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Beim ersten Hahnenschrei Archiv

419 Episoden
6 Minuten
Ich hoffte, zu Samosata mit Euer Ehrwürden zusammenzutreffen. Doch war mir solche Zusammenkunft nicht vergönnt, und dies Missgeschick ließ mich nicht kalt. Deshalb überlegte ich mir, wann es mir wohl möglich wäre, in Eure Gegend zu kommen, oder es Euch gefallen würde, zu uns zu kommen. Freilich steht das im Willen des Herrn. Für den Augenblick aber habe ich meinem Sohne Sophronius, den ich eben antraf, wie er zu Euch abreiste, dieses Schreiben mitgegeben, das Euch einen Gruß bringen und unsere Gesinnung bekunden soll, dass wir mit der Gnade Gottes nicht aufgehört haben, Euer zu gedenken und Euretwegen dem Herrn zu danken, dass Ihr einer guten Wurzel gute Sprossen seid, fruchtbar an guten Werken und wirklich wie Lilien unter den Dornen.
5 Minuten
Kein Quäler hatte sich unter das Volk eingedrungen, und es lag durch keinen Unfall und Sturm erschüttert darnieder; wie hat er also Mitleid mit dem niedergeschlagenen und geplagten Volke? Der Herr bemitleidet nämlich das Volk, welches durch die herrschende Gewalttätigkeit des unreinen Geistes geplagt, und unter der Last des Gesetzes krank war; weil sie noch keinen Hirten hatten, welcher ihnen den Schutz des heiligen Geistes gewähren wollte. Und sehr reichlich war die Frucht dieses Geschenkes, aber noch von Niemanden geerntet. Seine Fülle übersteigt nämlich die Menge derer, welche davon nehmen.
4 Minuten
Halte also, teuerster Bruder, das dir anvertraute Steuerruder mit aller Wachsamkeit und wende die Augen deines Geistes auf alles umher, was du als deiner Sorge übergeben erkennst, indem du das behütest, was dir zum Lohne gereichen wird, und jenen widerstehst, welche die Disziplin der Canones zu erschüttern versuchen! Das göttliche Gesetz muss in Ehren gehalten und die Verordnungen der Canones sollen ganz genau beobachtet werden. In den dir anvertrauten Provinzen sollen solche zu Bischöfen des Herrn konsekriert werden, welchen nur die Verdienste (ihres) Lebenswandels und des geistlichen Amtes zur Seite stehen. Persönlichen Gunstbezeigungen, dem Ehrgeiz, erkauften Stimmen gestatte keinen Einfluss!
4 Minuten
Der Friede besteht im Bereich des Körperlichen in der geordneten Zusammenstimmung der Teile, der Friede der vernunftlosen Seele in der geordneten Ruhe der Triebe, der Friede der vernünftigen Seele in der geordneten Übereinstimmung zwischen Erkenntnis und Betätigung, der Friede zwischen Leib und Seele in dem wohlgeordneten Leben und Wohlergehen des Lebewesens, der Friede zwischen dem sterblichen Menschen und Gott in dem geordneten, im Glauben betätigten Gehorsam gegen das ewige Gesetz, der Friede unter den Menschen in der geordneten Eintracht, und zwar der Friede der Familie in der geordneten Eintracht der Angehörigen in Bezug auf Befehlen und Gehorchen, und der Friede im Staat in der geordneten Eintracht der Bürger in Bezug auf Befehlen und Gehorchen, der Friede des himmlischen Staates in der vollkommen geordneten und einträchtigen Gemeinschaft des Gottgenießens und des wechselseitigen Genießens in Gott, der Friede endlich für alle Dinge in der Ruhe der Ordnung. Unter Ordnung aber versteht man eine Verteilung von gleichen und ungleichen Dingen, die jedem seinen Platz anweist.
5 Minuten
Ich wurde daher sehr erbittert und kam in große Verlegenheit. Ich verschweige nämlich nicht, was ich erfahren musste. Wenig fehlte, und ich hätte meine Rede, meine schönste und wertvollste Gabe, mein Hochzeitsgeschenk, zurückbehalten; wenig fehlte, und ich hätte euch, nach denen ich mich gesehnt hatte, angegriffen, nachdem ich nun einmal vergewaltigt war. So Herrliches ließ sich sagen. Dazu hatte Begeisterung die Zunge belebt. Wird aber Begeisterung durch unerwartete Kränkung schmerzlich enttäuscht, dann wird sie zur Erbitterung, und nun ist es ihre Freude, heftig anzugreifen. Wenn einem von euch begeisterte Liebe einmal mit Verachtung beantwortet wurde, versteht er mein Leid und wird mir verzeihen, wenn ich in meinem Leid mich zu solchem Unmut versteige.
