Wieviel Krisen verträgt die Welt? Archiv
53 Episoden
14 Minuten
In der UNO wird das Völkerrecht gewahrt und fortgeschrieben. Sie ist die einzige Repräsentanz aller Völker der Erde. In ihrer Charta ist das Gewaltverbot verankert. Ein solches multilaterales Regelwerk ist das einzige Gegengewicht gegen eine Politik des Stärkeren, die im 21. Jahrhundert neue Blüten treibt. Die Bundesrepublik Deutschland wird in den Vereinten Nationen durch den Botschafter Dr. Gunter Pleuger vertreten. Er berichtet. Erstausstrahlung am 05.06.2005
23 Minuten
Unter dem Eindruck des Terrors im 21. Jahrhundert, der mit den Twin Towers begann, schrieb Giorgio Agamben sein Buch: „Stasis: Der Bürgerkrieg als politisches Paradigma“. Der große italienische Philosoph unterscheidet dabei OIKOS, die Lebenswelt, POLIS, die Stadt und STASIS als den Aufstand, die Krise, den Weltbürgerkrieg. Er knüpft an die Theorien hierüber an, die auf den englischen Philosophen Hobbes zurückgehen. Auch Hegels PHÄNOMENOLOGIE DES GEISTES legt hierzu eine theoretische Grundlage, wenn in diesem Werk die Treue zur Familie im Fall der Antigone mit dem System des Staates, vertreten durch den König Kreon, in einen tödlichen Konflikt gerät. Agamben ist darüber verwundert, dass es bis heute keine zusammenhängende Theorie des Terrors gibt, obwohl Carl Schmitt die dazu nötigen Fragen in seiner THEORIE DES PARTISANEN längst aufgeworfen hat. Im Zentrum von Giorgio Agambens Theorie steht der Begriff der Amnestie. Agamben stützt sich hier auf eine theologische Dimension: Es geht nicht um einfaches Ausschalten einer Strafvollstreckung, auch nicht einfach um Vergessen, vielmehr wird Erinnerung umgewandelt und neues Leben ermöglicht: „Das, was vollendet war, wird unvollendet gemacht.“ Die Vergangenheiten können neu angeeignet werden. Alles dies gehört zum ABC des 21. Jahrhunderts. Archäologie, sagt aber Agamben, ist die einzige Straße, die wirklich zur Gegenwart führt. Begegnung mit Giorgio Agamben in Venedig. Erstausstrahlung am 05.03.2018
23 Minuten
Fürst Metternich, Fürst Bismarck und U.S.-Außenminister Kissinger prägten den Begriff Realpolitik. Für die Bush-Administration tritt nach dem 11.9. eine Politik moralischer Werte hinzu. Was bedeutet dies für das Gleichgewicht in der Welt? Tritt an die Seite der ökonomischen Globalisierung eine moralische? Jeffrey Gedmin, Direktor des Aspen Institute, berichtet. Erstausstrahlung am 06.05.2002
44 Minuten
Hautnah berichtet Gudrun Harrer von ihrer diplomatischen Mission im Irak. Sie war dort tätig als Sondergesandte der Österreichischen EU-Präsidentschaft und als Gesandte ihrer Republik. Sichere Plätze, sagt sie, gibt es im Irak nirgends, auch nicht für Diplomaten. Man lebt als westlicher Diplomat in der sogenannten Grünen Zone, die militärisch scharf abgesichert ist; absolute Sicherheit gibt es auch hier nicht. Wie aber bewegt man sich in der sogenannten Roten Zone, d.h. im übrigen Bagdad und dem weitläufigen Irak? Wie viel Leibwache braucht man? Zu welchen Tageszeiten soll man auf keinen Fall sich in der Roten Zone bewegen? Gudrun Harrer ist Islamistin und Arabistin. Sie war als Journalistin tätig, bevor sie in ihrer diplomatischen Mission (für 6 Monate war sie die ranghöchste Vertreterin Europas) sich an den - oft hoffnungslosen - Vermittlungsversuchen im Irak beteiligte. Wie entstand dieses Land? Welche Gruppen kämpfen miteinander? Welche Chancen gibt es für eine Lösung? Begegnung mit Gudrun Harrer, Diplomatin in Bagdad. Erstausstrahlung am 12.11.2006
13 Minuten
Konfliktherde wie in KASCHMIR, im ERWEITERTEN NAHEN OSTEN und im KOSOVO schwelen ungelöst über Jahre oder Jahrzehnte dahin. Bei jeder neuen Krise in der Welt, auch wenn diese an ganz anderer Stelle auftritt, flammen sie auf. U.S.-Botschafter (ret.) Richard C. Holbrooke war einer der Chef-Verhandler auf dem Balkan. Die Kunst Frieden zu machen, die sein Beruf ist, sagt er, wird täglich schwieriger. Begegnung mit Richard C. Holbrooke. Erstausstrahlung am 09.05.2004
23 Minuten
