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Kernaussage

Kopfschmerzen plus Fieber ohne klaren anderen Infektfokus sind
Meningitis, bis das Gegenteil bewiesen ist. Bei klinischem
Verdacht immer zunächst wie bei bakterieller Meningitis handeln:
schnell, strukturiert, ohne Therapieverzoegerung.

Klinik: woran denken?

Klassische Trias:

• Kopfschmerzen

• Fieber

• Meningismus

Wichtig:

• Die Trias ist oft unvollstaendig

• Meningismus kann bei Somnolenz oder Koma fehlen

• Schon Kopfschmerzen plus Fieber muessen den Verdacht ausloesen

Zusaetzliche Warnzeichen:

• Photophobie

• Uebelkeit, Erbrechen

• Bewusstseinsstoerung

• fokal-neurologische Defizite

• Hirnnervenausfaelle

• epileptische Anfaelle

• Hyponatriaemie

• Sepsis bis septischer Schock

Besonders alarmierend:

• petechiale oder makulopapuloese Hautveraenderungen

• Purpura fulminans

• Verdacht auf Meningokokken oder Waterhouse-Friderichsen-Syndrom

Akutmanagement: was sofort passieren muss

Alles parallel organisieren, nicht nacheinander.

Sofortmassnahmen:

• cABCDE

• Isolation und Hygienemassnahmen

• Monitoring: EKG, Blutdruck, Sauerstoffsaettigung, Atmung,
Temperatur

• frueh ueberwachter Bereich oder Intensivstation

Diagnostik vor Therapie? Nur wenn ohne Verzoegerung

Wichtig:

• Blutkulturen vor Antibiotika, wenn moeglich

• mindestens zwei Sets aus getrennten Punktionsstellen

• Labor inklusive BGA, Blutbild, CRP, PCT, Glukose, Elektrolyte,
Laktat, Nierenwerte, Leberwerte, Gerinnung

Initialtherapie beim Erwachsenen

Merksatz: Blutkulturen – Dexamethason – Antibiotika – Aciclovir

Typisches Initialschema:

• Dexamethason 10 Milligramm intravenoes

• danach moeglichst etwa 10 Minuten spaeter:

• Ceftriaxon 4 Gramm intravenoes oder

• Cefotaxim 2 bis 4 Gramm intravenoes

• plus Ampicillin 2 Gramm intravenoes

• plus Aciclovir intravenoes, gewichts- und
nierenfunktionsadaptiert

Wichtig:

• Antibiotika nicht wegen Bildgebung, Gerinnung oder
Liquorpunktion verzoegern

• Aciclovir mitdenken bei moeglicher viraler Meningoenzephalitis,
vor allem HSV

🩺 Supportivtherapie

• bedarfsgerechte Volumentherapie

• Hypoglykaemie korrigieren

• Analgesie, z. B. Metamizol oder Ibuprofen

• Antipyrese bei Bedarf

• engmaschige Kontrolle von Kreislauf, Diurese, Laktat,
Elektrolyten und Nierenfunktion

️ Bildgebung und Liquor

Nach Therapiebeginn:

• cCT Neurocranium

• CT der Nasennebenhoehlen bei Fokusfrage

Achten auf:

• Hirndruckzeichen

• Hirnoedem, Blutung, Ventrikulitis

• Sinusvenenthrombose

• Sinusitis oder Mastoiditis als Herd

Lumbalpunktion:

• so frueh wie moeglich, aber nicht vor Therapie, wenn Zeit
verloren geht

• nur bei ausreichender Gerinnung und ohne Hinweis auf
gefaehrliche Hirndrucksituation

• bei Hirndruckzeichen neurochirurgische Ruecksprache

Liquor-Basisdiagnostik:

• Zellzahl, Zytologie

• Glukose und Liquor-Serum-Glukosequotient

• Laktat

• Gesamtprotein

• Grampraeparat

• Kultur

• PCR je nach Verdacht

• Rueckstellprobe sichern

Typische Liquormuster

Bakteriell:

• trueb-eitrig

• hohe Zellzahl, meist neutrophil

• Protein erhoeht

• Glukose erniedrigt

• Laktat erhoeht

Viral:

• meist klar

• niedrigere Zellzahl, eher lymphozytaer

• Glukose meist normal

• Laktat oft nicht deutlich erhoeht

Wichtige Folgeentscheidungen

• HNO frueh einbinden bei Verdacht auf Sinusitis oder Mastoiditis

• bei gramnegativen Diplokokken: an Meningokokken denken,
Isolation fortfuehren, Meldepflicht, Postexpositionsprophylaxe
fuer enge Kontakte

• bei unklarem Verlauf interdisziplinaer denken: Neurologie,
Infektiologie, Mikrobiologie, Virologie, Neurochirurgie,
Intensivmedizin

Take-home-Messages

• Denke bei Kopfschmerzen plus Fieber immer an Meningitis

• Warte nicht auf den steifen Nacken

• Therapie rettet Leben: nicht durch Diagnostik verzoegern

• Blutkulturen zuerst, dann Dexamethason, dann Antibiotika plus
Aciclovir

• Bildgebung und Liquor sind wichtig, aber nachrangig gegenueber
dem fruehen Therapiebeginn
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„Meningitisches Syndrom - Akutmanagment“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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