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Digitalgespräch Archiv

87 Episoden
47 Minuten
Unser Alltag baut auf der Gewissheit auf, dass jederzeit Strom aus den Steckdosen kommt. Schwankungen oder gar Ausfälle sind nicht vorgesehen. Wenn wir uns nicht gerade mit Katastrophenschutz befassen oder Endzeitszenarien ausmalen, denken wir selten darüber nach, wie verwundbar uns diese Abhängigkeit von verlässlicher Energieversorgung macht. Insbesondere für Gasnetze gilt: sie sind nicht nur riesig und komplex, sondern verändern sich und bedürfen permanenter Nachsteuerung und Stabilisierung. Das Energienetz mit Blick auf neue Energieträger und sich wandelnde Prioritäten weiterzuentwickeln und zu optimieren, seine Funktion zu überwachen und es resilient zu machen gegen eine Vielzahl von Risiken, ist eine hochkomplexe Aufgabe: Wir wollen nicht nur verstehen, wie verschiedene Energieträger im Netz zusammenwirken, sondern auch belastbare Vorhersagen machen und sofort reagieren können, wenn etwas Unerwartetes passiert. Dazu sind je nach Fragestellung physikalische Modelle, mathematische Methoden und Datenanalyse – auch in Echtzeit – nötig. In Simulationen und Berechnungen fließen Entwicklungen auf dem Weltmarkt, das Wetter und der Zustand der Leitungen genauso ein, wie die Qualität von Energieträgern oder der Verbrauch von Industrie und Privathaushalten. Wie macht man dieses vieldimensionale System beherrschbar? Prof. Dr. Alexander Martin ist Mathematiker. Er leitet das ADA Lovelace Center for Analytics, Data and Applications am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS und ist Gründungsvizepräsident der Technischen Universität Nürnberg. In seiner Arbeit befasst er sich mit der Modellierung und Simulation bei Optimierungsfragen und bringt „Künstliche Intelligenz“ in die Anwendung. Der Experte erklärt im Digitalgespräch, wie unser Energienetz aufgebaut ist und welche Überlegungen den Modellen und Methoden zugrunde liegen, mit denen er und seine Kolleg:innen arbeiten. Er beschreibt, welchen Nutzen Digitalisierung dabei bringt, welche Daten benötigt werden und an welchen Stellen KI einen Beitrag leisten kann. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Martin, welche Zielsetzungen und politischen Debatten Einfluss auf die Entwicklung des Gasnetzes nehmen – und mit welchen ökonomischen und ökologischen Kosten das Sammeln, Vorhalten und Nutzen von Daten verbunden ist.
43 Minuten
Die Landwirtschaft prägt den ländlichen Raum wie kaum ein anderer Industriezweig, und sie sichert unsere Ernährung. So liegt es in unser aller Interesse, dass Landwirt:innen und ihre Mitarbeiter:innen ihrer Arbeit in guter Weise nachkommen können. Was das im Detail heißt, ist freilich umstritten. Immer wieder stehen Landwirt:innen pauschal in der Kritik, weil die Jobs in ihren Betrieben unbeliebt sind und weil Lebensmittelproduktion, Lagerung und Vertrieb mit Umwelt- und Klimabelastungen einhergeht. Natürlich wünschen wir uns eine ökologisch und sozial nachhaltige Ernährung für alle Menschen – und eine gut funktionierende Landwirtschaft auch. Im Konflikt zwischen Klima- und Umweltzielen mit unserem Anspruch an sozial gerechte Produktion und Verfügbarkeit verspricht die Digitalisierung Entspannung: Effizienter und vernetzter Landbau sind genauso wie schneller Zugang zu Wissen und digitalen Planungshilfen schon jetzt in vielen Betrieben angekommen. Die Überzeugung der Beteiligten und auch der Politik lautet: Landwirtschaft muss digitaler werden, um nachhaltiger zu werden. Aber reicht Digitalisierung allein, um bestehende Probleme zu lösen? Dr. Christine Rösch leitet die Forschungsgruppe „Nachhaltige Bioökononomie“ am Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse, dem ITAS am Karlsruher Institut für Technologie. Die Agrarbiologin und Expertin für Transformationsprozesse im ländlichen Raum erklärt im Digitalgespräch, welche Zielsetzungen und Notwendigkeiten die digitale Transformation der Landwirtschaft bestimmen, und warum gerade der Obstbau ein gutes Beispiel ist, um sich diese Prozesse klarzumachen. Sie schildert, welche Technologien schon jetzt breit zum Einsatz kommen, in welche Innovationen viele Hoffnungen gesetzt werden und wie gut die Umsetzung von Modernisierungsmaßnahmen gelingt. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Rösch, welche Chancen für eine nachhaltigere Landwirtschaft die Digitalisierung bereithält, wie ökologische und konventionelle Betriebe sie jeweils nutzen, welche weitreichenden Konsequenzen und Risiken sich dabei andeuten – und ob es in der digitalen Transformation des Berufsbilds „Landwirt:in“ auch einen Generationenkonflikt zu bewältigen gibt.
