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Thema der Folge

Pulsoxymetrie und Blutgasanalyse (BGA) als Basiswerkzeuge in
Akut-, Intensiv- und Notfallmedizin:

schnell messen, richtig einordnen, Fehler erkennen, klinisch
handeln.

🫁 Physiologische Grundlagen

• Nur ca. 2 % des Sauerstoffs sind frei gelöst, ca. 98 % an
Hämoglobin gebunden

• Normale Sättigung bedeutet nicht automatisch normalen
Sauerstoffgehalt

• Sauerstofftransport hängt wesentlich auch vom Hämoglobin ab

• CO₂ wird überwiegend als Bicarbonat transportiert und ist
zentral für den Säure-Basen-Haushalt

Wichtige Merke:

• SpO₂ / SaO₂ ≠ PaO₂

• PaO₂ allein beschreibt nicht den gesamten O₂-Transport

• Klinik immer zusammen mit Hb, Sättigung, pH und CO₂ bewerten

Sauerstoffbindungskurve

Die O₂-Bindungskurve ist S-förmig:

• im oberen Bereich: große PaO₂-Änderungen kleine
Sättigungsänderungen

• im steilen Bereich: kleine PaO₂-Abfälle deutlicher
Sättigungsabfall

Verschiebungen:

• Linksverschiebung: höhere O₂-Affinität, schlechtere
Gewebeabgabe

Ursachen: Alkalose, Hypokapnie, Hypothermie, CO-Hb, MetHb

• Rechtsverschiebung: leichtere O₂-Abgabe

Ursachen: Azidose, Hyperkapnie, Fieber

️ Sonderfall:

Bei CO-Vergiftung kann das Pulsoxymeter scheinbar normale Werte
anzeigen.

Pulsoxymetrie

Stärken:

• nicht invasiv

• schnell verfügbar

• kontinuierliches Monitoring von SpO₂ und Puls

Typische Einsatzbereiche:

• Dyspnoe

• perioperatives Monitoring

• COPD-Exazerbation

• Sedierung / Opioidgabe

• Notfall- und Intensivmedizin

Grenzen und Fehlerquellen:

• schlechte Perfusion, Schock, Hypothermie

• Bewegungsartefakte, Tremor

• Nagellack, Kunstnägel, Umgebungslicht

• Dys-Hämoglobine

• misst kein CO₂, keinen pH, kein Laktat, kein Bicarbonat

Wichtiger Praxispunkt:

Unter O₂-Gabe kann Hypoventilation mit CO₂-Anstieg trotz noch
normaler SpO₂ übersehen werden.

Zielwerte für Sauerstoff

• Erwachsene meist: ca. 92–96 %

• bei Hyperkapnierisiko, v. a. COPD: häufig 88–92 %

Merke:

Sauerstoff ist ein Medikament — gezielt geben, titrieren,
kontrollieren.

🩸 Blutgasanalyse

Formen:

• arteriell: Goldstandard für Oxygenierung und Ventilation

• venös: gut für pH, HCO₃⁻, Laktat, metabolische Einschätzung

• kapillär: begrenzt nützlich, für Oxygenierung weniger
zuverlässig

Wichtiger Fehler:

Venöse pO₂- und Sättigungswerte nie mit arteriellen Normwerten
vergleichen.

Präanalytik der BGA

Häufige Fehlerquellen:

• Luftblasen pO₂ falsch hoch, pCO₂ falsch niedrig

• verzögerte Analyse pH und pO₂ sinken, pCO₂ und Laktat steigen

• unzureichendes Mischen Gerinnsel

• Hämolyse möglich

Wenn Werte nicht plausibel sind: zuerst Präanalytik prüfen.

Systematische BGA-Interpretation

Immer in derselben Reihenfolge:

1. pH

2. pCO₂

3. HCO₃⁻ / Base Excess

4. Kompensation

5. Oxygenierung

6. Laktat, Elektrolyte, Glukose, Hb

Typische Muster:

• respiratorische Azidose: pH , pCO₂

• respiratorische Alkalose: pH , pCO₂

• metabolische Azidose: HCO₃⁻ , BE negativer

• metabolische Alkalose: HCO₃⁻ , BE

Gemischte Störungen sind häufig und werden nur durch
systematisches Vorgehen erkannt.

Klinische Kernpunkte

• SpO₂ allein reicht nicht zur Beurteilung der Ventilation

• bei Sedierung/Opioiden früh an Hyperkapnie denken

• Laktat > 2 mmol/l relevant, ab 4 mmol/l besonders
alarmierend

• BGA immer im Kontext der aktuellen Sauerstoffgabe
interpretieren

• Hyperoxie vermeiden

Take-home-Messages

• Pulsoxymetrie = schnell, nicht invasiv, gut fürs Monitoring,
aber begrenzt

• BGA = invasiver, dafür deutlich informationsreicher

• Nie Einzelwerte isoliert bewerten

• Immer Klinik + SpO₂ + pH + pCO₂ + HCO₃⁻ + Laktat + Hb zusammen
denken

• Besonders bei COPD mit Hyperkapnierisiko: Zielbereich oft 88–92
%
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„Pulsoxymetrie und Blutgasanalyse (BGA)“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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