Konzerteinführung digital Archiv
122 Episoden
9 Minuten
Im November 1938 stehen Elfriede und Otto Silbermann am Rande ihrer Welt. Fassungslosigkeit und stille Vereinbarungen begleiten ihre letzten gemeinsamen Stunden im Heimatland. Elfriede kämpft verzweifelt, um zu retten, was noch zu retten ist, während ihr jüdischer Ehemann Otto auf der Flucht von Bahnhof zu Bahnhof eilt. Ihr Sohn jedoch träumt noch von einem besseren Leben in Paris. Ein Schwager, der sich nach dem Wind dreht, und die harte Realität von Verfolgung und Verrat bestimmen ihre Tage. In einer Welt, in der Antisemitismus und die Bedrohung demokratischer Werte wieder zunehmend zu einem Thema werden, erzählt „Der Reisende“ eine ergreifende Geschichte von Flucht und Vertreibung, von verlorenen Grundrechten und der Ohnmacht der Liebe. Dieses kraftvolle Melodram für Sprecher, Solisten, Chor, Orchester und Zuspielungen beleuchtet nicht nur die dunklen Seiten von Gewalt und Ungerechtigkeit, sondern auch die Hoffnung, die Sehnsucht und die Menschlichkeit, die selbst in der größten Verzweiflung ihren Platz finden. Im Rahmen des Gedenkjahres "80 Jahre Ende Zweiter Weltkrieg".
12 Minuten
Die Uraufführung seines Dritten Klavierkonzerts spielte Beethoven selbst. Für ihn gar kein Problem, wusste er doch, was er hören wollte. Ganz anders Dirigent und Musiker! Er hatte die Noten für das Orchester nämlich noch gar nicht ganz zu Ende geschrieben, und so war die Begleitung ein echtes Abenteuer. Aber bereits diese Aufführung war ein voller Erfolg und heute zählt das Konzert zu den schönsten Konzerten für das Klavier überhaupt. Auch die „Reformations-Sinfonie“ ist ein musikalisches Denkmal voller Strahlkraft und Tiefe. Majestätische Klänge treffen auf festliche Hymnen, während die berühmte Melodie "Ein feste Burg ist unser Gott" die Sinfonie zum Höhepunkt führt. Dieses Werk ist ein leidenschaftlicher Ausdruck von Glaube und Hoffnung, das sowohl Herz als auch Geist berührt.
12 Minuten
Die Fünfte Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch entstand 1937 in einer Zeit großer persönlicher und politischer Spannung. Nach Kritik an seiner Musik durch die sowjetische Regierung musste er sich neu beweisen – und schuf ein Werk, das sowohl das Regime beeindruckte als auch sein Publikum tief bewegte. Voller Tragik, Hoffnung und feiner Ironie spiegelt die Sinfonie Schostakowitschs Mut und Genialität wider. Heute hört man in diesem packenden Meisterwerk die Kraft eines Komponisten, der Musik als Sprache der Seele nutzte. Ähnlich packend ist das Violinkonzert des Finnen Jean Sibelius. Nordische Weite, leidenschaftliche Melodien und virtuose Soli verschmelzen zu einem unvergleichlichen Klangerlebnis. Die Geige erzählt von Sehnsucht und Abenteuer, von stillen Momenten und kraftvollen Ausbrüchen. Dieses Konzert ist ein Fest für die Sinne – fesselnd, berührend und unvergesslich.
16 Minuten
"Die Fünfte ist ein verfluchtes Werk. Niemand capiert sie", schrieb Gustav Mahler in sein Tagebuch. Heute gehört sie zu seinen beliebtesten und bekanntesten Sinfonien. Das liegt sicher auch daran, dass Visconti ihren langsamen Satz in seinem Film "Tod in Venedig" verwendete. Und spätestens, seitdem die Dresdner Philharmonie mit Cate Blanchett diese Musik für den Film TÁR eingespielt hat, gehört sie für viele zu den Klassikern der spätromantischen Sinfonik. Dazu hat Chefdirigent Sir Donald Runnicles die "Uhren-Sinfonie" von Haydn ausgewählt. Ein witziges Stück Musik, in dem tatsächlich das Ticktack einer Uhr zu hören ist. Unsere Saisoneröffnung.
