Schmierfrei statt geschmiert: Niklas Eutebach von igus erklärt,
wie Festschmierstoffe direkt ins Druckmaterial kommen, warum igus
dem PFAS-Verbot zuvorkommt und weshalb sich Dosenwender in der
Getränkeabfüllung perfekt für den 3D-Druck eignen.
Über den Gast
Niklas Eutebach ist Anwendungsentwickler für den 3D-Druck bei
igus in Köln. Sein Weg dorthin begann am anderen Ende der
Wertschöpfungskette: In seiner Masterarbeit baute er aus
igus-Komponenten einen eigenen Hochtemperatur-3D-Drucker,
liebevoll "Bender" getauft. Danach entwickelte er jahrelang die
iglidur Tribofilamente weiter und verantwortete deren
Produktmanagement. Heute sucht er die Anwendungen, bei denen
Drucktechnik, Material und Einsatzfall perfekt zusammenpassen.
Zentrale Themen und Erkenntnisse
Vom Druckerbau zur Anwendungsentwicklung. Niklas hat bei
igus mehrere Drucker selbst gebaut, vom kleinen Blechofen bis zum
Großraumdrucker aus igus-Lineartechnik. Heute gilt: Der Markt ist
ernsthafter geworden, der Fokus liegt auf Anwendungen statt auf
Machbarkeitsstudien.
Der Dosenwender als Paradebeispiel. Weltweit werden
jährlich Getränkedosen in dreistelliger Milliardenstückzahl
abgefüllt, bei Bandgeschwindigkeiten von über 60.000 Dosen pro
Stunde. Klassische Produktwender sind gefräste Kunststoffblöcke
mit 20 bis 30 Kilo oder aufwendig geschweißte Drahtgestelle.
Niklas hat eine universelle Konstruktionsmethodik entwickelt, mit
der igus Wender für jede Bandgeometrie in kurzer Zeit auslegt und
druckt. Drei Kriterien müssen dafür erfüllt sein: 3D-Druck ist
das beste Fertigungsverfahren, das igus-Material passt am besten,
und die Anwendung skaliert.
Festschmierstoffe im Material. Tribologisch optimiert
heißt: Additive in Form von Pulvern, Fasern und weiteren
Kunststoffen senken den Reibwert und erhöhen die
Verschleißfestigkeit. Das Compoundieren passiert bei igus im
eigenen Haus, ob für Filament, SLS-Pulver oder Resin.
PFAS proaktiv statt abwartend. igus wartet nicht auf ein
PTFE-Verbot, sondern entwickelt für die meistverkauften
Werkstoffe gleichwertige Alternativen über alle drei
Druckverfahren hinweg, darunter das erste PTFE-freie Filament.
Niklas' Einschätzung: PTFE ist schwer zu ersetzen, aber für die
igus-Anwendungsfelder macht er sich wenig Sorgen. Kritischer
sieht er Bereiche wie Medizinprodukte im Körper.
Zugänglichkeit als Entwicklungsprämisse. Früher galten
igus-Filamente als stark, aber knifflig. Heute gibt es fertige
Druckprofile für Bambu Lab, Prusa und Ultimaker, und jede
Neuentwicklung muss so einfach wie möglich verarbeitbar sein. Die
günstigen Prosumer-Drucker haben den Absatzmarkt spürbar
vergrößert.
Ehrliche Beratung als Geschäftsmodell. Beim SLS bietet
igus vor allem den Druckservice an, beim Filament rät man Kunden
offen: Kauft euch einen eigenen FDM-Drucker, arbeitet euch ein
und greift zum Spezialmaterial, wenn die Anwendung es erfordert.
Das Motto: Die günstigste Lösung, die funktioniert, ist die
beste.
Niklas' Rat an den Mittelstand: Genau hinschauen, wo im
Unternehmen Zeit für Tätigkeiten draufgeht, die ein 3D-Drucker
beschleunigen kann, etwa im Vorrichtungsbau. Den Mut haben, ein
paar tausend Euro zu investieren. Einen besseren Zeitpunkt als
heute gab es nie.
Links
Niklas Eutebach auf LinkedIn:
https://www.linkedin.com/in/neutebach/
Bastian Gaedike auf LinkedIn:
https://www.linkedin.com/in/bastiangaedike/ PEEKfeine Bauteile
auf Spotify, Apple Podcasts und malping.de
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