🩺 E im cABCDE: mehr als Entkleiden
Exposure steht für vollständige Sichtbarkeit, systematische
Ganzkörperuntersuchung, Re-Evaluation der Verdachtsdiagnose und
Kontrolle von Umweltfaktoren. Dazu gehören auch Wärmeerhalt,
Schmerztherapie, Eigenschutz und je nach Situation psychische
Erste Hilfe.
Ziele von Exposure
- Reversible und lebensbedrohliche Befunde erkennen
- Übersehene Verletzungen oder Erkrankungen finden
- Patienten vor Auskühlung oder Überhitzung schützen
- Umfeld als diagnostischen Hinweis nutzen
- Arbeitsdiagnose kritisch hinterfragen
Grundprinzipien
- Kein starres Schema: immer situationsangepasst handeln
- Bei Verschlechterung sofort zurück zum cABCDE
- Eigenschutz hat Vorrang bei Aggression, Toxinen oder unsicherer
Umgebung
- Merksatz: von der Locke bis zur Socke
Anamnese im E: SAMPLE
- S: Signs and Symptoms
- A: Allergies
- M: Medications und Drogen
- P: Past medical history
- L: Last oral intake
- E: Events preceding
Besonders wichtig: das Umfeld. Beispiele:
- Garage Kohlenmonoxid
- Sonne/Hitze Hyperthermie
- Gartenarbeit + Miosis + Speichelfluss + Bradykardie
Organophosphat-Vergiftung
- Winter im Freien Hypothermie
Primary Survey bei Exposure
Sehen, hören, fühlen:
- Vollständig entkleiden, dabei Privatsphäre wahren
- Haut, Gerüche, Kleidung, Pflaster, Pumpen, Katheter, Narben
beachten
- Temperatur, Schwellungen, Instabilitäten, Druckschmerz prüfen
Wärmemanagement:
- Hypothermie verhindern: warme Decken, trockene Kleidung,
Wärmesysteme, ggf. erwärmte Infusionen
- Hyperthermie behandeln: kühle Umgebung, Verdunstungskühlung,
Kühlpacks
- Perioperativ an maligne Hyperthermie denken, Dantrolen als
spezifische Therapie
Schmerztherapie und Stabilisierung
- Schmerzen aktiv erfragen und behandeln
- Opioide titriert und unter Überwachung geben
- Bei Atemdepression an Naloxon denken
- Frakturen/Luxationen früh schienen oder situationsgerecht
reponieren
- DMS vor und nach Maßnahme dokumentieren
- Schmuck bei drohender Schwellung früh entfernen
Wichtige Untersuchungsbefunde
Nicht-traumatologische Hinweise:
- Haut: Zyanose, Marmorierung, Petechien, Exanthem, Ödeme,
Einstichstellen, Dekubitus
- Kopf/Hals: Pupillen, Blutungen, Speichelfluss, Würgemale,
Halsvenenstauung
- Thorax: Atemarbeit, Symmetrie, Hautemphysem, Herztöne
- Abdomen: Distension, Peritonismus, Hämatome
- Hilfsmittel: Fentanyl-Pflaster, Insulinpumpe, Schrittmacher,
Drainagen
Trauma-Check:
- Schädel, Gesicht, Thorax, Abdomen, Becken, Wirbelsäule,
Extremitäten systematisch untersuchen
- Bei Beckenverletzung keine wiederholte Stabilitätsprüfung
- Rückeninspektion achsengerecht, z. B. per Log-roll
- eFAST früh einplanen
️ Klinische Red Flags
- Kirschrote Haut mögliche CO-Intoxikation
- Miosis + Atemdepression Opioide
- Schweiß, Verwirrtheit, Tachykardie Hypoglykämie
- Gesichts-/Halsschwellung + Urtikaria + Atemnot Anaphylaxie
- Marmorierte oder graue Haut, Petechien Sepsis
Umfeld und Psyche
- Szene mitbeurteilen: Medikamente, Alkohol, Chemikalien,
Stromquellen, nasse Kleidung, Rauch, Hinweise auf Sturz oder
Gewalt
- Ruhig kommunizieren, Orientierung geben
- Auf Eigen- oder Fremdgefährdung achten, z. B. bei Suizidalität
oder Aggression
Take-home Messages
- Exposure ist mehr als Entkleiden
- Vollständig, respektvoll und systematisch untersuchen
- Wärmehaushalt aktiv steuern
- Schmerztherapie nicht vergessen
- Umfeld als Teil der Diagnostik nutzen
- Bei Zustandsänderung wieder bei cABCDE beginnen
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