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041 – Intellektuelle Bescheidenheit: Was wir von Bertrand Russel und der Eugenik lernen können

041 – Intellektuelle Bescheidenheit: Was wir von Bertrand Russel und der Eugenik lernen können

Zukunft Denken – Podcast vor 5 Jahren
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Die Idee zu dieser Episode ist mir gekommen, als mir ein altes
Buch von Bertrand Russell in die Hände gefallen
ist: Marriage and Morals. Ein heute (wie sich herausstellen
wird zum Glück) recht unbekanntes Werk von ihm.

Bertrand Russell war ein Philosoph, Logiker und public
intellectual, den ich sehr schätze. Er ist 1872 geboren und 1970
gestorben, war einer der führenden Wissenschafter, Philosophen
und Intellektuellen seiner Zeit. Ein Mensch, der in seinen
Handlungen über seine Lebenszeit offensichtlich versucht hat die
Gesellschaft in eine positive Richtung weiterzuentwickeln.

Er befürwortete früh im 20. Jahrhundert das Frauenwahlrecht,
wurde zweimal für seine Friedensbemühungen inhaftiert, war
Atheist und unterstützte linke Ideen, obwohl er selbst einem
alten Adelsgeschlecht entstammte. 

Viele seiner Bücher sind bis heute – aus gutem Grund – gerne
gelesen.

So ist die Auseinandersetzung  (für mich) mit Marriage and
Morals alles andere als einfach. In dieser Episode
beschränkte ich mich auf ein Kapitel aus diesem Buch, das sich
mit Eugenik beschäftigt. Unter Eugenik versteht man im
weiten Sinne die Anwendung technischer oder politische Mittel
oder Maßnahmen, mit dem Ziel, die Anteil vermeintlich positiver
Erbanlagen in der Bevölkerung zu verbessern. Im Deutschen ist ein
Begriff der NS-Zeit, die sogenannte Rassenhygiene, sehr eng damit
verwandt.

Russell äußert in diesem Kapitel Ansichten, die – wie in der
Episode diskutiert wird – mit einem heutigen Blick auf die Welt
in keiner Weise mehr vereinbar sind.

Gerade darum war diese Auseinandersetzung für mich so lehrreich:
Wie kann es sein, dass einer der führenden Intellektuellen seiner
Zeit auf solche gedanklichen Abwege kommt? Was bedeutet dies über
die Dinge die ich oder andere Menschen in der heutigen
Zeit vertreten? 

Russel war nicht der erste und wird nicht der letzte
Intellektuelle bleiben, der sich in einem Thema verirrt. So
schreibt etwa Karl Popper über Platon:

»Er war ein großer Philosoph. Er hat die Philosophie begründet
und hat viele großartige Ideen gehabt. Aber ich habe versucht zu
zeigen, daß ein großer Philosoph auch sehr schlimme Dinge
vertreten kann. In einer Zeit, die eine Aufklärungszeit war, in
der andere Denker gegen die Sklaverei waren, schrieb Platon wie
ein arroganter Sklavenhalter und trat für die Sklaverei ein.«

Zunächst versuche ich in dieser Episode einen Schritt zurück zu
machen und den Kontext der Zeit, das Verständnis von Eugenik kurz
darzustellen. Menschen sind immer auch Kinder ihrer Zeit – welche
Rolle spielt das in ihrem Denken? Dann kehren wir zu Russel und
auch in die heutige Zeit zurück: Wie sollen wir Menschen der
Vergangenheit beurteilen? Menschen, mit denen wir heute
(intellektuelle oder politische) Konflikte haben? Dürfen wir
Menschen verurteilen, die sich »Ausrutscher« erlaubt haben? Unter
welchen Umständen?

»Wer Eindeutigkeit erstrebt, wird darauf beharren, dass es stets
nur eine einzige Wahrheit geben kann und dass diese Wahrheit auch
eindeutig erkennbar ist.«, Thomas Bauer

Ich denke, dass wir wesentlich mehr intellektuelle Bescheidenheit
fordern müssen, sowohl in dem was wir behaupten, aber auch in dem
was wir kritisieren.

Dies ist eine für mich schwierig zu verdauende Folge. Ich hoffe,
es ist mir gelungen diesen Themenbereich angemessen zu
diskutieren. Ich freue mich daher gerade bei dieser Episode ganz
besonders auf Feedback und Kritik.

»Wir dürfen nie vorgeben zu wissen, und dürfen nie große Worte
gebrauchen«, Karl Popper

Referenzen

Bertrand Russel

Bertrand Russell: Biographie in der Encyclopedia Britannica

Bertrand Russell in der Stanford Encyclopedia of Philosophy

Das Russell-Einstein Manifest

Bücher von Bertrand Russel

Eroberung des Glücks: Neue Wege zu einer besseren
Lebensgestaltung

Lob des Müßiggangs

Warum ich kein Christ bin

Philosophie des Abendlandes

Marriage and Morals, H. Liverlight (1929)

fachliche Referenzen

Philipp Blom, Die zerrissenen Jahre, dtv (2016)

Richard David Precht, Sei du selbst, Goldmann (2019)

Karl Popper, Ich weiß, dass ich nichts weiß, und kaum das,
Ullstein

Karl Popper, Auf der Suche nach einer besseren Welt, Piper
(2009)

Thomas Bauer, Vereindeutigung der Welt, Reclam (2018)
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Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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