Perspektiven Archiv
50 Episoden
29 Minuten
Das Format #Real Talk des interreligiösen Netzwerks Iras Cotis wagt den kritischen Religionsdialog im Klassenzimmer. Inwiefern können solche Begegnungen Vorurteile abbauen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken? Warum trägst du ein Kopftuch? Gibt es Dinge, die dich am Christentum stören? Wie würdest du dein Leben gestalten, wenn du nicht jüdisch wärst? Das sind Fragen, die eine Gymi-Klasse der Kantonsschule Rämibühl drei jungen Frauen – einer Muslima, einer Christin und einer Jüdin – im Unterricht gestellt hat. Dahinter steckt das Projekt «Dialogue en route» des Netzwerks Iras Cotis, das sich für den Dialog zwischen unterschiedlichen Religionen und Kulturen einsetzt. Beim Format #Real Talk besuchen jeweils drei junge «Guides» mit unterschiedlichem religiösem Hintergrund eine Schulklasse und erzählen aus ihrer religiösen Praxis. Dabei entsteht im Klassenzimmer ein lebendiger Austausch über Spiritualität, Rituale und Feiertage. Wichtig ist: Die Guides sind keine offiziellen Vertreter und Vertreterinnen ihrer jeweiligen Religion, vielmehr vermitteln sie ihre individuelle Auffassung religiöser Traditionen. Und: Auch ein kritischer und selbstkritischer Blick soll im Klassenzimmer möglich sein. Das Ziel von «Dialogue en route» ist es, Raum zu schaffen für Verständnis, Auseinandersetzung und differenzierte Perspektiven auf gelebte Religionen in der Schweiz. Wie gut gelingt das? Inwiefern kann interreligiöser Dialog Vorurteile abbauen? Und wie muss dieser stattfinden, um den Zusammenhalt in der Gesellschaft zu fördern? Diesen Fragen geht diese Folge von «Perspektiven» nach. In der Sendung kommen zu Wort: · Gymi-Schülerinnen und Schüler der Klasse 2e des Literargymnasiums der Kantonsschule Rämibühl. · Ana, Guide bei «Dialogue en route», Studentin Religionspädagogik · Tehilla, Guide bei «Dialogue en route», Studentin Soziale Arbeit · Wafa, Guide bei «Dialogue en route», Studentin Wirtschaftswissenschaften · Rafaela Estermann, Stellvertretende Geschäftsführerin von IRAS COTIS Autor: Igor Basic
26 Minuten
Abstimmungen fallen in der Schweiz oft knapp aus. Die Meinungen sind gemacht, Kommentare in den Social Media sind gehässig. Was braucht es, damit Menschen mit unterschiedlichen Ansichten wieder ins Gespräch kommen? Lea Suter arbeitet für den Think + Do Tank Pro Futuris, der sich für die demokratische Kultur einsetzt und zur Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG) gehört. Pro Futuris organisiert Anlässe, bei denen Privatpersonen unterschiedlicher Ansichten einen Dialog führen; Lea Suter leitet Dialogprozesse in Gemeinden, die bei einem Thema nicht mehr weiterkommen, weil die unterschiedlichen Interessenvertreter nicht mehr miteinander sprechen. «Bei jedem Dialog ist eines zentral», sagt die Coleiterin für den Fachbereich Dialog bei Pro Futuris, Lea Suter. «Das Zuhören – und das Gehörtwerden.» In der ersten Folge der «Perspektiven»-Sommerserie «Dialog wagen – Wege aus der Polarisierung» fragen wir, wie guter Dialog funktioniert und was es braucht, damit wir trotz Meinungsunterschieden im Gespräch bleiben. Autorin: Yvonn Scherrer
29 Minuten
