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wissensART Archiv
180 Episoden
8 Minuten
Anton Zeilinger auf die Quantephysik zu reduzieren ist fahrlässig. Der Nobelpreisträger 2022 hat viele Facetten. Er spielt Chello und lässt sich von der Kunst berühren. Aufgewachsen ist der Präsident der Akademie der Wissenschaften von 2013 bis 2022 im ländlichen Umfeld. Zuerst in seinem Geburtsort, dann in Steinakirchen am Forst und als die Familie 1955 nach Wien übersiedelt, ging er im grünen Hietzing ins Gymnasium. Für das Buch Lebenswege, Lebenszeiten, Gespräche über das Altern, das im Styria Verlag erschienen ist und bei wissensart@wissensart.at noch bestellt werden kann, hat Anton Zeilinger auch über seine Leidenschaft zum Segeln erzählt. Zu seinem 60. Geburtstag hat er sich deshalb ein Segelboot geschenkt und es am Traunsee verankert. Dabei sollte es jedoch nicht bleiben. Im ehemaligen Benediktinerinnenkloster in Traunkirchen, später lebten dort Jesuiten, hatte Bildung und Kunst immer einen hohen Stellenwert. Nach der Auflösung des Jesuiten-Ordens in Traunkirchen, ging das Kloster 1773 in den Besitz der Staatsforste über. Bildung und Kunst hatten im Kloster aber weiterhin einen hohen Stellenwert. Ein Heimatmuseum wurde eingerichtet, Veranstaltungen organisiert. 2009 gründete Univ.-Prof. Dr. Anton Zeilinger dort die Internationale Akademie Traunkirchen. Bedeutende Persönlichkeiten aus den unterschiedlichsten Gebieten haben sich seither in diesem bezaubernden Umfeld getroffen; miteinander neue Ideen vorangetrieben, diskutiert und Vorträge für die Bevölkerung gehalten. Foto: (c) Jacqueline Godany
15 Minuten
Aurora, das ist die Göttin der Morgenröte. Folgt man der antiken Mythologie, flog sie ihrem Bruder Sol in der Morgendämmerung voran und färbte den nächtlichen Himmel rosarot. Sitzt man rechtzeitig im Hotel Aurora beim Frühstück, dann kann man der Rosenfingrigen beim bemalen des Omeshorns zusehen, und sollte man diesen Zauber des Augenblicks übersehen, kommt Diana, die Jägerin der Glücksmomente herbeigeeilt und bittet ihre Gäste hinaus auf die Terrasse um das Schauspiel einzufangen. Im Nachbarhaus töpfert Lotte Fischer. Ihr tun hat etwas Erdverbundenes, unaufgeregt Kreatives an sich. Früher ließen Lotte Fischers Hände den Garten erblühen, jetzt schaffen ihre Hände Gefäße, einfache schlanken Figuren und voluminöse Vögel. Töpfern bedeutet nicht nur das Erbe unserer Vorfahren zu bewahren, sondern auch innovativ zu sein. Töpfern heißt für Lotte Fischer mit den Händen ihre Umwelt zu gestalten, zu bereichern und wahrscheinlich auch sich selbst dabei ein bisschen glücklich zu machen, denn manuelle Aktivitäten, dass weiß man aus der Glücksforschung, fördern das Wohlbefinden und arbeiten mit den Händen ist anregend. Vor der Terrasse balancieren auf Eisenstäben beeindruckende Tonköpfe. Männerköpfe. Sind sie die Wächter des Ensembles aus traditionellem Handwerk und künstlerischem Schaffen? Wendet man den Blick hinüber zum Hotel sieht man eine Bronzeskulpture. Sie lässt an Rodin´s Bürger von Calais denken. Gert Hoor, der gelernte Grafiker und Steinbildhauer aus Hohenems, hat sie erschaffen. Den 2009 verstorbenen Künstler zeichnete der Blick aufs Wesentliche aus. Er war