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56 Minuten
Was hat die Wochenkrippe mit den Kindern gemacht? Jahrzehntelang wurde darüber vor allem anhand persönlicher Erinnerungen diskutiert. Jetzt gibt es erstmals eine wissenschaftliche Studie, die untersucht, wie es ehemaligen Wochenkindern heute psychisch geht und wie sie Bindung und Beziehungen erleben.

In Folge 12 von UNGEHALTEN sprechen wir mit der Diplom-Psychologin Stefanie Knorr, die an der Universitätsmedizin Rostock an der Studie zur Bindung und seelischen Gesundheit ehemaliger Wochenkinder mitgearbeitet hat. Die Ergebnisse sind bemerkenswert: Bei 91,8 Prozent der untersuchten ehemaligen Wochenkinder wurden die Kriterien für mindestens eine psychische Diagnose im Laufe ihres Lebens festgestellt. Bei ehemaligen Tageskrippenkindern waren es 60 Prozent, bei familienbetreuten Personen 59,1 Prozent. Aber was bedeuten diese Zahlen wirklich? Sind ehemalige Wochenkinder häufiger psychisch krank? Und lässt sich daraus schließen, dass die Wochenkrippe die Ursache war? Stefanie Knorr erklärt, wie die StudieStefanie Knorr erklärt, wie die Studie durchgeführt wurde, wer daran teilgenommen hat und warum die Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf alle ehemaligen Wochenkinder übertragen werden können.

Wir sprechen über psychische Belastungen, Bindungsangst und Bindungsvermeidung, mögliche Traumatisierungen und die Frage, welche Rolle frühe Trennungserfahrungen im späteren Leben spielen. Auch die Untersuchung des Stresshormons Cortisol und die mögliche Weitergabe von Erfahrungen an die nächste Generation kommen zur Sprache. Außerdem erfahren wir, warum es so lange gedauert hat, bis die Folgen der Wochenkrippen wissenschaftlich untersucht wurden, wie die Ergebnisse in der Fachwelt aufgenommen werden und welche Fragen die Forschung noch beantworten müsste.

Die wissenschaftlichen Veröffentlichungen:

Die bleibenden Narben früher emotionaler Deprivation (2025):

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40324441/

Bindung und seelische Gesundheit von ehemaligen Wochenkrippenkindern (2023):

https://link.springer.com/article/10.1007/s00278-023-00687-1

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1 Stunde 19 Minuten
Was braucht ein Baby, um sich sicher in der Welt zu fühlen? Warum sind Berührung, Geruch und Stimme so wichtig? Und was geschieht, wenn in dieser frühen Zeit etwas fehlt?

Darüber sprechen wir in der neuen Folge von „Ungehalten“ mit Dr. Agathe Israel. Die Kinderpsychiaterin, Psychotherapeutin und Psychoanalytikerin beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit frühester Entwicklung und den Folgen früher Trennung. Schon zu DDR-Zeiten setzte sie sich kritisch mit der Betreuung kleiner Kinder auseinander. Später untersuchte sie die Erfahrungen ehemaliger Krippenkinder. Heute engagiert sie sich in der Gesellschaft für frühkindliche Bindung für, die Bedürfnisse von Babys und Kleinkindern stärker in den Mittelpunkt zu rücken.

Unser Gespräch führt deshalb von der Wochenkrippe bis in die Gegenwart: Was prägen die allerersten Erfahrungen für das spätere Leben? Was lässt sich später noch verändern? Wann ist ein Kind bereit für institutionelle Betreuung? Und warum wird über diese Frage bis heute so erbittert gestritten?

Am Ende geht es um eine Frage, die weit über die Wochenkrippe hinausreicht: Was brauchen Kinder am Anfang ihres Lebens und was müssen Eltern und Gesellschaft dafür möglich machen?

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55 Minuten
In dieser Folge von „Ungehalten" führt die Diplom-Psychologin und systemische Therapeutin Katharina Kautzsch das Gespräch über Trauma fort und richtet den Blick nach vorn: Wie lässt sich das Erlebte verarbeiten?

Sie erklärt, dass Traumafolgen neurowissenschaftlich betrachtet nicht „überschrieben", aber durch neue neuronale Vernetzung und positive Erfahrungen verändert werden können. Ausführlich beantwortet sie eine Zuhörerfrage zum Thema Urvertrauen und erläutert den Unterschied zwischen Selbstmitleid und Selbstmitgefühl als zentralem Konzept der Traumaverarbeitung. Kautzsch schildert, wie ehemalige Wochenkinder in ihrer Praxis vorkommen und plädiert dafür, dass Betroffene ihre frühe Geschichte aktiv in Therapien einbringen sollten.

Breiten Raum nimmt ihr Buch „Geborgenheitserleben in Krisen, Leid und Trauer" ein, in dem sie den Begriff der Geborgenheit als Zustand des Gesehen-, Gehalten- und Aufgehobenseins definiert. Sie beschreibt praktische Übungen zur Selbstberuhigung, etwa gezielte Selbstberührung, Körperwahrnehmung und Imagination sicherer Orte, sowie den Unterschied zwischen Bottom-up- und Top-down-Ansätzen in der Traumaarbeit. Weitere Themen sind die Klopftechnik nach Fred Gallo, die neue Therapieform Sinosomatics, die Rolle von Spiritualität als Schutzfaktor gegen Depression nach Forschung von Lisa Miller sowie künstlerische Ausdrucksformen als Bewältigungshilfe. 

Abschließend reflektiert Kautzsch über die eigene Betroffenheit von Therapeutinnen und Therapeuten im Umgang mit traumatisierten Klienten und gibt anhand eines eigenen Fallbeispiels Einblick in ihre Arbeitsweise.

