Heute erzähle ich dir etwas über die deutsche Sprache. Und zwar
über Wörter, die genau gleich gesprochen und geschrieben werden,
aber in verschiedenen Zusammenhängen etwas ganz Unterschiedliches
bedeuten. Ich erkläre dir, was Teekesselchen und Homonyme sind.
Diesen Text hat Matthias Knuth geschrieben, ich verlinke Dir seine
Seite auf slowgerman.com. Ich habe den Text etwas abgeändert und
erweitert. Also, es geht um Wörter, die mehrere Bedeutungen haben.
Zum Beispiel eine Bank, auf der man sitzen kann, und eine Bank, bei
der man ein Konto hat. Oder ein Schloss in der Haustür, in das ich
einen Schlüssel stecken kann, und ein Schloss, in dem früher einmal
ein König oder Fürst gewohnt hat, also ein Gebäude.In der
Sprachwissenschaft werden solche Wörter “Homonyme” genannt. Das
Tolle daran: Wir können mit solchen Wörtern gut spielen.
Beispielsweise können wir ein Ratespiel mit diesen Wörtern machen,
das man in Deutschland “Teekesselchen” nennt. Oder wir können für
ein Thema absichtlich eine Überschrift wählen, die zwei Bedeutungen
haben kann. Das kommt oft in der Werbung vor, aber auch bei
Hashtags auf Twitter. Man erzielt damit mehr Aufmerksamkeit, weil
die Leute für einen Augenblick darüber nachdenken müssen, was
gemeint ist. Ein weiteres solches Wort mit zwei Bedeutungen ist
“Schimmel”. Ein weißes Pferd nennt man “Schimmel”. Aber Schimmel
ist auch der Belag auf verdorbenen Lebensmitteln, der von
Schimmelpilzen hervorgerufen wird. Wahrscheinlich kommt die
Bezeichnung “Schimmel” für ein weißes Pferd sogar daher, dass diese
Pferde nicht weiß geboren werden. Aufgrund eines besonderen Gens
werden sie im Laufe ihres Lebens allmählich weiß, als ob sie von
Schimmel überzogen würden wie ein Käse oder ein Stück altes Brot.
An was denkst du, wenn du an das Wort „Flügel“ denkst?
Wahrscheinlich an einen Vogel, oder? Ein Vogel hat zwei Flügel, mit
denen er fliegen kann. Aber auch dieses Wort ist ein Homonym, und
zwar heißt auch ein großes Klavier „Flügel“. Und auch unser Planet,
die Erde, ist ein Homonym. Denn in der deutschen Sprache grabe ich
beispielsweise in der Erde, wenn ich im Garten arbeite. Da grabe
ich nicht im ganzen Planeten, sondern in der braunen Masse, die wir
auch Erde nennen. Bleiben wir im Garten. Du weißt vielleicht, dass
ich ein paar Bonsai als Hobby habe. Zum Beispiel eine Kiefer. Na,
merkst du was? Genau, wieder ein Homonym. Denn nicht nur der
Nadelbaum mit den langen Nadeln heißt Kiefer, sondern auch der
große Knochen in unserem Gesicht. Was fällt mir noch ein? Der Ball
zum Beispiel. Das kann ein rundes Sportgerät sein, also
beispielsweise ein Fußball, aber ich kann auch auf einen Ball gehen
- dann ist der Ball eine Veranstaltung, bei der getanzt wird. Und
bei einer Birne denken zumindest die älteren von uns an eine
Glühbirne und an ein Stück Obst. Die jüngeren kennen wahrscheinlich
nur noch LED-Lampen, oder? Du merkst aus diesen Beispielen, dass du
keine Angst vor Homonymen haben musst. Denn auch wenn das Wort
alleine mehrere Bedeutungen hat, wird aus dem Zusammenhang schnell
klar, ob es sich um eine Bank mit Geld oder eine Bank mit Sitz
handelt.Spielen wir jetzt noch ein bißchen Teekesselchen? Also:
Mein Teekesselchen ist oben an jedem Zimmer dran.
Mein
Teekesselchen hält mich im Bett schön warm.
Die Antwort ist: Die
Decke.Oder:
Mein Teekesselchen ist sehr lästig, vor allem für
Kühe.
Mein Teekesselchen ist eine gute Alternative zur Krawatte.
Die Antwort ist: Die Fliege.Mein Teekesselchen ruft morgens auf dem
Misthaufen, damit alle aufwachen.
Mein Teekesselchen gibt mir
immer frisches Wasser.
Die Antwort ist: Der Hahn. Text der Episode
als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg233kurz.pdf
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