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Literatur Radio Hörbahn Archiv

2489 Episoden
11 Minuten
Großbürger, Gräfinnen und Geopolitik

Alexander Münninghoff rekonstruiert in „Der Stammhalter“ das ‚Alte Europa‘ als Familienchronik

Solche Großväter wie Joannes Münninghoff, von denen der schon 2020 verstorbene Enkel Alexander Münninghoff in seinem – wie es im Untertitel heißt – „Roman einer Familie“ erzählt, sind Figuren wie aus dem Mythos. Zumindest gehören sie einer Zeit an, in der für das politische, soziale und private Leben in Europa noch gänzlich andere Koordinaten gegolten haben als für die Enkelgeneration. Um diesen Großvater als Familien- und Geschichtszentrum entfaltet und gestaltet Münninghoff das tatsächlich europäische Panorama seiner Genealogie. …

Von Bernhard Walcher
5 Minuten
Sandra Hoffmann

DRAUSSEN – jeden Montag ein Stück Leben

im Literaturportal Bayern und Literatur Radio Hörbahn

DRAUSSEN – “Riechen”, gesprochen von der Autorin

In dieser wöchentlichen Kolumne schildert Sandra Hoffmann, was sie draußen, unterwegs auf dem Land und der Natur erlebt. Ob sie nun Rehe und Fasane beobachtet oder das Licht beobachtet, Kräuter sammelt, Suppen aus allem kocht, was das Hochbeet hergibt.

Vor allem aber geht es um das Draußensein selbst. In einer Gegenwart, die uns die Folgen des langen menschlichen Raubbaus an der Natur immer drastischer vor Augen führt, sind darin wesentliche gesellschaftspolitische Fragen angelegt. Sandra Hoffmann geht dem in Form einer Schule der Wahrnehmung nach: Da DRAUSSEN gibt es etwas zu sehen, zu spüren, zu holen und zu schützen und nun auch zu hören!

Sandra Hoffmann lebt nach einem Studium der Literaturwissenschaft, Mediävistik und Italianistik (M.A.) seit 2003 als freie Schriftstellerin. Seit Ende 2012 in München. Sie hat seither 6 Romane veröffentlicht, schreibt Radiofeature und Radioessays für den Bayerischen Rundfunk und den Südwestrundfunk, für den sie auch Sachbücher bespricht. Für DIE ZEIT schreibt sie v. a. Reisereportagen. Für das Literaturportal Bayern schrieb sie von 2020 – 2022 die Kolumne DRAUSSEN. Sie unterrichtet kreatives und literarisches Schreiben u. a. an der Universität Karlsruhe, dem Literaturhaus München und für die Bayerische Akademie des Schreibens, sowie für Goetheinstitute im Ausland.

Buchveröffentlichungen:

schwimmen gegen blond, eine erzählung in 52 tagen, C.H. Beck, 2002

Den Himmel zu Füßen, Roman, C.H. Beck, 2004

Liebesgut, Roman, 2008, C.H. Beck, 2008

Was ihm fehlen wird, wenn er tot ist, Hanser Berlin, 2012

Paula, Hanser Berlin, 2017

Das Leben spielt hier, Roman, Hanser Jugendbuch, 2019
1 Stunde 32 Minuten
Der Gründer der Muslimbruderschaft Hasan al-Banna (1906 – 1949) zählt zu den bedeutendsten Vordenkern und Aktivisten des Islamismus. In seinem Kampf gegen Kolonialismus, christliche Mission und Verwestlichung verknüpfte er nicht nur islamische Traditionen mit europäischen Ideen der Selbsthilfe und Selbstermächtigung. Er übersetzte die Idee einer islamischen Reform und Erneuerung in organisiertes, praktisches Handeln. In ihrer glänzend geschriebenen Biographie führt Gudrun Krämer eine islamische Moderne vor Augen, die bislang weithin verkannt wurde.