44 Minuten
Die Digitalisierung in Einrichtungen des öffentlichen Sektors erfolgt unter anderen Voraussetzungen als digitale Neuerungen in der privaten Wirtschaft oder zuhause. Die Lücke zwischen dem, was technisch ganz offensichtlich längst möglich ist, und dem, was beispielsweise in öffentlichen Schulen umgesetzt wird, ist groß. Groß ist auch der Unmut, den manche Menschen darüber empfinden. Und wenn es um die Ausbildung und Zukunftschancen von Kindern geht, scheint eine Verbesserung des Status quo besonders dringlich. Die Pandemie hat gezeigt, dass unter dem Druck der Schulschließungen mit Ausnahmen und Sonderregelungen plötzlich sehr vieles möglich war, wo sich vorher jahrzehntelang nichts bewegte. Allerdings: Datenschutz und Datensouveränität sind nach wie vor wichtige Werte. Unsere Gesellschaft kann und sollte diese nicht einfach aufgeben – auch, wenn sich der Unterricht mit Microsoft Teams, WhatsApp, Zoom und Co. auf den ersten Blick besser digital aufwerten lässt, als etwa mit datenschutzkonformen Open Source-Lösungen und eigenen Rechenzentren. Wie kommen wir aus diesem Dilemma heraus? Jan Marco Leimeister ist Professor für Wirtschaftsinformatik an den Universitäten Kassel und St. Gallen. Der Experte für Change Management und Innovationsprozesse hat neben der Arbeitswelt und Erwachsenenbildung auch die hessischen Schulen im Blick. Im Digitalgespräch berichtet er von Erkenntnissen aus seinen Beobachtungen – als Wissenschaftler, der Strukturen und Konfliktlinien identifiziert, und auch als Vater, der mit seinen Kindern in Singapur ein hohes Maß an Digitalisierung aller Lebensbereiche erlebt hat. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert er, wie Digitalisierung den Unterricht konkret aufwerten kann, wo die Verantwortung für diese Transformationsprozesse liegt – und ob uns Singapur bei der Digitalisierung in Schulen als Vorbild dienen kann.
48 Minuten
Was ist uns unser kulturelles Erbe wert, das in der Frühzeit der Digitaltechnik, also in digitaler Form entstanden ist? Wenn man sich die Ressourcen anschaut, die die Gesellschaft für die Bewahrung digitaler Kunst bereitstellt, könnte man meinen: Nicht viel. Zwar begann das Digitalzeitalter mit Digitalkunst. Und unlängst hat NFT-Kunst mit Rekordpreisen den Markt revolutioniert, die Kunstszene düpiert und in Aufruhr versetzt. Das alles heißt aber nicht, dass die Öffentlichkeit den Wert digitaler Kulturgüter erkennt. Zumindest wird zu wenig getan, um seinen Verlust zu verhindern: Digitale Kunst fachgerecht zu bewahren, zu restaurieren und zu archivieren, wie wir es selbstverständlich mit analogen Kulturgütern tun – dazu sind nur eine Hand voll Menschen überhaupt in der Lage. Und für etliche Werke, die heute im digitalen Raum entstehen und zugänglich sind, fehlen Strategien für Restauration und Archivierung bisher völlig. Hier hat die Kunst ähnliche Probleme, wie sie Wissenschaft und Verwaltung beklagen: Das Analoge ist haltbar, das Digitale – noch – fragil. Margit Rosen leitet die Abteilung Wissen – Sammlung, Archive & Forschung am ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe. Die Expertin erklärt im Digitalgespräch die Herausforderung, vor denen Museen stehen, die digitale Bestände halten und für sie verantwortlich sind. Die schildert Bewegungen in der Kunstszene, beschreibt Debatten, Diskursräume und Akteure und zeigt auf, wie dringend sich die Gesellschaft der Vergänglichkeit ihrer digitalen Kultur bewusst werden muss. Mit den Gastgeberinnen Petra Gehring und Marlene Görger diskutiert Rosen, welche konkreten Fragen sich dabei stellen, wie relevant der Einbruch der Blockchain-Technologie in die Kunst- und Museumsszene dabei ist – und inwiefern Soziale Medien auch Kunst-Medien sind.