12 Minuten
Der aus Belgien stammende César Franck ist bei uns nicht sehr bekannt, gilt aber in seiner Wahlheimat als einer der ganz Großen des 19. Jahrhunderts. Seine Sinfonie d-Moll gilt bis jetzt als eine der bedeutendsten Sinfonien der französischen Musik. Bei der ersten Aufführung seines Tripelkonzerts saß Ludwig van Beethoven selbst am Klavier. Es sei, sagte man, "ein ganz neues Concertino von Beethoven für Pianoforte, Violine und Violoncello mit Begleitung des Orchesters". Ganz neu war tatsächlich vieles, unter anderem die technischen Schwierigkeiten für das Cello, die noch lange nach seinem Tod von den wenigsten Cellisten unfallfrei und klangschön zu realisieren waren. Der große russische Cellist Mstislaw Rostropowitsch hat das Tripelkonzert einmal als das schwierigste Stück der gesamten Celloliteratur bezeichnet.
14 Minuten
Vieles ist ungewöhnlich an Schuberts As-Dur-Messe. Ganze drei Jahre arbeitete er an ihr, das ist ungewöhnlich lange für Schubert. Es gab auch keinen Auftraggeber, wir das sonst in der Zeit üblich war. Und schließlich ist die Tonart erstaunlich: As-Dur schwebt zwischen Tragik und Schwermut auf der einen und strahlender Festlichkeit auf der anderen Seite. Von all dem hat die Musik etwas, und vielleicht ist das auch der Grund, warum diese Messe so beliebt ist. Der Dresdner Kreuzchor kehrt damit in den Dresdner Kulturpalast zurück und setzt die große Tradition gemeinsamer Konzerte mit der Dresdner Philharmonie fort.
8 Minuten
Der Lette Pēteris Vasks gehört zu den meistaufgeführten Komponisten der Gegenwart. Von Beginn an hat er Musik als soziale Aufgabe verstanden. Er wollte und will den Menschen Halt geben und Hoffnung vermitteln. "Liebe ist, war und wird so lange sein, wie wir leben werden. Ich glaube, dass Solovioline und Streichorchester die beste Kombination für eine Liebesgeschichte sind." Unser Konzertmeister Wolfgang Hentrich wiederum liebt dieses Konzert und ist genau der Richtige, um das Anliegen von Vasks in die Herzen des Publikums zu tragen. Franz Schubert liebte Mozart. Besonders hört man das in seiner Fünften Sinfonie, die er mit nur 19 Jahren schrieb und die im besten Sinne leicht, heiter und dabei geradezu klassich vollkommen ist. Ideal also, um diesen Konzertabend rund um die Liebe zu vollenden.
17 Minuten
Steil bergauf und ebenso steil wieder bergab: Béla Bartóks Karriere hatte als gefeiertes Wunderkind begonnen, als er jedoch nach Amerika gehen musste, war sie fast schlagartig zu Ende. Er lag 1943 schwerkrank in New ork im Krankenhaus, als er den Auftrag bekam, ein großes Werk für die Bostoner Smphoniker zu komponieren. Vielleicht ahnte er, dass es sein letztes Werk werden würde. Jedenfalls hat er darauf all seine verbliebene Energie verwendet und ein so anspruchsvolles wie überwältigendes Konzert für Orchester geschaffen. Eigentlich eine Sinfonie in fündf Sätzen, vereint sie alles, wofür man Bartók so liebt: Rhythmus, Drive, schönste Klangfarben und viele musikalische Einfälle. Auch unser Artist in Residence liebt Originelles und Neuartiges. Für dieses Konzert hat Gautier Capuçon das Zweite Cellokonzert von Lera Auerbach ausgewählt. Mit dem Titel "Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen" bezieht sich Auerbach auf eine Erzählung des Russen Nikolai Gogol - wie so oft bei ihr eine Einladung an das Publikum, sich inspirieren zu lassen...