in allen Techniken zuhause. Er beherrschte das Portraitzeichnen, die Öl- und Aquarellmalerei, Grafikarbeiten, Zeichnungen. Seine Erfüllung fand er jedoch in der Steinbildhauerei. Hier verband er die Figürlichkeit des Renaissancekünstlers Michaelangelo mit der impressionistischen Ausdruckskraft von August Rodin zu seiner eigenen Formensprache, zum Beispiel im Garten der Aurora. Aurora, das ist eine zarte, aber kraftvolle Göttin des Neubeginns. Wer an sie glaubt, hat Hoffnung und Zuversicht, denn sie kommt immer wieder mit dem schwachen Schein des ersten Lichtes. Aurora, so haben Lotte Fischer und ihr Mann das einst kleine Hotel genannt, aus dem nun ein charmantes vier Sterne Hotel mit einer Wellnessoase geworden ist. Geführt wird es von Lotte Fischer´s Tochter Diana, ihrer Enkeltochter Maria Burtscher und deren Mann David Burtscher. Während meiner vielen Aufenthalte in diesem Hotel, hat sich die Schöne mehrmals gehäutet und ist doch immer die Göttin der Morgenröte geblieben. Kraftvoll die Farben der Fauteuils im Salon, perfekt aufeinander abgestimmt die Gästezimmer und doch jedes individuell gestaltet. Jahr für Jahr gilt es Neues zu entdecken, denn das Schöne braucht Zeit, um zu wachsen und zu gedeihen. Genauso der Garten. Und es braucht Menschen wie Diana Musel, die das Haus immer wieder neu erblühen lässt. Text: Elisabeth J. Nöstlinger-Jochum Foto: (c) Elisabeth J. Nöstlinger-Jochum
18 Minuten
Krieg mitten in Europa. Gewalt im Iran. Hass an allen Ecken und Enden und eine Schweizer Psychoanalytikerin, die beim 25. Philosophicum Lech sagt: Hass sei immer auch Selbsthass. Anders Breivik war 3 Jahre alt, als ihm seine Mutter gesagt haben soll, dass er ein Monster sei. 29 Jahre später hat er auf einer norwegischen Insel 77 Menschen ermordet. Was hat dazu geführt, dass sich dieser Mann so allmächtig fühlte, über Leben und Tod so vieler junger Menschen zu entscheiden? Unter ihnen 69 Teilnehmer:Innen eines sozialdemokratischen Zeltlagers. Die jungen Menschen pflegten ihre Freundschaften, spielten mitsammen, betrieben Sport. Führte die Lieblosigkeit von Andres Breivik´s Mutter zu diesem Hass? Ja, sagt Jeannette Fischer, aber nicht nur und führt ihre Begründung im wissensART Podcast aus. Folgt man nun der Aussage der Psychoanalytikerin, wonach Hass immer auch Selbsthass sei, dann ist der Andere, der gehasst wird, quasi ein Spiegel des eigenen Selbst. Folgt man diesem Bild, tötet sich dann derjenige der mordet im Ermordeten quasie selbst? Jeannette Fischer's Arbeiten drehen sich um die Dynamiken einer Beziehung, nicht zuletzt als Ausdruck im Kunstwerk oder als deren biografischer Antrieb. Immer wieder spielt Angst eine wiederkehrende und nicht unbedeutende Rolle; Angst als Folge von Missachtung und Verkennung eines sich selbst bestimmenden Subjektes. Bei allemi spielen das Nachdenken und Forschen über Macht, Gewalt und Angst die Grundlage ihrer Arbeiten. Seit den 1990 Jahren beschäftigt sich Jeannette Fischer, nachdem sie eine Ausstellung kuratierte, verstärkt mit Kunst. Impliziert dieses Nachdenken auch ein hineinfühlen in den Künstler um zu verstehen, was der Künstler, die Künstlerin durch die Kunst sagen will? Kann dies Erklärung, ohne Vorkenntnisse über die Kunst des Künstlers, der Künstlerin möglich sein? Hier - wie auch beim Thema Angst und Hass - weist die schweizer Psychoanalytiker, Filmemacherin und Ausstellungskuratorin auf die Anerkennung der Differenz hin, umzu einer breiten Erkenntnis zu gelangen. Mehr darüber ist in ihrem Buch „Angst, vor der wir uns fürchten müssen“, und im Buch „Hass“. Bei Bücher sind bei Klostermann / Nexus erschienen.. Foto: (c) Florian Lechner
