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Carls Café Archiv
313 Episoden
46 Minuten
Diese Woche in der Zukunft:
Bob Blume ist Lehrer und Blogger, Autor und Bildungsinfluencer, kurzum: Er ist Lehrer mit Leidenschaft und streitet für eine gute Schule. Bob sagt: Gute Schule ist ganz leicht. Wir brauchen Personal, Raum, Zeit und Ressourcen. Mehr nicht. Im Sinne einer verbindlichen Flexibilität können Schulen sich damit zu einem Bildungsort entwickeln. Denn drunter geht es nicht: Schule muss attraktiv sein, ein Ort, an den alle gerne kommen wollen, Schüler:innen, Lehrkräfte und zahlreiche weitere Experten. Das ist das einzige „normal“, das wir an der Schule noch akzeptieren wollen.
So sieht eine Schule für heute und morgen aus: Konzentration auf grundlegende Kompetenzen in den ersten fünf Jahren: Lesen, Schreiben, Rechnen, Reden, Coden. Gleitzeit für alle. Die Lehrer:innen werden Mentor:innen; ihre Aufgabe ist es, Lernprozesse zu begleiten und zu unterstützen. Noten gibt es keine, nur die Stufen: nicht bestanden, bestanden, mit Auszeichnung. Statt Abiturzeugnis schickt die Schule Empfehlungsschreiben an ausgewählte Universitäten. Und weil Schule mehr ist als angewandte Berufsvorbereitung, bereitet die Schule auch auf alles das vor, was Menschen nach Feierabend mit Leidenschaft tun.
Das, da sind Bob und Michael sich schnell einig, wollen wir von jetzt an eine „normale Schule“ nennen. Die Entwicklung und in Teilen radikale Veränderung, das muss das Normale sein. Der Rest, der sich nicht bewegt, darf in unseren Augen nicht die Norm sein; nennen wir es rückständig, verstaubt, eingeschlafen, ganz nach Belieben.
Eine solche neue normale Schule sollte auch kaum Schwierigkeiten haben, ausreichend Lehrkräfte anzuziehen und auf Dauer für die wunderbare Aufgabe von Schule zu begeistern: Kinder bei der Entwicklung zu unterstützen und in ihnen das Gefühl wachsen zu sehen: Mir steht die Welt offen. Wovon wir uns guten Gewissens verabschieden können, ist das Bild des allwissenden Lehrers, der möglichst viel Wissen in möglichst knapper Zeit in die Schülerhirne bringt. Herr Lehrer, muss ich mir das aufschreiben oder kommt das in der Klausur gar nicht dran?
In der Folge kommen Bob und Michael auch auf Micha Pallesche zu sprechen, den Leiter der Ernst-Reuter-Schule in Karlsruhe. Er war in Folge 75 „Digitale Bildung ist möglich“ hier im Podcast zu Gast.
Zu Gast in dieser Woche:
Bob Blume, Lehrer, Bestseller-Autor, Blogger und Bildungsinfluencer, @blume_bob
Buch: “10Dinge, die ich an der Schule hasse”
Bob Blume ist Lehrer und Blogger, Autor und Bildungsinfluencer, kurzum: Er ist Lehrer mit Leidenschaft und streitet für eine gute Schule. Bob sagt: Gute Schule ist ganz leicht. Wir brauchen Personal, Raum, Zeit und Ressourcen. Mehr nicht. Im Sinne einer verbindlichen Flexibilität können Schulen sich damit zu einem Bildungsort entwickeln. Denn drunter geht es nicht: Schule muss attraktiv sein, ein Ort, an den alle gerne kommen wollen, Schüler:innen, Lehrkräfte und zahlreiche weitere Experten. Das ist das einzige „normal“, das wir an der Schule noch akzeptieren wollen.
So sieht eine Schule für heute und morgen aus: Konzentration auf grundlegende Kompetenzen in den ersten fünf Jahren: Lesen, Schreiben, Rechnen, Reden, Coden. Gleitzeit für alle. Die Lehrer:innen werden Mentor:innen; ihre Aufgabe ist es, Lernprozesse zu begleiten und zu unterstützen. Noten gibt es keine, nur die Stufen: nicht bestanden, bestanden, mit Auszeichnung. Statt Abiturzeugnis schickt die Schule Empfehlungsschreiben an ausgewählte Universitäten. Und weil Schule mehr ist als angewandte Berufsvorbereitung, bereitet die Schule auch auf alles das vor, was Menschen nach Feierabend mit Leidenschaft tun.
Das, da sind Bob und Michael sich schnell einig, wollen wir von jetzt an eine „normale Schule“ nennen. Die Entwicklung und in Teilen radikale Veränderung, das muss das Normale sein. Der Rest, der sich nicht bewegt, darf in unseren Augen nicht die Norm sein; nennen wir es rückständig, verstaubt, eingeschlafen, ganz nach Belieben.
Eine solche neue normale Schule sollte auch kaum Schwierigkeiten haben, ausreichend Lehrkräfte anzuziehen und auf Dauer für die wunderbare Aufgabe von Schule zu begeistern: Kinder bei der Entwicklung zu unterstützen und in ihnen das Gefühl wachsen zu sehen: Mir steht die Welt offen. Wovon wir uns guten Gewissens verabschieden können, ist das Bild des allwissenden Lehrers, der möglichst viel Wissen in möglichst knapper Zeit in die Schülerhirne bringt. Herr Lehrer, muss ich mir das aufschreiben oder kommt das in der Klausur gar nicht dran?
In der Folge kommen Bob und Michael auch auf Micha Pallesche zu sprechen, den Leiter der Ernst-Reuter-Schule in Karlsruhe. Er war in Folge 75 „Digitale Bildung ist möglich“ hier im Podcast zu Gast.
Zu Gast in dieser Woche:
Bob Blume, Lehrer, Bestseller-Autor, Blogger und Bildungsinfluencer, @blume_bob
Buch: “10Dinge, die ich an der Schule hasse”
38 Minuten
Diese Woche in der Zukunft:
Wer heute noch Hitzewellen und Dürre in Europa mit spielenden Kindern im Freibad bebildert, macht sich der unterlassenen Berichterstattung schuldig. Die Klimakrise ist real, wir müssen auf null Emissionen runter und das schnell. Ein Gespräch mit Özden Terli, Meteorologe und Wettermann im ZDF.
Özden gehört zu den Journalisten, die immer wieder zur besten Sendezeit darauf hinweisen, wo wir die Auswirkungen der Klimakrise bereits heute erleben. Persönlich erhält er dafür ausschließlich positives Feedback. In den sozialen Medien hingegen wird er dafür immer wieder hart angegangen. Özden wehrt sich und veröffentlicht diese Anwürfe - auch um deutlich zu zeigen, dass man sich wehren kann.
Ist das Aktivismus statt Journalismus? Özden sagt: Im Gegenteil. Wir laufen auf derzeit eine 3 Grad-Welt zu. Stefan Rahmsdorf hat kürzlich anschaulich beschrieben, was das praktisch bedeutet. Wer das Papier noch kennt, findet es hier. Die Zeit die uns noch bleibt, um diese 3 Grad-Welt abzuwenden, ist Goldstaub. Wir dürfen sie nicht verschwenden mit Diskussionen über Technologieoffenheit oder die Laufzeit von Atomkraftwerken. Das sind Nebelkerzen derer, die einen wirksamen Klimaschutz verhindern wollen.
Wer ist hier eigentlich radikal? Özden Terli sagt ganz klar: Die Radikalen, das sind die, die den Klimaschutz verzögern und verhindern. Diejenigen hingegen, die ein sofortiges Umdenken einfordern, die protestieren und sich auf die Straße kleben, die sind nur vermeintlich radikal. Radikal ist ein weiter so.
Wir sind alle Aktivisten: Entweder setzen wir uns für einen schnellen Wandel im großen Maßstab ein. Dann sind wir Aktivisten einer 1,5 Grad-Welt. Oder wir blockieren diesen Wandel oder bremsen ihn durch Nichtstun. Dann sind wir Aktivisten für eine 3 Grad-Welt. Öden zitiert damit Prof. Sebastian Seiffert, der in Folge 55 Gast hier in „carls zukunft der woche“ war.
Schaut Özden Terli optimistisch in die Zukunft? Er wünschte, er könnte. Özden plädiert für einen realistischen Blick - und da ist derzeit nichts zu erkennen, das uns optimistisch stimmen könnte. Das zu ändern, ist unsere Aufgabe. Da ist zum einen das eigene Verhalten. Aber viel wichtiger noch: Es geht um den Wandel im großen Maßstab. Also schreiben wir unseren örtlichen Politikern, den Managern der ortsansässigen Firmen, allen Multiplikatoren, die wir kennen und erreichen können.
Zu Gast in dieser Folge: Özden Terli, Meteorologe und Wetter-Moderator im ZDF. @TerliWetter
Rahmsdorf-Papier: Stefan Rahmstorf – Klima und Wetter bei 3 Grad mehr
Eine Erde, wie wir sie nicht kennen (wollen)
Wer heute noch Hitzewellen und Dürre in Europa mit spielenden Kindern im Freibad bebildert, macht sich der unterlassenen Berichterstattung schuldig. Die Klimakrise ist real, wir müssen auf null Emissionen runter und das schnell. Ein Gespräch mit Özden Terli, Meteorologe und Wettermann im ZDF.
Özden gehört zu den Journalisten, die immer wieder zur besten Sendezeit darauf hinweisen, wo wir die Auswirkungen der Klimakrise bereits heute erleben. Persönlich erhält er dafür ausschließlich positives Feedback. In den sozialen Medien hingegen wird er dafür immer wieder hart angegangen. Özden wehrt sich und veröffentlicht diese Anwürfe - auch um deutlich zu zeigen, dass man sich wehren kann.
Ist das Aktivismus statt Journalismus? Özden sagt: Im Gegenteil. Wir laufen auf derzeit eine 3 Grad-Welt zu. Stefan Rahmsdorf hat kürzlich anschaulich beschrieben, was das praktisch bedeutet. Wer das Papier noch kennt, findet es hier. Die Zeit die uns noch bleibt, um diese 3 Grad-Welt abzuwenden, ist Goldstaub. Wir dürfen sie nicht verschwenden mit Diskussionen über Technologieoffenheit oder die Laufzeit von Atomkraftwerken. Das sind Nebelkerzen derer, die einen wirksamen Klimaschutz verhindern wollen.
