Beim ersten Hahnenschrei Archiv
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Gott hat aber natürlich das Zukünftige nicht nur vorher erkannt, sondern auch vorher angeordnet, und nichts geschieht im Gegensatz zu dem von ihm vorher Angeordneten. Wie nun jemand für töricht gelten würde, der darum bäte, dass die Sonne aufgehe, da er das auch ohne sein Gebet Eintretende durch sein Gebet herbeizuführen verlangte, so wäre auch ein Mensch unverständig, welcher meinte, dass um seines Gebetes willen das einträte, was auch ohne sein Beten auf jeden Fall eintreten würde. Wiederum wie derjenige allen Wahnwitz überbietet, der zur Zeit der Sommersonnenwende durch die Sonne belästigt und vor Hitze vergehend der Meinung ist, die Sonne werde sich infolge seines Gebets zu den Sternbildern des Frühjahrs entfernen, damit er mäßige Luftwärme genießen könnte: ebenso dürfte (auch) der, welcher seines Betens wegen nicht (all) das (Widerwärtige) erleiden zu müssen glaubt, was dem Menschengeschlecht notwendigerweise zustößt, wohl alle Verrücktheit übertreffen.
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Wir wollen daher mit reinem Herzen Gott dienen, dann werden wir gerecht sein; wenn wir aber diesen Dienst unterlassen, weil wir der Verheißung Gottes nicht trauen, werden wir unglücklich sein. Denn also spricht das Wort des Propheten: „Unglücklich sind die Zweifler, die schwanken in ihrem Herzen und sprechen: Das haben wir längst gehört auch schon zur Zeit unserer Väter, und wir haben von einem Tag zum anderen gewartet und nichts davon gesehen. O ihr Toren, vergleichet euch mit dem Baume! Nehmet den Weinstock! Zuerst verliert er Blätter, dann treibt er Schösslinge, dann saure Trauben und dann erst ist die reife Traube da. So hatte auch mein Volk Mühen und Trübsal; dann wird es Wohltaten empfangen“. So wollen wir also, meine Brüder, nicht zweifeln, sondern in Hoffnung ausharren, damit wir auch den Lohn empfangen. Denn getreu ist der, welcher versprochen hat, einem jeden seinen Lohn zu geben nach seinen Werken. Wenn wir also die Gerechtigkeit üben vor Gott, werden wir in sein Reich kommen und die Verheißungen empfangen, die kein Ohr gehört, kein Auge gesehen, die in keines Menschen Herz gedrungen.
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Damit man aber dieses nicht für ein unsinniges und keckes Gerede halte, verlangen wir, dass die Anschuldigungen gegen sie geprüft werden und dass sie, wenn jene sich als begründet herausstellen, nach Gebühr bestraft werden. Wenn man aber nichts nachweisen kann, so verbietet die wahre Vernunft, auf ein übles Gerücht hin unschuldigen Menschen Unrecht zu tun oder vielmehr euch selbst, wenn ihr nicht nach vernünftiger Entscheidung, sondern nach Leidenschaft die Dinge zu verhängen beliebet. Denn für eine angemessene, ja für die einzig gerechte Forderung wird jeder Vernünftige die erklären, dass die Untergebenen von ihrem Leben und von ihrem Denken eine Rechenschaft ablegen, der man nichts anhaben kann, dass aber ihrerseits auch die Machthaber sich hei Abgabe ihres Urteils nicht von Gewalttätigkeit und Willkür, sondern von Frömmigkeit und Wahrheitsliebe leiten lassen; denn nur so werden sowohl die Regierenden, als auch die Regierten des Glückes teilhaftig. Sagte doch auch irgendwo einer der Alten: „Wenn nicht Regierende und Regierte Philosophen sind, können die Staaten nicht gedeihen“.
