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Episoden

33 Minuten
Intensivtalk: Irrtümer der Intensivmedizin – Teil 2

Nach dem großen Interesse am ersten Teil unserer Irrtümer-Reihe geht es weiter mit medizinischen Dogmen, die viele von uns irgendwann gelernt haben – und die bei genauerem Blick auf Physiologie, Studien und Leitlinien manchmal ganz anders aussehen.

Diesmal stehen drei große Themen im Mittelpunkt: Sauerstofftherapie, Bauchlage beim ARDS und das akute Nierenversagen.

Warum ist zu viel Sauerstoff bei COPD tatsächlich problematisch – und welche Rolle spielen dabei der Euler-Liljestrand-Mechanismus und der Haldane-Effekt? Braucht ein Patient mit Herzinfarkt routinemäßig Sauerstoff? 

Und warum bedeutet eine Verbesserung des Horovitz unter Bauchlagerung nicht automatisch, dass wir damit auch den gesamten Therapieeffekt beurteilen können?

Außerdem geht es um die Frage, ob Furosemid eine geschädigte Niere wirklich wieder in Gang bringt, warum Oligurie nicht automatisch Hypovolämie bedeutet und ob wir bei einem schweren AKI tatsächlich möglichst früh mit der Dialyse beginnen sollten.

Zum Einstieg greifen wir außerdem zwei Rückmeldungen aus der Hörerschaft auf: das Risiko einer Noradrenalin-Paravasation und die Frage, ob die ersten fünf Milliliter bei einer Blutkulturentnahme verworfen werden sollten.

Und dann gibt es auch noch unseren angekündigten Anti-Irrtum: eine alte intensivmedizinische Regel, die tatsächlich stimmt.

In dieser Folge unter anderem:

Noradrenalin-Paravasation: Vasokonstriktion, Ischämie und Gewebeschädigung

Initial Specimen Diversion bei Blutkulturen und die Frage nach den ersten fünf Millilitern

COPD und der Mythos vom hypoxischen Atemantrieb

Euler-Liljestrand-Mechanismus und Haldane-Effekt

kontrollierte Sauerstofftherapie und der Austin-Trial

Sauerstoff beim Myokardinfarkt: DETO2X-AMI

konservative versus liberalere Oxygenierungsziele: HOT-ICU

Bauchlagerung beim schweren ARDS und die PROSEVA-Studie

warum die unmittelbare Oxygenierungsantwort nicht alles über den Nutzen der Bauchlage aussagt

Furosemid beim AKI: Diurese versus Nierenerholung

Furosemide Stress Test und die Prognose des akuten Nierenversagens

warum Oligurie nicht automatisch eine Volumengabe rechtfertigt

früher versus verzögerter Beginn der Nierenersatztherapie: STARRT-AKI

kontinuierliche versus intermittierende Dialyseverfahren

Zentrale Quellen

Austin MA, Wills KE, Blizzard L et al. Effect of High Flow Oxygen on Mortality in Chronic Obstructive Pulmonary Disease Patients in Prehospital Setting: Randomised Controlled Trial. BMJ. 2010;341.

Hofmann R, James SK, Jernberg T et al. Oxygen Therapy in Suspected Acute Myocardial Infarction. New England Journal of Medicine. 2017;377:1240–1249.

Schjørring OL, Klitgaard TL, Perner A et al. Lower or Higher Oxygenation Targets for Acute Hypoxemic Respiratory Failure. New England Journal of Medicine. 2021;384:1301–1311.

Guérin C, Reignier J, Richard JC et al. Prone Positioning in Severe Acute Respiratory Distress Syndrome. New England Journal of Medicine. 2013;368:2159–2168.

DGAI et al. S3-Leitlinie Lagerungstherapie und Mobilisation von kritisch Erkrankten auf Intensivstationen. AWMF-Register 001-015, Version 3.1, 2024.

STARRT-AKI Investigators. Timing of Initiation of Renal-Replacement Therapy in Acute Kidney Injury. New England Journal of Medicine. 2020;383:240–251.