48 Minuten
Eine gute gedruckte Tageszeitung konfrontiert ihre Leser:innen mit einem absichtsvoll und sorgfältig zusammengestellten Informationsangebot. Wer sich darauf einlässt, stößt auf überraschende Perspektiven, neue Themengebiete, zuvor unbekannte Debatten. Hinter der Zeitung stehen Herausgeber und eine Redaktion. Sie bietet das an, was zu wissen und zu diskutieren aktuell wichtig ist. Natürlich funktioniert das auch im Digitalen so: Wo nicht Algorithmen und personalisierten News-Feeds die Artikel zusammenstellen, liefern auch digitale Versionen von „Zeitung“ – wie ePaper oder Online-Portale – weitgehend kuratierte oder recherchierte Nachrichten. Hinzu kommen Analysen und Kommentare. Anders als die gedruckte Zeitung, die es in ihrer Machart und Handhabung leicht macht, sich konzentriert in Artikel und Interviews zu vertiefen, konkurrieren digitale Nachrichten allerdings schnell mit anderen Informationen um die Aufmerksamkeit des Menschen vor dem Bildschirm. Und digitaler Content scheint oft kostenlos zu sein – wir bezahlen „nur“ mit den beim Klicken und Lesen entstehenden Daten. Nicht mehr alle Menschen sehen es daher ein, für digitale Zeitungsinhalte zu bezahlen – etwa in Form eines Abos oder für einzelne Artikel. Gratis-Content im Netz entwertet aber journalistische Arbeit. Zeitungshäuser spüren den Druck, der durch die wachsende Konkurrenz mit anderen Medien entsteht. Sie müssen kreativ werden, um im Kampf um Aufmerksamkeit und Interesse – gemessen in Klicks und Likes – zu bestehen. Und spätestens dann, wenn Nutzer:innen gar nicht mehr gezielt bestimmte Angebote von Zeitungen und Medienhäusern aufsuchen, sondern ihnen lediglich einzelne Beiträge in Newsfeeds oder Posts begegnen, müssen seriöse Themensetzung und journalistische Standards mit wirtschaftlichen Überlegungen zur Maximierung von Reichweite zusammengebracht werden. Hier bewegt man sich mitunter auf einem schmalen Grat. Carsten Knop ist Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortet die digitalen Angebote des Blattes. Als Journalist kommentiert er seit Jahren die Entwicklungen im Bereich digitaler Technologien und Transformationen und nimmt dabei auch internationale Perspektiven ein. Im Digitalgespräch beschreibt der Experte am Beispiel der FAZ das Verhältnis von Zeitung und Digitalisierung. Er erklärt, wie Zeitungsredaktionen auf Herausforderungen des digitalen Informations- und Unterhaltungsmarktes reagieren, welche neuen Formate und Arbeitsweisen entstehen und wie seriöser Journalismus Chancen neuer digitaler Technologien sinnvoll nutzen kann. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Knop, welche Relevanz Digitalisierungsthemen in der Berichterstattung haben (sollten), wie sich der Austausch zwischen Journalist:innen und Leser:innen verändert hat und welche Rolle Tageszeitungen wie der FAZ im Ringen um demokratische Gestaltung von Digitalität zukommt.
