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Beschreibung
vor 1 Woche
Anaphylaxie: Akutmanagement
️ Merksatz
Bei Anaphylaxie mit Atemwegs- oder Kreislaufbeteiligung gilt:
Exposition sofort stoppen und Adrenalin intramuskulär geben.
Antihistaminika oder Glukokortikoide ersetzen das nicht.
Wann ist eine Anaphylaxie wahrscheinlich?
Akuter Beginn nach Auslöserkontakt innerhalb von Minuten bis
Stunden. Typische Konstellationen:
• Haut-/Schleimhautbefunde plus Atemwegs- und/oder
Kreislaufbeteiligung
• Symptome an mindestens 2 Organsystemen nach wahrscheinlichem
Allergen
• Hypotonie nach Kontakt mit bekanntem Allergen
Mögliche Zeichen:
• Haut/Schleimhaut: Urtikaria, Flush, Juckreiz, Angioödem
• Atemwege: Heiserkeit, Stridor, Dyspnoe, Giemen, Bronchospasmus,
Hypoxie
• Kreislauf: Hypotonie, Schwindel, Synkope, Schock
• Gastrointestinaltrakt: Bauchkrämpfe, Erbrechen, Durchfall
Wichtig: Hautzeichen können fehlen, etwa in jedem 10. Fall.
Häufige Auslöser
• Kinder: vor allem Nahrungsmittel, danach Insektengifte
• Erwachsene: Insektengifte, Medikamente, Nahrungsmittel
• In ca. 20 % kein sicherer Auslöser identifizierbar
Sofortmaßnahmen
1. Allergenexposition beenden
• Infusion stoppen
• Medikament absetzen
• Insektenstachel entfernen
• Nahrungsaufnahme/Latexkontakt beenden
2. Adrenalin i.m. in den anterolateralen Oberschenkel
• Indikation: Atemwegs- oder Kreislaufbeteiligung
• Wiederholung alle 5–10 Minuten bei unzureichender Wirkung
• Dosis bei manueller Aufziehung: 10 Mikrogramm/kgKG, max. 600
Mikrogramm pro Dosis
• Autoinjektor nach verfügbarem Präparat einsetzen
3. Sauerstoff geben
• Bei pulmonaler oder kardiovaskulärer Beteiligung
• Bei schwerer Reaktion bevorzugt Maske mit Reservoir
4. Lagerung beachten
• Flach lagern, abrupte Lagewechsel vermeiden
• Schocklagerung bei Instabilität
• Halb sitzend/sitzend bei starker Dyspnoe, wenn
kreislaufverträglich
• Stabile Seitenlage bei Bewusstseinseinschränkung
5. Zugang, Volumen, Monitoring
• Großlumiger i.v.-Zugang, ggf. früh intraossär
• Balancierte Vollelektrolytlösung als Bolus
• Kinder ≤ 30 kg: 20 ml/kgKG
• > 30 kg: meist 500–1000 ml, ggf. wiederholen
• Monitoring: Blutdruck, Herzfrequenz, SpO2, bei schweren Fällen
EKG
Wichtiger Warnhinweis
Adrenalin 1:1000 (1 mg/ml) nur intramuskulär, nicht unverdünnt
intravenös. Gefahr schwerer Rhythmusstörungen bis
Kreislaufstillstand.
🫁 Atemweg und symptomorientierte Therapie
• Früh anästhesiologische/intensivmedizinische Hilfe rufen bei
Larynxödem, rascher Verschlechterung oder schwierigem Atemweg
• Inhalatives Adrenalin kann beim Larynxödem ergänzend helfen
• Bronchospasmus: inhalatives Beta-2-Sympathomimetikum, z. B.
Salbutamol
• Bei Erschöpfung/Atemversagen: Atemwegssicherung bis Intubation,
Ultima Ratio Koniotomie
Zusatztherapien
Nicht primär lebensrettend, aber ergänzend sinnvoll:
• H1-Antihistaminika: z. B. Dimetinden oder Clemastin
• H2-Antihistaminika: je nach lokaler Verfügbarkeit
• Glukokortikoide: häufig gegeben, aber kein schneller Akuteffekt
• Symptomatisch bei Bedarf: Butylscopolamin bei Bauchkrämpfen,
Dimenhydrinat bei Übelkeit
Häufige Fehler
• Adrenalin zu spät geben
• Zuerst nur Antihistaminika oder Glukokortikoide verabreichen
• Fehlende Hautzeichen als Entwarnung werten
• Lagewechsel zu abrupt durchführen
Überwachung und Nachsorge
• Überwachung bis anhaltende Remission
• Schwere Verläufe stationär, lebensbedrohliche Verläufe
intensivmedizinisch
• Dokumentation des vermuteten Auslösers und allergologische
Abklärung
• Anaphylaxie-Notfallset und Schulung veranlassen, oft inklusive
Adrenalin-Autoinjektor
Take-home
Anaphylaxie erkennen, Auslöser stoppen, Adrenalin i.m. früh
geben, dann Sauerstoff, Lagerung, Volumen, Monitoring und Atemweg
aktiv mitdenken.
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