35 Minuten
Svenja Flaßpöhler wurde einem breiten Publikum in der #me to Debatte bekannt. Es waren nicht die Positionen der Mißhandelten die sie vertrat, sie verteidigte auch nicht jene, die Frauen vergewaltigten oder sexuell missbrauchten, sondern fokussierte ihren differenzierten Blick auf die Opferrolle, die sie zugleich infrage stellte. Solange sich Frauen als Opfer sehen, argumentierte Svenja Flaßpöhler, werden sie als solche behandelt werden, in dieser Rolle gefangen bleiben. Das hat ihr in den Sozialen Medien einen Shitstorm beschert. Trotzdem ließ sie sich nicht entmutigt, argumentierte weiterhin gegen den mainstream Diskurs. Beim 25. Philosophicum in Lech am Arlberg stellte sie ihren Widerstandsgeist erneut unter Beweis. Hassen, so begann die Philosophin und Chefredakteurin des Philosophie Magazins Svenja Flaßpöhler, hassen, gehört in liberalen Gesellschaften dazu und deswegen müssen wir uns damit auseinandersetzen. Das wichtige jedoch sei, ob des Hasses nicht zu versteinern, sondern sensibel zu bleiben, auch gegenüber jenen, die uns hassen. Foto (c) Florian Lechner
16 Minuten
Wenn in Lech dunkel gekleidete Menschen, meist in ein Gespräch vertieft, durch den Ort schlendern, dann beginnt das Philosophicum. 5 Tage lang wird ein Thema interdisziplinär diskutiert. Namhafte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler geben in ihren Vorträgen oft eine steile Vorlage für das anschließende Gespräch. So auch der wissenschaftliche Leiter des Philosophicum Lech, Konrad Paul Liessmann bei seiner Eröffnungsrede im September 2022 über den Hass. Konrad Paul Liessmanns Eröffnungsvortag über den Hass, dieser dunklen Leidenschaft, gibt es bereits in einem wissensART Podcast auf meiner Website und überall dort, wo´s Podcasts zu hören gibt. Mehr als 20 Jahre fuhr ich im Frühherbst nach Lech am Arlberg; machte Interviews für meine einstündige Radiosendung auf Ö 1. Kaum waren die letzten Worte beim Philosophicum gesprochen, war gesagtes auch schon im Radio zu hören. Für meinen wissensART Podcasts gehe ich es gemütlicher an, denn hier löscht die Zeit keine Fakten, ist das Wort nicht flüchtig. Zugleich eröffnet sich ohne Zeitdruck ein anderer Blick auf den 1444m hoch gelegenen Ort. Dieser Ort schmiegt sich auf 1750 m Höhe in die Landschaft ein. Lech und Oberlech sind eine Gemeinde. Die Einwohner eint aber nicht nur ein gemeinsamer Bürgermeister sondern auch ein Gespür für die Kunst. Skyspace Lech beispielsweise ist ein besonderes Werk von James Turrell. Der international renommierte Künstler schuf einen Lichtraum im Berg und lädt dort zu einem einzigartigen Erleben von Licht und Raum bei Sonnenauf- und Sonnenuntergang ein. „Wir sind uns nicht bewusst, dass wir selbst dem Himmel seine Farbe geben“ sagt der der US-amerikanische Künstler damit auch, wie und aus welcher Perspektive wir in den Himmel blicken. Erwin Ortner hat mit seinem Schönberg Chors in großartiger Art und Weise die "Nachthelle" von Franz Schubert eingespielt. Hört man dieses Lied, kann man sich Dasy Hoch und ihre Schneebilder vorstellen. 