Der muslimische Mann als gewaltbereiter Macho – ein Klischee, das sich hartnäckig hält. Doch was sagt der Koran wirklich über Männlichkeit? Und was denken junge Muslime in der Schweiz? Eine Auseinandersetzung mit Stereotypen in Zeiten der «Manosphere». Geht es um das Geschlechterverhältnis im Islam, ist das Klischee schnell zur Hand: Der muslimische Mann unterdrückt seine Frau, verteidigt die Ehre der Familie wenn nötig mit Gewalt und hält wenig von Gleichberechtigung. Doch stimmen diese Klischees? Welche Vorstellungen von Männlichkeit bietet der Islam? Und welche Alternativen gäbe es? In «Perspektiven» sprechen wir mit Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide über sein neustes Buch «Jenseits der Härte – warum der Koran keine Machos kennt». Er zeigt auf, dass sich muslimische Vorstellungen von dominanter Männlichkeit durchaus auf die Religion beziehen. Etwa, wenn es darum geht, Frauen zu kontrollieren, weil sie sexuelle Versuchung verkörpern. Gleichzeitig, so Khorchide, bietet der Koran auch Alternativen: Männer, die sich verletzlich zeigen, die Verantwortung übernehmen und Demut und Barmherzigkeit in den Vordergrund stellen. Wie sich muslimische Männlichkeit in der Praxis zeigt, wissen Kambez Nuri und Ahmed Ajil. Kambez Nuri bietet als Sozialarbeiter Workshops an unter dem Titel «Männlichkeit, wer ist das?». Ahmed Ajil ist promovierter Kriminologe, forscht zu Radikalisierung und Einwanderung an der Universität Luzern. In ihrem Podcast «Keshmesh» sprechen sie über ihren Alltag als muslimische Männer in der Schweiz. In einer Zeit, in viel diskutiert wird über toxische Männlichkeit und die Faszination von traditionellen Rollenbilder der Mannosphere, schauen wir in «Perspektiven» hinter die Stereotype vom Macho im Islam und fragen, welche Vorbilder junge muslimische Männer haben. Zu Wort kommen: · Prof. Mouhanad Khorchide, Dekan der islamisch-theologischen Fakultät der Universität Münster. · Ahmed Ajil, Kriminologe, Forschungsmitarbeiter am religionswissenschaftlichen Seminar der Universität Luzern. · Kambez Nuri, Sozialarbeiter und Mitgründer der Fachstelle «Oh boy» Autorin: Nicole Freudiger Angaben zum Buch: Mouhanad Khorchide. Jenseits der Härte. Warum der Koran keine Machos kennt. Herder Verlag, 2026.
28 Minuten
Verkümmert im digitalen Zeitalter unsere Fähigkeit zur Wahrnehmung der Sinne? Ein Selbstversuch im «Sensorium» bei Bern zeigt, wie die bewusste Aktivierung all unserer Sinne das Wohlbefinden steigert und dem Leben neue Sinnhaftigkeit schenken kann. «Sinne» und «Sinn» – die Ähnlichkeit dieser beiden Worte kann kein Zufall sein. Denn welchen Sinn würde das Leben ohne unsere Sinne machen, mit denen wir die Welt hören, schmecken, fühlen, riechen, sehen können? In Zeiten von Social Media und zusehends virtuellen Räumen macht sich jedoch die Befürchtung breit, unsere Sinne könnten verkümmern und somit auch die Sinnhaftigkeit aus unserem Leben verschwinden. Stimmt das tatsächlich? Ja, konstatiert der deutsche Philosoph Matthias Jung. Sein neues Buch «Sinn und Organismus» ist ein Plädoyer dafür, wegen der rasant zunehmenden Digitalisierung unserem Körper als analogem Sinnstifter wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken. «Unsere Sinne stiften Sinn» – sagt auch die SRF-Radiojournalistin Yvonn Scherrer, die seit ihrem siebten Lebensmonat blind ist und mit der Fokussierung auf ihre anderen Sinne die Welt auf eine ganz besondere Art wahrnimmt. Wie verändert eine hohe Aufmerksamkeit gegenüber unseren Sinnen unser Wohlbefinden? Inwiefern können unsere Sinne tatsächlich Sinn stiften? Und wie fühlt sich dieser Sinn an? Diesen Fragen geht diese Folge von «Perspektiven» nach. In der Sendung kommen zu Wort: · Stefan Ledergerber, Leiter «Sensorium» in Rüttihubelbad · Cecilia Vigar, Kulturvermittlerin «Sensorium» in Rüttihubelbad · Matthias Jung, Philosoph und Autor des Buches «Sinn und Organismus» (Matthes & Seitz, 2026) · Yvonn Scherrer, SRF-Radiojournalistin Autor: Igor Basic
28 Minuten
Lange war St. Maurice eine Abtei mit herausragendem Ruf. Ein Missbrauchsskandal, geprägt von Vertuschung und Täterschutz, führte zum Rücktritt des Abtes. Nun ist der neue Abt, Alexandre Ineichen, im Amt und äussert sich im Interview zur Aufarbeitung und den Perspektiven der Abtei. 68 Betroffene und 30 Täter aus dem Umfeld der Abtei. Eine Gemeinschaft, die vertuschte, bis in die 2000er Jahre: So lautet das erschütternde Ergebnis einer Studie, welche die sexualisierte Gewalt in der Abtei St. Maurice untersuchte. In Auftrag gegeben hatte sie das Kloster selbst – nach massivem öffentlichen Druck. Auch Abt Jean Scarcella, selbst mit Vorwürfen konfrontiert, trat nur widerwillig zurück. Seit März 2026 ist nun Alexandre Ineichen im Amt. An seiner Weihe gedachte er den Betroffenen. Zudem ist seit Herbst 2025 ein Aktionsplan in Kraft. Er sieht obligatorische Weiterbildungen zur Missbrauchsprävention vor, die Anerkennung des Leids der Betroffenen und eine Kommission, die die Umsetzung der Massnahmen überwacht. Wo also steht die Abtei bei der Bewältigung des Skandals? Welche Herausforderungen stehen noch an? Und welche Vision hat der neue Abt für die Zukunft der altehrwürdigen Abtei? Alexandre Ineichen stellt sich den Fragen in «Perspektiven». Autorin: Nicole Freudiger
28 Minuten
Sie forderten eine staatliche Entschädigung für Mutterschaft und wollten das Erbrecht abschaffen. Schon vor 200 Jahren propagierten die Saint-Simonistinnen die Befreiung der Frauen. Die Radikalität ihres Denkens fasziniert bis heute. Und irritiert. 1832 gründeten Arbeiterinnen und Autodidaktinnen in Paris die Zeitschrift «La Femme libre». Sie schrieben gegen Ausbeutung und Tyrannei an und für die Befreiung der Frauen. «Diese Frauen ergriffen das Wort, das ihnen niemand erteilt hatte», sagt die Historikerin Caroline Arni. In ihrem Buch «Wir, nicht wir – Frühsozialistischer Feminismus» erzählt sie die Geschichte dieser revolutionären Frauen. Bei Perspektiven fragen wir: Was bleibt vom Erbe dieser «unwahrscheinlichen Autorinnen», die die Abstammung von der Mutter zum Ausgangspunkt einer Theorie der Gleichheit machten? Gast: Caroline Arni, Historikern Buchhinweis: Wir, nicht wir - Frühsozialistischer Feminismus. Verlag Klaus Wagenbach Berlin, 2026 Autorin: Anna Jungen
28 Minuten