Willam C, Abu-Tair M, Bayer M et al. S3-Leitlinie Nierenersatztherapie in der Intensivmedizin. Medizinische Klinik – Intensivmedizin und Notfallmedizin. 2025;120(Suppl 2):115–162.

Yerke JR, Mireles-Cabodevila E, Chen AY et al. Peripheral Administration of Norepinephrine: A Prospective Observational Study. CHEST. 2024;165:348–355.

Sautter RL, Parrott JS, Nachamkin I et al. American Society for Microbiology Evidence-Based Laboratory Medicine Practice Guidelines to Reduce Blood Culture Contamination Rates: A Systematic Review and Meta-Analysis. Clinical Microbiology Reviews. 2024;37.

Über den Podcast

Intensivtalk wird moderiert von Dr. Oliver Hofer, Chefarzt der interdisziplinären Intensivstation am Evangelischen Krankenhaus Mettmann.

Intensivtalk richtet sich primär an medizinisches Fachpersonal. Die Inhalte dienen der fachlichen Information und ersetzen keine individuelle medizinische Beurteilung im konkreten Patientenfall.
29 Minuten
Intensivtalk: Irrtümer der Intensivmedizin – Teil 1

In dieser Folge geht es um medizinische Dogmen, die viele von uns im Studium, im PJ oder in der Facharztausbildung gelernt haben – und die wir teilweise bis heute weitergeben, ohne noch einmal zu fragen: Stimmt das eigentlich noch?

Im ersten Teil schauen wir uns zwei große Themenbereiche an: Blutkulturen sowie Katecholamine und Azidose.

Warum müssen Blutkulturen nicht zwingend aus zwei verschiedenen Punktionsstellen abgenommen werden? Müssen wir wirklich auf den Fieberanstieg warten? Und wie schnell sinkt eigentlich die diagnostische Ausbeute, wenn das Antibiotikum bereits läuft?

Außerdem geht es um die Frage, ob Noradrenalin bei schwerer Azidose tatsächlich irgendwann „nicht mehr wirkt“, welchen Stellenwert Bicarbonat hat und warum ein fehlender ZVK kein Grund sein sollte, eine notwendige Vasopressortherapie zu verzögern.

In dieser Folge unter anderem:

Single-Site versus Multi-Site-Blutkulturen

warum Blutvolumen wichtiger sein kann als die Zahl der Punktionsstellen

Kontamination versus echte Blutstrominfektion

warum der Fieberanstieg kein Bakteriämie-Messgerät ist

Pathophysiologie des Fiebers: Zytokine, Prostaglandin E2 und Hypothalamus

Blutkulturen vor und nach Antibiotikagabe

schwere Azidämie und Katecholaminwirkung

warum es keinen belegten „magischen pH-Wert“ für Noradrenalin gibt

Bicarbonat bei Laktatazidose und schwerer metabolischer Azidose

peripherer Beginn einer Noradrenalintherapie

frühe Vasopressoren versus starres Schema „erst Volumen, dann Katecholamine“

Zentrale Quellen

Brunkhorst FM, Adamzik M, Axer H et al. S3-Leitlinie Sepsis – Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge – Update 2025. Medizinische Klinik – Intensivmedizin und Notfallmedizin. 2025;120(Suppl 2):163–231.

Yu D, Laracy M, et al. Prospektive Untersuchung zur Single-Site- versus Multi-Site-Entnahme von Blutkulturen. Frontiers in Microbiology. 2020.

Cheng MP, Stenstrom R, Paquette K et al. Blood Culture Results Before and After Antimicrobial Administration in Patients With Severe Manifestations of Sepsis: A Diagnostic Study. Annals of Internal Medicine. 2019;171:547–554.

Cooper DJ, Walley KR, Wiggs BR, Russell JA. Bicarbonate Does Not Improve Hemodynamics in Critically Ill Patients Who Have Lactic Acidosis. Annals of Internal Medicine. 1990;112:492–498.

