Konzerteinführung digital Archiv
122 Episoden
13 Minuten
Im Zentrum des Konzertabends steht die brillante Jess Gillam, eine der aufregendsten Musikerinnen unserer Zeit. Mit ihrem Sopran-Saxophon verbindet sie technische Virtuosität und charismatische Bühnenpräsenz, wie man sie selten erlebt. Zwei Werke stellen das Saxophon ins Rampenlicht: Dave Heaths „The Celtic“ und James MacMillans Konzert für Sopran-Saxophon und Streichorchester. Beide Werke sind für Jess Gillam wie gemacht. Heaths „The Celtic“ verbindet keltische Melancholie mit rhythmischer Energie, während MacMillans Werk die Grenzen der Klangfarben und Ausdrucksmöglichkeiten des Instruments auslotet. Seine bekannteste ist sicher die Neunte, aber für viele die beste Sinfonie von Antonín Dvořák ist seine Siebte. Herb und melancholisch wirkt diese Musik, dabei kompakt und streng. Keine überflüssige Note gibt es hier, jedes Motiv wird durchgearbeitet, jede Nebenstimme hat etwas zu sagen. Keine Frage: Das ist keine gemütliche Schrammelmusik aus der böhmischen Dorfschänke, sondern hochkonzentrierte Sinfonik aus dem Geist von Beethoven und Brahms.
9 Minuten
George Gershwin schrieb sein Concerto in F 1925 inmitten des pulsierenden New York. Das Werk vereint die Eleganz klassischer Formen mit der überschäumenden Energie des Jazz – eine Musik wie die Stadt selbst: laut, lebendig, voller Überraschungen. Vom ersten Trommelschlag bis zur letzten Kadenz sprüht das Konzert vor Lebensfreude. Gershwin wusste, wie man Geschichten erzählt – und Boris Giltburg, Artist in Residence, bringt sie zum Sprechen. Mit seiner feinen Balance aus Virtuosität und Gespür für die Zwischentöne entfaltet er das gesamte Farbspektrum dieses außergewöhnlichen Werks. Mit seiner 1935 entstandenen Ersten Sinfonie hält William Walton ihrer Entstehungszeit den Spiegel vor: Zwischen drängenden Rhythmen und klanglichen Abgründen spürt man die Unruhe der 1930er-Jahre – intensiv, düster, aber auch von überwältigender Schönheit. In den ersten drei Sätzen entfaltet sich eine packende Mischung aus Energie, Drama und Melancholie – von düsterer Intensität bis hin zu zarten, lyrischen Momenten. Der letzte Satz, der erst später fertiggestellt wurde, bringt schließlich die triumphierende Auflösung. Die Sinfonie gilt als eines der bedeutendsten Werke der britischen Musik und beeindruckt durch ihre emotionale Tiefe und orchestrale Wucht.
12 Minuten
Claude Debussys „Prélude à l'après-midi d'un faune“ ist ein Meisterwerk des Impressionismus. Inspiriert von einem Gedicht des Symbolisten Stéphane Mallarmé, malt die Musik das Bild eines träumenden Fauns an einem warmen Nachmittag. Mit schwebenden Flötenklängen und sanften Harmonien entführt Debussy in eine Welt zwischen Traum und Realität – ein Sinnesrausch in Klang. Nicht viele Werke des 20. Jahrhunderts stehen heute so selbstverständlich auf den Konzertprogrammen wie die Musik des 1986 gestorbenen Maurice Duruflé. Besonders seine geistliche Vokalmusik erfreut sich anhaltender Beliebtheit, sicherlich auch wegen ihrer eingängigen Klangsprache. Duruflé hatte wenig Interesse daran, mit der Tradition zu brechen, in seinem Requiem von 1947 setzte er sich mit der Vorlage des zwei Generationen älteren Gabriel Fauré auseinander und ließ seiner Begeisterung für den Gregorianischen Choral freien Lauf. Rückwärtsgewandt ist das Werk dennoch nicht: Im Gegensatz zu den opernhaften Vertonungen der Totenmesse im 19. Jahrhundert rückte Duruflé weniger die Qualen des Jüngsten Gerichts als die jenseitige Erlösung in den Mittelpunkt. Chefdirigent Sir Donald Runnicles und der MDR-Rundfunkchor verleihen diesem Werk mit ihrer Sensibilität und Klangschönheit eine besondere Intensität.