4 Minuten
Der römische Bischof Soter starb nach achtjähriger Regierung. Ihm folgte als zwölfter Bischof nach den Aposteln Eleutherus, und zwar im 17. Jahre der Regierung des Kaisers Antoninus Verus. Als damals an verschiedenen Teilen der Erde durch das Hetzen städtischer Einwohner heftige Verfolgungen gegen uns erregt wurden, zeichneten sich Tausende von Märtyrern aus, wie sich aus der Geschichte eines einzigen Volkes erschließen lässt, die der Nachwelt überliefert wurde, und die es auch tatsächlich verdient, unvergessen zu bleiben. Den ausführlichen Bericht hierüber habe ich vollständig meiner Aktensammlung über die Märtyrer einverleibt; er hat nicht nur historischen, sondern auch pädagogischen Wert. Was davon für den vorliegenden Zweck von Bedeutung ist, will ich nunmehr auswählen und anführen.
3 Minuten
Sie alle sind der Meinung, es vermöge menschliche Kraft und Weisheit zur Vollkommenheit und zur Gottgleichheit, nicht etwa bloß zur Gottähnlichkeit, zu gelangen. Infolgedessen stellen sie die Behauptung auf, sie vermöchten nicht einmal in Gedanken oder unbewusst zu sündigen, wenn sie den Gipfel der Vollendung erstiegen hätten. Zwar habe ich im oben erwähnten Briefe an Ktesiphon diese Irrtümer wegen des Mangels an Zeit nur flüchtig gestreift. Doch wird die Schrift, welche ich hiermit beginne, die sokratische Methode zum Vorbild nehmen und die Gründe, die beiderseitig vorgebracht werden können, zur Darstellung bringen. So wird dann die Wahrheit umso klarer zutage treten, wenn jeder seine Ansicht vorzutragen in der Lage ist.
4 Minuten
Auch das enthält die kirchliche Lehre, dass es gewisse Engel Gottes und gute Mächte gebe, die ihm zu Vollbringung der Erlösung der Menschen dienen. Wann sie jedoch geschaffen, welcher Art und welchen Ortes sie seien, wird nirgends bestimmt gesagt. Ebenso wird über das Belebtsein oder die Leblosigkeit der Gestirne öffentlich nichts gelehrt. Dergleichen Hauptsätze (εοιχεια) nun müssen zu Grunde gelegt werden, nach der Anweisung: „zündet euch das Licht der Erkenntnis an“, wenn man nach Anlage derselben ein zusammenhängendes Ganzes (εν σωμα) konstruieren will: in dem Maße, dass das Wahre in jedem Einzelnen durch klare und bündige Schlüsse gesucht, und teils mit Belegen aus der Schrift, teils durch strenge Folgerungen, wie gesagt, als ein Ganzes dargestellt wird.
5 Minuten
Wer also Zeichen und Wunder tut, verurteile nicht einen der Gläubigen, der nicht gewürdigt wurde, sie zu wirken. Denn verschieden sind die Gnadengaben Gottes, von ihm durch Christus gegeben: Du hast diese empfangen, ein anderer eine andere, den Geist der Weisheit oder der Erkenntnis oder der Unterscheidung der Geister oder die Vorerkenntnis der Zukunft oder die Lehrgabe oder die Langmut oder die gesetzliche Enthaltsamkeit. Denn auch Moses, der Mann Gottes, überhob sich, als er in Ägypten Wunder wirkte, nicht über seine Stammesgenossen und, obgleich Gott genannt, prahlte er nicht gegenüber seinem Propheten Aaron. Und auch Jesus, der Sohn des Nave, der nach ihm das Volk führte, erhob sich nicht übermütig über Phinees oder Kaleb, obwohl er, weil der Tag zum Siege nicht ausreichte, im Kriege gegen die Jebusiter die Sonne gegen Gabaon stellte und den Mond gegen die Bergschlucht Ailon. Und auch Samuel, der so viel Wunderbares getan hatte, schätzte den Gott liebenden David nicht gering, beide waren ja Propheten, und zwar jener Hohepriester, dieser König. Und obgleich in Israel siebentausend Heilige waren, die ihre Kniee vor Baal nicht gebeugt hatten, wurde doch unter ihnen nur Elias und sein Schüler Elisäus Wundertäter.
4 Minuten
Wie also die körperlich Kranken einen Arzt brauchen, so haben die seelisch Leidenden einen Erzieher nötig, damit er unsere Leidenschaften heile und uns dann in die Schule des Lehrers führe, indem er die Seele reinigt und für die Erkenntnis empfänglich macht, so dass sie die Offenbarung des Logos in sich aufnehmen kann. Da er aber bestrebt ist, uns in heilsamem, stufenweisem Fortschreiten zur Vollkommenheit zu führen, verwendet der in jeder Hinsicht liebreiche Logos die vortreffliche und für eine wirksame Ausbildung zweckmäßige Erziehungsweise, indem er zuerst ermahnt, dann erzieht und zuletzt lehrt.