6 Monate im Jahr blickt sie auf Schnee, malt ihn in allen Nuacen und Farben. Fast täglich geht Dasy Hoch den Waldweg von Oberlech nach Lech hinunter und wieder hinauf. Das sei ihr Meditationspfad, erzählt die Künstlerin, die viele Jahrzehnte mit ihrem Mann das Hotel Sonnenburg geführt hat. 2004 erfolgte die Übergabe das großen Hotelbetrieb an Sohn Georg und dessen Frau Waltraud. Seither widmet sich Dasy Hoch nur noch ihrer Kunst, gestaltet damit das Hotel aus. Foto (C) Elisabeth J. Nöstlinger
6 Minuten
Arthur Schnitzler, Stefan Zweig, Karl Schönherr, waren Weggefährten von Heinrich Glücksmann. Der Publizistikhistoriker, Autor von Sachbüchern und Biografie Dr. Gerhard Friedrich hat nun eine Biografie über den „Brückenbauer in neue Zeiten“ vorgelegt. Erschienen ist das Buch beim „korrektur verlag pen austria“. Mit diesem Buch steht die Welt der alten Habsburger Monarchie wieder auf. Ebenso das Wien im 2. Weltkrieg bis zur Flucht des viel beachteten Kulturjournalisten, Dramaturgen und Redakteur der damals wöchentlich erschienenen Freimaurerzeitung. Geboren 1863 in Mähren, machte Heinrich Glücksmann als Autor, Übersetzer, Lyriker und Vortragender auf sich aufmerksam. Seit den 1890er Jahren als Lektor und dann ein Vierteljahrhundert als Dramaturg am Deutschen Volkstheater trug er wesentlich zum nachhaltigen Erfolg zahlreicher Dramatiker und deren Stücken bei – unter ihnen Arthur Schnitzler, Karl Schönherr, Franz Molna´r und Anton Wildgans. Sogar als Hitler an der Macht war, konnte der geborene Jude Hermann Blum bis 1941, - wertgeschätzt vom Wiener Statthalter - seine Arbeit fortsetzen. 1943 starb er im argentinischen Exil. Foto: (c) Heinrich Glücksmann von Atelier Willinger, Wien (Fotograf/Urheber) - 1934 - Theatermuseum (Wien), Austria - CC BY-NC-SA.
27 Minuten
Wenn wir hassen, fühlen wir uns stark. Anders als beispielsweise der Ekel, erlaubt es uns der Hass nicht, uns vom gehassten Objekt abzuwenden. Wir haben es ständig im Visier. Irritiert uns der Hass, so ist es immer der Hass der anderen. Der eigene Hass, so schreibt Konrad Paul Liessmann, ist davon stets ausgenommen. Der eigene Hass, so der Philosoph weiter, ist eigentlich kein Hass, sondern ein Aufschrei, ein Protest, eine kleine Provokation, eine notwendige Empörung, ein Diskussionsanstoß. "Wollen wir dieses Gefühl verbieten?" Foto (c) Florian Lechner
25 Minuten
"Der Hass ist allgegenwärtig. Hasspostings überschwemmen die sozialen Medien, „Hate Speech“ ist zu einem beunruhigenden Phänomen geworden, Hassprediger treiben nicht nur im Netz ihr Unwesen, Hass und Hetze sind so weit verbreitet, dass manche Staaten mit Rechtsmitteln und Verboten dagegen vorgehen, verschiedene digitale Plattformen üben eine freiwillige Zensur aus und versuchen, den Hass aus ihren Foren zu verbannen. In der Ablehnung von Hass und Hetze sind sich alle einig. Aber selten wird gefragt, was Hass eigentlich für ein Gefühl ist, aus welchen Quellen es sich speist, was das