16 Minuten
Camille Saint-Saëns' Zweites Klavierkonzert gehört zu den vielseitigsten Werken der romantischen Klavierliteratur. Mit seinem ungewöhnlichen Aufbau beginnt es wie eine improvisierte Fantasie, bevor es sich zu einem virtuosen und rhythmisch markanten Finale steigert. Behzod Abduraimov, einer der führenden Pianisten seiner Generation, interpretiert das Werk mit technischer Brillanz und musikalischer Tiefe und bringt die kontrastreichen Stimmungen dieses Konzerts eindrucksvoll zur Geltung. Hector Berlioz' „Symphonie fantastique“ ist ein Meilenstein der Programmmusik und erzählt in fünf Sätzen die leidenschaftliche und zunehmend alptraumhafte Vision eines jungen Künstlers. Die vielschichtige Instrumentation, von lyrischen Melodien bis hin zu düsteren Klängen des „Hexensabbats“, macht das Werk zu einem eindrucksvollen Beispiel romantischer Klangkunst.
10 Minuten
Mit „Elektra“ schuf Richard Strauss eines der packendsten und emotional intensivsten Werke der Opernliteratur. Die Geschichte, basierend auf der antiken Tragödie, handelt von Elektras unbändigem Verlangen nach Rache für den Mord an ihrem Vater. Das Drama entfaltet sich in einer einzigen, fieberhaft spannungsgeladenen Szene – ein Meilenstein in der Musikgeschichte. Strauss’ Partitur ist ein Klanggewitter, das mit gewaltigen Orchestermassen und feinster emotionaler Nuancierung die inneren Abgründe der Figuren hörbar macht. Er verbindet schroffe Dissonanzen mit Momente von schmerzhafter Schönheit und entführt die Zuhörer in eine packende psychologische Studie. Unter der Leitung von Sir Donald Runnicles, der weltweit für seine Strauss-Interpretationen gefeiert wird, entfaltet „Elektra“ konzertant ihre ganze Wucht. Ohne Bühnenbild, aber mit einem voll besetzten Orchester und einer hochkarätigen Solistenriege, stehen die Musik und das Drama im Mittelpunkt.
11 Minuten
Alma Mahlers Sieben Lieder führen unmittelbar in die Welt der Jahrhundertwende: Emotionen zwischen Melancholie und Hoffnung, vertont mit einer tiefen, fast intimen Ausdruckskraft. In der Bearbeitung für mittlere Stimme und Orchester entfalten sie eine klangliche Dimension, die zugleich berührt und inspiriert. Ganz anders Antonín Dvořáks Sinfonie Nr. 9, bekannt als „Aus der Neuen Welt“. Sie schlägt die Brücke zwischen zwei Kontinenten und gießt die Eindrücke eines Lebens im fremden Amerika in große sinfonische Bögen. Sehnsucht klingt hier wie eine ferne Erinnerung, pulsierend und doch voller Weite. Dvořáks berühmtes Englischhorn-Thema, oft als „Lied des einsamen Wanderers“ bezeichnet, fesselt ebenso wie die dynamischen Kontraste zwischen Dramatik und zarter Lyrik. Ein Abend, der ganz unterschiedlichen Klangwelten nachspürt – und zeigt, wie unterschiedlich musikalische Sehnsucht klingen kann.
15 Minuten
Es ist schon etwas Besonderes, einen Film zu einer Sinfonie zu schaffen, schließlich ist klassische Musik etwas Abstraktes und lässt viel Raum für Assoziationen. Aber vielleicht ist gerade das der Schlüssel. William Kentridge jedenfalls, dem die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden 2025 einen Schwerpunkt gewidmet haben, hat zu Schostakowitschs Zehnter Sinfonie jede Menge Assoziationen gehabt und sie in einem eindrücklichen Film zum visuell-akustischen Erlebnis gestaltet. Michael Sanderling, der einen exzellenten Ruf als Schostakowitsch-Spezialist genießt, dirigiert diese Sinfonie, während gleichzeitig auf der großen Leinwand Kentridges Film läuft. Knapp zwanzig Jahre war Mozart, als er sein Violinkonzert A-Dur KV 219 vollendete und damit eine Reihe von insgesamt fünf Solokonzerten für Geige abschloss. A-Dur steht bei Mozart stets für eine Fülle von Schönheit. Doch Mozart wäre nicht Mozart, würden sich nicht gelegentlich auch sinistre, ja dämonische Untertöne finden.
