Tommy Wiseau ist ein Phänomen: Ein hagerer muskulöser Kerl,
irgendwo zwischen Pirat und Vampir, mit langen schwarzen Haaren,
die er sich regelmäßig färbt, einem nicht zu überhörenden
osteuropäischen Akzent und einem ebenso exaltierten wie
exzentrischen Auftreten. Der Nachwuchsschauspieler Greg Sestero
lernt diesen schrägen Vogel Ende der 90er in einem
Schauspielseminar kennen und es entwickelt sich eine ungewöhnliche
und auch leicht toxische Freundschaft. Wiseau macht ein Geheimnis
aus seinem Privatleben: Seinem Alter, seiner Herkunft, und vor
allem daraus, wie er zu seinem unfassbaren Vermögen gekommen ist.
Er ist besitzergreifend, egomanisch, hat kein Gespür für soziale
Normen und die Grenzen anderer. Aber er kann auch großzügig,
motivierend und charismatisch sein. Er vermietet Greg seine Wohnung
in L.A. zu einem Spottpreis, pusht ihn in seinem Vorhaben, in
Hollywood Fuß zu fassen, unterstützt ihn sowohl mental als auch
finanziell. Und schließlich engagiert Tommy Greg für seinen
Debütfilm: Ein großes Projekt mit einem Budget von mehreren
Millionen Dollar. Wiseau ist Drehbuchautor, Regisseur, Produzent
und Hauptdarsteller… und keine dieser Rollen beherrscht er auch nur
Ansatzweise. Die Dreharbeiten werden zum puren Chaos, der Film der
2003 daraus entsteht - The Room - erarbeitet sich über die Jahre
den Ruf, der schlechteste Film aller Zeiten zu sein. In The Room
geht es um den erfolgreichen Bankier Johnny - gespielt von Wiseau
-, der in eine Krise gerät, als seine Verlobte Lisa ihn mit seinem
besten Freund Mark - gespielt von Sestero - betrügt. In Sideplots
sehen wir einen 15jähriger Waisenknaben (gespielt von einem fast
30jährigen Schauspieler), ein Footballspiel in schicken Anzügen,
einen aggressiven Drogendealer, viele Rosen, noch mehr Stockfotos
von Löffeln, Chicken Tscheep Tscheep Tscheep.. Und das alles
umschreibt nicht mal ansatzweise, was so phänomenal an diesem
Machwerk ist. Zehn Jahre später wird Greg Sestero seine
Freundschaft zu To,,my Wiseau und seine Erlebnisse bei den
Dreharbeiten in dem Roman “The Disaster Artist- My Life Inside The
Room, the Greatest Bad Movie Ever Made” verarbeiten. Und die Gang
um Seth Rogen wird eben jenen Roman 2017 als The Disaster Artist
verfilmen. Zwei Filme besprechen wir also heute: Einen der
mutmaßlich schlechtesten Filme aller Zeiten: The Room aus dem Jahr
2003, eine krude Mischung aus Erotikdrama, Thriller und What the
Fuck. Und den Buddy Movie The Disaster Artist aus dem Jahr 2017,
eine warmherzige Komödie über die Entstehung von The Room und die
Beziehung seiner beiden wichtigsten Akteure. Johannes, wir wissen
beide: “So bad, it’s good!” ist ne Sache, die existiert. Und
deswegen finde ich diese Einstiegsfrage durchaus berechtigt: Bei
welchem von den beiden Filmen hast du dich besser unterhalten
gefühlt?
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