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Terminologie

- Nicht-tödliches Ertrinken: Ertrinkungsvorgang mit Überleben

- Tödliches Ertrinken: Tod an den Folgen des Ertrinkens

- Sekundäres Ertrinken: Ertrinken infolge anderer Pathologien, z.
B. Krampfanfall, Synkope, Intoxikation, Trauma

Veraltete Begriffe wie „Beinahe-Ertrinken“, „trockenes“ oder
„nasses“ Ertrinken sollten nicht mehr verwendet werden.

🫁 Pathophysiologie

Kernproblem ist die Hypoxie, nicht das Wasser selbst.

Ursachen:

- Atemwegsverlegung

- Laryngospasmus

- Aspiration

- gestörter Gasaustausch

Merksatz: Sauerstoff, Sauerstoff, Sauerstoff.

Akutversorgung

- Rettung aus dem Wasser unter Eigenschutz

- Sofort strukturiert nach ABCDE

- Sichtbare Fremdkörper/Erbrochenes entfernen

- Keine Entleerungsmanöver, kein „Wasser aus der Lunge drücken“

- Frühzeitige Oxygenierung und Ventilation

- Frühzeitiger Transport ins Krankenhaus

Bei Spontanatmung:

- O2 über Maske mit Reservoir, meist 10–15 l/min

- Ziel-SpO2: 94–98 Prozent

Bei unzureichender Atmung:

- Beutel-Masken-Beatmung mit O2

- Atemwegshilfen nach Bedarf

- Früh an Intubation denken bei schwerer Hypoxämie, fehlenden
Schutzreflexen, Bewusstseinsstörung oder Erschöpfung

🧊 Wichtige Zusatzaspekte

Aktiv erfragen:

- Submersionsdauer

- Zeit bis BLS

- Wassertemperatur

- Hinweise auf Trauma, Suizid, Intoxikation, Krampfanfall,
Synkope

Hypothermie:

- nasse Kleidung entfernen

- abtrocknen

- Wärmeerhalt, trockene Decken

- angewärmte Infusionen

- bei schwerer Unterkühlung früh an spezialisiertes Zentrum/ECMO
denken

️ Reanimation bei Ertrinken

Besonderheit: primär asphyktischer Kreislaufstillstand

Deshalb:

- 5 initiale Beatmungen

- danach Thoraxkompressionen nach Leitlinie

Wichtig:

- Schnappatmung ist keine normale Atmung

- Defibrillation wie üblich, vorher Thorax abtrocknen

- Medikamente nach Standard-ALS

- Bei Hypothermie zurückhaltend mit Prognoseentscheidungen

Prognosefaktoren

Eher günstig:

- kurze Submersionsdauer

- früher BLS-Beginn

- kurze Reanimationsdauer

- junges Alter

- GCS > 5

- pH > 7,1

Eher ungünstig:

- lange Submersion

- verspätete Wiederbelebung

- lange Reanimation

- höheres Alter

- GCS ≤ 5

- pH < 7,1

Notaufnahme und Diagnostik

- erneute strukturierte Untersuchung

- Blutgasanalyse zentral

- je nach Verlauf: Elektrolyte, Nierenwerte, CK, Blutbild,
Gerinnung, Troponin

- Röntgen-Thorax hilfreich, früh aber nicht immer auffällig

- bei schwerem Verlauf früh Intensivaufnahme planen

Beatmung:

- lungenprotektiv

- niedrige Tidalvolumina

- PEEP mitdenken, oft 5–10 cmH2O initial

Medikamente

- Keine routinemäßige Antibiotikaprophylaxe

- Antibiotika nur bei Infektionshinweisen oder stark
kontaminierter Exposition

- Bronchodilatatoren bei Bronchospasmus

- Kortikosteroide nicht routinemäßig indiziert

Beobachtung und Entlassung

Nach unkompliziertem Verlauf:

- mindestens 4–8 Stunden Überwachung, oft 6–8 Stunden sinnvoll

Entlassung nur bei:

- normaler Vigilanz

- normaler Atemfrequenz

- keiner Dyspnoe

- unauffälliger Auskultation

- SpO2 > 95 Prozent ohne O2

- keinen Begleitverletzungen

- keiner suspekten auslösenden Ursache

Krankenhaus-Transport ist nach Ertrinken immer indiziert.

️ Komplikationen

Pulmonal:

- Atelektasen

- Lungenödem

- Aspirationspneumonie

- ARDS

Neurologisch:

- zerebrale Hypoxie

- Hirnödem

- hypoxisch-ischämische Enzephalopathie

Weitere:

- Multiorganversagen

- akute Nierenfunktionsstörung

- Gerinnungsstörungen

- Rhythmusstörungen bei Hypothermie

Immer an Ursachenfahndung denken

Vor allem bei Erwachsenen:

- Myokardinfarkt

- Rhythmusstörung

- Synkope

- Schlaganfall

- epileptischer Anfall

- Hypoglykämie

- Intoxikation

- Trauma

- Suizidalität

Take-home-Messages

- Ertrinken ist primär ein Hypoxieproblem

- Keine Zeit mit Entleerungsmanövern verlieren

- Reanimation beginnt mit 5 initialen Beatmungen

- Hypothermie aktiv mitdenken

- Krankenhaus-Transport immer erforderlich

- Entlassung nur nach Beobachtung und komplett stabilem Verlauf

- Prognose wird wesentlich durch den neurologischen Schaden
bestimmt
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„Ertrinkungsunfall - Akutmanagment“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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