50 Minuten
Seit mächtige Sprachmodelle der breiten Weltöffentlichkeit zur Verfügung stehen, ist der Erfolg der Computerlinguistik offenkundig: Man hat dort Rechnerarchitekturen entwickelt, die in der Lage sind, intuitive menschliche Sprache zu prozessieren. Das Verhalten, das diese Systeme zeigen, ist im Detail kaum noch nachvollziehbar, umso beeindruckender sind die Ergebnisse, die sie liefern: Assistenzsysteme, die mit diesen Sprachmodellen ausgerüstet sind, lassen sich steuern und generieren Output, als würden sie Sprache tatsächlich selbst beherrschen – und ihre Anwendungsmöglichkeiten gehen weit über die aufsehenerregenden Chat-Bots hinaus, die die öffentlichen Debatten bestimmen. GPT und verwandte Systeme sind allerdings keineswegs plötzlich entstanden. Sie sind das Ergebnis eines beharrlichen Lernprozesses: Erste Versuche, Sprache in Algorithmen abzubilden, scheiterten in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts nicht nur an fehlenden Ressourcen oder weil entscheidende maschinelle Lernverfahren noch nicht entwickelt waren, sondern auch deshalb, weil die Theorien darüber, wie sich die Bedeutungsebene menschlicher Sprache abstrakt fassen und systematisieren lässt, unzureichend waren. Was also machen Entwickler:innen moderner Systeme anders als die Pionier:innen der Computerlinguistik? Chris Biemann ist Professor für Sprachtechnologie an der Universität Hamburg, wo er den Fachbereich Language Technology und das House of Computing and Data Science leitet. Im Digitalgespräch gibt der Experte tiefe Einblicke in die Entstehung und Funktionsweise moderner Sprachmodelle und erklärt sprachwissenschaftliche Theorien, die dabei zum Tragen kommen. Er macht verständlich, warum die Systeme so beeindruckende Ergebnisse liefern und beschreibt, wozu sie in der Wissenschaft eingesetzt werden können. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Biemann, welche Ressourcen in die Entwicklung solcher Systeme fließen, was passiert, wenn man Sprachmodelle auf dem ganzen Internet trainiert – und welche Aufgaben die Computerlinguistik jetzt, wo sie ihr großes Ziel erreicht zu haben scheint, noch vor sich hat.
50 Minuten
Die Forschung zur Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren steht vor einer technischen Herausforderung: Die Datensammlungen, die bei der Beobachtung der Natur und in den Umwelt- oder Biowissenschaften entstehen, sind riesig und wachsen stetig an. Datensorten und Datensätze unterscheiden sich jedoch stark, je nach Forschungsfeld und praktischen Begebenheiten. Für die Biodiversitätsforschung muss das heterogene Wissen aber systematisch zusammengebracht und auch geteilt werden – für ökologische Problemstellungen benötigt man die Zusammenschau. Konkret kann man die Herausforderung auch so beschreiben: Wie gewinnt man möglichst viele Daten aus unzähligen Excel-Tabellen, handschriftlichen Dokumentationen, Satellitenbildern, lebenden Organismen oder getrockneten Pflanzenteilen – und zwar vergleichbar, einheitlich formatiert und maschinenlesbar – sodass Forscher:innen über ein Online-Portal komfortabel darauf zugreifen können? Eins ist klar: Hier stellt sich eine Mammutaufgabe. Und neben den technischen Aufgaben stellen sich datenrechtliche und wissenschaftspolitische Probleme. Dr. Barbara Ebert ist Geschäftsführerin der Gesellschaft für Biologische Daten e. V. und koordiniert im Projekt „NFDI4Biodiversity“ der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) den Aufbau einer Plattform für Forschungsdaten zur Biodiversitätsforschung. Im Digitalgespräch erklärt die Biologin und Expertin für Datenmanagement, welche Anforderungen ein solches Projekt an alle Beteiligten stellt und welche Hürden dabei zu überwinden sind. Sie beschreibt, aus welchen Quellen Daten zusammenkommen, wozu sie erhoben und wie sie für weitere Forschung nutzbar gemacht werden. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Ebert, wo Aushandlungsprozesse stattfinden, welche Bedarfe im Vordergrund stehen und wessen Interessen berücksichtigt werden müssen.