In 6.000 Jahren der landwirtschaftlichen Revolution, die die modernen Menschen hervorgebracht hat, haben sich Gewalt und Grausamkeit als finale Mittel des sozialen Handelns erwiesen, sobald es ums eigene Überleben geht. Diese Erfahrungstatsache erhält aktuelles Gewicht durch die Klimaveränderung in der Welt, die nicht die Starken und die Verursacher, sondern die Schwachen, welche die Klimakatastrophe nicht ausgelöst haben, trifft. In seinem Buch KLIMAKRIEGE hat der Sozialpsychologe Prof. Dr. Harald Welzer die besonders Gewalt-offenen Räume unseres Planeten (z.B. Darfur im Sudan) untersucht. An den Anfang seines Buches stellt er ein Menetekel: die katastrophale Geschichte der Osterinsel im Pazifik. Zwölf Clans bewohnten diese Insel, bevor sie von westlichen Seefahrern entdeckt wurde. Im Kampf gegeneinander und mit der Natur errichteten sie imponierende Monumente, die sie den Göttern weihten, ähnlich wie in Europa Kathedralen gebaut wurden. In diesen religiösen Rüstungsbauten, aber auch im aggressiven Wettbewerb und Kampf miteinander plünderten und entholzten sie die Insel, bis sie bis auf wenige ausstarben. Dies, sagt Harald Welzer, kann auch das Schicksal der Menschheit werden, wenn nicht andere Optionen an die der Gewalt treten. Der Satz "Das Fleisch Deiner Mutter hängt zwischen meinen Zähnen" gehört zur Ausdrucksweise im aggressiven Kampf der Clans auf der Osterinsel. Erstausstrahlung am 06.04.2009
43 Minuten
Wolfgang Bauer, Reporter der ZEIT, erforschte die Praxis von Schleuserbanden im Mittelmeer, indem er sich mit einem Gefährten undercover an einer Flucht beteiligte. Am eigenen Leib lernte er die Praktiken und vor allem die Kämpfe rivalisierender Schlepperbanden kennen, die einander die lukrative Beute, die Flüchtlingsgruppen, entführen, gegen einen Aufpreis zurückgeben, und so ihre Rendite erhöhen. Der Preiskampf findet die ganze Zeit über statt und kann auch zum Scheitern der Fruchtschiffe führen. Es gibt wenig Augenzeugenberichte deutscher Journalisten, direkt aus dem Fluchtgeschehen. Erst durch das Augenzeugnis wird die "harte Tour" deutlich, aus der die Flucht besteht. Am Tag, an dem wir mit Wolfgang Bauer sprechen, reist er bereits zu einem neuen Einsatz in Nigeria. Dort geht es um den Terror der Boko Haram im Nordosten des Landes. Nach den Beobachtungen Wolfgang Bauers ist dieser Terror nicht nur islamisch begründet, sondern besitzt ältere stammesgeschichtliche Gründe. Im 10. Jahrhundert gab es in dem Gebiet, auf dem heute Terror herrscht, blühende Königreiche, die mit denen der Ottonen und dem Reich Barbarossas in Europa gleichzeitig existierten. Wolfgang Bauer berichtet. Erstausstrahlung am 23.03.2016
1 Stunde 4 Minuten
Im Jahr 2014 jährt sich der Kriegsausbruch des 1. Weltkriegs zum 100. Mal. In der Zeit vor diesem Krieg erlebten Europa und die USA eine erste Globalisierung. Kunst, Zivilisation (außer für die Kolonien), Transportwege und Industrien blühten. Der August 1914 brachte dann einen krassen Zivilisationsbruch, den niemand erwartet hatte. Man sagt: Damals gingen in Europa die Lichter aus. Sie wurden eigentlich nie wieder in der alten Art angezündet. Nach der Beobachtung namhafter Historiker kamen die Waffen tatsächlich erst nach 31 Jahren, im Jahre 1945, wirklich zur Ruhe. Die zivilisatorischen Folgekosten des Kriegs - bis hin zu Auschwitz - waren noch schlimmer als der Krieg selbst. Es ist deshalb wichtig, sich zu erinnern: DER ERSTE WELTKRIEG BRACHTE DAS 20. JAHRHUNDERT ZUR ENTGLEISUNG. Was gibt uns heute die Sicherheit, dass unser 21. Jahrhundert nicht entgleisen kann? Da aus dem 1. Weltkrieg nichts Wirkliches gelernt wurde, bleibt sein Erfahrungsgehalt und seine Probleme bis heute aktuell. Wie es Ernst Jünger formuliert: "Wer die Massaker nicht erinnert, pflegt sie." Eine 90-Minuten-Sendung in 15 Abschnitten. Mit u.a. Jörg Friedrich (Publizist und Historiker), Sönke Neitzel (Zeitgeschichte), Markus Pöhlmann (Militärhistoriker), John C.D. Roehl (Autor und Historiker), Bernhard R. Kroener (Militärhistoriker). Mit Musik von Gustav & Band, Kraud'n Sepp, Pierre Boulez, Bernd Alois Zimmermann (DIE SOLDATEN). Erstausstrahlung am 07.03.2010
Wieviel Krisen verträgt die Welt?
Seit dem Ende des Kalten Krieges hat sich die Welt verändert. Befreit von Krisen wurde sie jedoch nicht.