Aggressive, Verletzende und Verstörende am Hass ausmacht, aber auch, was das Befriedigende, vielleicht sogar Lustvolle am Hass sein kann." Der Philosoph Konrad Paul LIessmann schrieb diesen Einleitungstext für das Programm des 25. Philosophicum Lech. Gestartet hat er es traditionell mit dem philosophisch-literarischen Vorabend. Eine Erzählung handelt vom Urmord, die uns an den Beginn der Menschheit führt. Sie führt uns zum Mord von Kain an seinen Bruder Abel. Foto (c) Elisabeth J. Nöstlinger
29 Minuten
Lebenslauf einer "abseitigen Existenz", geschrieben von Kurt Hüpfner Geboren 1930 in Wien. Obwohl das Interesse der Malerei gilt (Besuch der Grafischen Lehr- und Versuchsanstalt) komme ich bald zu der Einsicht, als Gebrauchsgrafiker nie Fuß fassen zu können (Schriftphobie). Friste in der Folge das Dasein als Zeitschriftenillustrator und Karikaturist. Gelegentlich auch als Hilfsarbeiter. Als sich Anfang der 60ger Jahr die finanzielle Situation bessert, erwacht der alte Ehrgeiz wieder. Unter anderem malte ich ein Bild, 128x128 cm groß, weiß und leer: DIE VERSTIEGENHEIT DES WINTERS. Von da ab hätte ich am liebsten bis in alle Ewigkeit leere weiße Bilder gemalt, der ZANGENBEWEGUNG vom Fleisch und Bein entzogen. Die Malerei war kein fliegender Teppich mehr, auf dem man reisen konnte, sondern ein Begräbnisplatz für Farbe und Linien. Nun, sich KEIN Bild zu machen setzt voraus mit der Würde der Anonymität ausgestattet zu sein. Ich lag in meinem Zimmer auf dem Bett, plattgedrückt wie eine Wanze von den Tatsachen. Die Dinge schwitzen Langeweile aus, die Konturen waren schweißnass, wie ausgequetscht und dieses unübersehbare Feld der Langeweile präsentierte sich Tag für Tag. Nach einer gewissen Zeit wuchs eine Art Flaum auf der Haut, trocknete aus und verkrustete. Ich war sozusagen eingegipst in die Gegenwart wie ein Vogel in seinem Ei und ich begann die Welt nach einem schwachen Punkt abzuklopfen. Der Not gehorchend verlegte ich mich auf den Diebstahl von Bauholz. Jeder wahre Künstler ist ein Dieb. Mir blieb kein anderer Ausweg, als einen gestohlenen Holzpfosten, in dem sich Weisheit verewigt hatte, blind wie eine Fledermaus, zu einen Fetisch zusammen zu hacken, dabei ganz Ohr, nur von Schallwellen dirigiert. Mit Seegras aus einer gestohlenen Matratze komplettiert und mit bemalten Wäschefetzen, auf Rahmen genagelt, verfügte ich nach einer gewissen Zeitspanne über eine Anzahl von Bildwerken, darunter auch OMEN. Ein Omen ist das Los das uns zu Teil wird, UNVERKNÜPFT mit der ARGUMENTATIVEN Beweiskraft des reflektierenden Bewusstseins, das substantiell nicht verwertbar ist. Neubeginn mit Naturstudien und nach Modell, um nicht mehr den Depressionen ausgeliefert zu sein. Erfahrung mit automatischen Zeichnungen, einer Praxis, die auch in der Zukunft beibehalten wird. Verfertigung im Winter 1962/63 DER ersten Plastik aus Gips kombiniert mit Seegras. In der Folge entstehen eine Reihe von bemalten Holzreliefs. Anfang der 70ger Jahre Kontakt mit der Galerie in der Blutgasse, welcher infolge Wechsels in der Leitung IM Sand verläuft. Hänge alle Bestrebungen an den Nagel, werde Hilfsarbeiter und schließlich Privatchauffeur. Schlittere in immer ärgere Depressionen, quittiere nach