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Episoden

1 Stunde 14 Minuten
Sie war 16, als sie in eine DDR-Wochenkrippe kam – nicht als Kind, sondern als Auszubildende. Ruth, Jahrgang 1953, erzählt in dieser Folge, was sie dort erlebt hat: Säuglinge, die zu zehnt in einem Zimmer lagen, Bett an Bett, mit einem Laufgitter in der Mitte. Ruth beschreibt die sterile Übergabesituation an einer großen Glastür: Eltern klingelten, das Personal nahm die Kinder entgegen und schloss die Tür wieder – die Eltern mussten draußen warten, bis ihnen am Ende die Kleidung der Kinder übergeben wurde. Die Räume selbst durften sie nie betreten.

Ruth beschreibt den durchgetakteten Alltag zwischen festen Wickelzeiten, Einheitskleidung und minutiös geführten Entwicklungsbögen, in denen jede Fähigkeit der Kinder farblich bewertet wurde. Ein striktes Verbot, sich zu sehr an ein einzelnes Kind zu binden, prägte den Umgang – zu viel Nähe war nicht erwünscht. Als sie sich einmal über die Essensqualität beschwerte, wurde sie zur Strafe in die Windelküche geschickt.

Sie erzählt, wie sie sich selbst in dieser Zeit nicht wiedererkannt hat – eigentlich immer angepasst und brav – und wie sie schließlich gegen den erklärten Willen ihrer Mutter und gegen den Druck des Systems, das ihr „asoziales Verhalten" vorwarf, ihre Ausbildung nach nur neun Monaten abbrach. Vor der versammelten Klasse musste sie sich öffentlich rechtfertigen.

Bis heute erinnert sich Ruth an Namen und Gesichter einzelner Kinder und fragt sich, was aus ihnen geworden ist. Eine ehemalige Erzieherin blickt zurück auf ein System, das Distanz zur Methode erhob. Erstmals in „Ungehalten": die Perspektive von der anderen Seite der Glastür.

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1 Stunde 14 Minuten
In dieser Folge von „Ungehalten" ist die Diplom-Psychologin und Traumatherapeutin Katharina Kautzsch zu Gast, um die Wochenkrippenerfahrung aus fachlicher Perspektive einzuordnen. Sie erläutert Konzepte wie den Totstellreflex, die „traumatische Zange" und die Rolle von Oxytocin bei der Bindungsregulation. Anhand der Unterscheidung zwischen Löwenzahn- und Orchideenkindern erklärt sie, warum Kinder unterschiedlich auf Trennungserfahrungen reagieren. Themen sind zudem die Entwicklung von Objekt- und Personenpermanenz, verschiedene Bindungsmuster nach Mary Ainsworth (sicher, ambivalent, vermeidend, desorganisiert) sowie die Bedeutung von Feinfühligkeit und Framing beim Übergang in die Fremdbetreuung. Kautzsch ordnet die Wochenkrippenzeit als mögliches Entwicklungs- und Bindungstrauma ein und verweist auf epigenetische Forschung zu transgenerationaler Weitergabe von Stresserfahrungen. Diskutiert werden außerdem gesellschaftliche Rahmenbedingungen damals und heute, die Verantwortung von Eltern und Politik sowie aktuelle Debatten um 24-Stunden-Kitas. Die Folge schließt mit einem Ausblick auf die nächste Episode zum Umgang mit solchen Traumata.

Hier der Link zum Buch von Katharina Kautzsch "Geborgenheitserleben in Krisen, Leid und Trauer: Tröstend und heilsam begleiten":

https://www.buch7.de/produkt/geborgenheitserleben-in-krisen-leid-und-trauer-katharina-kautzsch/1048698925?ean=9783525408285

Hier der Link zu ihrer Website:

https://katharina-kautzsch.de/

Wenn Sie Kontakt mit uns aufnehmen wollen, schreiben Sie uns an: ungehalten@wochenkinder.de

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39 Minuten
In dieser besonderen Folge von „Ungehalten" lädt Alexander seine eigene Mutter Karla als Gast ein, um die Perspektive der Elterngeneration auf das Thema Wochenkrippe zu ergänzen.

Karla, Jahrgang 1944, in Westpommern geboren und als Kleinkind auf der Flucht nach Leipzig gekommen, wuchs selbst größtenteils bei ihrer Großmutter auf, da ihre Mutter arbeiten musste. Sie berichtet von ihrem Wunsch nach Berufstätigkeit und persönlicher Weiterentwicklung, der Schwangerschaft mit Alexander außerhalb einer festen Partnerschaft sowie der Trennung vom Kindesvater kurz vor der Geburt.