Die Muslimbrüder gehören seit ihrer Gründung im Jahr 1928 zu den einflussreichsten islamischen Bewegungen der Gegenwart, auf die sich islamische Aktivisten von der palästinensischen Hamas bis zur türkischen AKP beziehen. Auf der Grundlage vielfältiger, bislang kaum ausgeschöpfter arabischer Quellen zeigt Gudrun Krämer, wie Hasan al-Banna aus einem sufisch inspirierten Bildungs- und Wohltätigkeitsverein eine Massenorganisation mit Hunderttausenden von Anhängern schuf, die unter Berufung auf die Religion Politik machte. Neben einem eigenen Zweig der Muslimschwestern entstand im Schatten des Zweiten Weltkriegs auch ein Geheimapparat. Ende 1948 wurde die Muslimbruderschaft verboten, wenig später fiel al-Banna einem Attentat zum Opfer. Noch heute dient er nicht-jihadistischen Islamisten als Referenz. Gudrun Krämer erhellt die ideengeschichtlichen Grundlagen, das soziale Umfeld und den politischen Kontext der Bewegung, porträtiert Mitstreiter und Gegner und erschließt anhand der Biographie Hasan al-Bannas eindrucksvoll ein Schlüsselkapitel in der Geschichte des modernen Islam.

Gudrun Krämer war bis zu ihrem Ruhestand Professorin für Islamwissenschaft an der Freien Universität Berlin und Direktorin der Berlin Graduate School Muslim Cultures and Societies. Sie ist Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, des Wissenschaftsrats und Mitherausgeberin der Encyclopaedia of Islam Three. 2010 wurde sie mit dem Gerda Henkel Preis ausgezeichnet. Bei C.H.Beck erschienen von ihr u.a. die Standardwerke “Geschichte Palästinas” (2015) und “Geschichte des Islam” 
13 Minuten
ein Beitrag von Clemens Bruno Gatzmaga

Die erste Ausgabe 2023 zum Thema NEUANFÄNGE ist da: mit bekannten Rubriken, wie den KULTURBRIEFEN und BUCHREZENSIONEN, aber auch neuen Rubriken, wie KORRESPONDENZEN, WISSENSCHAFT ERZÄHLT, FUNDSTÜCK und KRITIK DER KRITIK.

Clemens Bruno Gatzmaga, sein Debutroman “Jacob träumt nicht mehr” stand 2021 auf der Shortlist für den Österreichischen Buchpreis. 2022 nahm er auf Einladung am Ingeborg-bachmann-Wettbewerb teil.
19 Minuten
Unter der Überschrift „Rätsel des Lebens“ schreiben wir jeden Monat in unserer Kolumne darüber, was uns in der aktuellen Gesellschaft als erstaunlich, rätselhaft, aufsehenerregend oder amüsant erscheint.

Rätsel des Lebens. Warum, um Gottes Willen, haben wir uns insgesamt 50 Folgen der Netflix-Serie „The Crown“ angesehen, von denen jede 58 Minuten dauert? Die Windsor-Story in Einzelhappen über Monate genossen oder als Binge Watching reingezogen – und dabei gefiebert, gelacht, geweint und schließlich getrauert, als alles vorerst vorbei war? …

Den Text der Kolumne finden Sie hier

 

Hermann Bredehorst

Dirk Kaesler Prof. Dr., war nach seiner Promotion und Habilitation an der Universität München von 1984 bis 1995 Professor für Allgemeine Soziologie an der Universität Hamburg, von 1995 bis zu seiner Pensionierung 2009 an der Universität Marburg. Er lebt inzwischen in Potsdam. Zu seinen Forschungs- und Publikationsschwerpunkten gehören Wissenschafts- und Religionssoziologie, Politische Soziologie, Geschichte und Theorien der Soziologie, ihre Klassiker und Hauptwerke und dabei vor allem Max Weber. Zu seinen letzten Buchveröffentlichungen gehören die 2014 im Verlag C.H. Beck erschienene Biographie „Max Weber. Preuße, Denker, Muttersohn“ und sein zusammen mit Stefanie von Wietersheim 2021 im Verlag LiteraturWissenschaft veröffentlichter Band “Schön deutsch. Eine Entdeckungsreise”.

2009 bis 2014 sind in “literaturkritik.de” regelmäßig seine Glossen “Abstimmungen mit  der Welt” erschienen.