5 Minuten
Ich gebe euch meine Mahnungen nicht, als ob ich etwas wäre. Denn wenn ich auch um des Namens willen Fesseln trage, so bin ich doch noch nicht vollkommen in Jesus Christus. Ich fange nämlich jetzt erst an mit der Jüngerschaft (Christi) und rede zu euch als zu meinen Mitschülern; denn von euch musste ich (zum Kampfe) gesalbt werden durch Glauben, Ermunterung, Geduld und Langmut. Aber weil mich die Liebe nicht schweigen lässt, wenn's euch angeht, deshalb habe ich mir vorgenommen, euch zu ermahnen, dass ihr in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes wandelt. Denn auch Jesus Christus, unser untrennbares Leben, ist der Wille des Vaters, wie auch die Bischöfe, die bis an die Grenzen der Welt aufgestellt sind, im Willen Jesu Christi sind.
6 Minuten
Es lebte zu dieser Zeit ein weiser Mann, ein in seiner Kunst sehr erfahrener und hochberühmter Arzt, der als Prokonsul nach jenem Wettstreite mit eigener Hand den Siegeskranz meinem irren Haupt aufgesetzt hatte, freilich nicht als Arzt. Denn jene Krankheit heilst du allein, der „du den Stolzen widerstehest, den Demütigen aber deine Gnade gibst". Dennoch aber tratest du mir auch in jenem Greise nahe und ließest meiner Seele Heilung zukommen, Denn als ich ihm näher befreundet wurde und fleißig und aufmerksam seinen Reden lauschte, die, einfach in den Worten, frische, angenehme und bedeutsame Gedanken enthielten, erkannte er gar bald, dass ich mich eifrig mit den Büchern der Nativitätssteller beschäftigte, und ermahnte mich voll väterlicher Güte, sie beiseite zu werfen und Zeit und Mühe, die wichtigeren Beschäftigungen gebührten, nicht auf solche Nichtigkeiten zu verwenden. Er selbst, sagte er, habe in frühester Jugend denselben Unsinn zum Gegenstande seines Studiums gemacht, da er durch ihn seinen Lebensunterhalt zu verdienen beabsichtigt habe, und wenn er den Hippokrates verstanden habe, so habe er wohl am Ende auch jene Schriften verstehen können; und doch habe er nur deshalb später sie verlassen und sich dem Studium der Medizin ergeben, weil er ihre ganze Nichtigkeit erkannt und als Mann von Ehre seinen Lebensunterhalt nicht durch Täuschung seiner Mitmenschen habe erwerben wollen. "Aber du", schloss er, "hast ja ein Mittel für dein Fortkommen in der Rhetorik; jenen Betrug aber treibst du nur zum Vergnügen und nicht aus Sorge ums tägliche Brot. Umso mehr musst du mir in dieser Beziehung Glauben schenken, da ich es mir einst allen Eifer kosten ließ, mich gründlich darin zu unterrichten, um meine Existenz darauf zu gründen". Als ich ihn aber fragte, wieso denn die Sterndeutekunst so viele tatsächliche Erfolge aufweisen könne, antwortete er, so gut er es eben konnte, das sei eine Wirkung von der überall im ganzen Weltall vorhandenen Macht des Zufalls. Denn oft komme es vor, dass jemand sich bei einem Dichter, der etwas ganz anderes meine und beabsichtige, Rats erhole und auf den aufgeschlagenen Blättern einen wunderbar zu der Angelegenheit passenden Vers finde; so dürfe man sich auch nicht wundern, wenn aus der menschlichen Seele auf höheren Antrieb, nicht durch Kunst, sondern durch Zufall, so dass sie selbst nicht wisse, was in ihr vorgehe, Worte herausklängen, die mit den Verhältnissen und dem Vorhaben des Fragenden übereinstimmten.