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1 Stunde 14 Minuten
Sie war 16, als sie in eine DDR-Wochenkrippe kam – nicht als Kind, sondern als Auszubildende. Ruth, Jahrgang 1953, erzählt in dieser Folge, was sie dort erlebt hat: Säuglinge, die zu zehnt in einem Zimmer lagen, Bett an Bett, mit einem Laufgitter in der Mitte. Ruth beschreibt die sterile Übergabesituation an einer großen Glastür: Eltern klingelten, das Personal nahm die Kinder entgegen und schloss die Tür wieder – die Eltern mussten draußen warten, bis ihnen am Ende die Kleidung der Kinder übergeben wurde. Die Räume selbst durften sie nie betreten.

Ruth beschreibt den durchgetakteten Alltag zwischen festen Wickelzeiten, Einheitskleidung und minutiös geführten Entwicklungsbögen, in denen jede Fähigkeit der Kinder farblich bewertet wurde. Ein striktes Verbot, sich zu sehr an ein einzelnes Kind zu binden, prägte den Umgang – zu viel Nähe war nicht erwünscht. Als sie sich einmal über die Essensqualität beschwerte, wurde sie zur Strafe in die Windelküche geschickt.

Sie erzählt, wie sie sich selbst in dieser Zeit nicht wiedererkannt hat – eigentlich immer angepasst und brav – und wie sie schließlich gegen den erklärten Willen ihrer Mutter und gegen den Druck des Systems, das ihr „asoziales Verhalten" vorwarf, ihre Ausbildung nach nur neun Monaten abbrach. Vor der versammelten Klasse musste sie sich öffentlich rechtfertigen.

Bis heute erinnert sich Ruth an Namen und Gesichter einzelner Kinder und fragt sich, was aus ihnen geworden ist. Eine ehemalige Erzieherin blickt zurück auf ein System, das Distanz zur Methode erhob. Erstmals in „Ungehalten": die Perspektive von der anderen Seite der Glastür.

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1 Stunde 14 Minuten
In dieser Folge von „Ungehalten" ist die Diplom-Psychologin und Traumatherapeutin Katharina Kautzsch zu Gast, um die Wochenkrippenerfahrung aus fachlicher Perspektive einzuordnen. Sie erläutert Konzepte wie den Totstellreflex, die „traumatische Zange" und die Rolle von Oxytocin bei der Bindungsregulation. Anhand der Unterscheidung zwischen Löwenzahn- und Orchideenkindern erklärt sie, warum Kinder unterschiedlich auf Trennungserfahrungen reagieren. Themen sind zudem die Entwicklung von Objekt- und Personenpermanenz, verschiedene Bindungsmuster nach Mary Ainsworth (sicher, ambivalent, vermeidend, desorganisiert) sowie die Bedeutung von Feinfühligkeit und Framing beim Übergang in die Fremdbetreuung. Kautzsch ordnet die Wochenkrippenzeit als mögliches Entwicklungs- und Bindungstrauma ein und verweist auf epigenetische Forschung zu transgenerationaler Weitergabe von Stresserfahrungen. Diskutiert werden außerdem gesellschaftliche Rahmenbedingungen damals und heute, die Verantwortung von Eltern und Politik sowie aktuelle Debatten um 24-Stunden-Kitas. Die Folge schließt mit einem Ausblick auf die nächste Episode zum Umgang mit solchen Traumata.

Hier der Link zum Buch von Katharina Kautzsch "Geborgenheitserleben in Krisen, Leid und Trauer: Tröstend und heilsam begleiten":

https://www.buch7.de/produkt/geborgenheitserleben-in-krisen-leid-und-trauer-katharina-kautzsch/1048698925?ean=9783525408285

Hier der Link zu ihrer Website:

https://katharina-kautzsch.de/

Wenn Sie Kontakt mit uns aufnehmen wollen, schreiben Sie uns an: ungehalten@wochenkinder.de

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Über diesen Podcast

Willkommen bei „Ungehalten“ – dem autobiografischen Podcast der Wochenkinder. Wir sind Nelia und Alexander. Wir wollen herausfinden, wie die Kindheit mit dem Erwachsenenleben zusammenhängt und ob es tatsächlich nie zu spät ist, eine glückliche Kindheit zu haben.                                                                                                                                                                                                      Wir wollen erklären, was Wochenkinder sind, was das mit den Kindern, den Eltern und Erziehern gemacht hat und wie es den Wochenkindern heute geht. Wir werden unsere Geschichten erzählen und Erziehungswissenschaftler, Psychotherapeuten sowie Kulturschaffende zur Kinderbetreuung befragen. Denn die Frage wann gebe ich mein Kind erstmals dauerhaft in fremden Händen ist auch heute umstritten und ein hoch emotionales Thema.                                                                                                                                                                                                      Ungehalten ist ein Podcast von Wochenkindern für Wochenkinder und alle, die herausfinden wollen, warum wir so ticken, wie wir ticken und was das mit unserer Kindheit zu tun hat.                                                                                                                                                                                                     Beginnend am 1. Juni 2026 erscheint alle zwei Wochen eine neue Folge immer am Montagmorgen.                                                                                                                                                                                                     Der Podcast ist ein Projekt des „Wochenkinder eV“ und wurde durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert.

Kommentare (1)

Sa
Sabin vor 4 Wochen

Wenn Leid gesehen und anerkannt wird, ist das schon die halbe Heilung. Es scheint simpel, wird aber eher selten praktiziert im Hinblick auf Wochenkinder. Wie wohltuend, dass der Podcast diesen wunden Punkt thematisiert. Danke Euch!

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„Ungehalten - Der Wochenkinder-Podcast“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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