Stefanie von Wietersheim ist Kulturjournalistin und Buchautorin. Ihre Bildbände Frauen & ihre Refugien, Vom Glück mit Büchern zu leben und Mütter & Töchter wurden zu Klassikern ihres Genres. In ihrem Buch Grand Paris – Savoir-vivre für Insider und solche, die es werden wollen schreibt sie über ihre Wahlheimat Frankreich. Sie geht als Autorin der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung im In- und Ausland auf Reportage. Zusammen mit Dirk Kaesler veröffentlichte sie 2021 im Verlag LiteraturWissenschaft.de Schön deutsch. Eine Entdeckungsreise.
33 Minuten
Waren die Ursprünge der Comics die Höhlenmalereien in Lascaux, die ägyptischen Hieroglyphen oder der Teppich von Bayeux? Populär wurden Comics Ende des 19. Jahrhunderts durch das Massenmedium Zeitung in den USA. Hier erfreuten knallbunt und im Riesenformat abgedruckte Serien wie Yellow Kid, Little Nemo oder Krazy Kat die Leserschaft, sorgten für hohe Auflagen und machten ihre Schöpfer zu sehr reichen Männern. Auch deutschstämmige Zeichner wie der Bauhaus-Künstler Lyonel Feininger und der aus Schleswig-Holstein stammende Rudolph Dirks mit seinen von Max und Moritz inspirierten Katzenjammer Kids trugen maßgeblich zur Beliebtheit von Comics bei.

Nach den großen Erfolgen der Ausstellungen zu Batman und Marvel laden wir in Kooperation mit dem Comicfestival München zu einer Reise durch die faszinierende Welt der Zeitungscomics ein und feiern damit auch den 50. Geburtstag von Dik Brownes Hägar. Gezeigt werden historische Zeitungsseiten, Original-Zeichnungen und seltene Sammlerstücke von Klassikern wie Flash Gordon, Tarzan, Blondie, Pogo, Prinz Eisenherz, Peanuts, Garfield, Zits und vielen anderen Comics. Präsentiert werden auch deutsche Zeitungscomics mit jeweils aktuellem Zeitbezug, so STRIZZ von Volker Reiche und die Känguru-Comics von Marc-Uwe Kling und Bernd Kissel, in denen zwei US-amerikanische Milliardäre namens Elon und Jeff Gastauftritte absolvieren und sich in einer Raumstation auf den Keks gehen.

Im Rahmen des Comicfestivals München finden weitere Events rund um das Thema Zeitungscomics bei uns statt. Informationen zu den Veranstaltungen finden sie hier.​​​​​​​

Montag bis Donnerstag 10 – 17 Uhr

Freitag 14 – 20 Uhr

Samstag 10 – 18 Uhr

Öffnungszeiten während des Comicfestivals (Donnerstag, 08 Juni 2023, bis Sonntag, 11. Juni 2023): 10-20 Uhr.

Die Ausstellung ist sonntags und feiertags geschlossen. An Fronleichnam (Donnerstag, 08. Juni 2023) ist die Ausstellung regulär geöffnet.

Dienstag, 06. Juni 2023, bis Samstag, 30. September 2023Öffnungszeiten
14 Minuten
Eine Freundschaft im Zeichen Stefan Georges

Zum Briefwechsel von Edith Landmann und Renata von Scheliha

Als vor einigen Jahren der Band Frauen um Stefan George erschien, wurde erstmals sichtbar, welche nicht unbedeutende Rolle Frauen in diesem männergeprägten Kreis um den Dichter Stefan George einnahmen. Die vorliegende Auswahl aus dem Briefwechsel zweier außergewöhnlicher Frauen gibt bemerkenswerte Einblicke in die mehr und mehr vergessene Welt des George-Kreises, seines Denkens, der dort kultivierten Haltung und seines Weiterlebens nach dem Tode des Dichters. Der Band enthält nur ca. ein Viertel der zwischen Edith Landmann und Renata von Scheliha in den Jahren 1934 bis 1951 gewechselten Briefe, deren Auswahl Marianne von Heereman, die lebensbegleitende Freundin Renata von Schelihas, zusammenstellte und mit einem biographischen Vorwort einleitete. Für die Publikation wurde die Auswahl nach Heeremans Tod von Christiane Kuby und Herbert Post nochmals gestrafft und mit Anmerkungen versehen, um – wie es die Editorische Notiz ausführt – die Persönlichkeiten und die Arbeitsgemeinschaft der beiden Korrespondentinnen für heutige Leser zu konturieren. …

Von Friedrich Voit
12 Minuten
Am Publikum vorbei?

