Grundprinzip
Kopfschmerzen brauchen fast immer beides:
• Symptomkontrolle
• diagnostische Einordnung
Ziel ist vor allem, sekundäre Kopfschmerzen früh zu erkennen, z.
B.:
• Subarachnoidalblutung
• Meningitis/Enzephalitis
• Dissektion
• Glaukomanfall
• Sinus-/Venenthrombose
• intrakranielle Raumforderung
🩺 Basismaßnahmen im Notfall
Erstversorgung nach cABCDE:
• Vitalparameter inkl. Temperatur
• ggf. Monitoring/EKG
• i.v.-Zugang, Blutentnahme
• bei Bedarf Blutgasanalyse
Sinnvolles Akutlabor:
• Blutbild, CRP, PCT
• Glukose, Elektrolyte
• Kreatinin, Harnstoff, eGFR
• Leberwerte, CK
• Gerinnung, ggf. D-Dimere
• Laktat
Akuttherapie
Analgesie ernst nehmen, aber neurologisch beurteilbar bleiben.
Mögliche Optionen:
• Ibuprofen 400–800 mg oral
• Metamizol 500–1000 mg oral oder 1–2,5 g i.v.
• Kombination von Nicht-Opioiden bei stärkeren Schmerzen
• bei Bedarf Opioid, z. B. Oxycodon oral oder Piritramid i.v.
titriert
Bei neuralgiformem Schmerz:
• Carbamazepin
• Pregabalin
• in Ausnahmefällen Phenytoin i.v. unter Monitoring
️ Die 5 W der Kopfschmerzanamnese
1. Wann und wie lange?
• plötzlich oder schleichend?
• erster Kopfschmerz dieser Art?
• Attackenlänge?
2. Wie stark?
• Schmerzskala 0–10
• Vernichtungskopfschmerz = Alarmzeichen
3. Wo?
• einseitig/beidseitig?
• periorbital, temporal, okzipital, holozephal?
• Hals-/Nackenausstrahlung?
4. Wie?
• dumpf, drückend, pulsierend, bohrend, elektrisierend?
5. Welche Begleitumstände?
• Übelkeit, Erbrechen, Photophobie, Phonophobie
• Aura
• Lageabhängigkeit
• Fieber
• Vorerkrankungen, Tumor, HIV, Immunsuppression
• Antikoagulation, Hormone, Substanzkonsum
• Schwangerschaft/Wochenbett
• Thromboserisiko
Fokussierte Untersuchung
Wichtig sind vor allem:
• Bewusstsein/Kognition
• Meningismus
• Sprache/Sprechen
• Gesichtsfeld, Visus
• rotes oder hartes Auge
• Pupillen/Okulomotorik
• Horner-Syndrom
• Fazialisfunktion, Sensibilität
• Motorik, Reflexe, Koordination, Gang
Merke:
Neues fokal-neurologisches Defizit = sekundäre Ursache, bis das
Gegenteil bewiesen ist
️ Wichtige Red Flags
• Donnerschlag- oder Vernichtungskopfschmerz
• Fieber
• Meningismus
• Bewusstseinsstörung
• neue Sehstörung
• rotes/verhärtetes Auge
• Hals-/Nackenschmerz
• Lageabhängigkeit
• epileptischer Anfall
• Tumoranamnese
• Immunsuppression/HIV
• Schwangerschaft/Wochenbett
• erhöhte Thromboseneigung
• erstmaliger oder deutlich veränderter Kopfschmerz im höheren
Alter
️ Bildgebung & Liquor
Faustregeln:
• je unklarer die Anamnese, desto eher Bildgebung
• je älter bei Erstmanifestation, desto eher Bildgebung
• je kränker der Gesamteindruck, desto eher Bildgebung
Typische Zuordnungen:
• Subarachnoidalblutung, Bewusstseinsstörung,
Schlaganfallzeichen: sofort CT + CT-A
• Dissektion: dringlich MRT + MR-Angiografie
• Sinus-/Hirnvenenthrombose: MRT + MR-Venografie oder
CT-Venografie
• erhöhter intrakranieller Druck/Raumforderung: sofort CT
• bei Verdacht auf ZNS-Infektion: nach Bildgebung und Ausschluss
von Kontraindikationen Liquorpunktion
️ Primäre Kopfschmerzen in der Notaufnahme
Migräne
Typisch:
• einseitig, pulsierend
• 4–72 Stunden
• Übelkeit, Erbrechen, Licht-/Lärmempfindlichkeit
• ggf. Aura
Akuttherapie:
• ASS oder Metamizol
• plus Antiemetikum, z. B. Metoclopramid
• bei Bedarf Triptan
• Status migraenosus: ggf. Prednisolon oder Dexamethason i.v.
Clusterkopfschmerz
Typisch:
• streng einseitig, peri-/supraorbital
• 15–180 Minuten
• autonome Zeichen: Lakrimation, Rhinorrhö, konjunktivale
Injektion
• starke motorische Unruhe
Akuttherapie:
• 100 % Sauerstoff, 12 l/min über Maske mit Reservoir
• Sumatriptan s.c. oder Zolmitriptan intranasal
• orale Standardanalgetika meist unzureichend
Take-home-Messages
• Kopfschmerztherapie ist immer auch Ursachenabklärung.
• Strukturiertes Vorgehen rettet Diagnosen.
• Red Flags aktiv suchen.
• Bei mehreren Warnhinweisen nach der gefährlichsten Ursache
handeln.
• Migräne und Clusterkopfschmerz gezielt und früh behandeln.
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