Permpikul C, Tongyoo S, Viarasilpa T et al. Early Use of Norepinephrine in Septic Shock Resuscitation (CENSER): A Randomized Trial. American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine. 2019;199:1097–1105.

Surviving Sepsis Campaign: International Guidelines for Management of Sepsis and Septic Shock. 2026.

Intensivtalk richtet sich primär an medizinisches Fachpersonal. Die Inhalte dienen der fachlichen Information und ersetzen keine individuelle medizinische Beurteilung im konkreten Patientenfall.
13 Minuten
Intensivtalk Espresso: Hitzschlag

Nach den heißen Augusttagen sprechen wir in dieser kurzen Espresso-Folge über einen zeitkritischen akut- und intensivmedizinischen Notfall: den Hitzschlag.

Woran erkennen wir einen Hitzschlag? Warum sollten wir uns nicht allein an einer Körpertemperatur von 40 °C festhalten? Wie messen wir die Kerntemperatur sinnvoll – und wie bekommen wir den Patienten möglichst schnell und effektiv gekühlt?

Außerdem geht es darum, warum Antipyretika beim Hitzschlag nicht helfen und weshalb die Behandlung mit erfolgreicher Kühlung noch lange nicht beendet ist. Denn schwere Verläufe können mit einem komplexen Schockgeschehen, Rhabdomyolyse sowie Nieren-, Leber- und Gerinnungsstörungen einhergehen.

In dieser Folge unter anderem:

Hitzschlag versus Hitzeerschöpfung

Stellenwert der neurologischen Symptomatik

sinnvolle Messung der Körperkerntemperatur

aktive Kühlung und Cold-Water-Immersion

praktische Alternativen, wenn eine Immersion nicht möglich ist

warum Paracetamol keine Hitzschlagtherapie ist

Pathophysiologie von Schock und Multiorganversagen

worauf wir nach der initialen Kühlung auf Intensivstation achten sollten

Zentrale Quellen

Barletta JF, Palmieri TL, Toomey SA et al. Society of Critical Care Medicine Guideline for the Treatment of Heat Stroke. Critical Care Medicine. 2025;53:e490–e500.

Eifling KP, Gaudio FG, Dumke C et al. Wilderness Medical Society Clinical Practice Guidelines for the Prevention and Treatment of Heat Illness: 2024 Update. Wilderness & Environmental Medicine. 2024;35:112S–127S.

Roberts WO, Armstrong LE, Sawka MN et al. ACSM Expert Consensus Statement on Exertional Heat Illness: Recognition, Management, and Return to Activity. Current Sports Medicine Reports. 2023;22:134–149.

Intensivtalk richtet sich primär an medizinisches Fachpersonal. Die Inhalte dienen der fachlichen Information und ersetzen keine individuelle medizinische Beurteilung im konkreten Patientenfall.
39 Minuten
Die Blutgasanalyse (BGA) gehört zu den am häufigsten eingesetzten diagnostischen Instrumenten auf der Intensivstation – und wird dennoch oft fehlinterpretiert.

In dieser Folge geht es nicht um das Lesen von Zahlen, sondern um die Frage, wann eine BGA tatsächlich eine klinische Entscheidung verändert – und wann sie eher zur Verunsicherung beiträgt.

 

Gemeinsam mit Dr. med. Lena Hofmann (Oberärztin der Intensivmedizin) und Hanna Wessel (Ärztin in Weiterbildung) diskutiert Chefarzt Dr. med. Oliver Hofer typisch klinische Situationen, ordnet respiratorische und metabolische Befunde ein und beleuchtet Grenzen der Aussagekraft sowie häufige Denkfehler im klinischen Alltag.
37 Minuten
Start in die dritte Staffel von "Intensivtalk". In der neuen Folge sprechen wir über das akute Leberversagen (ALV) und das Akut-auf-chronische Leberversagen (ACLF) – zwei hochkritische Krankheitsbilder mit hoher Mortalität auf der Intensivstation. Wir beleuchten Definitionen und Unterschiede, typische Auslöser, die pathophysiologischen Mechanismen sowie relevante Scores und Prognosefaktoren. Ein besonderer Fokus liegt auf der intensivmedizinischen Therapie, der frühzeitigen Identifikation von Patienten mit Transplantationsindikation und der interdisziplinären Entscheidungsfindung.