Wer ist hier eigentlich radikal? Özden Terli sagt ganz klar: Die Radikalen, das sind die, die den Klimaschutz verzögern und verhindern. Diejenigen hingegen, die ein sofortiges Umdenken einfordern, die protestieren und sich auf die Straße kleben, die sind nur vermeintlich radikal. Radikal ist ein weiter so.
Wir sind alle Aktivisten: Entweder setzen wir uns für einen schnellen Wandel im großen Maßstab ein. Dann sind wir Aktivisten einer 1,5 Grad-Welt. Oder wir blockieren diesen Wandel oder bremsen ihn durch Nichtstun. Dann sind wir Aktivisten für eine 3 Grad-Welt. Öden zitiert damit Prof. Sebastian Seiffert, der in Folge 55 Gast hier in „carls zukunft der woche“ war.
Schaut Özden Terli optimistisch in die Zukunft? Er wünschte, er könnte. Özden plädiert für einen realistischen Blick - und da ist derzeit nichts zu erkennen, das uns optimistisch stimmen könnte. Das zu ändern, ist unsere Aufgabe. Da ist zum einen das eigene Verhalten. Aber viel wichtiger noch: Es geht um den Wandel im großen Maßstab. Also schreiben wir unseren örtlichen Politikern, den Managern der ortsansässigen Firmen, allen Multiplikatoren, die wir kennen und erreichen können.
Zu Gast in dieser Folge: Özden Terli, Meteorologe und Wetter-Moderator im ZDF. @TerliWetter
Rahmsdorf-Papier: Stefan Rahmstorf – Klima und Wetter bei 3 Grad mehr
Eine Erde, wie wir sie nicht kennen (wollen)
36 Minuten
Diese Woche in der Zukunft:
Die Mobilität der Zukunft ist einfach. Und sie ist vernetzt. Gut ist: Wir müssen es nur tun. Und noch besser: Wir tun es schon. Das 9€-Ticket ist im Kern eine Vorform dessen, was gute Mobilität der Zukunft ausmacht. Sagt Sylvia Lier, langjährige Führungskraft in Sachen #Kfz-Flottenmanagement und #ÖPNV. Sylvia ist Expertin für multimodale Personenmobilität. Ihr Bild: Eine App regelt meine Mobilität, samt Echtzeitdaten und Tickets – unabhängig von Verkehrsmittel und konkretem Betreiber. Wenn wir wollten, könnten wir das direkt realisieren.
Sylvia war in ihrer Karriere verantwortlich für Mobilität auf Reifen wie für solche auf Eisenbahn- wie auf Straßenbahnschienen. Ihr Fazit: Wir brauchen das alles. Der Mix macht es – und zukunftsfähige Mobilität entsteht, wo das vielfältig Vernetzte so einfach zur Verfügung steht, dass niemand mehr vor dem Fahrkartenautomaten verzweifelt, sondern alle ihren jeweils aktuell besten Mix angeboten bekommen.
Die Betonung liegt auf „alle“. Auch wenn wir vielfach das eigene Auto mit Freiheit verbinden, tatsächlich schließt es Millionen Menschen aus: Kinder, Alte, körperlich Eingeschränkte, Menschen ohne Führerschein, Menschen, die sich das Autofahren schlicht nicht leisten können. Hinzu kommen auch noch die, die das Auto heute nur nehmen, weil ihnen irgendeine Alternative fehlt. Kurzum: Der Fokus auf das Auto lässt große Teile der Bevölkerung aus dem Blick. Mobilität der Zukunft darf genau das nicht.
Was fehlt uns, um eine zukunftsfähige Mobilität umsetzen? Mut, sagt Sylvia. Einfach machen. Technologisch sind die Herausforderungen im Wesentlichen schon gelöst. Es geht nur um das Tun, dann haben wir in weniger als zehn Jahren integrierte Mobilität, flächendeckend, integriert und integrierend.
Zu Gast in dieser Woche: Sylvia Lier, Mobilitätsexpertin, war Geschäftsführerin bei Leaseplan, im DB-Konzern und bei den Düsseldorfer Stadtwerken
Die Mobilität der Zukunft ist einfach. Und sie ist vernetzt. Gut ist: Wir müssen es nur tun. Und noch besser: Wir tun es schon. Das 9€-Ticket ist im Kern eine Vorform dessen, was gute Mobilität der Zukunft ausmacht. Sagt Sylvia Lier, langjährige Führungskraft in Sachen #Kfz-Flottenmanagement und #ÖPNV. Sylvia ist Expertin für multimodale Personenmobilität. Ihr Bild: Eine App regelt meine Mobilität, samt Echtzeitdaten und Tickets – unabhängig von Verkehrsmittel und konkretem Betreiber. Wenn wir wollten, könnten wir das direkt realisieren.
Sylvia war in ihrer Karriere verantwortlich für Mobilität auf Reifen wie für solche auf Eisenbahn- wie auf Straßenbahnschienen. Ihr Fazit: Wir brauchen das alles. Der Mix macht es – und zukunftsfähige Mobilität entsteht, wo das vielfältig Vernetzte so einfach zur Verfügung steht, dass niemand mehr vor dem Fahrkartenautomaten verzweifelt, sondern alle ihren jeweils aktuell besten Mix angeboten bekommen.
Die Betonung liegt auf „alle“. Auch wenn wir vielfach das eigene Auto mit Freiheit verbinden, tatsächlich schließt es Millionen Menschen aus: Kinder, Alte, körperlich Eingeschränkte, Menschen ohne Führerschein, Menschen, die sich das Autofahren schlicht nicht leisten können. Hinzu kommen auch noch die, die das Auto heute nur nehmen, weil ihnen irgendeine Alternative fehlt. Kurzum: Der Fokus auf das Auto lässt große Teile der Bevölkerung aus dem Blick. Mobilität der Zukunft darf genau das nicht.
Was fehlt uns, um eine zukunftsfähige Mobilität umsetzen? Mut, sagt Sylvia. Einfach machen. Technologisch sind die Herausforderungen im Wesentlichen schon gelöst. Es geht nur um das Tun, dann haben wir in weniger als zehn Jahren integrierte Mobilität, flächendeckend, integriert und integrierend.
Zu Gast in dieser Woche: Sylvia Lier, Mobilitätsexpertin, war Geschäftsführerin bei Leaseplan, im DB-Konzern und bei den Düsseldorfer Stadtwerken
37 Minuten
Diese Woche in der Zukunft:
Jan Hegenberg schreibt über die Klimakrise, was wir tun können und was wir tun müssen, um sie abzumildern. Zumindest so weit abzumildern, dass wir gut leben können. Sein Credo: Wir können das. Wir werden unser Leben dafür verändern müssen, allerdings nicht mit Verzicht und Einschränkung. Der Wandel im Zuge der Klimakrise wird im besten Fall die Erderhitzung verlangsamen, sie ermöglicht uns auch ein angenehmeres Leben.
Das Buch von Jan trägt den Titel „Weltuntergang fällt aus“. Er sagt: Wir sind es so gewohnt, uns auf die Probleme zu konzentrieren, dass wir darüber die Lösungen vergessen, die längst da sind. Um unserem Optimismus auf die Sprünge zu helfen, hat er sein Buch geschrieben. Dabei hat er es auf die zahlreichen weit verbreiteten Irrtümer abgesehen, denen wir immer und immer wieder auf den Leim gehen. Beispiel: Mit der Verkehrswende wird alles mühsamer, wenn wir nicht mehr überall mit dem Auto hinfahren dürfen. Selbe Entwicklung, positives Framing: Unsere Städte werden sauberer und leiser, wir haben mehr Platz, es wird eleganter und günstiger.
Zweites Beispiel: Erneuerbare Energien und die Angst vor den windstillen Nächten im Winter - in denen wir massenhaft Energie brauchen, aber weder wind noch Solar anspringen. Jan hält dagegen: Diese Ausnahmen gibt es - und haben längst Instrumente. Wir können grünen Sommerstrom nutzen, um Wasserstoff zu speichern und künstliches Ethanol zu erzeugen. Wir verfügen mit unserem Gasnetz längst über die Infrastruktur, es zu speichern und zu transportieren. Teuer? Klar, aber so selten, dass das nicht weiter ins Gewicht fällt.
Die Klimawende ist für Jan vergleichbar mit der industriellen Revolution: Am Anfang stand die Erfindung der Dampfmaschine und erst in der Folge hat sich gezeigt, was auf einmal alles möglich ist. Ähnlich erwartet er es hier: Was wird auf einmal möglich, wenn zumindest einigenorts Energie im Überfluss zur Verfügung steht? Welche Produkte können wir dann erzeugen, welche Prozesse umsetzen? Wir werden erleben, wie sich die globalen Kräfte verschieben, wenn Länder, die heute eher arm sind, auf einmal Energie ohne Ende bieten können.
In Summe: Der Weltuntergang fällt aus. Wir haben jeden Grund, optimistisch in die Zukunft zu schauen.
Zu Gast in dieser Woche:
Jan Hegenberg, Autor von „Weltuntergang fällt aus“, Gründer des Blogs Graslutscher.de, freier Autor, Factchecker, Facebook-Trolljäger
Buch: Jan Hegenerberg – Weltuntergang fällt aus – Verlag KOMPLETT-MEDIA – Preis 22,00 €
Jan Hegenberg schreibt über die Klimakrise, was wir tun können und was wir tun müssen, um sie abzumildern. Zumindest so weit abzumildern, dass wir gut leben können. Sein Credo: Wir können das. Wir werden unser Leben dafür verändern müssen, allerdings nicht mit Verzicht und Einschränkung. Der Wandel im Zuge der Klimakrise wird im besten Fall die Erderhitzung verlangsamen, sie ermöglicht uns auch ein angenehmeres Leben.