Kai Sina erinnert an die Zeitschrift „TransAtlantik“ und ihre Gründer Hans Magnus Enzensberger und Gaston Salvatore – heraus kommt eine Geschichte des Scheiterns auf hohem Niveau

Wer erinnert sich eigentlich noch an „TransAtlantik“? Die Frage kam mir neulich, als ich vor dem überfüllten Bücherregal mit dem Gedanken stand, was davon aussortiert werden könne. Ich sah dabei auf zwei dicke Bände in Preußisch-Blau, darin eingebunden die ersten beiden Jahrgänge der hier genannten Zeitschrift. Ja, wer kennt die noch? Schon kurz danach lag, wie der Zufall es wollte, Kai Sinas Abhandlung zur Rezension auf dem Tisch, die mir unversehens die Frage beantwortete. Ja, die kennt noch jemand, der dazu auch die Geschichte als Teil einer „Zweiten Münchner Moderne“ zu erzählen weiß, wie hochfliegende Pläne nicht nur an der Realität scheitern, sondern wohl auch an erzieherischem Übereifer und an einer gewissen, nicht zu leugnenden Überheblichkeit, wie sie Geistesmenschen eben manchmal pflegen. …

Von Nora Eckert
14 Minuten
Der Mann und die falsche Hierarchisierung der Künste

Gunilla Palmstierna-Weiss erzählt in „Eine europäische Frau“ nicht nur ihr Leben, sondern mehr als ein halbes Jahrhundert Kulturgeschichte

Der Mann von Gunilla Palmstierna-Weiss, Peter Weiss (1916–1982), erhielt 1982 den Georg-Büchner-Preis. Bevor er an den Folgen eines zweiten Herzinfarkts verstarb, machte er sich noch Notizen für die Dankesrede – die er nicht mehr halten konnte. Stattdessen hielt Gunilla Palmstierna-Weiss ihre Rede, abgedruckt in ihren Memoiren, die 2013 in Schweden und in überarbeiteter Fassung auf Deutsch 2022 erschienen sind (kurz vor ihrem Tod im Alter von 94 Jahren). Ein bewegendes Stück Literatur, das Palmstierna-Weiss da geschrieben hat, weil es ihr auch hier, wie oft in diesem Buch, gelingt, einerseits direkt und klar persönliche Beziehungen darzustellen, die sie zugleich (dies besonders im Zusammenhang mit Peter Weiss), in ihren politischen und kulturellen Kontext einordnet. Dabei bleibt sie stets (ich hoffe, das klingt nicht zu verschmockt), zurückhaltend und dezent, ohne etwas zu verschweigen….

Von Kai Sammet
1 Stunde 47 Minuten
Eine besondere Lesung fand im Literaturhaus Heilbronn statt. Der in Heilbronn geborene Autor Rainer Moritz stellte seinen neuen Roman “Das Schloss der Erinnerungen” am Erscheinungstag vor.

Ein Schlösschen im Südwesten Frankreichs, mit Blick auf die Pyrenäen. Lange war es im Besitz angesehener Familien, doch als Jean Durand, der letzte Schlossherr, stirbt, verfällt das Anwesen zusehends. Jeans Witwe, Madame Germaine, ist gezwungen zu verkaufen, an ein Münchner Ehepaar, das das Schloss saniert und zu einer Tagungsstätte mit Chambres d’hôtes ausbaut. Germaine, die die neunzig längst überschritten hat, erhält lebenslanges Wohnrecht, umsorgt von den neuen Besitzern und dem Personal, das die alten Gemäuer im Sommer mit Leben erfüllt, an dem Germaine aber nicht teilnimmt. Seit Jahren schon verlässt sie ihr Zimmer nicht mehr. Morgens hört sie Radio Vatican, abends schaut sie sich Western mit John Wayne an. Die übrige Zeit verbringt sie damit, auf den Tod zu warten, ihren verschwommenen Erinnerungen nachzuspüren und sich die Frage zu stellen, welchen Sinn ihr Leben besaß – und noch besitzt. Bis zwei junge Frauen und ein im Schloss Station machender Schriftsteller sie aus der Reserve locken. Wird der Tod noch eine Weile warten müssen?