42 Minuten
Der rasant voranschreitende Klimawandel hat Folgen für Ökosysteme und Landschaften. Diese Veränderungen zu beobachten und zu verstehen, ist eine wesentliche Voraussetzung, um durch kluges Handeln Schäden gering zu halten. Für ein Umweltmonitoring, das möglichst umfassende belastbare Daten über den Zustand von Wäldern, Böden und Mooren liefern soll, wird kooperativ geforscht. Die Umweltinformatik spielt hier eine zentrale Rolle: Sie verbindet Wissen über ökologische Zusammenhänge mit den Möglichkeiten moderner, computergestützter Verfahren und stellt dabei Methoden und Technologien bereit, die es ermöglichen, Beobachtungen an einzelnen Orten auf größere Skalen auszuweiten. Mit maschinellen Lernverfahren können Daten, die Förster:innen, Landschaftspfleger:innen und Naturliebhaber:innen im Feld sichtbar und messbar vorfinden, mit Satelliten- und Drohnenaufnahmen größerer räumlicher Gebiete in Korrelation gebracht werden. Im Grunde können so räumliche und zeitliche Lücken in der Datenlage geschlossen werden – wenn die mathematischen Modelle dahinter verstanden sind und die Ausgangsdaten, mit denen die „Künstliche Intelligenz“ lernt, auch wirklich zu der ökologischen Fragestellung passt. Hanna Meyer ist Professorin für Fernerkundung und Räumliche Modellierung am Institut für Landschaftsökologie der Universität Münster. Im Digitalgespräch erklärt die Expertin, wie Umweltinformatiker:innen arbeiten und was typische Aufgaben und Fragestellungen sind. Sie beschreibt, welche Daten nötig sind, um Satelliten- und Drohnenbilder mit realen ökologischen Systemen in Korrelation zu bringen und wie Maschinelles Lernen dabei hilft, Lücken in der Datenlage zu schließen. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Meyer, wo die Grenzen dieser mathematischen Ausweitung von Felddaten liegen – und welche Gefahren bestehen, wenn den Modellen allzu blind vertraut wird.
53 Minuten
Beliebtes Hobby oder bedrohliches Kampfgerät: Die öffentliche Wahrnehmung sogenannter „Drohnen“ scheint vor allem von diesen beiden Anwendungsbereichen geprägt. Zu den Film- und Fotodrohnen, die vor allem private Freizeitpilot:innen im niedrigen Luftraum umherschwirren lassen, kommen aber immer mehr Maschinen im professionellen, zivilen Einsatz hinzu. Und die unterscheiden sich nicht nur in Form, Größe und Gewicht, sondern erfordern auch neue Regelungen und Sicherheitsüberlegungen. Damit die vielfältigen, zivilen Einsatzmöglichkeiten realisiert werden können, die etwa für die Medizin, in Landwirtschaft und Umweltschutz oder für die Seenotrettung hilfreich sein könnten, müssen nicht nur technische, sondern vor allem regulative und infrastrukturelle Herausforderungen gemeistert werden. Schließlich sind all diese Fluggeräte – auch die Hobbydrohnen – Teil des zivilen Luftverkehrs. Uwe Klingauf ist Professor für Flugsysteme und Regelungstechnik an der Technischen Universität Darmstadt und forscht seit vielen Jahren zu vielfältigen Fragestellungen der bemannten und unbemannten Luftfahrt. Der Experte auch für automatisierte Fluggeräte spricht im Digitalgespräch über den Stand der Technik, spannende aktuelle Trends und Herausforderungen für die Forschung und Entwicklung. Er erklärt, welche Sicherheitsüberlegungen die Einführung von Drohnen im urbanen Raum begleiten, welche Prozesse dafür ablaufen müssen und welche Einsatzmöglichkeiten viel Potential haben, sich durchzusetzen. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Klingauf, was das Potential neuer Einsatzmöglichkeiten ausmacht, wovon abhängen wird, welche Entwicklungen sich durchsetzen – und was aus dem Hype um Paketdrohnen und Flugtaxis geworden ist.
