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Und jetzt zur Folge:
Es gibt eine Sache, die sich gerade in Deutschland ändert. Mir
fällt es immer häufiger auf. Und zwar geht es darum, wie die
Menschen bezahlen.
In den USA zahlen die Leute schon sehr lange mit Kreditkarte. Das
war hier nicht so. Hier bezahlte man wenn überhaupt mit einer
EC-Karte, das ist keine Kreditkarte, sondern eine Bankkarte. Dazu
später mehr. Am Liebsten zahlten die Deutschen aber schon immer
mit Bargeld. Das scheint sich jetzt sehr schnell zu ändern. Seit
man mit dem Handy bezahlen kann, machen das auch viele Leute. Sie
finden das einfacher und schneller. Deshalb wird oft die Frage
gestellt: Brauchen wir heute überhaupt noch Bargeld?
Bargeld gibt es schon sehr lange. Früher bezahlten die Menschen
mit Muscheln, Salz oder Edelmetallen. Später wurden Münzen aus
Gold, Silber oder Kupfer hergestellt. Papiergeld entstand zuerst
in China. In Europa verbreiteten sich Geldscheine erst viele
Jahrhunderte später. Heute benutzen fast alle Länder der Welt
sowohl Münzen als auch Geldscheine.
In Deutschland bezahlten die Menschen früher mit der D-Mark. Sie
wurde nach dem Zweiten Weltkrieg eingeführt und war viele
Jahrzehnte lang die Währung der Bundesrepublik Deutschland. Am 1.
Januar 2002 änderte sich das. Seit diesem Tag bezahlen die
Menschen hier mit dem Euro. Deutschland war eines der ersten
zwölf Länder, die den Euro als Bargeld einführten. Ich erinnere
mich noch gut daran, wie der Euro eingeführt wurde. Wir konnten
uns damals sogenannte „Starter Kits“ holen, da waren die neuen
Münzen drin. Für manche war das spannend, für andere war es
ungewohnt. Ich glaube, so ein Starter Kit habe ich heute immer
noch irgendwo.
Am Anfang habe ich es ein wenig vermisst, im Urlaub eine andere
Währung zu benutzen Es war ganz normal in meiner Kindheit. Urlaub
in Italien? Wir zahlen mit Lira und müssen umrechnen. Genauso in
Österreich oder Belgien. Heute zahlen wir (fast) überall mit
Euro, die Rechnerei ist vorbei. Aber man kann auch keine Münzen
mehr als Souvenirs mitbringen.
Die Euro-Münzen haben auf einer Seite ein gemeinsames
europäisches Motiv. Die andere Seite zeigt ein nationales Motiv.
In Deutschland sieht man zum Beispiel den Bundesadler oder das
Brandenburger Tor. Ist Dir das schon aufgefallen? Die Geldscheine
sehen in allen Ländern gleich aus. Sie zeigen Brücken und
Bauwerke, die nicht real existieren.
Noch vor wenigen Jahren bezahlten die meisten Menschen in
Deutschland wie gesagt fast alles mit Bargeld. Das hatte
verschiedene Gründe. Viele Deutsche finden Bargeld übersichtlich.
Wenn sie Scheine und Münzen in der Hand haben, sehen sie sofort,
wie viel Geld sie noch ausgeben können. Außerdem mögen viele
Menschen den Gedanken, dass Bargeld anonym ist. Wer bar bezahlt,
hinterlässt normalerweise keine digitalen Daten über seinen
Einkauf.
In anderen europäischen Ländern war die Entwicklung anders. In
Schweden oder den Niederlanden wurde das Bezahlen mit Karte schon
früh sehr beliebt. Deutschland galt dagegen lange als
Bargeld-Land. Viele kleinere Geschäfte akzeptierten bis vor
kurzem gar keine Kartenzahlung oder erst ab einem bestimmten
Betrag. Wer nur eine Brezel oder eine Zeitung kaufen wollte,
musste oft bar bezahlen.
Und warum hat es sich geändert, dass die Menschen heute mehr mit
Karte zahlen? Besonders während der Corona-Pandemie änderte sich
das Verhalten vieler Kunden. Viele Geschäfte baten ihre Kunden
darum, möglichst kontaktlos zu bezahlen. Dadurch nutzten auch
Menschen digitale Bezahlmethoden, die vorher lieber Bargeld
verwendet hatten.
Heute kann man in Deutschland fast überall mit Karte bezahlen.
Selbst auf vielen Wochenmärkten oder in kleinen Bäckereien gibt
es inzwischen Kartenlesegeräte. Trotzdem gibt es immer noch Orte,
an denen Bargeld wichtig ist. Manche kleinen Restaurants oder
Imbisse akzeptieren nur Barzahlung. Auch auf Flohmärkten oder bei
privaten Verkäufen wird meistens bar bezahlt. Es gibt auch einen
Unterschied, ob du in der Stadt oder auf dem Land bezahlen
möchtest. In den Städten ist das Zahlen mit Karte meistens
möglich. Du sagst dann einfach „Mit Karte bitte“.
