turi2 podcast Archiv
140 Episoden
1 Stunde 6 Minuten
Abbild der Realität: Talks wie dieser sollten 2031 lange überflüssig sein, darauf hoffen alle Teilnehmer*innen der Runde im turi2 Clubraum am Montagabend. Das Plenum diskutiert darin den Weg zu mehr Diversität in der Kommunikationsbranche – und der darf für Kémi Fatoba, freie Journalistin und Daddy-Magazin-Gründerin, nicht an vielfältigeren Führungsetagen in Medienhäusern vorbeiführen. Menschenrechtsaktivist Raúl Krauthausen fordert Journalist*innen dazu auf, Menschen mit Behinderung auch in ihrer Rolle als Chirurg*innen oder Linguist*innen anzusprechen. Er glaubt, dass Firmen ihr Recruiting auch deshalb lieber auf People of Color oder LGBTQ-Talente ausrichten, weil sie Kosten für Rampen oder Braille-Tastaturen scheuen. Dabei braucht es genau diese vielen verschiedenen Blickwinkel, um Medien und Gesellschaft voranzubringen, meint Verlegerin Katarzyna Mol-Wolf. Die “FAZ”-Aufsichtsrätin mahnt gleichzeitig, nicht zu spitz zu diskutieren, um mit der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung Schritt zu halten: “Wir kriegen das Sichtbarmachen ja nicht mal bei den Frauen hin.” Auch Generationsbotschafterin Ulrike Krämer wünscht sich in Sachen Diversität mehr gesetzliche Verpflichtungen für Firmen und sagt: “Wir profitieren alle davon, wenn die Gesellschaft abgebildet ist.” Ganz konkret wird es, als RTL-Social-Redakteurin Nora Pfützenreuter verspricht, den Impuls der blinden Ex-RTL-Mitarbeiterin Andrea Eberl mit zu ihrem Arbeitgeber zu nehmen, Sender und Medienhaus auch hinter den Kulissen barrierefreier zu gestalten. Nachholbedarf auf dem Bildschirm gibt es diesbezüglich im internationalen Vergleich übrigens bei allen privaten TV-Sendern, sagt Podcaster Ralf Podszus ganz zum Schluss – und fragt sich, warum Gebärdensprache nicht längst mediale Realität auf allen Kanälen ist. Das tun wir an dieser Stelle auch. Und freuen uns schon auf den nächsten großen RTL-Blockbuster mit eingeblendeter Gebärdensprach-Dolemtscher*in.
1 Stunde 22 Minuten
Mit allen Sinnen: Zuhören, wie blinde und gehörlose Menschen leben und Social Media nutzen, steht im Mittelpunkt der dritten Ausgabe des Open Innovation Live Podcasts von Richard Gutjahr und Peter Turi im turi2 Clubraum. Bloggerin und Drehbuchautorin Julia Probst, bei Twitter bekannt als @EinAugenschmaus, ist gehörlos, kann über eine Live-Transkription und ihren Gebärdensprache-Dolmetscher aber dennoch an der Diskussion teilnehmen. "Ich war total überrascht, wie viele tolle Themen es hier bei Clubhouse gibt. Das hat die Angst in mir geschürt, Dinge zu verpassen", sagt sie. Die blinde Kinderbuch-Autorin und Microsoft-Mitarbeiterin Franziska Sgoff schätzt an Clubhouse die Möglichkeit, mit der Stimme zu überzeugen: "Hier kann der Mensch einfach sein, wie er ist." Online-Journalist Marko Schlichtung, ebenfalls blind, lobt dass sich die Clubhouse-Entwickler sehr darum bemühen, die App für Blinde nutzbar zu machen: "Das ist für mich gelebte Inklusion." Innerlich zum Köcheln bringt ihn dagegen die häufige Frage zu seiner Blindheit: "Kann man da denn gar nichts machen?" In einen ähnlich Kerbe schlägt Julia Probst, die oft gefragt wird, ob sie nicht gerne hören würde: "Das ist so eine nervige Frage! Das einzige, was ich nicht kann, ist hören. Den Rest kriege ich doch wunderbar hin." Franziska Sgoff wünscht sich, dass Menschen mit und ohne Behinderung mehr miteinander in den Austausch kommen, "um sich gegenseitig besser kennenzulernen und die Lebenserfahrungen des Gegenübers besser zu verstehen". Marko Schlichting warnt jedoch vor ungefragter und ungewollter Hilfe, etwa beim Überqueren der Straße. Außerdem geht es um Cripping up, der Tatsache, dass Schauspieler*innen ohne Behinderung in Filmen Menschen mit Behinderung spielen. Für Julia Probst völlig unverständlich: "Es gibt ganz viele gehörlose Schauspieler*innen, die eine Glanzleistung vollbringen, aber trotzdem nicht angenommen werden." Sie merke, wenn die Behinderung nur gespielt ist, sagt Probst: "Ich habe den Eindruck, dass man da manchmal für doof verkauft wird." Marko Schlichting sagt, behinderte Menschen sollten im Berufsleben ihre Fähigkeiten nicht unter den Scheffel stellen, sondern als Vorteil präsentieren: Er selbst kann bestens in der Nacht arbeiten, weil ihm egal ist, ob es draußen hell oder dunkel ist. Julia Probst ergänzt, Gehörlosen mache in Großraumbüros die Geräuschkulisse nichts aus. Am kommenden Donnerstag will der Open Innovation Live Podcast die eigene Filterblase überwinden und in andere Räume reinhören, "von denen wir am wenigsten Ahnung haben", schlägt Peter Turi zum Schluss vor. turi2.tv (83-Min-Video/-Podcast), turi2.de/podcast, , spotify.com, podcast.apple.com, deezer.com, audionow.de
