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🫁 Lungenfunktionsuntersuchung: der klinische Fahrplan

Worum geht es?

Die Lungenfunktionsdiagnostik beantwortet 3 Kernfragen:

• Ventilation: Wird die Lunge normal belüftet?

• Mechanik: Gibt es Obstruktion, erhöhten Widerstand oder
verminderte Dehnbarkeit?

• Diffusion: Funktioniert der Gasaustausch über die
alveolokapilläre Membran?

Die wichtigsten Verfahren

• Spirometrie: Standard, schnell, günstig, stark
mitarbeitsabhängig

• Ganzkörperplethysmografie: misst zusätzliche Volumina und
Atemwegswiderstand

• Diffusionsmessung (DLCO): beurteilt den Gasaustausch

️ Vor jeder Interpretation

Erst die Qualität prüfen:

• maximale Inspiration?

• ausreichend forciert und lange ausgeatmet?

• Husten in der ersten Sekunde?

• dichter Mundschluss?

• gute Mitarbeit?

Wichtige Lungenvolumina

• TLC: totale Lungenkapazität nach maximaler Einatmung

• VC: mobilisierbares Volumen zwischen max. Ein- und Ausatmung

• RV: Residualvolumen nach maximaler Ausatmung

• FRC: funktionelle Residualkapazität = RV + exspiratorisches
Reservevolumen

Merke:

• Restriktion = Lunge insgesamt kleiner TLC erniedrigt

• Obstruktion = erschwerte Ausatmung, Luftfalle RV/FRC oft
erhöht

️ Spirometrie: die Schlüsselwerte

• FEV1: forciertes exspiratorisches Volumen in 1 Sekunde

• FVC: forcierte Vitalkapazität

• Tiffeneau-Index = FEV1/FVC

• PEF: Peak Expiratory Flow

• MEF-Werte: Hinweis auf kleine Atemwege, aber variabler

Wichtigster Wert bei Obstruktion:

• erniedrigter Tiffeneau-Index = spricht für Obstruktion

Praktische Befundinterpretation

1. Technik verwertbar?

2. Tiffeneau-Index erniedrigt?

3. Vitalkapazität erniedrigt?

4. Wie stark ist FEV1 reduziert?

5. Passen Kurvenform und Klinik zusammen?

Obstruktion vs. Restriktion

Obstruktion:

• FEV1 erniedrigt

• Tiffeneau-Index erniedrigt

• VC normal oder erniedrigt

• RV oft erhöht

• TLC normal oder erhöht

• typische konkave exspiratorische Fluss-Volumen-Kurve
(„scooping“)

Restriktion:

• VC erniedrigt

• FEV1 normal oder erniedrigt

• Tiffeneau-Index meist normal

• TLC erniedrigt = Bestätigung

• Spirometrie allein kann Restriktion nur vermuten

Achtung:

• niedrige FVC allein beweist keine Restriktion

• Pseudorestriktion bei Air Trapping möglich

Ganzkörperplethysmografie

Misst zusätzlich:

• RV

• TLC

• FRC

• intrathorakales Gasvolumen

• Atemwegswiderstand

Besonders hilfreich bei:

• unklarer Spirometrie

• Verdacht auf Emphysem

• Bestätigung einer Restriktion

• Nachweis von Air Trapping/Überblähung

Reversibilitätstest

Nach Bronchodilatation spricht für reversible Obstruktion:

• FEV1-Anstieg um mindestens 200 ml

• und mindestens 12 %

Typisch für:

• Asthma bronchiale

Wichtig:

• negativer Test schließt Asthma nicht sicher aus

• Medikamentenpause vor Test beachten

Methacholin-Provokation

Nachweis bronchialer Hyperreagibilität:

• FEV1-Abfall ≥ 20 % spricht dafür

Aber:

• potenziell riskant

• nur mit klarer Indikation, Erfahrung und Notfallausrüstung

🩸 Diffusionskapazität

DLCO beurteilt den Transfer von Gas aus den Alveolen ins Blut.

Nützlich bei:

• interstitiellen Lungenerkrankungen

• Emphysem

• unklarer Belastungsdyspnoe

• unklarer Hypoxämie

Interpretation:

• DLCO + KCO erniedrigt echte Diffusionsstörung, z. B. Fibrose
oder Emphysem

• DLCO erniedrigt, KCO normal eher verminderte
Austauschfläche/Verteilungsstörung

Störfaktoren:

• Anämie

• Rauchen/Nikotinkonsum

🩺 Typische Muster

• Asthma: variable, reversible Obstruktion

• COPD: persistierende Obstruktion, oft Überblähung, ggf. DLCO
erniedrigt

• Lungenfibrose: Restriktion + erniedrigte DLCO

• Emphysem: Obstruktion + Überblähung + erniedrigte DLCO

Kernbotschaften

• Tiffeneau-Index ist der Schlüsselwert für Obstruktion

• niedrige Vitalkapazität allein beweist keine Restriktion

• Restriktion wird über erniedrigte TLC bestätigt

• Obstruktion führt oft zu Air Trapping und erhöhtem RV

• DLCO immer im klinischen Kontext interpretieren
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„Lungenfunktionsuntersuchung“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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