Überlegen wir mal, welche Pro- und Contra-Argumente wir finden.
Ein Vorteil von Bargeld ist, dass es auch ohne Strom oder
Internet funktioniert. Wenn ein technisches Problem auftritt oder
das Kartenterminal ausfällt, können Kunden trotzdem bezahlen.
Deshalb sehen manche Experten Bargeld als wichtige Reserve für
Notfälle. Die Deutsche Bundesbank betont regelmäßig, dass Bargeld
ein wichtiges Zahlungsmittel bleiben soll.
Ein weiterer Vorteil ist wie schon gesagt der Datenschutz. Bei
einer Kartenzahlung oder einer Zahlung mit dem Smartphone
entstehen digitale Daten. Banken oder Zahlungsdienstleister
können sehen, wann und wo bezahlt wurde. Sie können ein Profil
ihrer Kunden aufstellen, wissen genau, wo diese sich aufhalten
und was sie kaufen. Bei einer Barzahlung ist das anders. Deshalb
sagen manche Menschen, Bargeld schütze ihre Privatsphäre besser.
Es gibt aber auch Argumente gegen Bargeld. Banken müssen
Geldscheine und Münzen transportieren, zählen und sicher
aufbewahren. Auch Geschäfte haben mehr Arbeit, wenn sie jeden
Abend ihre Kasse abrechnen und Bargeld zur Bank bringen müssen.
Das kostet Zeit und Geld. Digitale Zahlungen können deshalb
einfacher sein.
Außerdem kaufen immer mehr Menschen im Internet ein. Dort kann
man nicht mit Bargeld bezahlen. Online-Shops akzeptieren meistens
Überweisungen, Kreditkarten, PayPal oder andere digitale
Zahlungsmethoden. Für viele Menschen gehören diese Bezahlarten
deshalb längst zum Alltag.
In Deutschland gibt es außerdem wie schon erwähnt eine besondere
Karte, die fast jeder Erwachsene besitzt: die Girocard. Früher
wurde sie oft EC-Karte genannt. Obwohl dieser Name offiziell
nicht mehr verwendet wird, sagen viele Menschen noch immer
„EC-Karte“. Mit ihr bezahlen jedes Jahr Millionen Menschen ihre
Einkäufe. Die Girokarte ist verbunden mit dem Girokonto. Das ist
also das Bankkonto, auf das zum Beispiel das Gehalt eingeht. Ich
kann mit der Girokarte das Konto bis zu einem vorher festgelegten
Betrag überziehen. Überziehen bedeutet, dass ich mehr ausgebe,
als ich auf dem Konto habe. Es rutscht dann ins Minus. Aber lang
nicht in dem Maße, wie es bei Kreditkarten möglich ist. Für
Jugendliche kann man diese Funktion komplett sperren, dann können
sie nur das Geld ausgeben, das sie auch wirklich auf dem Konto
haben.
Auch das Smartphone wird immer wichtiger. Mit Diensten wie Apple
Pay oder Google Pay kann man bezahlen, ohne eine Karte aus der
Tasche zu holen. Dafür wird die Kreditkarte einmal im Smartphone
gespeichert. Anschließend reicht es oft, das Telefon kurz an das
Kartenlesegerät zu halten. 51 Prozent der Deutschen zahlen
mittlerweile bargeldlos.
Manche Menschen fragen sich, ob Bargeld irgendwann ganz
verschwinden wird. Im Moment sieht es nicht danach aus.
Euro-Banknoten und Euro-Münzen sind gesetzliche Zahlungsmittel in
allen Ländern der Eurozone. Die Europäische Zentralbank und die
nationalen Zentralbanken stellen weiterhin Bargeld her und sorgen
dafür, dass genügend Geldscheine und Münzen im Umlauf sind.
Gleichzeitig arbeiten viele Länder an digitalen
Zahlungsmöglichkeiten. Auch die Europäische Zentralbank prüft
seit einigen Jahren die Einführung eines digitalen Euro. Dabei
handelt es sich nicht um Bargeld, sondern um eine elektronische
Form des Euro. Ein solcher digitaler Euro würde das Bargeld nach
den bisherigen Plänen nicht ersetzen, sondern ergänzen.
Wir müssen auch bedenken, dass viele finanzielle Angebote in den
USA beheimatet sind. Zum Beispiel die großen Kreditkarten VISA
und Mastercard, aber auch PayPal und ähnliche Dienste. Das sorgt
für eine gewisse Abhängigkeit von den USA. Daher bauen
europäische Firmen und Banken gerade ihre eigenen Netze auf. Wero
ist zum Beispiel ein Dienst, mit dem ich bezahlen kann ähnlich
wie mit PayPal. Aber er ist noch nicht sehr verbreitet.
Mal sehen, wie sich all das weiter entwickelt. Falls Du als
Tourist nach Deutschland kommst, solltest Du auf jeden Fall am
Automaten ein wenig Bargeld abheben. Es kann immer sein, dass Du
irgendwo nicht mit Karte bezahlen kannst.
Text der Episode als PDF:
https://slowgerman.com/folgen/sg323kurz.pdf
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