Die meisten Kirchen halten «christlichen Nationalismus» für paradox. Er entstelle und gefährde das Christentum, warnt etwa Washingtons Bischöfin Mariann Budde. Anti-demokratische Bewegungen geben vor, «christliche Werte» zu schützen, auch in Europa. - EVP-Nationalrat Marc Jost ist alarmiert. Die USA feiern gerade ihr 250-jähriges Bestehen. Vielen dort gilt ihr Land als «God’s own country». Das war lange nicht nationalistisch, sondern patriotisch gemeint. Die USA stehen seit 250 Jahren für «Religionsfreiheit für alle». – Das scheint sich unter der Trump-Administration zu wandeln. Verteidigungsminister Pete Hegseth spricht von der Wiedergeburt einer rein «christian nation». Und Aussenminister Marco Rubio sagt, die Seele der US-Nation sei schon immer christlich gewesen. Diese Haltung ist zwar Minderheitenmeinung in der US-Bevölkerung. Aber sie macht Sorgen. Auch in Europa - in Russland, Polen oder Ungarn unter Viktor Orbán - zeigten sich die demokratiefeindlichen Tendenzen von sogenannt christlichem Nationalismus. Davor warnt der christliche Schweizer Politiker und EVP-Nationalrat Marc Jost. Im sogenannt «christlichen Nationalismus» würden christliche Werte missbraucht, um eine unmenschliche Machtpolitik zu legitimieren. Echte christliche Ethik etwa würde niemals die Ausgrenzung von Menschen oder Gewalt gegen Geflüchtete stützen. Die Regierenden in den USA oder Russland berufen sich in ihrer Kriegspolitik auf Gott und die Bibel. Wie kann das sein? Und wie gefährlich ist sogenannt «christlicher Nationalismus» für die Welt? Das fragen wir EVP-Nationalrat Marc Jost in dieser Ausgabe von Perspektiven. Autorin: Judith Wipfler
27 Minuten
Buddhistische Konzepte und Meditation sind längst in die westliche Alltagskultur eingeflossen. Wie werden sie interpretiert und praktiziert? Was hat Achtsamkeitsmeditation mit Buddha und dem vermeintlich ursprünglichen Buddhismus zu tun? Wie kam er überhaupt in den Westen? Buddhafiguren sind hierzulande das Symbol schlechthin für Buddhismus: Ob im Garten unter einem Busch sitzend und sanft lächelnd oder im Büchergestell strahlen Buddhas Ruhe und Gelassenheit aus. Doch um was ging es Buddha vor mehr als 2500 Jahren? Und was ist heute am Hype um Achtsamkeitsmeditation noch buddhistisch? Der Autor und Übersetzer Hans-Günter Wagner hat jahrelang in China gearbeitet, den Buddhismus studiert und bei Tempelbesuchen, im Austausch mit Menschen und in der eigenen Meditationspraxis vertieft kennengelernt. Er sieht sich als Vermittler zwischen Ost und West, zwischen praktizierenden Buddhistinnen und Buddhisten und der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Buddhismus. In seinem neuen Buch «Buddhismus. Eine Spurensuche in der westlichen Kultur» führt er einerseits in die Entstehungsgeschichte des Buddhismus ein und vergleicht buddhistische Vorstellungen etwa in der Philosophie, Ökonomie oder Ökologie mit entsprechend westlichen Konzepten. Im Perspektiven-Gespräch sprechen wir über grundlegend buddhistische Vorstellungen und Konzepte, ob Buddhismus eine Religion oder Philosophie ist und wie er in den Westen gekommen ist. Autorin: Léa Burger Buchhinweis: Hans-Günter Wagner: «Buddhismus. Eine Spurensuche in der westlichen Kultur». Origo, 2026.
