🫁 Breathing im cABCDE: Atmung strukturiert beurteilen
Worum es geht
Breathing umfasst die strukturierte Beurteilung von Ventilation,
Oxygenierung und Atemarbeit sowie die sofortige Therapie akuter
respiratorischer Störungen. Wichtig: B-Probleme sind oft Ursache,
Folge oder Begleiterscheinung anderer cABCDE-Bereiche.
Red Flags im B-Assessment
- Dyspnoe als Leitsymptom
- Tachypnoe oder Bradypnoe
- Erhöhte Atemarbeit, Atemhilfsmuskulatur, Einziehungen,
Nasenflügeln
- Unfähigkeit, ganze Sätze zu sprechen
- Hypoxie, Hyperkapnie, pathologische Blutgase
- Unruhe, Agitation, Verwirrtheit als mögliche Hypoxiezeichen
- Silent chest bei schwerer Obstruktion = Alarmsignal
Sofortmaßnahmen
- Eigenschutz, PSA, infektiöse Ursachen mitdenken
- Bei Apnoe oder Schnappatmung: direkt Reanimation
- Komplette Atemwegsverlegung sofort beheben
- Sauerstoff, Maskenbeatmung oder frühzeitige
Intubationsentscheidung je nach Situation
- Nicht zu lange warten bei Erschöpfung, Hyperkapnie,
Vigilanzminderung oder unzureichender Oxygenierung
Untersuchung im B-Teil
- Sehen, hören, fühlen
- Atemfrequenz, Atemmuster, Atemarbeit, Sprechfähigkeit
- Auskultation: Stridor, Giemen, Rasseln, Seitendifferenzen
- Perkussion: hypersonor bei Pneumothorax, gedämpft bei
Erguss/Hämatothorax
- Thoraxinspektion auf Wunden, Deformitäten, paradoxe Atmung,
Hautemphysem
- Pulsoxymetrie immer im klinischen Kontext interpretieren
- Früh Blutgasanalyse, besonders bei Hyperkapnieverdacht oder
metabolischer Entgleisung
- Lungensonografie/eFAST bei Verfügbarkeit sehr hilfreich
Sauerstofftherapie
- Sauerstoff ist ein Medikament: Ziel ist Normoxie, nicht
Hyperoxie
- Nasenbrille bei milder Hypoxie
- Maske bei moderater Hypoxie
- Nicht-Rückatemmaske mit Reservoir bei ausgeprägter Hypoxie
- High-Flow kann hilfreich sein, ersetzt aber nicht NIV oder
invasive Beatmung bei Erschöpfung
- Bei COPD oft Ziel-SpO2 88–92 %
Wichtige Akuttherapien
- Asthma/COPD: Salbutamol inhalativ, plus Ipratropiumbromid
- Asthma: früh systemische Steroide, ggf. Magnesiumsulfat
- Anaphylaxie: Adrenalin 0,5 mg i.m. frühzeitig, nicht auf
Antihistaminika oder Steroide warten
- Thoraxschmerz: suffiziente Analgesie, z. B. titriert Fentanyl
oder Morphin
- Opioidintoxikation: Naloxon vorsichtig titrieren
- Cholinerges Syndrom: Atropin, Eigenschutz beachten
- Kardiales Lungenödem: sitzende Lagerung, O2, ggf. NIV,
Diuretika/Nitrate je nach Situation
🩺 Wichtige Differenzialdiagnosen
- Obere Atemwegsobstruktion: Fremdkörper, Anaphylaxie, Angioödem,
Infektion
- Untere Atemwegsobstruktion: Asthma, COPD
- Pneumonie
- Pneumothorax, Spannungspneumothorax, Pleuraerguss, Hämatothorax
- Lungenembolie
- Thoraxtrauma
- Intoxikationen, CO- oder Rauchgasexposition
- Kardiales Lungenödem
- Zentrale Ursachen, z. B. Schlaganfall oder SHT
- Metabolische Ursachen, z. B. diabetische Ketoazidose
- Psychogene Hyperventilation nur als Ausschlussdiagnose
Praktische Kernbotschaften
- Immer strukturiert nach cABCDE vorgehen
- Erst lebensbedrohliche, reversible Ursachen erkennen und
behandeln
- Klinischer Eindruck ist oft wichtiger als Einzelwerte
- Blutgase früh abnehmen
- Sauerstoff gezielt titrieren
- Intubation nicht zu spät erwägen
- Analgesie ist Teil der Atemtherapie
- Bei Verschlechterung immer zurück zum Anfang des Schemas
Quintessenz
Breathing bedeutet mehr als Sauerstoffgabe: Ventilation,
Gasaustausch, Atemarbeit, Bewusstseinslage, Thoraxmechanik und
Ursache müssen zusammen gedacht werden. Wer systematisch vorgeht,
erkennt Dekompensation früh und behandelt zielgerichtet.
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