53 Minuten
Wenn wir ein Konto eröffnen, einen Kredit beantragen oder einen Handyvertrag abschließen, werden wir in der Regel aufgefordert, einer Bonitätsprüfung zuzustimmen – zum Beispiel bei der Schufa. Wer einen solchen Score über uns anfordert, erhofft sich davon eine möglichst verlässliche Aussage darüber, ob wir wohl unseren finanziellen Verpflichtungen nachkommen werden. Aber wie kommt diese Aussage zustande? Big Data und Künstliche Intelligenz ermöglichen es, sich bei dieser Frage ganz neuer Strategien zu bedienen, mit denen individuellere, möglicherweise präzisere oder sogar „gerechtere“ Scores erstellt werden könnten. An diesem Punkt setzen FinTechs an, die – anders als die Schufa – für ihre Scores grundsätzlich unseren ganzen digitalen Fußabdruck nutzen könnten: Automatisierte Verfahren finden Muster und Korrelationen, mit denen sich Aspekte aller Lebensbereiche in Finanzdaten übersetzen lassen. Ob das Ergebnis, in das zusätzlich zu Einkommen und Zahlungsverhalten auch Musikgeschmack und Jogging-Route eingeflossen sind, immer mit der Realität übereinstimmt, ist die eine Frage – eine andere, ob dabei nicht auch persönliche Merkmale eine Rolle spielen, die eigentlich vom Diskriminierungsverbot betroffen sind. Denn, das zeigen Untersuchungen immer wieder: KI-Modelle scheinen sozial benachteiligte Gruppen systematisch zu diskriminieren. Und auch Kredithaie können je nach Rechtslage von dieser automatisierten Fortschreibung gesellschaftlicher Ungerechtigkeit profitieren.   Katja Langenbucher ist Professorin für Bürgerliches Recht, Wirtschaftsrecht und Bankrecht am House of Finance der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Die Juristin forscht und lehrt unter anderem zu rechtlichen Fragen des Einsatzes Künstlicher Intelligenz im Finanzsektor. Im Digitalgespräch erklärt die Expertin, welche Überlegungen hinter der Entwicklung neuartiger KI-Modelle zur Bewertung von Kreditwürdigkeit stecken, wo dabei Regulierungsbedarfe entstehen aber auch, welche Probleme mit ihrer Hilfe bearbeitet werden können. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Langenbucher Unterschiede zwischen Anbietern von Scoring auch im internationalen Vergleich und welche Gerechtigkeitsprobleme auch auf Ebene der EU eine offene demokratische Debatte erfordern.
55 Minuten
Die Digitalität kennt bisher keine Formen der Langzeitarchivierung: höchstens 50 Jahre sind die langlebigsten Festplatten und Bänder intakt, danach gehen die Daten verloren, die auf ihnen gespeichert waren. Und auch, wenn Chips und Festplatten immer kleiner zu werden scheinen, gerät ihre Kompaktheit irgendwann an natürliche Grenzen. Gleichzeitig spielen sich immer mehr wichtige Prozesse im Digitalen ab, sammeln wir immer mehr digitale Daten und entwickeln neue Ideen und Konzepte, Informationstechnologien in den Alltag und in technische Abläufe zu integrieren. Unsere Kultur drückt sich auch im Digitalen aus, es entstehen digitale Werte und Werke. Der Bedarf für innovative Speichermedien, die einerseits flexibel einsetzbar sind und andererseits Jahrhunderte und Jahrtausende überdauern können, ist also da. Eine vielversprechende Kandidatin bei der Suche nach Lösungen ist die DNA. Wie gelingt es, Digitalität in diese biochemische Substanz zu übersetzen? Und was ergeben sich dann für neue Möglichkeiten? Prof. Dr. Robert Grass forscht und lehrt am Departement Chemie und Angewandte Biowissenschaften an der ETH Zürich und arbeitet dort insbesondere daran, DNA als Speichermedium nutzbar zu machen: Er hat ein Verfahren mitentwickelt, bei dem DNA in winzigen Glaskügelchen über viele Jahrtausende hinweg haltbar bleibt – und gleichzeitig bei Bedarf ausgelesen werden kann. Im Digitalgespräch erklärt der Wissenschaftler und Erfinder, wie man dabei vorgeht, welche Herausforderungen bestehen und welche Zukunftsvisionen er und seine Kollegen für die Entwicklung dieser neuen Speichertechnologie haben. Dabei beschreibt er Einsatzmöglichkeiten für Industrie und Wirtschaft einerseits und die Archivierung digitaler wie auch digitalisierter Kulturgüter andererseits. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Grass Analogien zwischen Naturvorgängen und technischen Prozessen und welche schwierigen Aufgaben unbedingt gelöst werden müssen, wenn Archive – und besonders digitale! – auch in ferner Zukunft nicht nur intakt, sondern verstehbar sein sollen.