Das Buch von Jan trägt den Titel „Weltuntergang fällt aus“. Er sagt: Wir sind es so gewohnt, uns auf die Probleme zu konzentrieren, dass wir darüber die Lösungen vergessen, die längst da sind. Um unserem Optimismus auf die Sprünge zu helfen, hat er sein Buch geschrieben. Dabei hat er es auf die zahlreichen weit verbreiteten Irrtümer abgesehen, denen wir immer und immer wieder auf den Leim gehen. Beispiel: Mit der Verkehrswende wird alles mühsamer, wenn wir nicht mehr überall mit dem Auto hinfahren dürfen. Selbe Entwicklung, positives Framing: Unsere Städte werden sauberer und leiser, wir haben mehr Platz, es wird eleganter und günstiger.
Zweites Beispiel: Erneuerbare Energien und die Angst vor den windstillen Nächten im Winter - in denen wir massenhaft Energie brauchen, aber weder wind noch Solar anspringen. Jan hält dagegen: Diese Ausnahmen gibt es - und haben längst Instrumente. Wir können grünen Sommerstrom nutzen, um Wasserstoff zu speichern und künstliches Ethanol zu erzeugen. Wir verfügen mit unserem Gasnetz längst über die Infrastruktur, es zu speichern und zu transportieren. Teuer? Klar, aber so selten, dass das nicht weiter ins Gewicht fällt.
Die Klimawende ist für Jan vergleichbar mit der industriellen Revolution: Am Anfang stand die Erfindung der Dampfmaschine und erst in der Folge hat sich gezeigt, was auf einmal alles möglich ist. Ähnlich erwartet er es hier: Was wird auf einmal möglich, wenn zumindest einigenorts Energie im Überfluss zur Verfügung steht? Welche Produkte können wir dann erzeugen, welche Prozesse umsetzen? Wir werden erleben, wie sich die globalen Kräfte verschieben, wenn Länder, die heute eher arm sind, auf einmal Energie ohne Ende bieten können.
In Summe: Der Weltuntergang fällt aus. Wir haben jeden Grund, optimistisch in die Zukunft zu schauen.
Zu Gast in dieser Woche:
Jan Hegenberg, Autor von „Weltuntergang fällt aus“, Gründer des Blogs Graslutscher.de, freier Autor, Factchecker, Facebook-Trolljäger
Buch: Jan Hegenerberg – Weltuntergang fällt aus – Verlag KOMPLETT-MEDIA – Preis 22,00 €
35 Minuten
Diese Woche in der Zukunft:
“Boost your performance, not your boobs.” Carina Frei ist Autorin und Keynote-Speakerin, Female Empowerment ist ihr Thema. In Seminaren und Coachings unterstützt sie Frauen bei ihrer Entwicklung. Frauen wie Männer haben gelernt, Frauen mit dem male gaze, dem männlichen Blick zu betrachten und zu bewerten. Carinas Credo: Es liegt an den Frauen selbst, aktiv zu werden und an ihrer Lage etwas zu verändern.
Für Carina wird der Unterschied zwischen Männern und Frauen bei der Karriere sichtbar – und änderbar. Während Männer Räuberleitern bilden und sich gegenseitig auf dem Weg nach oben unterstützen, greifen Frauen viel zu häufig auf anerzogene Muster von Neid und Konkurrenz zurück und ziehen sich auch noch gegenseitig herunter. Die einen kommen hoch – die anderen halten sich mit blabla auf. Hier ins Handeln zu kommen, da beginnt für Carina Female Empowerment.
Der Unterschied zwischen Männern und Frauen beginnt schon in der Sprache. Männer sagen an, Frauen bitten um Entschuldigung. Man versuche einmal, für die eigene Tochter ein T-Shirt zu kaufen mit Superhelden statt Glitzer. Carina hängt jedes Mal beim Einkaufen die coolen NASA-Shirts aus der Jungsabteilung in die Mädchenabteilung um. Es ist das Thema der Bikini-Figur: Muss ich erst fragen, ob ich es mir erlauben kann? Oder hat nicht jede eine Bikini-Figur, die einfach im Bikini an den Strand geht?
Carinas zunächst eher pessimistische Einschätzung: Wir befinden uns auf dem Weg zurück, was die gleichberechtigte Position von Frauen in Gesellschaft und Beruf betrifft. Der Abbau von Frauenrechten in den USA ist nur ein Beispiel, allerdings muss ja Europa gar nicht verlassen, um ganz ähnliche Entwicklungen festzustellen. Umso mehr, sagt Carina, dürfen Frauen sich nicht in unterschiedliche Gruppierungen und Feminismen aufsplitten lassen. Das nützt nur der alten Welt.
Zu Gast in dieser Woche: Carina Frei, Keynote Speaker und Autorin – #ALPHAWOMAN - www.carinafrei.com
“Boost your performance, not your boobs.” Carina Frei ist Autorin und Keynote-Speakerin, Female Empowerment ist ihr Thema. In Seminaren und Coachings unterstützt sie Frauen bei ihrer Entwicklung. Frauen wie Männer haben gelernt, Frauen mit dem male gaze, dem männlichen Blick zu betrachten und zu bewerten. Carinas Credo: Es liegt an den Frauen selbst, aktiv zu werden und an ihrer Lage etwas zu verändern.
Für Carina wird der Unterschied zwischen Männern und Frauen bei der Karriere sichtbar – und änderbar. Während Männer Räuberleitern bilden und sich gegenseitig auf dem Weg nach oben unterstützen, greifen Frauen viel zu häufig auf anerzogene Muster von Neid und Konkurrenz zurück und ziehen sich auch noch gegenseitig herunter. Die einen kommen hoch – die anderen halten sich mit blabla auf. Hier ins Handeln zu kommen, da beginnt für Carina Female Empowerment.
Der Unterschied zwischen Männern und Frauen beginnt schon in der Sprache. Männer sagen an, Frauen bitten um Entschuldigung. Man versuche einmal, für die eigene Tochter ein T-Shirt zu kaufen mit Superhelden statt Glitzer. Carina hängt jedes Mal beim Einkaufen die coolen NASA-Shirts aus der Jungsabteilung in die Mädchenabteilung um. Es ist das Thema der Bikini-Figur: Muss ich erst fragen, ob ich es mir erlauben kann? Oder hat nicht jede eine Bikini-Figur, die einfach im Bikini an den Strand geht?
Carinas zunächst eher pessimistische Einschätzung: Wir befinden uns auf dem Weg zurück, was die gleichberechtigte Position von Frauen in Gesellschaft und Beruf betrifft. Der Abbau von Frauenrechten in den USA ist nur ein Beispiel, allerdings muss ja Europa gar nicht verlassen, um ganz ähnliche Entwicklungen festzustellen. Umso mehr, sagt Carina, dürfen Frauen sich nicht in unterschiedliche Gruppierungen und Feminismen aufsplitten lassen. Das nützt nur der alten Welt.
Zu Gast in dieser Woche: Carina Frei, Keynote Speaker und Autorin – #ALPHAWOMAN - www.carinafrei.com
31 Minuten
Diese Woche in der Zukunft:
Die Modeindustrie Platz aus allen Nähten und produziert immer weiter vor sich hin. Es gibt zu wenig Innovation und zu wenig Digitalisierung im Modebusiness. Wir müssen über unseren Modekonsum sprechen. Jeder kennt es: Der Kleiderschrank quillt über und es muss wieder aussortiert werden. Gut, dass sich seit 160 Jahren in der Modeindustrie, kaum etwas geändert hat. Also, einfach so weiter wie bisher, oder? Unsere Kleidung ist der zweitgrößte umweltverschmutzer weltweit. Es muss sich also etwas ändern, wenn wir die Kurve der Klimakrise nach unten korrigieren wollen. Wir sprechen über die Zukunft von Mode, Technologie und Forschung. Genauer gesagt: OpenDress und wie wir besser mit unserem Modekonsum umgehen können.
Verena Ziegler ist Co-founder und CEO von OpenDress, das Unternehmen hat eine Technologie entwickelt, die sich BEAWEAR nennt. Mit dieser Software kann man in online Shops einen 3D-Scan seines Körpers, einfach zuhause, vor seiner eigenen Kamera machen. Die Kleidung bleibt bei dem Scan einfach an und dann wird sich einmal im Kreis gedreht, dreimal die Hacken zusammengeschlagen und schon entsteht der „Digitale Zwilling“ der zu den Maßen des eigenen Körpers passt. Ab jetzt wird nur noch die Kleidung im Onlineshop angezeigt, die exakt passt.
Wenn wir uns die Retoure Quoten ansehen, dann werden bis zu 75 % aus Gründen der Passform zurückgeschickt. Was für eine Katastrophe, wenn wir jetzt über unsere Umwelt nachdenken. Stellen wir uns einmal vor, wie wir in Zukunft shoppen gehen, alles online, versteht sich. Wir können unseren Digitalen Zwilling einfach alles anprobieren lassen, senken somit die Retouren und lassen genauer Produktionsbedingungen zu. Hier geht es um Deep Tech: Tiefliegende Informationen entnehmen und somit die Produktion anpassen. Die Unternehmen wissen in Zukunft wie Ihre Kunden aussehen, das ist dann fast so, als würde man einen Laden betreten und freundlich grüßen.
Beawear digitalisiert den komplizierten weg des Vermessens und Erstellen eines Schnittmusters. Am Ende bleibt die Nähleistung und damit auch Handwerkliche Kompetenzen vor Ort. Denn die großen Produktionen bleiben durch die Software aus. Produziert wird dann in nachhaltigen Microfactorys die regional vor Ort sind.
Zu Gast in dieser Woche:
Verena Ziegler ist Co-founder und CEO von BEAWEAR - OpenDress
#Timecodes zur Folge:
• Begrüßung
• 1:24 Technologie
• 4:30 Online-Shopping
• 10:21 Digitalisierung der Modeindustrie
• 14:25 Microfactorys
• 24:35 Neue Handwerkskultur
Die Modeindustrie Platz aus allen Nähten und produziert immer weiter vor sich hin. Es gibt zu wenig Innovation und zu wenig Digitalisierung im Modebusiness. Wir müssen über unseren Modekonsum sprechen. Jeder kennt es: Der Kleiderschrank quillt über und es muss wieder aussortiert werden. Gut, dass sich seit 160 Jahren in der Modeindustrie, kaum etwas geändert hat. Also, einfach so weiter wie bisher, oder? Unsere Kleidung ist der zweitgrößte umweltverschmutzer weltweit. Es muss sich also etwas ändern, wenn wir die Kurve der Klimakrise nach unten korrigieren wollen. Wir sprechen über die Zukunft von Mode, Technologie und Forschung. Genauer gesagt: OpenDress und wie wir besser mit unserem Modekonsum umgehen können.