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Als so der Teufel zum andern Mal seine Untertanen verjagt sah, hetzte er wiederum jene Leute auf, dass sie zum Erzbischof gingen und sagten: Herr, du hast ja Macht über uns, aber wir können jenen Mann nicht mehr ertragen. Heiß ihn von dort weggehen, denn er ist ein Betrüger. Da schickte der selige Anatolios den Richter der heiligen Kirche nebst den Häschern hin, und sie brachen bei Nacht die einstige Türe mit Hebeln auf und führten den Heiligen in die Stadt. Und als sie in die erzbischöfliche Wohnung kamen, fragte ihn der selige Anatolios: Wer bist du und wie bist du in diese Gegend gekommen? Und sage uns, welches dein Glaube ist? Der Knecht Gottes aber legte durch einen Dolmetscher seinen untadeligen Glauben dar. Da erhob sich der selige Anatolios und gab ihm einen Kuss und lud ihn ein, in seinem Hause zu bleiben. Die Leute aber, die ihn angezeigt hatten, entließ er mit den Worten: Geht und verhaltet euch ruhig, ich habe große Erbauung an diesem Mann gefunden! Da mussten sie gehen und ihn im Hause des Erzbischofs lassen.
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Während die Philosophen der früheren Zeit in ihren Anschauungen über die Vorsehung übereinstimmten und keine Ungewissheit darüber herrschte, dass die Welt von Gott mit Vernunft geschaffen ist und mit Vernunft regiert wird, so trat zuerst von allen Protagoras zu den Zeiten des Sokrates mit der Behauptung auf, es sei ihm nicht ganz klar, ob es eine Gottheit gebe oder nicht. Diese Sprache ward für so gottlos, so im Widerspruch mit Wahrheit und Religion erachtet, dass die Athener ihn selbst aus ihren Grenzen vertrieben und seine Schriften in öffentlicher Versammlung verbrannten. Auf seine Ansichten brauchen wir nicht näher einzugehen, da er nichts Bestimmtes ausgesprochen hat. In der Folgezeit blieben Sokrates und sein Zuhörer Plato sowie die Philosophen, die von Platos Schule wie Bächlein nach verschiedenen Richtungen sich ergossen, die Stoiker und Peripatetiker, bei den Anschauungen der früheren Zeit. Später trat Epikur auf und erklärte: „Es gibt zwar einen Gott; denn es muss etwas in der Welt sein, das hervorragend, ausgezeichnet und glückselig ist; aber eine Vorsehung gibt es nicht. Bei der Entstehung der Welt hat weder Vernunft noch Kunst noch Geschicklichkeit gewaltet, sondern das All der Dinge hat sich aus gewissen winzigen Sämchen, die unteilbar sind, zusammengesetzt.“ Das ist wohl der größte Widerspruch, den man sich denken kann. Wenn es einen Gott gibt, so muss er seinem Wesen nach fürsorgend sein; denn anders kann ihm die Gottheit nicht zuerkannt werden, als wenn er die Vergangenheit innehat, die Gegenwart erkennt und die Zukunft voraussieht.
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In unserer letzten Predigt haben wir euch, wie wir glauben, in wohlberechtigter Weise die Teilnahme am Kreuzestode Christi empfohlen; soll doch das Ostergeheimnis im Leben der Gläubigen ein Echo finden und auch in unserem Wandel zum Ausdruck kommen, was wir an diesem Festtag feiern! Welchen Nutzen eine solche Teilnahme bringt, das habt ihr an euch selbst erfahren: Aus eueren frommen Übungen habt ihr gelernt, wie sehr es für Leib und Seele von Vorteil ist, längere Zeit hindurch zu fasten, öfters zu beten und reichlicheres Almosen zu spenden; denn es gibt wohl keinen unter euch, der nicht durch diese Selbstverleugnung gefördert worden wäre und nicht in der Tiefe seines Herzens etwas geborgen hätte, worüber er sich mit Recht freuen könnte. Allein dieser Gewinn muss dauernd gehütet werden, damit sich unser frommer Eifer nicht in Lauigkeit verwandle und uns der neidische Satan nicht rauben kann, was wir durch Gottes Gnade erreicht haben. Da wir also deshalb das vierzigtätige Fasten beobachteten, um während der Leidenszeit des Herrn an uns selbst einigermaßen sein Kreuz zu verspüren, müssen wir auch darnach streben, als Teilnehmer an seiner Auferstehung zu erscheinen. Schon während unserer irdischen Wanderschaft müssen wir vom Tode zum Leben übergehen. Jeder Mensch, der irgendeine Umwandlung durchmacht, hört auf zu sein, was er war, und beginnt zu sein, was er nicht war.