Rainer Moritz, 1958 in Heilbronn geboren, ist wohl das, was man breit aufgestellt nennt: Schon mit siebzehn Jahren ließ er sich zum Fußballschiedsrichter ausbilden, später wurde er mit einer Arbeit über Hermann Lenz promoviert, arbeitete als Lektor unter anderem bei Reclam Leipzig und als Programmgeschäftsführer bei Hoffmann und Campe, ehe er 2005 die Leitung des Hamburger Literaturhauses übernahm. Damit nicht genug, Moritz tritt regelmäßig als Literaturkritiker in Erscheinung, übersetzt aus dem Französischen (unter anderem Françoise Sagan und Georges Simenon), kommentiert humorvoll das Weltgeschehen in einer Radiokolumne – und schreibt Bücher: über Fußball, Schlager, Pariser Parks, aber auch über Richard Yates. Zuletzt erschien unter anderem “Mein Vater, die Dinge und der Tod” (2018), ein anrührendes Porträt seines verstorbenen Vaters.
9 Minuten
Wenn die Welt jeden Tag ein bisschen mehr zu Ende ist

Mischung aus Climate Fiction und Nature Writing: Leona Stahlmann lässt in ihrem Roman „Diese ganzen belanglosen Wunder“ einen Kinder-Guru die Zukunft im Marschland wiederentdecken

Wie lebt es sich, zumal als junger Mensch, wenn der Zug in Sachen Klima längst abgefahren ist? Wenn es keine Wale mehr gibt und kein Venedig, wenn in weiten Teilen Europas Wälder und Felder verbrennen und der Weltuntergang einfach nur unaufhaltsam voranschreitet? Für die Zukunft geht zur Jahrhundertmitte jedenfalls keiner mehr auf die Straße, auch nicht freitags. …

Von Oliver Pfohlmann

Den Text der Rezension finden Sie hier

Sprecher ist Matthias Pöhlmann
13 Minuten
Vom Nutzen und Nachteil der Provinz für das Leben

Die sieben in seinem Band „Landkrank“ versammelten Erzählungen von Tobias Schwartz schlagen einen Bogen von der napoleonischen Zeit bis in unsere Gegenwart

Zwei der drei im Berliner Elfenbein Verlag veröffentlichten Romane des Schriftstellers, Dramatikers und Übersetzers Tobias Schwartz – Nordwestwärts (2019) und Vogelpark (2020) – besitzen ihr gemeinsames geographisches Zentrum in der niedersächsischen Provinz. Dort, wo Deutschland an die Niederlande grenzt, liegt unweit von Nordhorn, der Kreisstadt des Landkreises Grafschaft Bentheim, die keine 10.000 Einwohner zählende Kleinstadt Emlichheim. Hier wuchs Schwartz auf, ehe es ihn Mitte der neunziger Jahre nach Berlin verschlug. In Emlichheim erlebte er die kleinen und großen Dramen einer Kindheit nahe an der Natur und fern der großen Welt. Und in die Stadt, in der Europas größte kartoffelverarbeitende Stärkefabrik beheimatet ist, führen auch die meisten der Erzählungen zurück, die Schwartz jetzt in dem Band Landkrank versammelt hat. …

Von Dietmar Jacobsen
11 Minuten
Literatur Radio Hörbahn stellt das Buch in besonderer Weise vor. Christian Bommarius setzt das Panorama eines Jahres der Extreme durch eine Vielzahl meisterhaft erzählter Geschichten und Porträts zusammen. Formal ist es chronologisch nach den Monaten des Jahres 1923 gegliedert. Unsere 12 Sendungen werden jeweils am Anfang eines Monats die Ereignisse des entsprechenden Monats vor 100 Jahren vorstellen.

Wir haben dafür wunderbare Sprecher gefunden, denen es ein Anliegen war, die Ereignisse dieses, für Deutschland und die Welt so wichtigen, Jahres, nach dem Buch von Christian Bommarius in Auszügen zu vertonen. 

Es lesen:

Matthias  Pöhlmann: Januar-April 1923

Steven Lundström: Mai-August 1923

NN September-Dezember 1923

Uwe Kullnick: Einleitungen der Monate Januar-Dezember 1923

DAS TURBULENTESTE UND SPANNENDSTE JAHR DER WEIMARER REPUBLIK

1923 ist das Jahr der Hyperinflation, in der Angestellte die Geldscheine eines Wochenlohns mit der Schubkarre transportierten. 1923 ist das Jahr der Besetzung des Ruhrgebiets und einer heftigen Streikwelle. 1923 ist das Jahr von blutig niedergeschlagenen kommunistischen und nationalsozialistischen Aufstandsversuchen. Und es ist das Jahr radikaler Gegensätze zwischen bitterer Armut einerseits und einer orchideenhaft blühenden Unterhaltungskultur.