Verena Ziegler ist Co-founder und CEO von OpenDress, das Unternehmen hat eine Technologie entwickelt, die sich BEAWEAR nennt. Mit dieser Software kann man in online Shops einen 3D-Scan seines Körpers, einfach zuhause, vor seiner eigenen Kamera machen. Die Kleidung bleibt bei dem Scan einfach an und dann wird sich einmal im Kreis gedreht, dreimal die Hacken zusammengeschlagen und schon entsteht der „Digitale Zwilling“ der zu den Maßen des eigenen Körpers passt. Ab jetzt wird nur noch die Kleidung im Onlineshop angezeigt, die exakt passt.
Wenn wir uns die Retoure Quoten ansehen, dann werden bis zu 75 % aus Gründen der Passform zurückgeschickt. Was für eine Katastrophe, wenn wir jetzt über unsere Umwelt nachdenken. Stellen wir uns einmal vor, wie wir in Zukunft shoppen gehen, alles online, versteht sich. Wir können unseren Digitalen Zwilling einfach alles anprobieren lassen, senken somit die Retouren und lassen genauer Produktionsbedingungen zu. Hier geht es um Deep Tech: Tiefliegende Informationen entnehmen und somit die Produktion anpassen. Die Unternehmen wissen in Zukunft wie Ihre Kunden aussehen, das ist dann fast so, als würde man einen Laden betreten und freundlich grüßen.
Beawear digitalisiert den komplizierten weg des Vermessens und Erstellen eines Schnittmusters. Am Ende bleibt die Nähleistung und damit auch Handwerkliche Kompetenzen vor Ort. Denn die großen Produktionen bleiben durch die Software aus. Produziert wird dann in nachhaltigen Microfactorys die regional vor Ort sind.
Zu Gast in dieser Woche:
Verena Ziegler ist Co-founder und CEO von BEAWEAR - OpenDress
#Timecodes zur Folge:
• Begrüßung
• 1:24 Technologie
• 4:30 Online-Shopping
• 10:21 Digitalisierung der Modeindustrie
• 14:25 Microfactorys
• 24:35 Neue Handwerkskultur
38 Minuten
Diese Woche in der Zukunft:
Der Zuschauer reibt sich verwundert die Augen. Die Zuschauerin auch. Die EM der Frauen zeigt einen Fußball, der einen erheblichen Qualitätssprung gemacht hat. Matthias Dersch, Reporter beim kicker, sagt: Einer der Gründe für diese Verwunderung ist: Es schaut normalerweise keiner hin. Die Entwicklung läuft längst. Wenn es eine Zielgruppe für attraktiven, schnellen und hochwertigen Fußball gibt, die gleichzeitig weder Ronaldos Millionengage noch eine WM in Katar wollen: Frauenfußball hat das Potenzial, in diese Lücke zu stoßen und damit ein Stück Zukunft zu werden.
Bei aller fundierten Kritik: Die Blase Fußball wird nicht platzen. Die Stadien der WM in Katar werden voll sein, auch mit deutschen Fans. Die Spieler werden weiterhin auf ihre Profile bei FIFA achten, weil sie wissen, dass daran die Anzahl der verkauften Trikots mit dem eigenen Namen hängt. Allerdings hat sich der Fußball längst in mehrere, ganz unterschiedliche Welten aufgespalten. Der jüngste Versuch, eine kleine, teure europäische Liga aufziehen, ist zwar noch krachend gescheitert. Allerdings fragt Matthias, ob es nicht ehrlich wäre, die ohnehin bestehende Spaltung auch anzuerkennen. Bayern München und Greuther Fürth haben gerade in einer Liga gespielt – und eben doch nicht.
Der Fußball der Zukunft wird nicht mehr schneller werden, er wird sich vor allem professionalisieren. Nachwuchsstars, die ihr Leben tatsächlich 24/7 der Profi-Disziplin unterordnen. Vereine, die die letzte Million nicht für einen weiteren mittelmäßigen Stürmer ausgeben, sondern für Physio, Koch und Mentaltrainer. Und dann noch einen Data Scientist einstellen und einen Experten für die Kommunikation der komplexen Erkenntnisse aus den Daten an jeden einzelnen Spieler.
Geht die Schere im Fußball in den kommenden Jahren weiter auseinander? Matthias hofft: nein. Und erwartet: ja.
Zu Gast in dieser Woche:
Matthias Dersch, Reporter kicker mit den Schwerpunktthemen BVB Dortmund und Nationalmannschaft
#Timecodes zur Folge:
• Begrüßung
• 01:50 EM der Frauen
• 10:00 Wann platzt die Blase?
• 17:01 / 28:09 Technologie
• 20:10 Finanzen
Der Zuschauer reibt sich verwundert die Augen. Die Zuschauerin auch. Die EM der Frauen zeigt einen Fußball, der einen erheblichen Qualitätssprung gemacht hat. Matthias Dersch, Reporter beim kicker, sagt: Einer der Gründe für diese Verwunderung ist: Es schaut normalerweise keiner hin. Die Entwicklung läuft längst. Wenn es eine Zielgruppe für attraktiven, schnellen und hochwertigen Fußball gibt, die gleichzeitig weder Ronaldos Millionengage noch eine WM in Katar wollen: Frauenfußball hat das Potenzial, in diese Lücke zu stoßen und damit ein Stück Zukunft zu werden.
Bei aller fundierten Kritik: Die Blase Fußball wird nicht platzen. Die Stadien der WM in Katar werden voll sein, auch mit deutschen Fans. Die Spieler werden weiterhin auf ihre Profile bei FIFA achten, weil sie wissen, dass daran die Anzahl der verkauften Trikots mit dem eigenen Namen hängt. Allerdings hat sich der Fußball längst in mehrere, ganz unterschiedliche Welten aufgespalten. Der jüngste Versuch, eine kleine, teure europäische Liga aufziehen, ist zwar noch krachend gescheitert. Allerdings fragt Matthias, ob es nicht ehrlich wäre, die ohnehin bestehende Spaltung auch anzuerkennen. Bayern München und Greuther Fürth haben gerade in einer Liga gespielt – und eben doch nicht.
Der Fußball der Zukunft wird nicht mehr schneller werden, er wird sich vor allem professionalisieren. Nachwuchsstars, die ihr Leben tatsächlich 24/7 der Profi-Disziplin unterordnen. Vereine, die die letzte Million nicht für einen weiteren mittelmäßigen Stürmer ausgeben, sondern für Physio, Koch und Mentaltrainer. Und dann noch einen Data Scientist einstellen und einen Experten für die Kommunikation der komplexen Erkenntnisse aus den Daten an jeden einzelnen Spieler.
Geht die Schere im Fußball in den kommenden Jahren weiter auseinander? Matthias hofft: nein. Und erwartet: ja.
Zu Gast in dieser Woche:
Matthias Dersch, Reporter kicker mit den Schwerpunktthemen BVB Dortmund und Nationalmannschaft
#Timecodes zur Folge:
• Begrüßung
• 01:50 EM der Frauen
• 10:00 Wann platzt die Blase?
• 17:01 / 28:09 Technologie
• 20:10 Finanzen
32 Minuten
Diese Woche in der Zukunft:
Eine Folge im Angesicht einer möglicherweise historischen Hitzewelle in Mitteleuropa: Wie bestimmt die Temperatur unsere Zukunft, unser Leben, unsere Gesundheit? Michael Carl im Gespräch mit Jule Darwig, Ärztin in Aachen und eine Stimme bei Health for Future. Jule sagt: Hitze diskutiert nicht. Es gibt eine Grenze, bis zu der wir leben und überleben können - und darüber eben nicht mehr. Das ist auch keine Frage von Veranlagung und Training. Wir gewöhnen uns nicht an Hitze. Hitze ist eine Grenze.
Werden wir dann eines Tages Hitzeopfer in der Tagesschau zählen wie wir das von Corona kennen? Jule reagiert fast verwundert. Diese Zählung läuft bereits. Das ist Realität heute, nicht düstere Zukunftsprognose. In Phasen großer Hitze gibt es mehr Herzinfarkte und dergleichen. Deutschland ist von dieser Entwicklung sogar besonders stark betroffen. Ein guter Teil der Bevölkerung ist alt und damit empfindlicher. Ein Großteil der Bevölkerung wohnt in der Stadt, die heißer ist als das Land. Auch ist die Durchschnittstemperatur in Deutschland stärker gestiegen als im globalen Mittel. Wer einen Beleg sucht, muss nur in eine beliebige Notaufnahme gehen. Bei Hitze sind die voll - mit Menschen, die unter Hitze leiden.
Wie kann es sein, dass wir das so konsequent ausblenden? Jule verweist auf den Mind-Behaviour-Gap, wissenschaftlich gut erforscht. Wir wissen, was richtig wäre, und tun es nicht. Bei Hitze liegt es auch daran, dass die Vorbereitungen in den Kommunen so schlecht sind. Es liegen kaum Hitzeaktionspläne vor, das Gesundheitssystem wird nicht auf Hitzestress vorbereitet. Bei steigender Temperatur lässt unsere Leistungsfähigkeit massiv nach; auch das lässt sich nicht wegtrainieren. Das gilt auch für Krankenhauspersonal und lähmt das Gesundheitssystem zusätzlich, gerade in Phasen erhöhten Bedarfs. Vielen Ärzten:innen fehlt es auch an Wissen, wie zum Beispiel Medikamente unter Hitze anders dosiert werden müssen, damit sie noch wirken.
Am Schluss ganz praktisch: Trinken, viel trinken, Wasser trinken. Jede Stunde. Kopf bedecken und bei Hitze Anstrengung meiden. Und, das betont Jule: Gegen die Hitze kommen wir nicht an, aber die Klimakrise können wir verlangsamen.