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Man muss sorgfältig darauf achten, was den Landessitten, den Zeitumständen und den persönlichen Verhältnissen des einzelnen angemessen ist: sonst brandmarkt man vielleicht voreilig etwas als Schandtat. So ist es durchaus möglich, dass der Weise, ohne irgendwie den Vorwurf der Schlemmerei und der Gefräßigkeit zu verdienen, die kostbarsten Speisen genießt, während der Tor der schmählichsten Gaumenlust dient, obwohl er nur ganz wertlose Gerichte zu verschlingen trachtet. Alle Leute von gesunder Lebensauffassung ziehen es, so wie es auch der Herr gemacht hat, vor, einen Fisch zu essen, als sich wie das Vieh von Linsen oder Gerste zu nähren, wie es Abrahams Enkel, Esau, gemacht hat. So sind die meisten Tiere bloß deshalb, weil ihre Nahrung aus geringeren Dingen besteht wie die unsrige, keineswegs mäßiger als wir. Denn bei allen Dingen dieser Art hängt das Lob oder der Tadel unserer Tat nicht von der natürlichen Beschaffenheit der zum Gebrauche dienenden Sache ab, sondern nur von dem Grunde, weshalb man sie gebraucht, und von der Art, wie man darnach verlangt.
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Aus einem Brief des Basilius von Cäsarea
Gleichwohl sind wir ja der Mehrheit nach äußerlich miteinander verbunden, nach dem auch der wackere Bosporius sich uns angeschlossen hat. In Wahrheit aber unterstützen sie uns nirgends, nicht einmal im Notwendigsten, so dass auch der Missmut darob zum guten Teil die Genesung aufhält, da schuld der wehen Trauer meine Krankheiten immer wieder sich einstellen. Was kann ich aber allein tun, da die Kanones, wie Du ja selbst weißt, Einem allein solche Maßnahmen nicht gestatten? Und wahrlich, welche Heilmittel habe ich nicht angewendet? An welches Gericht habe ich nicht erinnert — in Briefen und auch bei persönlicher Zusammenkunft? Auf das Gerücht von meinem Tode kamen sie sogar bis in die Stadt. Weil es aber Gott gefiel, dass wir von ihnen noch lebend angetroffen wurden, so legten wir ihnen ihre Pflichten ans Herz. In meiner Gegenwart zeigen sie Ehrfurcht und versprechen, in allweg ihre Pflicht zu tun. Haben sie sich aber entfernt, dann folgen sie wieder ihrem eigenen Kopf.
Gleichwohl sind wir ja der Mehrheit nach äußerlich miteinander verbunden, nach dem auch der wackere Bosporius sich uns angeschlossen hat. In Wahrheit aber unterstützen sie uns nirgends, nicht einmal im Notwendigsten, so dass auch der Missmut darob zum guten Teil die Genesung aufhält, da schuld der wehen Trauer meine Krankheiten immer wieder sich einstellen. Was kann ich aber allein tun, da die Kanones, wie Du ja selbst weißt, Einem allein solche Maßnahmen nicht gestatten? Und wahrlich, welche Heilmittel habe ich nicht angewendet? An welches Gericht habe ich nicht erinnert — in Briefen und auch bei persönlicher Zusammenkunft? Auf das Gerücht von meinem Tode kamen sie sogar bis in die Stadt. Weil es aber Gott gefiel, dass wir von ihnen noch lebend angetroffen wurden, so legten wir ihnen ihre Pflichten ans Herz. In meiner Gegenwart zeigen sie Ehrfurcht und versprechen, in allweg ihre Pflicht zu tun. Haben sie sich aber entfernt, dann folgen sie wieder ihrem eigenen Kopf.
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Meine Gegner sind heftig darüber betrübt, dass sie mich nicht völlig beseitiget haben; und sie stellen sich, als wenn sie mir Feigheit vorwerfen wollten, ohne einzusehen, dass sie durch ein solches Gebrumme den Tadel vielmehr gegen sich selbst wenden. Denn wenn das Fliehen etwas Schlechtes ist, so ist das Verfolgen etwas noch Schlechteres; denn der eine verbirgt sich, damit er nicht umkomme, der andere aber verfolgt, weil er zu morden sucht. Dass aber das Fliehen erlaubt sei, bezeugt die heilige Schrift; wer hingegen aufsucht, um zu morden, der übertritt das Gesetz, ja er gibt vielmehr selbst die Veranlassung zur Flucht. Wenn sie daher die Entweichung tadeln, so sollen sie vielmehr sich schämen, dass sie verfolgen. Denn sie sollen nur aufhören, Nachstellungen zu bereiten, und sogleich werden die Entweichenden zu fliehen aufhören. Aber sie lassen ihre Bosheit nicht fahren, sondern sie unternehmen alles, um uns zu ergreifen, indem sie nicht einsehen, dass die Entweichung der Verfolgten ein großer Beweis gegen die Verfolger sei; denn Niemand flieht vor dem Sanftmütigen und Menschenfreundlichen, sondern man flieht vielmehr vor demjenigen, welcher einen gefühllosen und boshaften Charakter hat.