Wendon J, Cordoba J, Dhawan A, Larsen FS, Manns M, Samuel D, et al.

EASL Clinical Practice Guidelines: Management of acute (fulminant) liver failure.

Journal of Hepatology. 2017;66(5):1047–1081.

Lee WM, Stravitz RT, Larson AM.

AASLD Position Paper: The management of acute liver failure – Update 2011.

Hepatology. 2012;55(3):965–967.

O’Grady JG, Alexander GJM, Hayllar KM, Williams R.

Early indicators of prognosis in fulminant hepatic failure.

Gastroenterology. 1989;97(2):439–445.

Moreau R, Jalan R, Gines P, Pavesi M, Angeli P, Cordoba J, et al.

Acute-on-chronic liver failure is a distinct syndrome that develops in patients with acute decompensation of cirrhosis.

New England Journal of Medicine. 2013;369(26):2525–2534.

Moreau R, Arroyo V, Jalan R.

EASL Clinical Practice Guidelines on acute-on-chronic liver failure.

Journal of Hepatology. 2023;78(1):149–199.

Trebicka J, Fernandez J, Papp M, Caraceni P, Laleman W, Gambino C, et al.

The PREDICT study: A pathophysiological analysis of acute-on-chronic liver failure.

Journal of Hepatology. 2020;73(3):543–556.

Cardoso FS, Gottfried M, Tujios S, Olson JC, Karvellas CJ.

Continuous renal replacement therapy is associated with reduced serum ammonia levels and mortality in acute liver failure.

Hepatology. 2018;67(2):711–720.

Larsen FS, Schmidt LE, Bernsmeier C, Rasmussen A, Isoniemi H, Patel VC, et al.

High-volume plasma exchange in patients with acute liver failure: An open randomised controlled trial.

Journal of Hepatology. 2016;64(1):69–78.
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Über diesen Podcast

„Intensivtalk – von Medizinern für Mediziner“ ist ein medizinischer Fachpodcast über die Intensivmedizin. Klinische Entscheidungsfindungen stehen ebenso im Fokus, wie eine strukturierte Fortbildung und die fachliche Diskussion aktueller Leitlinien – in Verbindung mit Evidenzen aus der Praxis. Ausgehend von realen Versorgungssituationen auf der Intensivstation, werden diagnostische und therapeutische Fragen gemeinsam diskutiert, aktuelle Studien kritisch eingeordnet und ihre praktische Umsetzung im klinischen Alltag beleuchtet. Im Fokus stehen dabei nicht nur Empfehlungen, sondern auch Unsicherheiten, Abwägungen und typische Entscheidungsdilemmata. Moderiert wird der Podcast von Dr. med. Oliver Hofer, Chefarzt für Intensiv- und Notfallmedizin im Evangelischen Krankenhaus Mettmann. Je nach Thema beteiligen sich ärztliche Kolleginnen und Kollegen aus der Intensiv- und Akutmedizin des Krankenhauses an der Diskussion. Der „Intensivtalk“ richtet sich an Ärztinnen und Ärzte mit intensivmedizinischem Bezug, die fachliche Inhalte vertiefen, Leitlinien reflektiert anwenden und klinische Entscheidungsprozesse gemeinsam durchdenken möchten. Hinweise, Anregungen oder Fragen gern per E-Mail an redaktion@evk-mettmann.de Weitere Informationen findet ihr unter www.evk-mettmann.de Ergänzend empfehlen wir unseren Podcast "Kliniktöne": Zahlen, Daten, Fakten und auch Anekdoten aus dem gesamten Klinikalltag im EVK Mettmann.
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Worum geht es? Danach fragen wir noch nach dem Grund.

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