Zu Gast in dieser Woche: Jule Darwig, Ärztin, Health for Future
Eine Folge im Angesicht einer möglicherweise historischen Hitzewelle in Mitteleuropa: Wie bestimmt die Temperatur unsere Zukunft, unser Leben, unsere Gesundheit? Michael Carl im Gespräch mit Jule Darwig, Ärztin in Aachen und eine Stimme bei Health for Future. Jule sagt: Hitze diskutiert nicht. Es gibt eine Grenze, bis zu der wir leben und überleben können - und darüber eben nicht mehr. Das ist auch keine Frage von Veranlagung und Training. Wir gewöhnen uns nicht an Hitze. Hitze ist eine Grenze.
Werden wir dann eines Tages Hitzeopfer in der Tagesschau zählen wie wir das von Corona kennen? Jule reagiert fast verwundert. Diese Zählung läuft bereits. Das ist Realität heute, nicht düstere Zukunftsprognose. In Phasen großer Hitze gibt es mehr Herzinfarkte und dergleichen. Deutschland ist von dieser Entwicklung sogar besonders stark betroffen. Ein guter Teil der Bevölkerung ist alt und damit empfindlicher. Ein Großteil der Bevölkerung wohnt in der Stadt, die heißer ist als das Land. Auch ist die Durchschnittstemperatur in Deutschland stärker gestiegen als im globalen Mittel. Wer einen Beleg sucht, muss nur in eine beliebige Notaufnahme gehen. Bei Hitze sind die voll - mit Menschen, die unter Hitze leiden.
Wie kann es sein, dass wir das so konsequent ausblenden? Jule verweist auf den Mind-Behaviour-Gap, wissenschaftlich gut erforscht. Wir wissen, was richtig wäre, und tun es nicht. Bei Hitze liegt es auch daran, dass die Vorbereitungen in den Kommunen so schlecht sind. Es liegen kaum Hitzeaktionspläne vor, das Gesundheitssystem wird nicht auf Hitzestress vorbereitet. Bei steigender Temperatur lässt unsere Leistungsfähigkeit massiv nach; auch das lässt sich nicht wegtrainieren. Das gilt auch für Krankenhauspersonal und lähmt das Gesundheitssystem zusätzlich, gerade in Phasen erhöhten Bedarfs. Vielen Ärzten:innen fehlt es auch an Wissen, wie zum Beispiel Medikamente unter Hitze anders dosiert werden müssen, damit sie noch wirken.
Am Schluss ganz praktisch: Trinken, viel trinken, Wasser trinken. Jede Stunde. Kopf bedecken und bei Hitze Anstrengung meiden. Und, das betont Jule: Gegen die Hitze kommen wir nicht an, aber die Klimakrise können wir verlangsamen.
Zu Gast in dieser Woche: Jule Darwig, Ärztin, Health for Future
28 Minuten
Diese Woche in der Zukunft:
Käse, der nicht aus der Kuh kommt. Fleisch, das nicht auf der Weide gestanden hat. Fisch, der nicht im See gefangen wurde. Bioökonomie und Kreislaufwirtschaft bringen ein biobasiertes Ersatzprodukt nach dem nächsten hervor. Wobei: Ersatz? Lucas Fuhrmann ist einer der Gründer von LOVR und produziert ein veganes Leder aus pflanzlichen Reststoffen. Vor wenigen Jahren wäre unser heutiges Thema noch der Öko-Spinnerei-Ecke zugeordnet worden. Heute sprechen wir über Forschung und Innovation.
Wobei die Fragen schon beim Namen beginnen: LOVR ist leather-like, oil-free, vegan, residue-based. Aber ist es Leder? Lucas tut sich ein wenig schwer damit. Die Menschen brauchen aber einen Vergleich, um sich Dinge vorstellen zu können. LOVR also, irgendwie Leder. Lucas rechnet damit, die ersten Produkte noch dieses Jahr auf dem Markt zu bringen. Bis dahin muss die Namensfrage geklärt sein.
LOVR ist flach, biegsam und stabil. Mit dem Material könnten Sessel bezogen werden, Jacken oder Schuhe entstehen, aber auch Fußboden und Wandbeläge neu gedacht werden. Lucas sagt: hierbei sollten ganz klar die üblichen Grenzen gesprengt werden, die wir mit Leder verbinden.
Also kann LOVR mehr als das klassische Kuhleder? In der Abriebsfestigkeit auf jeden Fall, mit LOVR kann Opa viel länger auf seinem Sessel rumrutschen als auf klassischem Leder. Der Gedanke, der die drei LOVR Gründer aber leitet, ist die Circular Econnomy. Es geht den Unternehmern in erster Linie um die Nachhaltigkeit ihres Produktes.
Sieben Jahre Forschung stecken in dem Material – die braucht es offensichtlich, wenn ein Produkt rundum nachhaltig aus regionalen Reststoffen hergestellt werden will. Den Großteil dieser Reststoffe machen hierbei, übrig gebliebene Materialien der Hanfproduktion aus.
Zu Gast in dieser Woche:
Lucas Fuhrmann, Co-Founder & CEO von LOVR
Käse, der nicht aus der Kuh kommt. Fleisch, das nicht auf der Weide gestanden hat. Fisch, der nicht im See gefangen wurde. Bioökonomie und Kreislaufwirtschaft bringen ein biobasiertes Ersatzprodukt nach dem nächsten hervor. Wobei: Ersatz? Lucas Fuhrmann ist einer der Gründer von LOVR und produziert ein veganes Leder aus pflanzlichen Reststoffen. Vor wenigen Jahren wäre unser heutiges Thema noch der Öko-Spinnerei-Ecke zugeordnet worden. Heute sprechen wir über Forschung und Innovation.
Wobei die Fragen schon beim Namen beginnen: LOVR ist leather-like, oil-free, vegan, residue-based. Aber ist es Leder? Lucas tut sich ein wenig schwer damit. Die Menschen brauchen aber einen Vergleich, um sich Dinge vorstellen zu können. LOVR also, irgendwie Leder. Lucas rechnet damit, die ersten Produkte noch dieses Jahr auf dem Markt zu bringen. Bis dahin muss die Namensfrage geklärt sein.
LOVR ist flach, biegsam und stabil. Mit dem Material könnten Sessel bezogen werden, Jacken oder Schuhe entstehen, aber auch Fußboden und Wandbeläge neu gedacht werden. Lucas sagt: hierbei sollten ganz klar die üblichen Grenzen gesprengt werden, die wir mit Leder verbinden.
Also kann LOVR mehr als das klassische Kuhleder? In der Abriebsfestigkeit auf jeden Fall, mit LOVR kann Opa viel länger auf seinem Sessel rumrutschen als auf klassischem Leder. Der Gedanke, der die drei LOVR Gründer aber leitet, ist die Circular Econnomy. Es geht den Unternehmern in erster Linie um die Nachhaltigkeit ihres Produktes.
Sieben Jahre Forschung stecken in dem Material – die braucht es offensichtlich, wenn ein Produkt rundum nachhaltig aus regionalen Reststoffen hergestellt werden will. Den Großteil dieser Reststoffe machen hierbei, übrig gebliebene Materialien der Hanfproduktion aus.
Zu Gast in dieser Woche:
Lucas Fuhrmann, Co-Founder & CEO von LOVR
38 Minuten
Diese Woche in der Zukunft:
Unsere Psyche und die Krise – oder: Woher nehmen wir den Mut, die Klimakrise optimistisch anzugehen? Verena Kantrowitsch ist Psychologin und eine der Sprecherinnen von Psychologists for future, kurz Psy4F. Michael diskutiert mit ihr, wie wir positiv nach vorne schauen können und damit handlungsfähig werden – auch wenn die Perspektiven in der Klimakrise gar nicht rosig sind; im Gegenteil.
Verena macht sich für Balance stark. Seien wir pessimistisch in der Analyse und optimistisch in der Strategie. Wir brauchen die Haltung des Herzchirurgen: Wenn er in einer komplizierten Operation zu der Erkenntnis kommt, dass der Patient nur 10% Überlebenschance hat, legt er seine Werkzeuge ja auch nicht beiseite, sondern streng sich besonders an.
Viele Menschen haben das Gefühl, allein doch nichts ausrichten zu können. Verena hält dem entgegen: Schon reden hilft. Stück für Stück steigt die Awareness für das Thema Klimaschutz; irgendwann läuft das Fass über und jemand Neues kommt ins Handeln. Ähnlich ging es Verena selbst, als sie wieder einmal eine Gruppe Fridays auf der Straße protestieren sah.
Die Psyche des Menschen kann gut und schnell mit Gefahren umgehen. Allerdings sind wir auf kurzfristige Gefahren und Risiken gepolt. Langfristige Entwicklungen haben wir nicht in gleicher Weise im Blick; dafür brauchen wir Struktur. Ohne eine Rentenversicherung würden wir weit weniger wahrscheinlich für später vorsorgen, ohne den Zwang einer Krankenversicherung möglicherweise auch hier nichts absichern. Brauchen wir einen institutionellen Zivilisationsschutz? Jedenfalls wüssten wir dann, was zu tun wäre, anstatt über #VerbrennerAus und Tempolimit zu streiten.
Erlauben wir uns Geduld auf dem Weg zur eigenen Lösung. Verena ist überzeugt, dass nahezu jede:r ein Feld finden kann, auf dem es leicht fällt, Mut zu fassen und sich der Einsatz für Klimaschutz richtig anfühlt. Verenas wichtiger Hinweis zum Schluss: Bleiben wir nicht allein. Suchen wir Austausch, Dialog, Verbündete. Letzten Endes finden wir einen Weg, den Klimaschutz nicht nur ernst zu nehmen, sondern auch tatsächlich Spaß daran zu haben.
Zu Gast in dieser Woche:
Verena Kantrowitsch, Psychologists4future, Psychologin
Unsere Psyche und die Krise – oder: Woher nehmen wir den Mut, die Klimakrise optimistisch anzugehen? Verena Kantrowitsch ist Psychologin und eine der Sprecherinnen von Psychologists for future, kurz Psy4F. Michael diskutiert mit ihr, wie wir positiv nach vorne schauen können und damit handlungsfähig werden – auch wenn die Perspektiven in der Klimakrise gar nicht rosig sind; im Gegenteil.
Verena macht sich für Balance stark. Seien wir pessimistisch in der Analyse und optimistisch in der Strategie. Wir brauchen die Haltung des Herzchirurgen: Wenn er in einer komplizierten Operation zu der Erkenntnis kommt, dass der Patient nur 10% Überlebenschance hat, legt er seine Werkzeuge ja auch nicht beiseite, sondern streng sich besonders an.