10 Minuten
Unter der Leitung von Michael Sanderling erklingt zum Dresdner Gedenktag mit Dmitri Schostakowitschs Zehnter Sinfonie ein Werk, das tief von den Erfahrungen und Traumata der Stalin-Ära geprägt ist. Schostakowitsch verarbeitete in ihr Dunkelheit, Schmerz und Hoffnung, die auf ganz eigene Weise miteinander ringen. Zu diesem Werk hat der südafrikanische Künstler William Kentridge mit „Oh, To Believe in Another World“ einen Film geschaffen, der Schostakowitschs Sinfonie auf faszinierende Weise interpretiert. Mit seinen charakteristischen Collagen, Animationen und Zeichnungen wirft Kentridge einen poetischen Blick auf die Themen von Verlust und Sehnsucht, die in der Musik anklingen. Musik und Film verschmelzen zu einem einzigartigen Gesamtkunstwerk, das Gedenken und Kunst miteinander verbindet und gleichzeitig einen finalen Akzent des Kentridge-Schwerpunkts der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden 2025 bildet (mit Ausstellungen im Albertinum, Kupferstich-Kabinett und in der Puppentheatersammlung).
15 Minuten
Unsere Konzertsaalorgel, das „Orchester in einem Instrument“, steht im Zentrum von Francis Poulencs Orgelkonzert – einem Werk voller Gegensätze. Mal tief ernst, fast sakral, dann überraschend verspielt, verbindet Poulenc Tradition und Moderne auf faszinierende Weise. Die Solistin des Abends, Anna Lapwood, eine der aufregendsten Organistinnen ihrer Generation, begeistert mit ihrer Virtuosität und ihrer Fähigkeit, Menschen für klassische Musik zu gewinnen. Die Fünfte Sinfonie des großen Dänen Carl Nielsen gilt als Juwel der Sinfonieliteratur. 1922 uraufgeführt, ist sie die wohl kühnste Schöpfung des ohnehin stets originellen Komponisten. Besonders eindrucksvoll ist die „Schlacht“ zwischen Orchester und einer rebellischen kleinen Trommel, die mitreißende Spannung erzeugt. Im Verlauf der Sinfonie ertönen immer wieder schöne, beruhigende Passagen, in die unvermittelt von aufrüttelnd „bösen“ Steigerungen abgelöst werden – eine aufregende Achterbahnfahrt der Gefühle!
14 Minuten
Ravels Klavierkonzert in G-Dur ist das wohl am aufregendsten instrumentierte Konzert für ein Soloinstrument mit Orchester. Heiter und brillant zugleich, ist es seit seiner Uraufführung 1932 ein Lieblingswerk des Konzertpublikums. Es beginnt furios mit einem Peitschenknall, erzeugt durch zwei Hölzer, die mit einem Scharnier verbunden sind und aneinandergeschlagen werden. Der zweite, langsame Satz wird oft als eines der schönsten 'Lieder ohne Worte' der Musikgeschichte bezeichnet. Er ist eingebettet in das surreale Zirkusambiente des ersten Satzes mit Anklängen an die baskische Heimat Ravels, Blues- und Jazz-Souvenirs von seinen Amerika-Reisen und das rasante Finale in der Art eines perpetuum mobile. „La valse“ von Ravel muss man wohl kaum beschreiben – der sinfonische Walzer gehört zu den populärsten Werken des 20. Jahrhunderts und versetzt das Publikum regelmäßig in Begeisterung. Begeisterung kann auch das Konzert für Orchester des Polen Witold Lutoslawsi wecken. 1954 wurde es mit großem Erfolg in Warschau uraufgeführt und ist das letzte Werk, in dem sich Lutosławski folkloristischer Elemente bedient. Mit ihm hat der Komponist alles gesagt, was er in dieser Musiksprache zu sagen hatte…
18 Minuten
Ravels Klavierkonzert in G-Dur ist das wohl am aufregendsten instrumentierte Konzert für ein Soloinstrument mit Orchester. Heiter und brillant zugleich, ist es seit seiner Uraufführung 1932 ein Lieblingswerk des Konzertpublikums. Es beginnt furios mit einem Peitschenknall, erzeugt durch zwei Hölzer, die mit einem Scharnier verbunden sind und aneinandergeschlagen werden. Der zweite, langsame Satz wird oft als eines der schönsten 'Lieder ohne Worte' der Musikgeschichte bezeichnet. Er ist eingebettet in das surreale Zirkusambiente des ersten Satzes mit Anklängen an die baskische Heimat Ravels, Blues- und Jazz-Souvenirs von seinen Amerika-Reisen und das rasante Finale in der Art eines perpetuum mobile. „La valse“ von Ravel muss man wohl kaum beschreiben – der sinfonische Walzer gehört zu den populärsten Werken des 20. Jahrhunderts und versetzt das Publikum regelmäßig in Begeisterung. Begeisterung kann auch das Konzert für Orchester des Polen Witold Lutoslawsi wecken. 1954 wurde es mit großem Erfolg in Warschau uraufgeführt und ist das letzte Werk, in dem sich Lutosławski folkloristischer Elemente bedient. Mit ihm hat der Komponist alles gesagt, was er in dieser Musiksprache zu sagen hatte…