6 Minuten
Gleichwie nämlich in diesem Leben von den Künstlern das Werkzeug dem Gebrauch entsprechend geformt wird, so hat als ein zur Herrschertätigkeit taugliches Rüstzeug der höchste Künstler unsere Natur geschaffen, indem er durch die Vorzüge an der Seele und sogar durch die Gestalt des Leibes es derartig ausstattete, dass es tauglich ist zur Herrschaft. Denn die Seele zeigt ihre von der gemeinen Niedrigkeit geschiedene königliche Würde und Erhabenheit sogleich darin, dass sie unabhängig ist und selbständig, nach eigenen Entschlüssen selbstmächtig waltend. Denn wessen sonst ist dies und nicht eines Königs? Und noch dazu die Ebenbildlichkeit mit der über Alles herrschenden Natur besteht in nichts Anderem, als dass unsere Natur sogleich als Königin geschaffen wurde. Denn wie nach menschlichem Brauch die Verfertiger der Fürsten-Bilder sowohl den Charakter der Gestalt nachahmen als auch durch den Umwurf des Purpurs die königliche Würde mit andeuten und gewöhnlich auch das Bild König genannt wird, so ward auch die menschliche Natur, da sie zur Herrschaft über das Andere ausgestattet wurde, durch ihre Ähnlichkeit mit dem König des Alls, als ein lebendiges Bild aufgestellt, das mit dem Urbild sowohl die Würde als den Namen gemein hat.
4 Minuten
Die Brüder sollen sich gegenseitig bedienen, so dass keiner vom Küchendienst entschuldigt sei, außer er wäre krank oder durch ein wichtiges Geschäft in Anspruch genommen; denn auf diese Weise steigert sich Verdienst und Liebe. Den Schwachen gebe man aber Gehilfen, damit sie ihren Dienst ohne Traurigkeit versehen können. Überhaupt soll man allen Hilfe gewähren je nach der Größe der Klostergemeinde und nach der örtlichen Lage. Ist die Gemeinde zahlreich, dann bleibe der Cellerar vom Küchendienst ausgenommen, ebenso, wie schon gesagt, wenn einem wichtigere Geschäfte obliegen. Alle übrigen sollen einander in Liebe bedienen. Wer den Wochendienst beendet, nehme am Samstag die Reinigung vor; er wasche die Tücher, womit sich die Brüder Hände und Füße abtrocknen. Die Füße soll allen Brüdern waschen, wer mit dem Dienst beginnt, wie auch, wer ihn beschließt. Das Geräte, das zu seinem Dienste gehört, gebe er gereinigt und unbeschädigt dem Cellerar zurück. Dieser weise es dann dem Bruder an, der mit dem Dienst beginnt; so kann er immer wissen, was er hergibt und was er zurückerhält.
6 Minuten
Nun gut! Es sei dem so! Betreffs der Seele liegen sie zwar in Hader, bezüglich ihrer übrigen Verhältnisse aber stimmen ihre Aussprüche überein. Aber wie? Da bezeichnet einer das Vergnügen der Seele als ein Gut für sie, der andere als ein Übel, der Dritte als ein Mittelding zwischen Gut und Böse. Bezüglich der Natur der Seele behaupten die einen, sie sei unsterblich, andere, sie sei sterblich, andere wiederum, sie sei noch einige Zeit verweilend; einige lassen sie in Tiere übergehen, andere lösen sie in Atome auf, andere wiederum lassen sie eine Verbindung mit einem Körper eingehen, andere schließlich lassen sie eine Wanderung von dreitausend Jahren durchmachen. Leute also, die nicht hundert Jahre leben, künden uns von dreitausend zukünftigen Jahren. Wie soll man also das nennen? Soviel mir scheint Abenteuerlichkeit, Unsinn oder Wahnwitz oder Absonderlichkeit oder alles zugleich. Wenn sie eine Wahrheit gefunden haben, so sollen sie in Übereinstimmung sich einigen und ich werde dann mit Freuden ihnen Glauben schenken. Wenn sie aber die Seele auseinander reißen und sie hin- und herzerren, der eine sie in diese Natur, der andere in eine andere, also sie von einem Stoff in einen anderen verwandelt, so muss ich zugeben, dass eine derartige Unbeständigkeit der Dinge mich ärgert. Jetzt bin ich unsterblich und freue mich darob; dann aber werde ich wiederum sterblich und weine deshalb; allsogleich löse ich mich in Atome auf, werde Wasser, werde Luft, werde Feuer; kurze Zeit darauf bin ich weder Luft noch Feuer, zum Tier macht man mich, zum Fisch; ich habe also zur Abwechslung Delphine zu Brüdern. Wenn ich mich besehe, so graut mich mein Leib und ich weiß nicht, wie ihn benennen: Mensch oder Hund oder Wolf oder Stier oder Vogel oder Schlange oder Drache oder Chimäre. Denn in alle Tiere lassen mich die Philosophen sich verwandeln: in Land- und Wassertiere, in Vögel, in Gestalt wechselnde, in wilde und zahme, stumme und lautbegabte, in vernunftlose und unvernünftige: ich schwimme, fliege, flattere, krieche, laufe, sitze. Da kommt der Empedokles und macht mich zum Strauche.