Wisst Ihr, was ein Straßenfeger ist? Ich meine das nicht im
wörtlichen Sinne, da steht kein Mann auf der Straße mit einem Besen
in der Hand. Aber im übertragenen Sinne ist es genau so: Am Sonntag
Abend gibt es den letzten Straßenfeger im öffentlich-rechtlichen
deutschen Fernsehen: Den Tatort. Ein Straßenfeger ist also eine
Fernsehsendung, die so viele Menschen sehen wollen, dass die
Straßen wie leergefegt sind. Rund 10 Millionen Menschen in
Deutschland sehen den Tatort jeden Sonntag Abend – und die Zahlen
steigen. Der Tatort ist eine Krimi-Reihe. Der erste Tatort lief am
29. November 1970, mittlerweile gab es über 900 Folgen. Jeder
Tatort ist 90 Minuten lang und beginnt am Sonntag um 20.15 Uhr im
Ersten Deutschen Fernsehen, „Das Erste“. Auch die Schweiz und
Österreich gehören zum Tatort-Gebiet, auch sie produzieren eigene
Filme. Jede Woche ist ein anderes Team an der Reihe – es gibt viele
verschiedene Tatort-Ermittler in verschiedenen Städten. 21 Teams
sind es zur Zeit. Hier in München ermitteln zwei ältere Herren,
Batic und Leitmayr heißen sie im Film. Über 60 Fälle haben sie
schon miteinander gelöst. Andere Teams kommen nicht so gut an und
werden nach wenigen Folgen wieder abgesetzt. Am längsten dabei ist
Kriminalhauptkommissarin Lena Odenthal, die in Ludwigshafen am
Rhein ermittelt – und zwar seit 1989. Gespielt wird sie von der
Schauspielerin Ulrike Folkerts. Sehr beliebt ist das Team aus
Münster, gespielt von Jan Josef Liefers und Axel Prahl. Die
Tatort-Episoden aus Münster sind sehr lustig und kommen daher gut
an. Mit der Zeit kennt man die verschiedenen Teams gut, man kennt
ihre Familiengeschichte und ihre Macken, und das macht sie
sympathisch. Und man erkennt natürlich die Drehorte, wenn der
Tatort in der eigenen Stadt spielt. Genau diese Zusammensetzung aus
verschiedenen Teams ist es wahrscheinlich, die den Tatort so
erfolgreich macht. Jeder hat ein Lieblings-Team, und für jeden
Geschmack ist etwas dabei. Es gibt alte Ermittler und junge, es
gibt natürlich Männer und Frauen als Hauptdarsteller, es gibt
düstere und traurige Folgen und auch komische und schräge Folgen.
Oft werden aktuelle Themen aufgegriffen. Es geht also nicht nur um
einfache Morde und die Suche nach dem Täter, sondern oft auch um
Bandenkriminalität, Menschenhandel, Rechtsextremismus, Drogen und
ähnliches. Rund 35 Folgen gibt es pro Jahr, im Sommer laufen
Wiederholungen. Da der Tatort so gut ankommt, laufen auch in den
Dritten Progammen fast täglich Wiederholungen alter Fälle. Über
eine Million Euro kostet die Produktion eines Tatorts, einen
knappen Monat lang wird gedreht. Die meisten Zuschauer hatte
bislang übrigens eine Folge aus Münster: Fast 13 Millionen Menschen
sahen „Summ, Summ, Summ“ 2013. Gleich danach kam eine Folge aus
Hamburg: Dort ermittelte Nick Tschiller vor 12,57 Millionen
Menschen. Gespielt wird er von Til Schweiger, einem deutschen
Schauspieler und Regisseur, dessen Kinofilme regelmäßig auf Platz
eins der Kinocharts landen – so wie jetzt gerade der aktuelle Film
„Honig im Kopf“. Mit wachsender Begeisterung steigen die
Tatort-Fans übrigens auch auf den so genannten Second Screen um:
Während der Ausstrahlung wird unter dem Hashtag #Tatort getwittert,
es werden Kommentare auf Facebook geschrieben und viele
Landesrundfunkanstalten bieten nach der Ausstrahlung oder
währenddessen einen Chat an, damit man dem Regisseur oder den
Schauspielern Fragen stellen kann. Social TV heißt das dann. Habt
Ihr schonmal Tatort geschaut? Mich würde sehr interessieren, was
Ihr davon haltet. Text der Episode als PDF:
https://slowgerman.com/folgen/sg97kurz.pdf
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