️ Zeitliche Einordnung
• Akut: bis 3 Wochen
• Subakut: > 3 bis 8 Wochen
• Chronisch: > 8 Wochen
Merke: Husten über 8 Wochen gehört weiter abgeklärt.
Red Flags zuerst
Warnzeichen bei akutem/subakutem Husten:
• Stridor
• Dyspnoe, Tachypnoe
• Tachykardie
• neu erniedrigte Sauerstoffsättigung, Zyanose
• Thoraxschmerz
• Hämoptysen
• schaumiger Auswurf
• Rauch-/Reizstoffinhalation
• frisches Thoraxtrauma
• schwere Immunsuppression
• ausgeprägte Gebrechlichkeit
• B-Symptomatik: Fieber, Nachtschweiß, Gewichtsverlust
Wichtige gefährliche Ursachen:
• Pneumonie
• Lungenembolie
• Pneumothorax
• kardiale Dekompensation/Lungenödem
• Asthma-Anfall, COPD-Exazerbation
• Aspiration
🩺 Anamnese in der Praxis
Wichtige Fragen:
• seit wann, plötzlich oder schleichend?
• trocken oder produktiv?
• tagsüber, nachts, morgens?
• Auswurf: klar, zäh, eitrig, schaumig, blutig?
• Auslöser: Belastung, Allergene, Beruf, Rauch, Jahreszeit?
• Medikamente, v. a. ACE-Hemmer?
• Begleitsymptome: Fieber, Schnupfen, Halsschmerz, Luftnot,
Giemen, Orthopnoe
• Vorerkrankungen: Asthma, COPD, Herzinsuffizienz, Malignom,
Immunsuppression
• Raucherstatus
• Dysphagie/Aspirationsereignis, Reiseanamnese, Impfstatus
Praxispunkt: Gelb-grünes Sputum beweist keine bakterielle
Infektion.
Körperliche Untersuchung
• Allgemeineindruck und Atemarbeit
• Vitalparameter: Temperatur, Puls, Blutdruck, Atemfrequenz, SpO2
• Inspektion: asymmetrische Thoraxbewegung, Atemhilfsmuskulatur,
Fassthorax
• Perkussion: gedämpft bei Pneumonie/Lungenödem, hypersonor bei
Asthma/Pneumothorax
• Auskultation:
• feuchte Rasselgeräusche Pneumonie, Lungenödem
• Giemen/Brummen Asthma, COPD
• Stridor obere Atemwege/Aspiration
• „stille Lunge“ = Alarmsignal
• Herz, Halsvenen, Beinödeme mitbeurteilen
• Rachen/Kopf-Hals untersuchen
Häufige Ursachen
• viraler Atemwegsinfekt / akute Bronchitis: häufigste Ursache,
meist selbstlimitierend
• postinfektiöser Husten: kann noch Tage bis Wochen anhalten
• Pneumonie: Fieber, reduzierter AZ, Tachypnoe, fokale Befunde,
SpO2-Abfall
• Influenza / COVID-19
• Pertussis: stakkatoartiger, oft nächtlicher Husten mit
Würgen/Erbrechen
• Asthma / cough variant asthma
• COPD-Exazerbation
• Herzinsuffizienz
• Lungenembolie
• Pneumothorax
• Aspiration
Therapie: pragmatisch und leitliniennah
Grundsatz: kausal behandeln, symptomatisch nur gezielt.
Bei viralem Infekt/akuter Bronchitis:
• Aufklärung und Sicherheitsnetz
• Schonung, ausreichend trinken, Rauchverzicht
• keine routinemäßigen Antibiotika bei Erwachsenen ohne Red Flags
Symptomatisch:
• Expektoranzien nur bei zähem Schleim
• z. B. Ambroxol, NAC, Bromhexin
• Antitussiva nur bei trockenem Reizhusten, eher kurzfristig
nachts
• z. B. Dextromethorphan, Codein zurückhaltend
Wichtig: Expektoranzien und Hustenstiller nicht kombinieren.
Bei obstruktiver Komponente:
• Salbutamol inhalativ bei Bedarf
• bei Asthma/COPD an inhalative bzw. antientzündliche Therapie
denken
Kernaussagen
• Erst Red Flags, dann Feindiagnostik
• Ohne Warnzeichen reichen Anamnese und Untersuchung meist aus
• Akuter Husten ist meist viral
• Antibiotika nicht reflexhaft verordnen
• Husten + Luftnot/Thoraxschmerz/Hämoptysen = gefährliche
Ursachen aktiv ausschließen
• Husten > 8 Wochen ist chronisch und abklärungsbedürftig
Sicherheitsnetz für Patientinnen und Patienten
Wiedervorstellung bei:
• zunehmender Luftnot
• anhaltend hohem Fieber
• blutigem Auswurf
• starken Thoraxschmerzen
• Verwirrtheit
• deutlicher Verschlechterung
• fehlender Besserung im erwartbaren Verlauf
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