Mag. Julia Marte-Schwald hat einen
ungewöhnlichen Zugang zum Lernen. Wer mit ihr über Pädagogik
spricht, landet früher oder später im Stall – bei Cleo und ihren
Eselkollegen. Denn für die Pädagogin sind die Tiere weit mehr als
liebenswerte Begleiter: Sie sind geduldige Lernpartner,
Beziehungsexperten und manchmal auch kleine Lehrmeister in Sachen
Langsamkeit.
Text, Fotos und Podcast: Bandi Koeck
Seit August 2026 ist Marte-Schwald Schulleiterin am Schulstandort
Eschen in Liechtenstein. Zuvor
leitete sie die Praxisvolks- und Praxismittelschule an der
Pädagogischen Hochschule Vorarlberg in
Feldkirch. Ihr beruflicher Weg führte sie von
der klassischen Lehramtsausbildung über Legasthenietraining und
Lerncoaching bis zur Schulentwicklung. Parallel dazu entstand aus
ihrer Begeisterung für Tiere ein zweites pädagogisches Standbein:
der Verein LEB – „Lernen, Erleben und Begegnen“.
Von der Tierärztin zur Pädagogin
Eigentlich schien ihr beruflicher Weg schon früh vorgezeichnet.
Als Kind wollte Julia Marte-Schwald Tierärztin werden. Tiere
gehörten immer zu ihrem Leben. Doch für das Studium hätte sie
nach Wien gehen müssen – und dieser Weg ließ sich damals nicht
mit ihrer Lebenssituation vereinbaren.
Stattdessen entschied sie sich für das Lehramt. Eine
Entscheidung, die sie bis heute nicht bereut. Im Gegenteil: Für
Marte-Schwald gehört der Lehrerberuf zu den schönsten Berufen
überhaupt. Kinder und Jugendliche zu begleiten, ihnen Wissen und
Fähigkeiten mitzugeben und damit ein Stück Gesellschaft
mitzugestalten, empfindet sie als besondere Aufgabe.
Ihr Interesse geht dabei über den Unterricht hinaus.
Schulentwicklung, Teamarbeit und Veränderungsprozesse faszinieren
sie. Sie beschreibt es als besonders erfüllend, gemeinsam mit
einem Team Visionen zu entwickeln, Konflikte auszuhalten und am
Ende zu sehen, dass eine gemeinsame Idee tatsächlich Wirklichkeit
wird.
Seit ihrem Start als Schulleiterin in Eschen steht eine große
Aufgabe bevor: Zwei Schulen sollen zu einem gemeinsamen
Schulstandort zusammengeführt werden. Für eine Pädagogin, die
Entwicklung ausdrücklich als Chance begreift, ist das eine
anspruchsvolle, aber passende Aufgabe.
Und dann kamen die Esel
Dass ausgerechnet Esel eine zentrale Rolle in ihrem pädagogischen
Konzept spielen würden, war zunächst keineswegs geplant.
Marte-Schwald hatte bereits Pferde. Ihr Mann wollte ein eigenes
Tier, um sich im Stall ebenfalls kümmern zu können – und
entschied sich für einen Esel. Aus einem Esel wurden drei. Und
aus der privaten Tierhaltung entwickelte sich schließlich ein
pädagogisches Projekt.
Marte-Schwald beobachtete, dass die Esel viel Zeit im Stall
verbrachten und vergleichsweise wenig Beschäftigung hatten.
Während man mit Pferden reitet, sind Esel häufig einfach da. Also
begann sie, intensiver mit ihnen zu arbeiten, absolvierte
entsprechende Ausbildungen und besuchte Kurse.
Dabei entdeckte sie Eigenschaften, die die Tiere für die
pädagogische Arbeit geradezu prädestinieren.
Esel lassen sich nicht einfach herumkommandieren. Sie machen mit,
wenn sie den Sinn einer Aufgabe erkennen. Für Marte-Schwald liegt
darin ein wesentlicher Unterschied zum Pferd: Beim Esel müsse man
stärker über Beziehung arbeiten. Autorität allein funktioniere
nicht.
Genau diese Eigenart macht die Tiere für sie so interessant. „Die
akzeptieren nicht einfach so eine Autorität, da muss man wirklich
an der Beziehung arbeiten“, beschreibt sie im Gespräch.
Die Kunst der Langsamkeit
Esel bringen etwas mit, das im hektischen Alltag selten geworden
ist: Ruhe.
Sie sind keine Fluchttiere und strahlen eine besondere
Gelassenheit aus. Im Umgang mit Kindern wirken sie
entschleunigend. Diese Ruhe kann sich auf den Menschen übertragen
– und auch Marte-Schwald selbst spricht davon, dass ihre Tiere
sie „erden“.
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