9 Minuten
Verdis "Messa da Requiem" ist so beliebt wie kaum eine andere Totenmesse. Vielleicht ist der Grund genau der, dass es eben kein typisches Requiem ist, sondern auch nach Oper klingt. Kein Wunder, war Verdi doch ganz überwiegend Spezialist für Opernhaftes und hatte nie daran gedacht, etwas für den liturgischen Gebrauch zu schreiben. Es war der Tod des von ihm verehrten italisenischen Nationalschriftstellers Manzoni, der ihn dazu brachte, ein Requiem zu schreiben. Gelungen ist ihm tief ergreifende Musik, die seit ihrer Uraufführung 1874 einen festen Platz in den Konzertsälen hat.
14 Minuten
Es ist gar nicht so selten, dass Komponisten ein Werk schreiben, von dem sie ahnen, dass es ihr letztes ist. Aber selten hört man Todesahnung und Abschiedsschmerz so deutlich wie in Tschaikowskis Sechster Sinfonie. Den Beinamen "Pathétique" gab er ihr allerdings nicht selbst, sondern sein Bruder Modest. Pathetisch ist sie tatsächlich. Mehr noch: Die Sechste ist tragisch, dramatisch, packend, unheilvoll. Und sie ist Tschaikowskis Schwanengesang: Neun Tage nach der Uraufführung starb er an der Cholera unter bis heute ungeklärten Umständen. Eine Art Sinfonie ist auch Schostakowitschs Erstes Violinkonzert. Oder besser: eine Sinfonie mit obligater erster Geige. Die Geige hat keine Pause, unentwegt ist sie im Einsatz, spricht mit einzelnen Instrumenten, mit dem gesamten Orchester und natürlich mit den Hörenden. Der große Geiger David Oistrach, für den Schostakowitsch das Konzert schuf, bat ihn, doch wenigstens nachdem großen Solo im vierten Satz kurz Atem holen zu können. Den Wunsch erfüllte Schostakowitsch ihm. Dennoch ist es ein enorm anspruchsvolles Werk - gerade das Richtige für Maria Ioudenitch, die Herausforderungen für ihr Instrument liebt und - wie sie beweisen wird - auch souverän meistert.
11 Minuten
María Dueñas war gerade 13, als unser Konzertmeister Wolfgang Hentrich sie als Solistin zum Philharmonischen Kammerorchester Dresden einlud. Das war ihr Karrierestart - kurz darauf wurde die charismatische Spanierin, die ein Jahr zuvor mit ihrer Familie nach Deutschland gezogen war, von Dirigenten wie Marek Janowski und Paavo Järvi entdeckt und gefördert, gewann einen internationalen Wettbewerb nach dem anderen und kehrt nun mit Bruchs Violinkonzert nach Dresden zurück. Auch Kent Nagano kehrt als Gast wieder - nach seinen umjubelten Konzerten mit Mahler und Bruckner nun mit Schuberts früher Dritter Sinfonie und dem "Bürger als Edelmann" von Richard Strauss. Die Suite zum gleichnamigen Schauspiel ist ein Paradestück für Orchestermusiker:innen, sind doch fast alle Instrumente solistisch besetzt. Und es ist ein Paradestück fürs Publikum, das darin zahlreiche Zitate aus anderen Werken von Strauss finden kann.