einem Jahr den Dienst und unternehme einen neuen Anlauf, wieder mit Naturstudien, der sich als sehr schwierig gestaltet. Die Geldfrage spielt wieder eine Rolle. Malerei intensiv ausgeübt war zu teuer. Conzept-Art kostete fast nichts, STELLTE sich aber als Holzweg heraus. Blieb die Verfertigung fetischartiger Figuren aus Bauholzresten, Seegras und Vogelfedern. Auch Gips kam in Frage. Um 1980 weniger Depressionen, die Malerei beginnt wieder eine Rolle zu spielen. An Stelle von ABFALLHOLZFETISCHEN tritt die LINDENHOLZSKULPTUR. Und die Imitationen von STEINBILDHAUERARBEITEN durch Herausschlagen von Figuren aus gegossenen Gipsblöcken. Anfang der 90ger Jahre beenden Beschwerden der Nachbarn wegen Lärmbelästigung diese Periode und zwangen zu einer lautloseren Beschäftigung. Hinwendung zur Malerei und zum Modellieren in Ton. Wenn Kunst beschreibbar ist, wird sie an das Fußende des Bettes gekettet, wo das Wort missbraucht wird. Die Ideologie brütet ein Windei. Aber ich engagiere mich nicht. Ich habe meine Götzen gefunden, die dem Nichts seine Tarnkappe entreißen und als Wirklichkeit bloßstellen. Dies zur gefälligen Beachtung (bei entsprechender Nachsicht). Foto (c) Selin Stütz
31 Minuten
"Iphigenie" das ist das Opfer in einer antiken griechischen Tragödie, geschrieben von Euripides. Auch Johann Wolfgang von Goethe hat sich des Themas aus dem 5. Jahrhundert vor Christus angenommen. Bei den Salzburger Festspielen 2022 wurde "Iphigenia" in die Gegenwart geholt. Der Mensch in seiner Opferrolle hat mehrere Seiten. 25% der Sexualtäter wurden selbst missbraucht. Manche Menschen gefallen sich in einer aufopfernden Rolle, andere wiederum sind glücklich in einer masochistischen Beziehung. Nicht unerwähnt bleibt das unsägliche Leid der traumatisierten Kriegs- und Vergewaltigungsopfer. Unter Jugendlichen ist es verpönt; ein Opfer zu sein sogar ein Schimpfwort. Seit der Antike kennen wir den Opferbegriff und seine zahlreiche Arten der Beschreibung. Auf der Pernerinsel feierte die Premiere des Theaterstücks "Iphigenia" am 18. August 2022 Premiere. Die Dramaturgin Joanna Rednarcyzk hat mit der Regiseurin Evelina Marciniak die mythenbehaftete Figur in die Gegenwart geholt. Dafür haben die beiden unterschiedliche Kritiken hervorgerufen. Vom "großen Nachdenkstück" und "gelungenem Theaterabend, bei dem alle Register gezogen wurden" (ORF at., Gerald Haidegger), war ebenso zu lesen, wie vom langweiligen Therapieabend ( Die Presse, Norber Mayer), bei dem das Publikum zum Opfer wurde. Das große "Philosophicum und Theaterereignis" (Gerald Haidegger) wurde auch im Feuilleton der FAZ als triviale Therapiesitzung beschrieben, die zum völligen Fiasko geriet. Das Opfer Iphigenia ist eine einundzwanzigjährige, die Starpianistin werden will. Darunter tut sie es nicht. Was verhandelt wird, ist eine #meToo Debatte. Bei Euripides steht Iphigenie als ideales Opfer vor uns. Sie wird von ihrem Vater Agamemnon getäuscht, bekommt nicht Achill zum Mann, willigt aber in ihre Opferrolle ein, damit der günstige Wind für Troja wehen kann. Von Artemis wird sie von der Schlachtbank gerettet, doch der Preis ist hoch. Er bedeutet Exil. In der Inszenierung auf der Pernerinsel wird die „Opfer-Tat“ therapiert. Bleibt die Perspektive der Illusionslosigkeit. Es ist ein Theaterabend der von der Innenschau des Opfers erzählt und die Außenperspektive entwertet. Bei aller Kritik: "Ein starkes Stück". Der Opferbegriff bedarf also einer genauen Betrachtung. Der Neurologe, Psychiater und Psychotherapeut in eigener Praxis in Feldkirch, Univ.