29 Minuten
Religiöse Frauengemeinschaften haben sich seit dem 19. Jahrhundert für die Bildung insbesondere von Frauen eingesetzt. Frauen haben im Kloster eine berufliche Perspektive und eine sinnstiftende Tätigkeit gefunden. Eine Ära geht zu Ende. Sieben leibliche Schwestern haben das Kloster Baldegg im Kanton Luzern 1830 gegründet. Entstanden sind Bildungseinrichtungen, darunter fünf Schulen in Baldegg, Hertenstein, Sursee, St. Gallen und Bourguillon im Kanton Freiburg. Die Blütezeit des Ordens war in den 1960er Jahren, damals lebten 1060 Ordensfrauen im Kloster. Heute sind es noch 140 Schwestern. Der Nachwuchs bleibt aus. Die Baldegger Schwestern und andere religiöse Frauengemeinschaften haben für die Bildung von Frauen Pionierarbeit geleistet. Generationen von Frauen haben ihre Schulen besucht. Im 19. Jahrhundert noch stand die Schulbildung von Knaben im Vordergrund, Mädchen durften in ländlichen Gebieten gar nicht zur Schule, Frauen waren von höherer Bildung weitgehend ausgeschlossen. In Klöstern hingegen erhielten sie eine Ausbildung und eine berufliche Perspektive. Der Eintritt ins Kloster war die Möglichkeit für einen gesellschaftlichen Aufstieg: Eine Schwester konnte Leiterin einer Schule oder einer Gemeinschaft mit mehreren Hundert Mitschwestern werden. Nadja Bühlmann ist seit drei Jahren Generaloberin der Baldegger Schwestern. Bereits davor gehörte sie zum Leitungsteam der Gemeinschaft. In «Perspektiven» schaut sie auf die Geschichte ihres Klosters und zeigt, wie die Schwestern das Erbe ihres Klosters in Zukunft weiterführen wollen. Der Kirchenhistoriker Markus Ries erläutert, welchen Beitrag Klöster für die schweizerische Gesellschaft und insbesondere für die Bildung von Frauen geleistet haben. Autor: Norbert Bischofberger
30 Minuten
Sie gehört zu den grossen Vergessenen des 20. Jahrhunderts: die französische Philosophin, Sozialaktivistin und Mystikerin Simone Weil. Eine einzigartige Denkerin, die im Sinne einer bedingungslosen Menschlichkeit mit ihrer Kritik auch vor eigenen Reihen nicht Halt machte. Der französische Philosoph Albert Camus nannte sie den einzigen grossen Geist unserer Zeit – trotzdem blieb Simone Weil vom Philosophie-Kanon weitgehend unbeachtet. Vielleicht, weil sie eine Frau war. Vielleicht, weil sie schon mit 34 Jahren starb. Vielleicht aber auch, weil sie partout in keine Schublade passen wollte. 1909 in Paris in eine jüdisch-intellektuelle Familie geboren, wählte Simone Weil freiwillig ein Leben in Armut. Als überzeugte Linke engagierte sie sich vehement für die Arbeiterklasse, kritisierte jedoch gleichzeitig die Ideen von Marx und schon früh den stalinistischen Sozialismus. Sie war eine scharfsinnige Philosophin und hatte gleichzeitig einen zutiefst christlich-spirituellen Blick auf die Welt. Ihre Analysen über den Totalitarismus der 1930er Jahre, aber auch ihr radikaler Einsatz für Gerechtigkeit haben heute eine neue Dringlichkeit. Der Schweizer Künstler Thomas Hirschhorn etwa widmet Simone Weil in Genf aktuell einen ganzen Pavillon – eine «soziale Skulptur» – die ihren Geist über zwei Monate lang wieder aufleben lässt. Welche Kraft steckt bei Simone Weil in der Verbindung von Philosophie und Spiritualität? Und inwiefern kann ihr ethischer Kompass heute Orientierung für eine gerechtere Welt bieten? Diesen und weiteren Fragen geht diese «Perspektiven»-Sendung nach. In der Sendung kommen zu Wort: · Wolfram Eilenberger, Philosoph und Autor des Buches «Feuer der Freiheit» (Klett-Cotta 2022), in dem es u.a. um Simone Weils Biografie und Philosophie geht · Mae Bengert, Professorin an der HU Berlin für Literatur, Religion und Genderstudies und Mitglied des Simone-Weil-Denkkollektivs · Thomas Hirschhorn, Künstler Autor: Igor Basic