51 Minuten
Wer hat ein Gefühl dafür oder weiß gar, wie die eigenen finanziellen Verhältnisse im Alter sein werden? Gerade, wenn die Rentenzeit noch einige Jahrzehnte vor uns liegt, scheint sie kaum planbar zu sein. Und so warten wir ab. Und wir schieben die Frage, ob unser Geld im Alter reichen wird, vor uns her – vielleicht besonders dann, wenn wir da eine Lücke fürchten. In der Tat machen sich viele Menschen nicht klar, dass sie selbst aktiv werden müssen, um ihr Auskommen im Alter zu ermöglichen. Und was könnte man überhaupt tun, sobald man das Problem einer „Rentenlücke“ erkennt? Das Lagebild ist ja komplex, denkt man an mögliche Versicherungen, Ersparnisse und Vermögenswerte. Auch Inflation und Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt spielen hinein. Das Feld scheint tatsächlich zu unübersichtlich für Laien – also ein typischer Fall für digitale Hilfsmittel. Lassen sich aus Daten, Randbedingungen und individuellen Faktoren Prognosen und sogar alternative Szenarien errechnen? Andreas Hackethal ist Professor für Finanzen am House of Finance der Goethe-Universität Frankfurt a.M. Der Wirtschaftswissenschaftler forscht zu Finanzen privater Haushalte und entwickelt an der Goethe-Universität eine aufwendige App, mit der die eigenen finanziellen Verhältnisse im Alter simuliert werden können – das „Rentencockpit“. Im Digitalgespräch erklärt Hackethal, warum es für viele Menschen so schwierig ist, sich ein klares Bild von der eigenen finanziellen Zukunft zu machen und wie eine App helfen kann, Wissenslücken zu schließen. Er beschreibt, wie das komplexe App-Projekt zustande kam und worauf es bei der Umsetzung ankommt. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Hackethal, wie digitale Rententransparenz Entscheidungen im Hier und Heute beeinflussen kann, welche Chancen sich dadurch für Individuen und Lebensgemeinschaften auftun – und welche politischen Folgen es haben kann, Rentenlücken transparent zu machen.
50 Minuten
Längst ist das, was früher mal eine Gamer:innen-Szene aus Insider:innen gewesen sein mag, in der vollen Breite des Gesellschaft angenommen. Quer durch alle Altersgruppen und sozialen Schichten spielen die meisten Deutschen Videospiele – zum Abschalten, um Wartezeit zu verkürzen, im ernsthaften Hobby oder gar als Beruf.  Aber nicht alle, die spielen, würden sich auch gern als Gamer:innen bezeichnen. Videospiele sind zwar als Kulturgut anerkannt, ihre öffentliche Wahrnehmung scheint aber nach wie vor geprägt vom Vorurteil des männlichen, eher jungen Gamers, der viel zu viel Zeit mit Ballerspielen verbringt – die im schlimmsten Fall aggressiv machen, in jedem Fall aber Zeitverschwendung sind. Die große Gruppe der Spieler:innen und auch die der Entwickler:innen ist aber sehr viel offener und diverser; das gigantische Angebot an Videospielen ist entsprechend vielfältig. Wie sehen also heute Gaming-Welten aus? Was passiert abseits der berüchtigten Ego-Shooter? Und geht es beim Videospielen immer „bloß“ um Unterhaltung?   Rae Grimm ist Head of Digital Publishing bei der Webedia Gaming GmbH, zu der die Magazine GamePro, GameStar und MeinMMO gehören. Im Digitalgespräch schildert die Expertin für Videospiel-Kulturen, welche Facetten Gaming heute bietet und was unterschiedliche Szenen kennzeichnet. Sie erklärt, was Innovationen ausmachen, was Spieler:innen und Entwickler:innen wichtig ist und welche Neuerungen und Debatten die Gaming-Welt beschäftigen. Mit den Gastgeber:innen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Grimm die gesellschaftliche Bedeutung von Videospielen und Videospiel-Kritik, Zusammenhänge der Gaming-Industrie – und das ungute Gefühl, das das Chatten mit KI-gestützten, digitalen „Freunden“ machen kann.