Viele Menschen haben das Gefühl, allein doch nichts ausrichten zu können. Verena hält dem entgegen: Schon reden hilft. Stück für Stück steigt die Awareness für das Thema Klimaschutz; irgendwann läuft das Fass über und jemand Neues kommt ins Handeln. Ähnlich ging es Verena selbst, als sie wieder einmal eine Gruppe Fridays auf der Straße protestieren sah.
Die Psyche des Menschen kann gut und schnell mit Gefahren umgehen. Allerdings sind wir auf kurzfristige Gefahren und Risiken gepolt. Langfristige Entwicklungen haben wir nicht in gleicher Weise im Blick; dafür brauchen wir Struktur. Ohne eine Rentenversicherung würden wir weit weniger wahrscheinlich für später vorsorgen, ohne den Zwang einer Krankenversicherung möglicherweise auch hier nichts absichern. Brauchen wir einen institutionellen Zivilisationsschutz? Jedenfalls wüssten wir dann, was zu tun wäre, anstatt über #VerbrennerAus und Tempolimit zu streiten.
Erlauben wir uns Geduld auf dem Weg zur eigenen Lösung. Verena ist überzeugt, dass nahezu jede:r ein Feld finden kann, auf dem es leicht fällt, Mut zu fassen und sich der Einsatz für Klimaschutz richtig anfühlt. Verenas wichtiger Hinweis zum Schluss: Bleiben wir nicht allein. Suchen wir Austausch, Dialog, Verbündete. Letzten Endes finden wir einen Weg, den Klimaschutz nicht nur ernst zu nehmen, sondern auch tatsächlich Spaß daran zu haben.
Zu Gast in dieser Woche:
Verena Kantrowitsch, Psychologists4future, Psychologin
37 Minuten
Diese Woche in der Zukunft:
Der Aufstand der Letzten Generation läuft. Er heizt die Debatte um Klimaschutz auf; das ist auch genau die Absicht. Ist das angemessen? Zielführend? Oder doch nur störend? Sprechen wir mit einem der ersten, die mit Sekundenkleber auf Asphalt für ihre Zukunft streiten.
Diese Folge beginnt mit einem Tweet von @AlexanderGrevel: „Liebe Menschen, vor ein paar Monaten (Februar 2022) habe ich meine Doktorarbeit an der Uni Freiburg erfolgreich abgeschlossen. Nun fängt ein neuer Lebensabschnitt an: ab dem 18. Juni werde ich mit @AufstandLastGen in #Beriln in den friedlichen zivilen Widerstand gehen, weil ich überzeugt bin, dass wir aufgrund des knappen Zeitfenster die Möglichkeiten für Klimastreiks und Petitionen ausgeschöpft haben…“
Dr. Alexander Grevel hat Chemie studiert, in Biologie promoviert und hat seine akademische Laufbahn abgebrochen, um als Aktivist für schnelle und drastische Maßnahmen zum Klimaschutz zu kämpfen. Er ist seit einigen Monaten aktiv bei der Gruppe Aufstand der letzten Generation, die gerade eine weitere Aktionswelle gestartet haben. Alexander geht mit ungefähr 200 Menschen in Berlin auf die Straße, um zu stören – und mit dieser Störung auf die Forderungen der „Letzten Generation“ hinzuweisen. Der Schlüssel ist der Sekundenkleber, mit dem sich die Aktivisten auf Straßen kleben und damit den Verkehr dort lahmlegen, wo es besonders weh tut. Die Störung ist Programm.
Warum die Drastik? Radikal wäre es, nichts zu tun, so Alexander. Das Zeitfenster, in dem wir noch nennenswertes unternehmen können, ist nicht mehr lange offen. Danach, so Alexander, wird unsere Welt von Hunger, Wasserknappheit, Flucht und Kriegen bestimmt sein. Im Moment steuern wir geradewegs darauf zu.
Ist diese Aktionsform gerechtfertigt? Was bringt Menschen dazu diese Aktionsform zu wählen? Sie werden angebrüllt, geschlagen, von der Fahrbahn gezerrt. Alexander sagt: Die Störung ist absolut notwendig. Und die Letzte Generation hat Zulauf: Im vergangenen halben Jahr hat die Gruppe sich von 25 auf 200 Menschen vergrößert und mit jeder Störung werden es mehr. Die Menschen werden aufmerksam und sprechen darüber, gerade weil sie in ihrem Alltag blockiert werden.
Aber ist das was die Gruppe tut radikal? Oder ist es radikal nichts zu tun? Der Generalsekretär der vereinten Nationen, António Guterres sagt, die wahren Radikalen sind die Regierungen, die einfach so weiter machen, wie sie das seit Jahrzehnten machen.
Parallel bereitet Alexander die Gründung einer neuen linken Partei vor. Das ehrgeizige Ziel: Der Einzug in den Bundestag bei der kommenden Bundestagswahl.
Was ist Eure Meinung zum Protest der Letzten Generation? Schreibt es uns auf LinkedIn, YouTube oder Twitter!
Zu Gast in dieser Woche: Dr. Alexander Grevel, Vorstandsmitglied Klimaliste Deutschland, seit einigen Monaten aktiv bei der Gruppe „Aufstand der letzten Generation“
Der Aufstand der Letzten Generation läuft. Er heizt die Debatte um Klimaschutz auf; das ist auch genau die Absicht. Ist das angemessen? Zielführend? Oder doch nur störend? Sprechen wir mit einem der ersten, die mit Sekundenkleber auf Asphalt für ihre Zukunft streiten.
Diese Folge beginnt mit einem Tweet von @AlexanderGrevel: „Liebe Menschen, vor ein paar Monaten (Februar 2022) habe ich meine Doktorarbeit an der Uni Freiburg erfolgreich abgeschlossen. Nun fängt ein neuer Lebensabschnitt an: ab dem 18. Juni werde ich mit @AufstandLastGen in #Beriln in den friedlichen zivilen Widerstand gehen, weil ich überzeugt bin, dass wir aufgrund des knappen Zeitfenster die Möglichkeiten für Klimastreiks und Petitionen ausgeschöpft haben…“
Dr. Alexander Grevel hat Chemie studiert, in Biologie promoviert und hat seine akademische Laufbahn abgebrochen, um als Aktivist für schnelle und drastische Maßnahmen zum Klimaschutz zu kämpfen. Er ist seit einigen Monaten aktiv bei der Gruppe Aufstand der letzten Generation, die gerade eine weitere Aktionswelle gestartet haben. Alexander geht mit ungefähr 200 Menschen in Berlin auf die Straße, um zu stören – und mit dieser Störung auf die Forderungen der „Letzten Generation“ hinzuweisen. Der Schlüssel ist der Sekundenkleber, mit dem sich die Aktivisten auf Straßen kleben und damit den Verkehr dort lahmlegen, wo es besonders weh tut. Die Störung ist Programm.
Warum die Drastik? Radikal wäre es, nichts zu tun, so Alexander. Das Zeitfenster, in dem wir noch nennenswertes unternehmen können, ist nicht mehr lange offen. Danach, so Alexander, wird unsere Welt von Hunger, Wasserknappheit, Flucht und Kriegen bestimmt sein. Im Moment steuern wir geradewegs darauf zu.
Ist diese Aktionsform gerechtfertigt? Was bringt Menschen dazu diese Aktionsform zu wählen? Sie werden angebrüllt, geschlagen, von der Fahrbahn gezerrt. Alexander sagt: Die Störung ist absolut notwendig. Und die Letzte Generation hat Zulauf: Im vergangenen halben Jahr hat die Gruppe sich von 25 auf 200 Menschen vergrößert und mit jeder Störung werden es mehr. Die Menschen werden aufmerksam und sprechen darüber, gerade weil sie in ihrem Alltag blockiert werden.
Aber ist das was die Gruppe tut radikal? Oder ist es radikal nichts zu tun? Der Generalsekretär der vereinten Nationen, António Guterres sagt, die wahren Radikalen sind die Regierungen, die einfach so weiter machen, wie sie das seit Jahrzehnten machen.
Parallel bereitet Alexander die Gründung einer neuen linken Partei vor. Das ehrgeizige Ziel: Der Einzug in den Bundestag bei der kommenden Bundestagswahl.
Was ist Eure Meinung zum Protest der Letzten Generation? Schreibt es uns auf LinkedIn, YouTube oder Twitter!
Zu Gast in dieser Woche: Dr. Alexander Grevel, Vorstandsmitglied Klimaliste Deutschland, seit einigen Monaten aktiv bei der Gruppe „Aufstand der letzten Generation“
33 Minuten
Diese Woche in der Zukunft:
Was wissen wir alle noch nicht über Nachhaltigkeit? Katharina Reuter sagt: Wir sind uns immer noch nicht der Dramatik unserer Situation bewusst. Dass Nachhaltigkeit ein Thema ist, haben inzwischen viele verstanden. Unternehmer:innen ohnehin, aber auch Verbände. Aber mit welcher Drastik wir an die Kerngeschäfte unserer Unternehmen, an die Regularien unserer Gesellschaft und unser Konsumverhalten ranmüssen, ist doch noch nicht überall präsent. Hinter der Fassade begegnet Katharina immer noch und immer wieder die Annahme, im Kern könne doch noch eine Weile alles im Wesentlichen so bleiben wie es ist und immer schon war. Überraschung: Kann es nicht. Katharina sagt: Das dürfen wir schon aus purem Selbstschutz nicht tun.
Wie können wir jetzt also ein Gespür für diese Dringlichkeit herstellen? Ganz offensichtlich eine der Kernfragen. Ein Tankrabatt hilft jedenfalls nicht …. Spannend ist auf jeden Fall unsere Sprache. Warum nennen wir das eine Banane und das andere Biobanane – anstatt von Banane und Pestizidbanane zu sprechen? Unser Bild von Normalität steht in Frage. Das neue Normal braucht auch neue Begriffe. Was wäre denn ein attraktiver Begriff, den wir statt „Ressourceneffizienz“ verwenden könnten? Wer einen Vorschlag hat, immer her damit.
