Sie steht am Wegrand, sie ist schön, sie liebt dich — und sie
mästet dich, um dein Blut zu trinken. Die Lamia ist eine der
ältesten Schreckgestalten der Menschheit und zugleich eine der
traurigsten. In dieser Folge folgen wir ihr von einer antiken
Vampirbraut in Korinth über eine libysche Königin, der eine
eifersüchtige Göttin alle Kinder nahm, bis hinab zu den Flüssen
Mesopotamiens, wo ihre Urahnin Lamaschtu schon tausend Jahre
früher gefürchtet wurde. Und wir fragen, was diese Dämonin über
eine Angst verrät, die nie verschwunden ist – die Angst um die
Kinder, den Tod ohne Grund, und die Frau, der man das Gesicht des
Ungeheuers gab.
QUELLEN & WEITERFÜHRENDE LITERATUR
• Duris von Samos (um 280 v. Chr.), Fragment (FGrH 76 F 17) –
überliefert die archetypische Lamia-Sage von der libyschen
Königin, Tochter des Belos.
• Aristophanes, Der Frieden (421 v. Chr.) und Scholien dazu –
früheste literarische Erwähnungen; der Scholiast leitet den Namen
von laimós („Schlund") her.
• Diodor von Sizilien, Bibliotheke 20,41 (um 30 v. Chr.) –
rationalisierte Fassung der Lamia als grausame, trunksüchtige
Königin; Deutung der „herausnehmbaren Augen".
• Plutarch, Über die Neugier 2 (um 100 n. Chr.) – die Fabel von
den Augen, die die Lamia in ein Gefäß legt.
• Philostrat, Das Leben des Apollonios von Tyana 4,25 (um 220 n.
Chr.) – die Vampirbraut von Korinth und Menippos; nennt das Wesen
Empousa/Lamia.
• Antoninus Liberalis, Metamorphosen 8 (um 150 n. Chr., nach
Nikander) – die Sage von der Lamia/Sybaris am Berg Kirphis bei
Delphi und ihrer Tötung durch Eurybatos.
• Statius, Thebais 1,562–669 (92 n. Chr.) – das kindermordende
Scheusal, das Apollon gegen Argos sendet und das der Held
Koroibos erschlägt.
• Byzantinische Sisinnios-/Gyllou-Beschwörungstexte – die Dämonin
muss ihre „zwölfeinhalb Namen" preisgeben; Hintergrund der
Schutzamulette gegen Kindstod.
• Sappho, Fragment 178 (um 600 v. Chr.) – früheste Nennung der
verwandten Gello.
• Hieronymus, Vulgata, Jesaja 34,14 (um 400 n. Chr.) – übersetzt
das hebräische Lilith mit Lamia.
• Walter Farber, Lamaštu. An Edition of the Canonical Series
(Eisenbrauns 2014) – Standardwerk zur mesopotamischen Vorläuferin
Lamaschtu.
• Sarah Iles Johnston, Restless Dead. Encounters Between the
Living and the Dead in Ancient Greece (University of California
Press 1999) – deutet Lamia, Gello und Mormo als „reproductive
demons", die Geister der zu früh oder im Kindbett Gestorbenen.
• John Keats, Lamia (1819), nach Robert Burton, The Anatomy of
Melancholy (1621) – prägt das moderne Bild der
schlangengestaltigen Verführerin.
Anmerkung: Die antiken Quellen widersprechen sich in vielen
Einzelheiten. Dieses Video gibt die wichtigsten
Überlieferungsstränge wieder
----Kanalmitglied
werden:https://www.youtube.com/channel/UCVOHv0EU1d-B5szK53LumEA/join-----Author:
Cris FrickenschmidtMehr zu "Blanker Horror": www.blankerhorror.de
Kommentare (0)
Melde dich an, um einen Kommentar zu schreiben.