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Soll ich das Wunderbare der Erchaffung der Pflanzen ausmalen und einen förmlichen Beweis für die schöpferische Weisheit liefern? Hier bietet sich im Anblick der Knospen, dort im Wachstum des jungen Grüns ein Bild des menschlichen Lebens, begegnet dem Auge ein charakteristischer Zug unserer Natur und Beschaffenheit und strahlt deren Spiegelbild wider. Das Grün und die Blume dieses Grases ist ein Sinnbild des menschlichen Fleisches, wie es der treue Dolmetsch der Gottheit mit seinem Stimmorgan ausdrücklich versicherte: »Rufe! Was soll ich rufen? Alles Fleisch ist Gras und alle Herrlichkeit des Menschen wie die Blume des Grases! Das Gras verdorrt und die Blume fällt ab, das Wort des Herrn aber währt in Ewigkeit.« Gottes Urteil spricht aus des Menschen Stimme. Gott spricht: »Rufe!«, doch er spricht es in Isaias. Dieser nun erwiderte: » Was soll ich rufen?« Und als hätte er vernommen, was er sprechen sollte, fügte er bei: »Alles Fleisch ist Gras.« Und so ist es. Wie Gras blüht die Herrlichkeit des Menschen im Fleische auf und ist, so erhaben sie einem dünkt, nichtig wie junges Grün. Früh reif wie die Blume, vergänglich wie das Gras, entfaltet sie wohl äußerlich blühenden Reiz, doch an Frucht keinen dauernden Ertrag. Als des heiteren Lebens Blüte duftet sie frohe Anmut, um nur allzu bald dahinzuwelken wie das Grün des Grases, »das verdorrt, ehe man es ausrauft«. Wo ist denn die Kraft im Leibe, wo die Gesundheit, die von Dauer sein könnte?
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Die neu [in die Kirche] Aufzunehmenden werden von den Lehrern nach dem Grund ihres Entschlusses gefragt, bevor sie unterrichtet werden. Ob sie dazu fähig sind, und über ihre Lebensumstände sollen jene aussagen, die sie her-zubringen. Die Katechumenen sollen drei Jahre unterrichtet werden. Ist einer aber eifrig und voll Liebe zur Sache, so wird nicht die Zeit, sondern der Charakter bemessen. Sollte ein um des Namens des Herrn willen gefangener Katechumene vor Empfang der Taufe zur Vergebung der Sünden nach unerschüttertem Zeugnis getötet werden, so wird er gerechtfertigt sein, denn er wurde in seinem eigenen Blute getauft.
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Niemand empfindet meines Erachtens den augenblicklichen Zustand der Kirchen, oder richtiger gesagt, die Konfusion in ihnen, so schmerzlich wie deine Hochwürden [Athanasius von Alexandrien]. Du kannst ja die Gegenwart mit der Vergangenheit vergleichen und beurteilen, wie weit jene von dieser absteht, und dass, wenn es mit derselben Geschwindigkeit abwärts geht, nichts im Wege stehen wird, dass die Kirchen innerhalb kurzer Zeit eine ganz andere Gestalt annehmen werden. Da habe ich oft bei mir erwogen: Wenn schon uns die Entartung der Kirchen so beklagenswert scheint, wie mag darob erst gestimmt sein, wer den alten, guten Zustand und die Glaubenseintracht der Kirchen des Herrn aus Erfahrung kannte. Aber wie deine Vollkommenheit darob die größte Betrübnis überkommt, so glauben wir gut zu tun, wenn wir auch den größten Teil der Sorge für die Kirche auf deine Einsicht abwälzen. Schon längst weiß auch ich bei meiner beschränkten Einsicht in die Dinge, dass es für unsere Kirchen nur einen Rettungsweg gibt, nämlich das gemeinsame Vorgehen mit den abendländischen Bischöfen.