Schauen wir in die Zukunft: Wenn wir es in zehn Jahren geschafft haben werden, uns schnell genug in Richtung Nachhaltigkeit zu verändern – wo stehen wir dann? Katharina sagt: Hoffentlich haben wir dann endlich unsere Prioritäten sortiert, haben in unseren Strategien und Zielsystemen verankert, dass Nachhaltigkeit gleichberechtigt neben unternehmerischem Erfolg steht. Ökologie, Soziales und der Profit eines Unternehmens können nicht mehr über oder untereinander vorkommen. Katharina betont: Wir haben nicht mehr die Wahl, einfach so weiterzumachen wie bisher, also sollten wir alle radikaler denken und nicht darauf warten, dass es jemand vor uns tut.
Eine offene Frage: Warum lassen wir uns immer noch Diskussionen von gestern aufnötigen? Ein Erklärungsansatz: Während die weit überwiegende Mehrheit von Unternehmen längst verstanden hat, dass die Transformation zu mehr Nachhaltigkeit zwar radikal, aber der Weg zum Erfolg ist, hängen die klassischen Verbände vielfach hinterher und warten noch auf den letzten, der noch in seiner alten Welt hängt. Vielleicht brauchen wir neue Verbände?
Zu Gast in dieser Woche:
Katharina Reuter, CEO des Bundesverbands Nachhaltige Wirtschaft (BNW)
Was wissen wir alle noch nicht über Nachhaltigkeit? Katharina Reuter sagt: Wir sind uns immer noch nicht der Dramatik unserer Situation bewusst. Dass Nachhaltigkeit ein Thema ist, haben inzwischen viele verstanden. Unternehmer:innen ohnehin, aber auch Verbände. Aber mit welcher Drastik wir an die Kerngeschäfte unserer Unternehmen, an die Regularien unserer Gesellschaft und unser Konsumverhalten ranmüssen, ist doch noch nicht überall präsent. Hinter der Fassade begegnet Katharina immer noch und immer wieder die Annahme, im Kern könne doch noch eine Weile alles im Wesentlichen so bleiben wie es ist und immer schon war. Überraschung: Kann es nicht. Katharina sagt: Das dürfen wir schon aus purem Selbstschutz nicht tun.
Wie können wir jetzt also ein Gespür für diese Dringlichkeit herstellen? Ganz offensichtlich eine der Kernfragen. Ein Tankrabatt hilft jedenfalls nicht …. Spannend ist auf jeden Fall unsere Sprache. Warum nennen wir das eine Banane und das andere Biobanane – anstatt von Banane und Pestizidbanane zu sprechen? Unser Bild von Normalität steht in Frage. Das neue Normal braucht auch neue Begriffe. Was wäre denn ein attraktiver Begriff, den wir statt „Ressourceneffizienz“ verwenden könnten? Wer einen Vorschlag hat, immer her damit.
Schauen wir in die Zukunft: Wenn wir es in zehn Jahren geschafft haben werden, uns schnell genug in Richtung Nachhaltigkeit zu verändern – wo stehen wir dann? Katharina sagt: Hoffentlich haben wir dann endlich unsere Prioritäten sortiert, haben in unseren Strategien und Zielsystemen verankert, dass Nachhaltigkeit gleichberechtigt neben unternehmerischem Erfolg steht. Ökologie, Soziales und der Profit eines Unternehmens können nicht mehr über oder untereinander vorkommen. Katharina betont: Wir haben nicht mehr die Wahl, einfach so weiterzumachen wie bisher, also sollten wir alle radikaler denken und nicht darauf warten, dass es jemand vor uns tut.
Eine offene Frage: Warum lassen wir uns immer noch Diskussionen von gestern aufnötigen? Ein Erklärungsansatz: Während die weit überwiegende Mehrheit von Unternehmen längst verstanden hat, dass die Transformation zu mehr Nachhaltigkeit zwar radikal, aber der Weg zum Erfolg ist, hängen die klassischen Verbände vielfach hinterher und warten noch auf den letzten, der noch in seiner alten Welt hängt. Vielleicht brauchen wir neue Verbände?
Zu Gast in dieser Woche:
Katharina Reuter, CEO des Bundesverbands Nachhaltige Wirtschaft (BNW)
36 Minuten
Vertrauen ist die zuversichtliche Entscheidung für Verletzlichkeit. So sagt es Eric Eller, Psychologe und Autor des Buches "Vertrauensarchitektur". In dem Band gibt er einen guten und umfassenden Überblick zur Forschung: Was ist Vertrauen im Unternehmenskontext? Warum vertrauen wir? Wie kommen wir auf die Idee, uns auf ein Gegenüber einzulassen, von dem wir Entscheidendes nicht wissen - und dennoch glauben, dass die gemeinsame Beziehung tragen wird? Eric hat sich mit Thema zu einem Verfechter des Vertrauens entwickelt. Er fragt: Bis hinunter zur einzelnen Telko - was tun wir, um Vertrauen zu fördern?
Die wichtigste Botschaft: Vertrauen ist fundamental. Parallel dazu die gute Nachricht: Wir können etwas tun, um Vertrauen zu fördern. Allerdings ist das keine Frage der Anstrengung, sondern viel eher eine der Rahmenbedingungen. Der Kontext zählt. Wie ist meine Arbeitsumgebung, wie der Umgang mit mir als Kunde? Laden Sie mich ein, Vertrauen zu testen?
Als Framework schlägt Eric den Dreischritt Wollen - Können - Einschätzen vor. Ich gebe Vertrauen als Ergebnis einer freien Entscheidung. Ich werde das nur tun, wenn ich die Möglichkeit habe, Vertrauen zu schenken. Und das setzt wiederum voraus, dass ich die Lage beurteilen und einschätzen kann. Dann finde ich den Einstieg in positive Feedbackschleifen und das Vertrauensniveau kann wachsen.
Ein ganz praktisches Problem: Im Kontext Nachhaltigkeit fehlen häufig die Verstärkungseffekte dieses dritten Schritts. Es ist eben nicht sinnlich erfahrbar, ob der Paketdienstleister meiner Wahl seine CO2-Emissionen tatsächlich kompensiert oder nicht. Das lässt sich kaum ausgleichen; die eigene nachvollziehbare Erfahrung führt zu ganz anderen Zuwächsen des Vertrauens als abstraktes Wissen über Zertifikate und Reports.
Was ist die Alternative zu Vertrauen? Verweigerung oder Kontrolle. Beides keine attraktiven Modelle, weder im eigenen Unternehmen noch zum Beispiel in der Kundenbeziehung.
Zu Gast: Dr. Eric Eller, Psychologe und Autor des Buches "VertrauensArchitektur: Wie Vertrauen entsteht und wie Unternehmen die richtigen Kund:innenerlebnisse dafür schaffen"
Die wichtigste Botschaft: Vertrauen ist fundamental. Parallel dazu die gute Nachricht: Wir können etwas tun, um Vertrauen zu fördern. Allerdings ist das keine Frage der Anstrengung, sondern viel eher eine der Rahmenbedingungen. Der Kontext zählt. Wie ist meine Arbeitsumgebung, wie der Umgang mit mir als Kunde? Laden Sie mich ein, Vertrauen zu testen?
Als Framework schlägt Eric den Dreischritt Wollen - Können - Einschätzen vor. Ich gebe Vertrauen als Ergebnis einer freien Entscheidung. Ich werde das nur tun, wenn ich die Möglichkeit habe, Vertrauen zu schenken. Und das setzt wiederum voraus, dass ich die Lage beurteilen und einschätzen kann. Dann finde ich den Einstieg in positive Feedbackschleifen und das Vertrauensniveau kann wachsen.
Ein ganz praktisches Problem: Im Kontext Nachhaltigkeit fehlen häufig die Verstärkungseffekte dieses dritten Schritts. Es ist eben nicht sinnlich erfahrbar, ob der Paketdienstleister meiner Wahl seine CO2-Emissionen tatsächlich kompensiert oder nicht. Das lässt sich kaum ausgleichen; die eigene nachvollziehbare Erfahrung führt zu ganz anderen Zuwächsen des Vertrauens als abstraktes Wissen über Zertifikate und Reports.
Was ist die Alternative zu Vertrauen? Verweigerung oder Kontrolle. Beides keine attraktiven Modelle, weder im eigenen Unternehmen noch zum Beispiel in der Kundenbeziehung.
Zu Gast: Dr. Eric Eller, Psychologe und Autor des Buches "VertrauensArchitektur: Wie Vertrauen entsteht und wie Unternehmen die richtigen Kund:innenerlebnisse dafür schaffen"
38 Minuten
Diese Woche in der Zukunft:
Diese Folge räumt mit einer Reihe von grundlegenden Irrtümern zur Zukunft der Arbeit auf. Florian Kunze leitet das „Future of Work Lab“ an der Uni Konstanz und forscht über die großen Drei Ds: Digitalisierung, Demografie und Diversity. Drei Themen, bei denen wir immer wieder Annahmen begegnen, die sich bei genauerer, sprich: wissenschaftlicher Betrachtung, als Irrtum herausstellen.
Digitalisierung, logisch, brennt aktuell. Wer hier gestalten will, muss schnell handeln. Florian hat in seinem Lab die Veränderungen im Zuge der Corona-Krise untersucht. Sein klares Ergebnis: Der Wandel bleibt. Wir werden keine flächendeckende Rückkehr zu alten Arbeitswelten sehen, schon gar nicht mit Zwang. Wer seine Mitarbeiter:innen zur Rückkehr ins Büro zwingt, muss mit einem Rückgang von Motivation und Produktivität von 12% rechnen. Übersetzt: Jeder achte Mitarbeiter wird zwar noch bezahlt, leistet aber nichts mehr.
Noch ist es einfach, ins Gestalten zu kommen. Lediglich 20% der Unternehmen gehen das Thema mobiles und hybrides Arbeiten derzeit aktiv und konstruktiv an. Florians Empfehlung: Wenn schon nicht bei den ersten 20%, sei wenigstens bei den ersten 21% dabei. Einfacher wird es nicht, sich einen enormen Vorsprung bei der Gewinnung von Fach- und Führungskräften zu verschaffen.
Ein Irrtum zur Demografie: Ältere Generationen kommen mit der digitalen Arbeitswelt nicht zurecht. Eine verbreitete Annahme, die keiner Untersuchung standhält.