23 Minuten
Ihr Land sei nicht zu verkaufen, sagt Grönlands Bischöfin Paneeraq. Die lutherische Bischöfin ist selbst Inuit. SRF-Korrespondent Bruno Kaufmann erzählt von der Begegnung mit ihr und der grönländischen Kirche. Diese sei im noch so kleinsten Ort auf Grönland präsent und schaffe Zusammenhalt. Bischöfin Paneeraq Siegstad Munk verkörpert die Verbindung von indigener mit christlich-lutherischer Tradition. 90% der Menschen Grönlands sind hier Kirchenmitglieder. Wie wichtig die Kirche für Identität und Zusammenhalt sind, erzählt SRF-Nordeuropa-Korrespondent Bruno Kaufmann. Er bereist Grönland schon seit Jahrzehnten. Das plötzliche geopolitische «Interesse» an dem riesigen Gebiet im Norden überrascht ihn nicht. In Perspektiven erhält er Gelegenheit, mehr über die kulturellen und kirchlichen Prägungen der Region zu erzählen. Grönland erhalte durch die Weltgemeinschaft der Kirchen, dem ÖRK, viel Solidarität. Die wirke. Aber: Welche Wunden hat die christliche Mission im 19. Jahrhundert hinterlassen, da den Menschen dort das Trommeln verboten wurde? Eine Expedition in den hohen Norden. Autorin: Judith Wipfler
31 Minuten
Ob Social Media, Radio oder Fernsehen: Vom 4. bis 10. Mai 2026 arbeiten und gestalten Jugendliche bei SRF mit. Unser Gast Micha Brandstetter gestaltet eine «Perspektiven»-Sendung zum Thema «Dem Zweifel auf der Spur». Wie geht Glauben? Wie geht Zweifeln? Wo zweifelt die Gläubige und wo glaubt die Atheistin? Eine Sendung mit der Theologin Christina Aus der Au und Freidenkerin Sonja Stocker. Gastautor: Micha Brandstetter
29 Minuten
«Frieden» war sein erstes Wort, zuerst kaum beachtet. Seit der harschen Reaktion von US-Präsident Trump wird die Kriegskritik von Papst Leo XIV. nun weltweit gehört. Helena Jeppesen-Spuhler lobt ihn als «Friedenspapst», fordert aber mehr Tempo bei Frauen und Laien in der Kirchenleitung. In seinem Einstehen für Frieden, gegen Gewalt und Ausbeutung bleibt der erste panamerikanische Papst Leo XIV. beharrlich und unbeirrt von Seitenrufen aus Washington. Leo XIV., alias Robert Francis Prevost, geboren in den USA, ist als Augustiner-Mönch und Missionar ein wahrhaft katholischer Weltbürger. Bringt er auch innerhalb der römisch-katholischen Kirche die erhoffte Befriedung? Wie schaut es hier mit Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch aus? Hält Papst Leo XIV. sein Versprechen, den synodalen Weg weiterzugehen und so für mehr Machtteilung und Partizipation von Frauen und nicht Geweihten zu sorgen? Kommt da noch was? In Perspektiven sprechen: · Prof. Dr. Gregor Maria Hoff, Universität Salzburg: Spezialist für ökumenische Theologie und interreligiösen Dialog, Berater der deutschen Bischofskonferenz. Der römisch-katholische Theologieprofessor ist für seinen klaren, kritischen Ton bekannt und Autor des Buchs: «In Auflösung. Über die Gegenwart des römischen Katholizismus». · Prof. Dr. Stefanos Athanasiou: Griechisch-orthodoxer Erzpriester in der Schweiz, Theologieprofessor an der Universität München, Mitglied im Rat der Religionen der Schweiz. Er ist ein begehrter Dialogpartner im ökumenischen und interreligiösen Gespräch. · Helena Jeppesen Spuhler: stimmberechtigte Delegierte an den Weltsynoden in Rom, Mitarbeiterin im Schweizer Hilfswerk Fastenaktion. Sie kennt Papst Leo XIV. seit 2023. Ihr direkter Draht nach Rom und ihre tiefe Verwurzelung in der kirchlichen Arbeit in der Schweiz machen sie zu einer Schlüsselperson im synodalen Prozess in der Schweiz und international. Autorin: Judith Wipfler
