf

• Inkubationszeit meist 1–7 Tage

• Symptomdauer oft etwa 1 Woche

• Husten kann länger persistieren, ohne komplizierten Verlauf

• Typische Symptome: Halsschmerzen, Rhinitis, Husten, Heiserkeit,
ggf. Ohrenschmerzen

• Unkompliziert meist ohne deutlich reduzierten Allgemeinzustand

🩺 Diagnostisches Vorgehen

Anamnese und körperliche Untersuchung reichen meist aus.

Wichtige Anamnese:

• Beginn, Dauer, Verlauf

• Fieber, Hustencharakter, Dyspnoe

• bisherige Selbstmedikation

• Vorerkrankungen und Risikofaktoren

• Infektionen im Umfeld

Fokussierte Untersuchung:

• Gesamteindruck und Allgemeinzustand

• Temperatur, ggf. Puls, Blutdruck, Atemfrequenz,
Sauerstoffsättigung

• Racheninspektion

• zervikale Lymphknoten

• Lungenauskultation

• ggf. Sinus-Perkussion und Otoskopie

️ Warnzeichen

• deutlich reduzierter Allgemeinzustand

• hohes oder anhaltendes Fieber

• Dyspnoe, Tachypnoe

• auffälliger Auskultationsbefund

• starker produktiver Husten

• Brustschmerzen, Verwirrtheit, Trinkunfähigkeit

• Verdacht auf Peritonsillarabszess:

starke einseitige Halsschmerzen, kloßige Sprache, Trismus,
Speichelfluss, asymmetrischer Oropharynx

Wichtige Differenzialdiagnosen

• Influenza: plötzlicher Beginn, hohes Fieber, Myalgien, starkes
Krankheitsgefühl

• COVID-19: unspezifisch möglich, Dyspnoe als Warnsignal, ggf.
Anosmie/Dysgeusie

• Akute Bronchitis

• Pneumonie

• COPD-Exazerbation

• Pertussis

• Sinusitis

• Tonsillitis / Streptokokken-Angina

• infektiöse Mononukleose

• allergische Rhinitis

Wann ist Zusatzdiagnostik sinnvoll?

Nicht routinemäßig, sondern bei:

• schwerem oder protrahiertem Verlauf

• Verdacht auf bakterielle Genese

• spezifischer Verdachtsdiagnose

• Risikogruppen

Mögliche Diagnostik:

• Abstriche / Schnelltests bei Influenza, COVID-19, RSV,
Streptokokken, Pertussis

• CRP, ggf. Procalcitonin

• Röntgen-Thorax bei Pneumonieverdacht

Therapie

Im Vordergrund stehen:

• Aufklärung und Beruhigung

• körperliche Schonung

• Rauchverzicht

• ausreichende Flüssigkeitszufuhr

• Inhalation mit Kochsalz, Nasendusche, Luftbefeuchtung

• symptomatische Medikation:

Ibuprofen, Paracetamol, kurzfristig abschwellendes Nasenspray

Wichtig:

• Xylometazolin nur kurzzeitig, idealerweise max. 5–7 Tage

• Honig nicht im 1. Lebensjahr

• Hustenmittel: Evidenz begrenzt

• ätherische Öle bei Kindern und hyperreagiblen Atemwegen mit
Vorsicht

Antibiotika

• Bei unkomplizierten oberen Atemwegsinfektionen in aller Regel
nicht indiziert

• Kein Nutzen bei viraler Genese

• Risiken: Nebenwirkungen, Resistenzentwicklung, falsche
Erwartungshaltung

• Delayed Prescribing kann in Einzelfällen sinnvoll sein

Merksätze für die Praxis

• Die meisten akuten Atemwegsinfektionen sind viral

• Anamnese + fokussierte Untersuchung reichen meistens aus

• Warnzeichen konsequent suchen

• Antibiotika nicht reflexhaft verordnen

• Symptomlinderung, Aufklärung und Sicherheitsnetz sind zentral

Wiedervorstellung empfohlen bei

Atemnot, hohem oder anhaltendem Fieber, Verschlechterung des
Allgemeinzustands, Brustschmerzen, zunehmendem produktivem
Husten, Verwirrtheit, Trinkunfähigkeit oder Abszesszeichen.
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Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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