1923 ist in seiner Ambivalenz das Ende der Nachkriegszeit und der Auftakt zu den Goldenen Zwanzigerjahren der Weimarer Republik.

Christian Bommarius setzt das Panorama eines Jahres der Extreme durch eine Vielzahl meisterhaft erzählter Geschichten und Porträts zusammen.
4 Minuten
Sandra Hoffmann

DRAUSSEN – jeden Montag ein Stück Leben

im Literaturportal Bayern und Literatur Radio Hörbahn

DRAUSSEN – “Versöhnt”, gesprochen von der Autorin

In dieser wöchentlichen Kolumne schildert Sandra Hoffmann, was sie draußen, unterwegs auf dem Land und der Natur erlebt. Ob sie nun Rehe und Fasane beobachtet oder das Licht beobachtet, Kräuter sammelt, Suppen aus allem kocht, was das Hochbeet hergibt.

Vor allem aber geht es um das Draußensein selbst. In einer Gegenwart, die uns die Folgen des langen menschlichen Raubbaus an der Natur immer drastischer vor Augen führt, sind darin wesentliche gesellschaftspolitische Fragen angelegt. Sandra Hoffmann geht dem in Form einer Schule der Wahrnehmung nach: Da DRAUSSEN gibt es etwas zu sehen, zu spüren, zu holen und zu schützen und nun auch zu hören!

Sandra Hoffmann lebt nach einem Studium der Literaturwissenschaft, Mediävistik und Italianistik (M.A.) seit 2003 als freie Schriftstellerin. Seit Ende 2012 in München. Sie hat seither 6 Romane veröffentlicht, schreibt Radiofeature und Radioessays für den Bayerischen Rundfunk und den Südwestrundfunk, für den sie auch Sachbücher bespricht. Für DIE ZEIT schreibt sie v. a. Reisereportagen. Für das Literaturportal Bayern schrieb sie von 2020 – 2022 die Kolumne DRAUSSEN. Sie unterrichtet kreatives und literarisches Schreiben u. a. an der Universität Karlsruhe, dem Literaturhaus München und für die Bayerische Akademie des Schreibens, sowie für Goetheinstitute im Ausland.

Buchveröffentlichungen:

schwimmen gegen blond, eine erzählung in 52 tagen, C.H. Beck, 2002

Den Himmel zu Füßen, Roman, C.H. Beck, 2004

Liebesgut, Roman, 2008, C.H. Beck, 2008

Was ihm fehlen wird, wenn er tot ist, Hanser Berlin, 2012

Paula, Hanser Berlin, 2017

Das Leben spielt hier, Roman, Hanser Jugendbuch, 2019
29 Minuten
Tillmann Bendikowski

Einleitung + Muttertag – 21. Mai 1939

Literatur Radio Hörbahn stellt dieses Buch in besonderer Weise vor. Können die Menschen in einer Diktatur tatsächlich glücklich an einem Badestrand liegen? Frisch verliebt durch die Straßen schlendern, in ein Café oder ins Kino gehen? Können sie ausgelassen tanzen, lachen und zufrieden sein? Fußball spielen und in den Urlaub fahren, eine Familie gründen und ihre Zukunft planen? Solche Vorstellungen scheinen auf den ersten Blick nicht zu unserem Bild vom »Dritten Reich« zu passen.

Formal ist das Buch chronologisch nach den Monaten des Jahres 1923 gegliedert. Unsere 12 Sendungen werden durch das ganze Jahr führen. Jeweils am 15. des Monats erscheinen die entsprechenden Kapitel. Unsere Serie schließt am 15. Dezember 2023 mit dem Dezember 1939.

Sprecher: 

Uwe Kullnick Dr. Tillmann Bendikowski, geb. 1965, ist Journalist und promovierter Historiker. Als Gründer und Leiter der Medienagentur Geschichte in Hamburg schreibt er Beiträge für Printmedien und Hörfunk und betreut die wissenschaftliche Realisierung von Forschungsprojekten und historischen Ausstellungen. Seit März 2020 ist er als Kommentator im NDR Fernsehen zu sehen, wo er in der Reihe “DAS! historisch” Geschichte zum Sprechen bringt. Bei C. Bertelsmann erschienen zuletzt »Ein Jahr im Mittelalter« (2019), »1870/71: Der Mythos von der deutschen Einheit« (2020) und »Hitlerwetter. Das ganz normale Leben in der Diktatur: Die Deutschen und das Dritte Reich 1938/39«