30 Minuten
Eine Studie der Universität Zürich zeigt, dass es ein starkes Bedürfnis gibt nach seelischer Unterstützung im Spital oder der Klinik – auch bei Menschen, die mit Kirche nichts am Hut haben. Was braucht es also in Zukunft, um den Bedürfnissen von Patientinnen und Patienten gerecht zu werden? Rund die Hälfte der Zürcher Bevölkerung wünscht sich eine spirituelle Unterstützung bei schwerer Erkrankung. Zu diesem Schluss kommt eine repräsentative Studie der Universität Zürich. Dieses deutliche Ergebnis habe ihn überrascht, sagt Simon Peng-Keller, Theologieprofessor für Spiritual Care und Leiter der Studie: «Erstaunt hat mich, dass dieser Wunsch besonders bei jungen Menschen zwischen 16 und 29 ausgeprägt ist.» Viele der Befragten seien spirituell offen, wollten aber mit institutionalisierter Religion nichts zu tun haben. Was heisst das für die Seelsorge der Zukunft? Soll sie sich weiter öffnen, wie das in den letzten Jahren unter dem Stichwort «Spiritual Care» bereits geschehen ist? Oder bleibt eine konfessionell gebundene Seelsorge wichtig? Welche Konsequenzen hat die eine oder andere Haltung fürs Berufsverständnis und letztlich auch für die Finanzierung? Mit Simon Peng-Keller werden in «Perspektiven» die Studienergebnisse diskutiert ebenso wie die aktuellen Entwicklungen und Zukunftsszenarien im Bereich der Seelsorge im Gesundheitswesen. Autorin: Léa Burger
29 Minuten
Ein herziges Lämmchen in der Bibel-App, das Ratschläge gibt. KI gesteuert. Der spirituelle KI-Chatbot. Oder KI-Agenten, die gar eine eigene Religion gründen. Die KI geht auch an der Religion nicht vorbei. Wo lauern Gefahren, etwa der Radikalisierung? Und wo kann KI nützlich sein? Je extremer, desto besser. Nach diesem Prinzip funktionieren die Algorithmen von Instagram, Youtube, Tiktok und Co. Religiöser Fundamentalismus wird so eher verbreitet als moderate Positionen. Doch wie sieht’s aus bei der KI? Fragt man ChatGPT und Co etwas nach der Stellung der Frau im Koran, erhält man eine differenzierte Antwort. Doch eine neue Untersuchung der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe (Prompting the Qur’an) zeigt auch, dass die KI wenig Raum lässt für verschiedene Interpretationen – und kaum Inhalte aus feministischer oder humanistischer Koran-Interpretation zitiert. Zudem sind im Netz traditionalistische und fundamentalistische Interpretationen von Islam und Christentum weit verbreitet – und daraus speist sich die KI. Christliche Apps wie Hallow werden zudem gefördert und finanziert von US Vizepräsident JD Vance und Tec-Gigant Peter Thiel, die konservative bis weltverschwörerische Positionen vertreten. Was also passiert, wenn Menschen ChatGPT und andere Large Language Models nach religiösen Inhalten befragen? Schürt die neue Technologie religiösen Fundamentalismus? Oder kann sie als Instrument für religiöse Bildung und spirituelle Horizonterweiterung dienen? In Perspektiven sprechen wir mit: • Professor Beth Singler, Religionsanthropologin an der Universität Zürich, Co-Direktorin der Forschungsschwerpunkts «Digital Religion(s)» • Dr. Ibrahim Aslandur, Koranwissenschaftler und Religionspädagoge, forscht an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe u. a. zu Hermeneutik und Bildung in digitalen Räumen. Buchhinweis: Beth Singler. Religion and Artificial Intelligence. An Introduction. Routledge, 2025. Autorin: Nicole Freudiger