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Auch das, Petrus, will ich nicht verschweigen, was mir viele, die jetzt aus der Stadt Narni hier leben, lebhaft bezeugen. Als nämlich gleichfalls zur Gotenzeit der vorgenannte König Totila nach Narni kam, ging ihm Cassius, der Bischof dieser Stadt, ein Mann von verehrungswürdigem Lebenswandel, entgegen. Er hatte von Natur aus immer ein rotes Gesicht. Totila hielt das aber nicht für eine Naturanlage, sondern für die Folge beständigen Trinkens und ließ ihn seine ganze Verachtung fühlen. Aber damit der allmächtige Gott zeigte, wie groß der Mann war, der also verschmäht ward, fuhr der böse Geist auf dem Felde von Narni, wohin der König gekommen war, vor dem ganzen Heere in seinen Schwertträger und quälte ihn grausam. Man führte ihn vor den Augen des Königs zum ehrwürdigen Cassius; der Mann Gottes betete und trieb durch das Kreuzzeichen den bösen Feind aus, der es fernerhin nicht mehr wagte, in ihn zu fahren. So kam es, daß der Barbarenkönig von jenem Tage an den Diener Gottes aufrichtig verehrte, den er vorher wegen seines Gesichtes für sehr verächtlich gehalten hatte. Weil er in ihm einen Mann von so großer Wunderkraft sah, legte sein wildes Gemüt den hochfahrenden Stolz gegen ihn ab.
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Als er achtzehn Jahre alt war und noch in seinem Hüttlein wohnte, zogen nachts Räuber gegen ihn aus. Vielleicht meinten sie, etwas zu finden, was sie hätten mitnehmen können, vielleicht fassten sie es als Geringschätzung auf, wenn ein im Knabenalter stehender Einsiedler ihre Überfälle nicht fürchtete. Obwohl sie vom Abend bis gegen Sonnenaufgang zwischen Meer und Sumpf hin und her schweiften, konnten sie doch seine Ruhestätte nicht ausfindig machen. Erst am hellen Tage stießen sie auf den Knaben und fragten ihn scherzhaft: „Was würdest du tun, wenn Räuber zu dir kämen?“ Er gab zur Antwort: „Wer nichts hat, braucht sich vor Räubern nicht zu fürchten“. „Gewiss“, erwiderten sie, „aber du kannst getötet werden“. „Freilich kann ich das“, antwortete er, „aber ich fürchte keinen Räuber, weil ich zu sterben bereit bin“. Da wunderten sie sich über seine Standhaftigkeit und seinen Glauben und versprachen Besserung ihres Lebens, nachdem sie ihm noch Mitteilung gemacht hatten von ihrem nächtlichen Irrgang und ihren mit Blindheit geschlagenen Augen.
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Wenn uns allen obliegt, „uns als Lebendiggewordene Gott hinzugeben”, wieviel mehr dann denen, die aus den Pforten des Todes emporgerichtet wurden! Dies würde aber nach meiner Meinung am besten dann geschehen, wenn wir immer eben die Gesinnung bewahren wollten, die wir im Augenblick der Gefahr hegten. Denn da ward uns wohl so recht klar die Eitelkeit des Lebens und wie nichts, was menschlich, sicher und gewiss ist, weil so leicht Wechselfällen ausgesetzt. Auch kam dabei uns wohl aller Wahrscheinlichkeit nach eine Reue ob der Vergangenheit und ein Versprechen für die Zukunft, im Falle unserer Errettung Gott dienen und mit aller Sorgfalt uns in acht nehmen zu wollen. Wenn Dir nämlich die drohende Todesgefahr einen Gedanken eingab, so hast Du entweder dies oder dem ganz Ähnliches gedacht. So sind wir also verpflichtet zur Einlösung einer dringlichen Schuld. Das habe ich in übergroßer Freude ob der Gabe Gottes, zugleich aber auch aus Besorgnis für die Zukunft Deiner Vollkommenheit nahezulegen mir erlaubt. Es ist aber Deine Sache, unsere Worte wohlwollend und geneigt aufzunehmen, wie es auch Deine Art war bei Gesprächen unter vier Augen.