Der Irrtum zur Diversität: Diverse Teams seien erfolgreicher. Das mag noch so oft in Sonntagsreden behauptet werden, allein: Belegen lässt es sich nicht. Es mag gute normative Gründe geben, mehr Diversität in Unternehmen zu holen. Gerechtigkeit, Fairness, Teilhabe, etc. Florian geht sogar so weit: Schaffen wir einen Alibi-Posten für eine Führungskraft, der dann aber wiederum niemand Gehör schenkt, schaffen wir die Vielfalt also nur zum Schein, richten wir in den Unternehmen sogar mehr Schaden an, als wenn wir ausschließlich homogene Teams beschäftigen würden.
Ergänzung, Diskussion, Widerspruch gerne bei Twitter, LinkedIn, YouTube!
Zu Gast in dieser Woche:
Florian Kunze, Professor für Organisational Studies am Fachbereich Politik- und Verwaltungswissenschaft der Universität Konstanz. Er leitet das Konstanz Future of Work Lab.
@Profkunze
Diese Folge räumt mit einer Reihe von grundlegenden Irrtümern zur Zukunft der Arbeit auf. Florian Kunze leitet das „Future of Work Lab“ an der Uni Konstanz und forscht über die großen Drei Ds: Digitalisierung, Demografie und Diversity. Drei Themen, bei denen wir immer wieder Annahmen begegnen, die sich bei genauerer, sprich: wissenschaftlicher Betrachtung, als Irrtum herausstellen.
Digitalisierung, logisch, brennt aktuell. Wer hier gestalten will, muss schnell handeln. Florian hat in seinem Lab die Veränderungen im Zuge der Corona-Krise untersucht. Sein klares Ergebnis: Der Wandel bleibt. Wir werden keine flächendeckende Rückkehr zu alten Arbeitswelten sehen, schon gar nicht mit Zwang. Wer seine Mitarbeiter:innen zur Rückkehr ins Büro zwingt, muss mit einem Rückgang von Motivation und Produktivität von 12% rechnen. Übersetzt: Jeder achte Mitarbeiter wird zwar noch bezahlt, leistet aber nichts mehr.
Noch ist es einfach, ins Gestalten zu kommen. Lediglich 20% der Unternehmen gehen das Thema mobiles und hybrides Arbeiten derzeit aktiv und konstruktiv an. Florians Empfehlung: Wenn schon nicht bei den ersten 20%, sei wenigstens bei den ersten 21% dabei. Einfacher wird es nicht, sich einen enormen Vorsprung bei der Gewinnung von Fach- und Führungskräften zu verschaffen.
Ein Irrtum zur Demografie: Ältere Generationen kommen mit der digitalen Arbeitswelt nicht zurecht. Eine verbreitete Annahme, die keiner Untersuchung standhält.
Der Irrtum zur Diversität: Diverse Teams seien erfolgreicher. Das mag noch so oft in Sonntagsreden behauptet werden, allein: Belegen lässt es sich nicht. Es mag gute normative Gründe geben, mehr Diversität in Unternehmen zu holen. Gerechtigkeit, Fairness, Teilhabe, etc. Florian geht sogar so weit: Schaffen wir einen Alibi-Posten für eine Führungskraft, der dann aber wiederum niemand Gehör schenkt, schaffen wir die Vielfalt also nur zum Schein, richten wir in den Unternehmen sogar mehr Schaden an, als wenn wir ausschließlich homogene Teams beschäftigen würden.
Ergänzung, Diskussion, Widerspruch gerne bei Twitter, LinkedIn, YouTube!
Zu Gast in dieser Woche:
Florian Kunze, Professor für Organisational Studies am Fachbereich Politik- und Verwaltungswissenschaft der Universität Konstanz. Er leitet das Konstanz Future of Work Lab.
@Profkunze
34 Minuten
Diese Woche in der Zukunft:
Eine Folge direkt von unserem diesjährigen Future Camp „Zukunft der Arbeit“ in den portugiesischen Bergen. Ein hier intensiv diskutiertes Thema: Der Fachkräftemangel. Genauer: Warum wir glauben, dass wir einen haben, und was tatsächlich dahintersteckt. Natürlich: Etliche Unternehmen suchen neue Mitarbeiter:innen und finden sie nicht. Was bis vor kurzem noch ein Phänomen bestimmter Branchen und einzelner Regionen war, greift um sich. Überall Fachkräftemangel. Michael Carl im Gespräch mit den People & Culture-Spezialisten Oliver Voigt und Sven Damm.
Das Angenehme im Unangenehmen: Wenn der Fachkräftemangel schuld ist, dass mein Unternehmen keine Mitarbeiter:innen findet, haben wir einen externen Faktor. Um den sich dann auch jemand Externes kümmern sollte, die Politik zum Beispiel. Oder die IHK. Und alle demografischen Indikatoren weisen ja auch darauf hin, dass die Annahme eines solchen Mangels plausibel ist.
Gegenrede: Es sind vor allem die Grenzen unseres eigenen Denkens, die unseren Talentpool beschränken. Vergrößern wir den Pool, in dem wir suchen, können wir auch wieder aus dem Volleren schöpfen. Anstatt schnell einen externen Mangel verantwortlich zu machen, so der Appell des Zukunftscamps, könnten wir uns auch den unangenehmen Fragen stellen: Warum soll denn ein neuer Mitarbeiter bei uns arbeiten wollen? Was können wir der einen Kandidatin bieten, dass sie sich für uns entscheidet? Geld natürlich, aber noch wichtiger bei Themen der Kultur, der Entwicklung, der Zusammenarbeit, etc.
Oder wir schauen gleich auf die vorhandenen Mitarbeiter:innen. Eine kurze Abwägung der Zahlen: Bis jemand Neues wirklich produktiv ist, vergeht alles in allem fast ein Jahr. In der Zeit können wir fast jede:n interne:n Mitarbeiter:in auch zu neuen Aufgaben hin entwickeln. Wenn wir denn wollen.
Um Missverständnisse zu vermeiden: Der „War for Talents“ ist ganz real. Das kriegerische Sprachbild ist zwar wohl etwas martialisch, aber der Wettstreit um die besten und geeignetsten Mitarbeiter ist ganz handfest – und muss höchste Priorität genießen. Nur eines ist wichtiger für den Erfolg eines Unternehmens, als die richtigen Talente zu gewinnen: Talente halten.
Die Phase, in der Unternehmen gelernt haben, sich auf ihre Kunden einzurichten, geht ihrem Ende zu. Das können wir, dafür haben wir die Tools, die Methoden und die Daten. Jetzt geht es darum, diese Kenntnisse auf Mitarbeiter:innen anzuwenden. Wer heute noch glaubt, ein einzelnes jährliches Mitarbeitergespräch würde ausreichen, um die einzelnen im Team wirklich zu kennen, darf sich an den Gedanken gewöhnen: Das reicht nicht.
Zu Gast in dieser Woche:
Sven Damm, Gründer und CEO von Brainswork
Oliver Voigt, VP HR Data, Analytics & Workforce Management, Nets Group
Eine Folge direkt von unserem diesjährigen Future Camp „Zukunft der Arbeit“ in den portugiesischen Bergen. Ein hier intensiv diskutiertes Thema: Der Fachkräftemangel. Genauer: Warum wir glauben, dass wir einen haben, und was tatsächlich dahintersteckt. Natürlich: Etliche Unternehmen suchen neue Mitarbeiter:innen und finden sie nicht. Was bis vor kurzem noch ein Phänomen bestimmter Branchen und einzelner Regionen war, greift um sich. Überall Fachkräftemangel. Michael Carl im Gespräch mit den People & Culture-Spezialisten Oliver Voigt und Sven Damm.
Das Angenehme im Unangenehmen: Wenn der Fachkräftemangel schuld ist, dass mein Unternehmen keine Mitarbeiter:innen findet, haben wir einen externen Faktor. Um den sich dann auch jemand Externes kümmern sollte, die Politik zum Beispiel. Oder die IHK. Und alle demografischen Indikatoren weisen ja auch darauf hin, dass die Annahme eines solchen Mangels plausibel ist.
Gegenrede: Es sind vor allem die Grenzen unseres eigenen Denkens, die unseren Talentpool beschränken. Vergrößern wir den Pool, in dem wir suchen, können wir auch wieder aus dem Volleren schöpfen. Anstatt schnell einen externen Mangel verantwortlich zu machen, so der Appell des Zukunftscamps, könnten wir uns auch den unangenehmen Fragen stellen: Warum soll denn ein neuer Mitarbeiter bei uns arbeiten wollen? Was können wir der einen Kandidatin bieten, dass sie sich für uns entscheidet? Geld natürlich, aber noch wichtiger bei Themen der Kultur, der Entwicklung, der Zusammenarbeit, etc.
Oder wir schauen gleich auf die vorhandenen Mitarbeiter:innen. Eine kurze Abwägung der Zahlen: Bis jemand Neues wirklich produktiv ist, vergeht alles in allem fast ein Jahr. In der Zeit können wir fast jede:n interne:n Mitarbeiter:in auch zu neuen Aufgaben hin entwickeln. Wenn wir denn wollen.
Um Missverständnisse zu vermeiden: Der „War for Talents“ ist ganz real. Das kriegerische Sprachbild ist zwar wohl etwas martialisch, aber der Wettstreit um die besten und geeignetsten Mitarbeiter ist ganz handfest – und muss höchste Priorität genießen. Nur eines ist wichtiger für den Erfolg eines Unternehmens, als die richtigen Talente zu gewinnen: Talente halten.
Die Phase, in der Unternehmen gelernt haben, sich auf ihre Kunden einzurichten, geht ihrem Ende zu. Das können wir, dafür haben wir die Tools, die Methoden und die Daten. Jetzt geht es darum, diese Kenntnisse auf Mitarbeiter:innen anzuwenden. Wer heute noch glaubt, ein einzelnes jährliches Mitarbeitergespräch würde ausreichen, um die einzelnen im Team wirklich zu kennen, darf sich an den Gedanken gewöhnen: Das reicht nicht.
Zu Gast in dieser Woche:
Sven Damm, Gründer und CEO von Brainswork
Oliver Voigt, VP HR Data, Analytics & Workforce Management, Nets Group