Karla schildert die organisatorischen Abläufe der Wochenkrippenzeit, bei denen meist ihre Mutter und der Kindesvater die Übergabe übernahmen, während sie selbst kaum physischen Kontakt zur Einrichtung hatte.

Sie spricht offen über verdrängtes schlechtes Gewissen, die finanzielle Notwendigkeit der Fremdbetreuung mangels Krippenplätzen sowie über Unterschiede zur Betreuung ihres zweiten Sohnes, der nicht in die Wochenkrippe musste. Rückblickend reflektiert sie die psychologischen Auswirkungen der frühen Trennung und äußert den Wunsch, die Entscheidung könnte rückgängig gemacht werden.

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1 Stunde 1 Minute
In dieser sehr persönlichen Folge von „Ungehalten" öffnet sich Podcast-Host Alexander und erzählt erstmals ausführlich von seiner eigenen Kindheit als Wochenkind in der DDR der 1970er Jahre. Schon mit neun Monaten wurde er unter der Woche in eine Wochenkrippe in Leipzig gegeben, weil seine alleinerziehende Mutter keine andere Betreuung fand und schon nach sechs Wochen wieder arbeiten musste.

Zwischen alten Fotos, Entwicklungsbögen und den liebevoll zusammengestellten Erinnerungsbüchern seiner Mutter sucht Alexander nach Spuren einer Zeit, an die er sich selbst kaum erinnern kann – und stößt dabei auf schmerzhafte Details, etwa die Vermutung, seine Geburtstage ganz allein in der Krippe verbracht zu haben.

Offen und mit spürbarer Zurückhaltung spricht er über das Gefühl des Verlassenseins, über nächtliche Einsamkeit als Schlüsselkind und darüber, wie schwer es ihm bis heute fällt, große Nähe und Liebe wirklich anzunehmen.

Zwischen Dankbarkeit für seine Mutter und leiser Wut über ein System, das Mütter zur schnellen Trennung von ihren Babys zwang, entsteht ein bewegendes Porträt kindlicher Prägung – und die Ankündigung, dass seine Mutter in der nächsten Folge selbst zu Wort kommen wird.

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1 Stunde 10 Minuten
Was bedeutet es, wenn frühe Trennungserfahrungen gleich mehrfach zusammenkommen?

In dieser Folge ist Sandy Graf zu Gast. Sie verbrachte ihre ersten Lebensjahre als Wochenkind in der DDR und wurde später adoptiert. Als Erwachsene begann sie, nach ihrer Herkunft zu suchen – und stieß dabei auf Antworten, mit denen sie nie gerechnet hätte.

Wir sprechen über Identität, Scham, Loyalität, die Suche nach den eigenen Wurzeln und darüber, warum manche Fragen ein Leben lang bleiben. Ein persönliches und bewegendes Gespräch über zwei Erfahrungen, die sich gegenseitig verstärken können: Wochenkrippe und Adoption.

Buch: Sandy Graf – „Adoptierte Indianer kennen keinen Schmerz, oder doch?“

Kontakt: Treff für erwachsene Adoptierte unter erwachseneAdoptierteLeipzig@t-online.de

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Über diesen Podcast

Willkommen bei „Ungehalten“ – dem autobiografischen Podcast der Wochenkinder. Wir sind Nelia und Alexander. Wir wollen herausfinden, wie die Kindheit mit dem Erwachsenenleben zusammenhängt und ob es tatsächlich nie zu spät ist, eine glückliche Kindheit zu haben.                                                                                                                                                                                                      Wir wollen erklären, was Wochenkinder sind, was das mit den Kindern, den Eltern und Erziehern gemacht hat und wie es den Wochenkindern heute geht. Wir werden unsere Geschichten erzählen und Erziehungswissenschaftler, Psychotherapeuten sowie Kulturschaffende zur Kinderbetreuung befragen. Denn die Frage wann gebe ich mein Kind erstmals dauerhaft in fremden Händen ist auch heute umstritten und ein hoch emotionales Thema.                                                                                                                                                                                                      Ungehalten ist ein Podcast von Wochenkindern für Wochenkinder und alle, die herausfinden wollen, warum wir so ticken, wie wir ticken und was das mit unserer Kindheit zu tun hat.                                                                                                                                                                                                     Beginnend am 1. Juni 2026 erscheint alle zwei Wochen eine neue Folge immer am Montagmorgen.                                                                                                                                                                                                     Der Podcast ist ein Projekt des „Wochenkinder eV“ und wurde durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur gefördert.
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„Ungehalten - Der Wochenkinder-Podcast“

Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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