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Grundsatz

Jede akute Vergiftung – auch schon der begründete Verdacht – ist
ein medizinischer Notfall.

Kernreihenfolge:

• Vitalfunktionen sichern

• Exposition beenden

• Informationen sammeln

• Diagnostik + supportive Therapie einleiten

• Antidot und Giftelimination prüfen

Wichtig:

• früh Hilfe organisieren

• Giftnotrufzentrale/Giftinformationszentrum kontaktieren

• Eigenschutz beachten

🩺 Akutanamnese: die wichtigsten Fragen

Unter Zeitdruck gezielt erheben:

• Wer ist der Patient?

• Wo ist der Patient?

• Welche Substanz?

• Welche Menge?

• Wann war die Exposition?

• Welcher Aufnahmeweg: oral, inhalativ, dermal, okulär,
parenteral?

• Welche Symptome bestehen?

• Welche Vorerkrankungen/Risikofaktoren gibt es?

• Was wurde bereits unternommen?

Merke:

• Fremdanamnese ist hilfreich, aber oft ungenau

• Angaben immer mit Klinik, Vitalparametern, Labor und Verlauf
abgleichen

Achte besonders auf:

• Vigilanzminderung und Aspirationsrisiko

• Bradypnoe bei möglicher Opioidintoxikation

• Hinweise auf Toxidrome

• Pflaster, Tablettenreste, Gerüche, Injektionsspuren,
kontaminierte Kleidung

️ Exposition beenden

• Giftquelle entfernen oder deaktivieren

• Patient aus dem Gefahrenbereich bringen

• kontaminierte Kleidung entfernen

• bei Gefahrstofflagen: Selbstschutz zuerst, Spezialkräfte
sichern die Lage

Giftnotruf früh einschalten

Hilfreiche Angaben:

• Alter, Gewicht

• vermutete Substanz

• Menge, Zeitpunkt

• Symptome, Vitalparameter

• bereits erfolgte Maßnahmen

Basisdiagnostik

Unverzichtbar:

• Blutzucker

• Blutgasanalyse

• EKG

Zusätzlich je nach Lage:

• Anionenlücke

• osmolale Lücke

• Blutalkohol

• toxikologisches Screening

Wichtig:

• Screening unterstützt, ersetzt aber nicht die klinische
Beurteilung

Toxidrome erkennen

Typische Muster:

• opioid: Miosis, Vigilanzminderung, Atemdepression

• anticholinerg: Mydriasis, trockene Haut, Harnverhalt, Delir

• cholinerg: Speichelfluss, Bronchorrhoe, Diarrhö, Bradykardie,
Miosis

• sympathomimetisch: Unruhe, Tachykardie, Hypertonie, Schwitzen,
Mydriasis

Empirische Therapie bei Bewusstseinsstörung

• Glukose 25 g i.v., wenn Hypoglykämie nicht ausgeschlossen

• Thiamin frühzeitig bei Risikopatienten, oft 100–200 mg i.v.

• Naloxon bei Atemdepression: 0,2–0,4 mg i.v., titriert nach
Ventilation

• Flumazenil nur sehr selektiv bei vermuteter reiner
Benzodiazepinintoxikation

Wichtig bei Naloxon:

• auf ausreichende Atmung titrieren, nicht auf volle Wachheit

• Wirkdauer kürzer als viele Opioide Überwachung nötig

Expositionsweg: Haut und Augen

• sofort großzügig mit Wasser oder NaCl spülen

• Kleidung entfernen

• vor Auskühlung schützen

• Augen lang und kontinuierlich spülen

• keine Neutralisation ätzender Substanzen

Expositionsweg: Ingestion

Aktivkohle:

• oft 1 g/kg KG, bei Erwachsenen häufig 50 g

• v. a. innerhalb 1–2 Stunden sinnvoll

• nicht bei Aspirationsgefahr, Ileus, Blutung, Perforation,
Krampfgefahr oder ungeeigneter Substanz

Wichtig:

• Erbrechen auslösen nicht empfohlen

• Magenspülung nur in Ausnahmefällen und unter klaren
Voraussetzungen

• anterograde Darmspülung bei ausgewählten schweren Fällen

️ Expositionsweg: Inhalation

Sofortmaßnahme:

• hochdosiert Sauerstoff

Zusätzlich je nach Situation:

• frühe Intubation/Beatmung

• Bronchospasmolytika

• Natriumhydrogencarbonat-Inhalation in Einzelfällen

• Hydroxocobalamin bei Zyanidverdacht/Rauchgasinhalation

• hyperbare Sauerstofftherapie bei schwerer CO-Intoxikation
erwägen

Weiterbehandlung und Organisation

• engmaschiges Monitoring

• Sekundärfolgen behandeln: Azidose, Elektrolytstörungen,
Krampfanfälle, Hypo-/Hyperthermie, hämodynamische Instabilität

• ggf. intensivmedizinische Therapie

• ggf. Hämodialyse

• Transportziel nach Ressourcen wählen

Asservierung

Für toxikologische/forensische Diagnostik sichern:

• Urin

• Blut/Serum/Plasma

• Erbrochenes oder Mageninhalt

• bei Schwermetallen: Vollblut
Episode melden

„Akute Intoxikation - Akutmanagment“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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