-Prof. Dr. Reinhard Haller, löst diese Anforderung in seinem Vortrag ein. Die Produktion der Salzburger Festspiele in Kooperation mit dem Thalia Theater Hamburg, ist bis 28. August 2022 auf der Pernerinsel in Hallein zu sehen. Foto: (c) Krafft Angerer
21 Minuten
Rolando Villozo´n ist ein Multitalent. 2005 eroberte er, gemeinsam mit Anna Netrebko, das Salzburger Festspielpublikum. Der Tenor aus Mexico gab den Alfredo in Guiseppe Verdis La Traviatta unter der Regie von Willy Decker. Es dirigierte Carlo Rizzi. Seither ist er der Mozartstadt verbunden. Als Intendant der Mozartwoche seit 2017 und seit er künstlerischer Leiter der Stiftung Mozarteum ist, hat er auch Wurzeln in der Festspielstadt geschlagen. 2022 führt er für die Rossini Oper Il Barbiere di Siviglia Regie. Die Inszenierung für die Pfingstfestspiele, geleitet von Cecilia Bartoli, war der Anlass, und von den Salzburger Festspielen wurde sie übernommen. Rolando Villazo´n hat ein Feuerwerk der Emotionen inszeniert und das Publikum in die Filmwelt entführt. Das Künstlergespräch führte der Journalist Hannes Eichmann. Die Einladung erfolgte durch die Freunde der Salzburger Festspiele Foto: Monika Höfler, Salzburger Festspiele
48 Minuten
Babij Jar, das ist eine Schlucht in der Nähe von Kiew. Innerhalb von 36 Stunden wurden dort Ende September 1941 33.771 Menschen ermordet. Kinder, Frauen, Männer. Die meisten von Ihnen waren sowjetische Juden. Lange Zeit wurde über dieses Massaker geschwiegen. Erst 20 Jahre danach schrieb Jewgeni Jewtuschenko sein berühmtes Gedicht, das Dmitri Schostakowitsch in seiner Symphonie Nr. 13 vertonte. Intendant Markus Hinterhäuser setzte das Werk zur Eröffnung der Ouvertüre Spirituelle, im Vorfeld der Salzburger Festspiele, auf den Spielplan. Im großen Festspielhaus spielte das Werk das Gustav Mahler Jugendorchester unter dem Dirigat von Theodor Currentzis. War das auch ein Gedenken an die Opfer des Massakers? Opfer, das ist ein Wort mit vielen Zuschreibungen und Eigenschaften. Im religiösen Kontext sprechen wir davon ein Opfer zu bringen, wir sprechen von Menschenopfern, wir kennen den Opfergang, das Opferritual, den Opferstock und wir sprechen von Aufopferung. Der Schriftsteller und Dramaturg Doron Rabinovici referierte bei den die Ouvertüre Spirituelle begleitenden Disputationes über den Opferbegriff und befand, dass es „kein Heil im Opfer“ gäbe. Er verwies auf den doppelten Sinn dieses Begriffes und zeigte dabei die für ihn unzulässige Verbindung auf, das Opfer, das Jesus in der christlichen Religion mit seinem Opfertod vollbracht hat, mit dem Massaker von Babij Jar in Verbindung zu bringen. In der englischen Sprache hat man dafür das Wort „victim“, Gewaltopfer. Der Intendant der Salzburger Festspiele Markus Hinterhäuser stellt seine Überlegungen zur Ouvertuere Spirituelle an den Beginn des Vortrages von Doron Rabinovici und an der anschließenden Diskussion beteiligen sich der Erzbischof von Salzburg Dr. Franz Lackner, der Theologe und Literaturwissenschaftler DDr. Karl-Josef Kuschel, Redakteur Dr. Josef Bruckmoser und die Kunstvermittlerin Marion Koch. Foto Disputationes Salzburg/Franz Neumayr