15 Minuten
Man spricht schnell von "Ausnahmekünstlern", wenn man meint, dass jemand sein Instrument außerordentlich gut beherrscht. Bei Julia Fischer ist das keine Worthülse, denn eine Ausnahme ist die Geigerin, die seit über zwanzig Jahren auf allen großen Konzertbühnen der Welt gastiert und übrigens genauso gut Klavier wie Violine spielt, auf jeden Fall. Künstlerisch genau so wie mit ihrem enormen Engagement für die Förderung junger Geiger:innen. Für unser Konzert bringt sie Elgars Meisterwerk mit, das bis heute zu den meist gespielten und beliebtesten Violinkonzerten überhaupt gehört. Ähnliches kann man über Brahms' vierte und letzte Sinfonie sagen, ist sie doch mit ihrem Melodienreichtum ein Höhepunkt unter den Werken der Spätromantik. Besonders ihr Beginn hat sich in die Musikgeschichte eingeschrieben: keine Einleitung, keine musikalische Eröffnung - die Musik legt einfach los, als wäre sie immer schon da. Und schon ist man als Zuhörer in ihrem Bann…
10 Minuten
Die kanadische Geigerin Leila Josefowicz wurde in frühester Jugend auf Promi-Partys und Galas in Hollywood und Beverly Hills als Wunderkind herumgereicht - kurz nach ihrer Geburt waren ihre Eltern nach Los Angeles gezogen. "Ihr wird die Welt zu Füßen liegen", prophezeite der amerikanische Star-Pianist Van Cliburn, als er sie gehört hatte. Und er sollte recht behalten. Mit 17 debütierte Leila Josefowicz in der New Yorker Carnegie Hall und begann eine höchst erfolgreiche Solo-Karriere. Längst hat sich Leila Josefowicz vom glamourösen Leben ihrer Anfangszeit emanzipiert - auch durch den Kontakt zu zeitgenössischen Komponisten. Dass sie deren Klangwelt auf faszinierende Weise in den Konzertsaal übertragen kann, beweist sie bei uns mit Matthias Pintschers Violinkonzert. Dazu erklingt die Zweite Sinfonie des finnischen Nationalkomponisten Jean Sibelius. Durch ihre neuartige, individuelle Tonsprache ist sie bis heute außerordentlich populär - nicht zuletzt wegen des überwältigenden letzten Satzes, die der Komponist Mathias Husmann so beschreibt: "Die letzten, hymnisch strahlenden Takte sind kaum auszuhalten. Nach dem Schlussakkord dieser traumartigen Sinfonie des Glücks muss man erst erwachen."
10 Minuten
Wie der Kreuzchor gehört der Thomanerchor Leipzig zu den weltweit renommiertesten Knabenchören. Im neuen Konzertsaal ist er erstmals zu Gast und bringt zusammen mit dem Gewandhausorchester ein Werk mit, das zu den Höhepunkten der Klassik zählt. Schon seine Uraufführung war ein einzigartiger Publikumserfolg. Kein Wunder, wenn man allein an die Schilderung des Chaos zu Beginn denkt, die in der Bibel der Erschaffung des Lichts vorausgeht. Und daran, wie effektvoll es ist, wenn mitten in düsterem, leisen Grollen der Musik zu den Worten "Es werde Licht!" das Orchester urplötzlich in volle Lautstärke und strahlendes C-Dur ausbricht. Manchmal gehen noch heute genau an dieser Stelle die Lichter im Saal an! An Effekten mangelt es dem Werk nicht, aber es beeindruckt vor allem durch seine musikalische Sprache, mit der Haydn Die Entstehung der Welt erzählt. Da wird keine Minute zu lang
15 Minuten
Manchmal beginnt die Karriere eines Musikers mit einem Film. Bei Colin Pütz war das so, als ihn eine große Öffentlichkeit als den achtjährigen Beethoven im gleichnamigen Film der ARD zum Beethovenjahr 2020 kennen lernte. Heute ist er sechzehn und begeistert das Publikum immer noch mit seiner fast kindhaften Frische und vor allem seiner enormen Musikalität. Mittlerweile hat er zahlreiche Preise gewonnen und Cristian Macelaru hat ihn eingeladen, in unserem Konzert zu spielen - diesmal nicht Beethoven, sondern das wunderbare Klavierkonzert Nr. 24 von Mozart. Dvoráks Sinfonien sind nicht zuletzt wegen ihres typisch böhmischen "Sounds" so beliebt. In seiner Sechsten zieht er in dieser Hinsicht alle Register und bringt den Klang seiner böhmischen Heimat in den Konzertsaal.