52 Minuten
Die Zeiten, in denen Musik nur dann zu hören war, wenn jemand zur gleichen Zeit am gleichen Ort musizierte, waren lange vor der Digitalität vorbei. Durch Digitalisierung haben sich aber die Produktion, das Verfügbarmachen und das Abspielen von aufgezeichneter Musik revolutioniert. Und damit auch der Musikmarkt: Längst ist im Prinzip jedes Stück in jedem Moment verfügbar, und das zumindest im Privaten praktisch kostenlos. Wo wir Musik als etwas Exklusives und Besonderes erleben wollen, müssen wir Gelegenheiten dazu bewusst und absichtsvoll schaffen. Mit der Möglichkeit ihrer Aufzeichnung und ihrer Verbreitung über Streaming-Plattformen hat sich aber nicht nur unser Verhältnis zu Musik als kulturellem Ereignis grundlegend verändert: Auch in der Musikproduktion selbst bringen Digitaltechnologien vielfältige Umwälzungen; eine Entwicklung, die von Musizierenden wie auch von Fans ganz unterschiedlich wahrgenommen, bewertet und aufgegriffen – oder auch vorangetrieben – wird. Der Soziologe David Waldecker forscht und lehrt am Medienwissenschaftlichen Seminar der Universität Siegen und hat sich aus sozial- und kulturwissenschaftlicher Perspektive intensiv mit der Arbeit im Tonstudio befasst. Der Experte erklärt im Digitalgespräch den Stellenwert des Studios und seiner jeweiligen technischen Ausstattung für die Musikproduktion sowohl historisch wie auch im zeitgenössischen Kontext. Er beschreibt Möglichkeiten, die Digitalität bietet – sowohl für Hobby-Musikmachende, die nun eigene Projekte verwirklichen können, als Entlastung auch für professionelle Musiker:innen und Produzent:innen. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutiert Waldecker, welches Spannungsverhältnis sich zwischen Digitalität und Authentizität ergeben kann, wie Digitaltechnologien unsere Hörgewohnheiten prägen und welchen Sinn die Unterscheidung „analog“ und „digital“ überhaupt haben kann, wenn wir über das Machen, Hören und Erleben von Musik sprechen.
50 Minuten
Angriffe durch Hacker auf IT-Systeme nehmen seit Jahren zu. Ziel sind kleine und große Unternehmen, staatliche Einrichtungen, auch Privatpersonen. Die Schäden, die dabei entstehen können, sind groß und nicht nur finanzieller Natur: in digitalisierten Umgebungen ist eine widerstandsfähige IT zentrale Voraussetzung für Vertrauenswürdigkeit. Von ihr hängt nicht nur etwa das reibungslose Funktionieren von Produktions- und Lieferketten ab, sondern z. B. auch die Sicherheit der Daten von Kund:innen, Patient:innen und Geschäftspartner:innen. Das wissen eigentlich alle, die sich bewusst mit der Digitalität in ihrem Lebens- und Arbeitsumfeld befassen und sehen die damit verbundenen Risiken. Trotzdem zeigen Studien immer wieder: Fast überall wird zu wenig in IT-Sicherheit investiert. Und, auch das ist interessant: Obwohl mittlerweile Versicherungen gegen „Cyber-Risiken“ angeboten werden, schließen längst nicht alle Unternehmen, deren Integrität von IT-Sicherheit abhängt, eine solche Police ab. Florian Salm ist Experte für Cyber-Risiken bei der Gothaer Allgemeine Versicherung AG und Dozent an der Universität Hamburg. Ulrich Greveler ist Professor für Angewandte Informatik an der Hochschule Rhein-Waal und als Experte für IT-Sicherheit auch Berater und Gutachter für Cyber-Risiken. Die beiden Fachleute erklären im Digitalgespräch aus technischer Sicht und aus Perspektive der Versicherungen, was gute IT ausmacht und wie Unternehmen sie umsetzen können. Sie erklären, wie Versicherungen helfen – nicht nur im Schadensfall, sondern auch beim Schließen vorhandener Sicherheitslücken, bevor etwas passiert. Mit den Gastgeberinnen Marlene Görger und Petra Gehring diskutieren sie, warum IT-Sicherheit in vielen Unternehmen noch immer schwierig zu realisieren ist, wer in einer vernetzten Gesellschaft die Verantwortung für die Sicherheit der Systeme trägt – und was es für die Innovation bedeutet, dass manche Risiken von Zukunftstechnologien und großen IT-Projekten nicht versicherbar sind.