34 Minuten
"Die dunkle Leidenschaft . Wie Hass entsteht und was er mit uns macht", nennt der Psychiater und Psychotherapeut Univ.-Prof. Dr. Reinhard Haller sein neuestes Buch. Es ist in der Edition Gräfe und Unzer erschienen. In diesem Buch beschreibt er, warum es keinen Ausweg aus der Hassspirale gibt und warum dieses Gefühl unersättlich ist. Hass ist so alt wie die Menschheit. Er begegnet uns unter Völkern, in Familien, der Nachbarschaft und am Arbeitsplatz. Reinhard Haller kennt als Gerichtsgutachter alle Nuancen über das kalte, bösartige Gefühl. Auf der Pernerinsel wird es uns in der Aufführung des Theaterstücks "Ingolstadt", von Marieluise Fleißer, in der Regie von Ivo van Hove, vor Augen geführt. Für eine Militärübung und einen Brückenbau wurden Pioniere nach Ingolstadt gebracht. Dort saufen und prügeln sie, kränken Frauen. Eine von ihnen wird brutal vergewaltigt. Minutenlang. Dabei wird ihr Kopf immer wieder unter Wasser gedrückt. Rohe Gewalt wird hier vorgeführt. Was fehlt ist Liebe. Dabei wäre gerade dieses Gefühl, sowie Empathie ein Ausweg aus der Hassspirale. Foto: (c) Matthias Horn
25 Minuten
Hass lässt Menschen morden, töten, vergewaltigen. Der Psychiater Reinhard Haller nennt sie die dunkle Leidenschaft. 30% jener die hassen, leben dieses Gefühl irgendwann einmal aus. Dann handeln sie schnell, manchmal auch ohne schwerwiegendes Motiv. Immer wieder, denn der Hass ist unersättlich. Doch woher kommt dieser Hass? In seinem neuesten Buch mit dem Titel „die dunkle Leidenschaft, wie Hass entsteht und was er mit uns macht,“ es ist in der Edition Gräfe und Unzer erschienen, beschreibt der renommierte Gerichtsgutachter den Bauplan des Hasses und auch den Schaltplan - für dieses Gefühl - in unserem Gehirn. Dort liegen Liebe und Hass eng beieinander. Reinhard Haller: Die dunkle Leidenschaft. Wie Hass entsteht und was er mit uns macht. Gräfe und Unzer, 2022 Foto (c)
32 Minuten
Der Ton des Krieges, die Tonarten des Friedens titelt der Weltensammler Ilija Trojanow, seine Rede zur Eröffnung der Salzburger Festspiele 2022. Der Sohn eines Operndirektors in Sofia und einer Mutter, die in der Musik- und Opernliteratur äußerst bewandert ist, kennt beide Klänge. Die schrillen des Krieges und die immer leiser werdenden des Friedens. Er war an vielen Orten, an denen es ungemütlich ist und lässt die Erlebnisse seiner Reisen in seine Festspielrede einfließen. Doch wer hätte vor dem 24. Februar 2022 gedacht, dass es wieder Krieg geben würde, mitten in Europa. Ein Krieg der das Sprichwort, dass nicht immer die Lauten stark sind, ad absurdum führt. Anhand der Sieben, der Drei und dem Ass zieht Ilija Trojanow in seiner Festspielrede seine Kreise. In einer Oper von Tschaikowski sind das die drei Karten, die am Spieltisch stets Gewinn garantieren. Aber wie ist es im wirklichen Leben? Wie im heutigen Europa. Wie, wenn wieder Krieg herrscht? Abbildung: Rebecca Horn, Zen of Raven, 2008 - Rabenfedern Foto (c) Elisabeth J. Nöstlinger-Jochum