16 Minuten
Schnee glitzert in der fahlen Wintersonne, ein Pferdeschlitten gleitet durch ein lichtes Birkenwäldchen. Eisblumen wachsen an der Fensterscheibe, in der Stube brodelt der Samowar. Tschaikowski macht mit seiner Ersten Sinfonie dem berühmt-berüchtigten russischen Winter mit all seinen Erscheinungen eine stimmungsvolle Liebeserklärung. Dazu erklingen zwei völlig unterschiedliche, aber gleichermaßen faszinierende Klavierkonzerte: Prokofjews Erstes Klavierkonzert sprüht vor Energie und Raffinesse. Es ist ein jugendliches Werk voller Esprit und zeigt Prokofjew als wahren Virtuosen des Klaviers. Ravels Klavierkonzert „für die linke Hand“ hingegen ist von dunkleren Tönen geprägt und wurde für den Pianisten Paul Wittgenstein geschrieben, der im Ersten Weltkrieg seine rechte Hand verloren hatte. Es ist so raffiniert komponiert, dass man als Zuhörer überhaupt nicht merkt, dass in diesem fast 20-minütigen Konzert Klavier und Orchester nur sechs Minuten zusammenspielen. Eine Herausforderung für unseren Artist in Residence, der einmal mehr die ganze Bandbreite seiner Fähigkeiten unter Beweis stellen kann.
14 Minuten
In diesem Konzert erwartet Sie Romantik pur! Robert Schumanns Zweite Sinfonie glüht geradezu vor Energie, Gefühl und Lebenskraft. Geschrieben in einer Zeit persönlicher Krisen, erzählt die Musik von innerem Kampf, aber auch von Triumph und Hoffnung. Besonders das Finale ist ein wahres Feuerwerk, das Schumanns Genie und seinen unerschütterlichen Lebenswillen eindrucksvoll spürbar macht. Das Erste Klavierkonzert von Frédéric Chopin dagegen entführt seine Hörer in eine Welt voller Eleganz und Leidenschaft. Mit virtuosen Läufen und bezaubernden Melodien zeigt Chopin, warum er als einer der größten Pianisten und Komponisten seiner Zeit gefeiert wurde. Sozusagen als i-Tüpfelchen erklingt eine Ouvertüre von Fanny Hensel, der Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy, die ihrem genialen Bruder um nichts nachstand.
13 Minuten
James MacMillan ist Schotte, wie unser Chefdirigent Sir Donald Runnicles auch. Beide kennen und schätzen sich seit vielen Jahren, und so ist es kein Wunder, dass MacMillan eine seiner Sinfonien seinem Freund widmete. Diese Sinfonie, es ist die vierte unseres Composers in Residence, enthält alles, was sein Komponieren ausmacht: Opulente Melodien stehen neben Klangteppichen, straffe Märsche neben Tonfügungen, die an Bach erinnern. Die Hörer:innen sind vor scheinbaren Zufällen nicht sicher – vielleicht kein Wunder, wenn man weiß, dass MacMillan großer Fußballfan ist und die Unwägbarkeiten dieses Spiels liebt. Dazu erklingt mit den „Planeten“ von Holst eins der populärsten sinfonischen Werke der englischen Musik – mit diesem Konzert setzen wir unser British Festival fort…
12 Minuten
Mit diesem Konzert tritt Sir Donald Runnicles sein Amt als Chefdirigent der Dresdner Philharmonie an und eröffnet gleichzeitig unser British Festival. Der Abend voller europäischer und britischer Musikgeschichte beginnt mit Ralph Vaughan Williams' „Fantasia on a Theme by Thomas Tallis“, einem tief emotionalen und majestätischen Stück, das die Schönheit der englischen Musiktradition in den Mittelpunkt stellt. William Waltons Konzert für Viola und Orchester stellt die größere Schwester der Violine in den Mittelpunkt. Mit virtuosen Solopassagen und einer dynamischen Orchesterbegleitung sorgt dieses Stück für Gänsehautmomente und zeigt die Viola in all ihrer Vielseitigkeit und Ausdruckskraft. Den krönenden Abschluss bildet Johannes Brahms' Vierte Sinfonie, ein Meisterwerk, das es zu Beginn nicht leicht hatte. Ihr Beginn erschien den Zeitgenossen allzu abstrakt. Heute, 140 Jahre nach dem Entstehen, macht die Poesie gerade dieses Beginns, der Freudentaumel des dritten Satzes und die Feierlichkeit des Finales Brahms’ Vierte zu einer der beliebtesten Sinfonien überhaupt.