1 Stunde 5 Minuten
Medienmacher unter sich: OMR-Chef Philipp Westermeyer markiert beim Clubabend mit Peter Turi und der turi2-Community am Mittwochabend den Vollbut-Unternehmer. Westermeyer berichtet, dass sein Team und er in der Pandemie ein neues Geschäftsfeld erschlossen haben: Als Dienstleister betreibt OMR Impfzentren in Hamburg, hat dafür personell auf insgesamt 500 Angestellte aufgestockt. Vor Ort übernähmen seine Leute "alles, was nicht medizinisch ist", zum Beispiel die Datenerfassung. Immerhin gibt es finanziell ein bisschen was aufzuholen: Ein bis zwei Millionen Euro habe das gecancelte OMR-Festival die Firma 2020 gekostet. Jetzt soll es die Online-Corona-Rockstars, darauf hofft Westermeyer, höchstens noch bis Ende des Jahres geben, wenn alle geimpft sind und Live-Events wieder möglich sein könnten. "Allerspätestens im Mai 2022" soll es die Flaggschiff-Veranstaltung wieder geben – die Chancen stehen gut, dass das Durchschnittsalter der Gäste dann deutlich unter dem im Impfzentrum liegen wird. Seinen unternehmerischen Erfolg erklärt Westermeyer mit dem "Fitnessstudio-Effekt": Angefangen habe er – wie einst im Sporti – als "dünner Typ", der null Klimmzüge geschafft hat. "Am Anfang hast du auch als Unternehmer keine Ahnung, weiß noch nicht mal, wie man eine Rechnung schreibt. Dieser Muskel wird aber mit jedem Tag und jedem Monat stärker." Gepumpt hat Westermeyer offenbar auch in Sachen VIP-Akquise für seinen Podcast, darauf weist Ex-"Welt"-Journalist Stephan Dörner im Clubraum hin. Den Grundstein für die Promitisierung habe Talk-Gast Dieter Bohlen gelegt, sagt Westermeyer: "Als ich den Verdacht hatte, das könnte was sein, haben wir weitergemacht." Der Marketing-Mann kündigt außerdem eine Nachfolge-Doku zur Middelhoff-Produktion an, outet sich als E-Mail-Sekretär seiner Mitarbeiter*innen und gibt Tipps fürs Körbe-Verteilen. Dazu tritt mit einem überraschenden Gruß aus der Küche noch Podstars-Mitmischer Tim Mälzer vors Mikrofon. Der fragt sich, was 300 Leute zur Feierabend-Zeit in einer App zu suchen haben. Eine Clubhouse-Kochshow, lieber Tim Mälzer, würde sicher auch zur Mittagszeit irre gut laufen. Wir freuen uns drauf!
21 Minuten
Und im Herbst ein Fest: "Wir wollen uns nicht auf den Heldentaten der Vergangenheit ausruhen." Im Video- und Podcast-Interview mit turi2.tv erklären Wencke Tzanakakis und Nils von der Kall, dass sie zum 75. Geburtstag der "Zeit" lieber nach vorne statt nach hinten gucken. Im Laufe des Jahres sammelt das Blatt "75 Ideen für eine bessere Zukunft" – nicht nur bei Expert*innen, sondern bei seinen Leser*innen. Den Auftakt gibt es in der Jubiläums-Ausgabe, die am Donnerstag erscheint. Bis zum Jahresende soll so "ein Schutzschirm aus Inspiration und Hoffnung" entstehen, sagt Tzanakakis, die das Abonnentenprogramm "Freunde der Zeit" leitet. Für Sie hängt der Erfolg der "Zeit" – das Blatt erreicht aktuell so viele Leser*innen wie noch nie – maßgeblich damit zusammen, dass es inzwischen auf alle "Code words eines bürgerlichen Wissenstandes" verzichtet und "voraussetzungsarm" schreibt – ein Verdienst von Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, sagt Tzanakakis. Als Verlagsleiter für Marketing und Vertrieb setzt Nils von der Kall vor allem auf die "Zeit"-Community als Wachstumsmotor. Er glaubt, dass es das Blatt in den vergangenen Jahren geschafft hat, sich "ein bisschen den Naturgesetzen des Zeitungsmarktes" zu entziehen. Das Wachstum der "Zeit", gerade was die Abonnent*innen angeht, sieht er noch längst nicht am Ende. "Vor zehn Jahren hatten wir noch 100.000 Abonnenten weniger", heute sei das Blatt eine Wachstumsmarke. Im Interview gibt er sich überzeugt, noch mehr Leser*innen zu gewinnen und neue Geschäftsfelder – auch neben der Zeitung – zu erschließen.
60 Minuten
Klein anfangen, groß rauskommen: Am Dienstagabend hat turi2 seinen Clubraum erstmals für das Projekt jobs@turi2 geöffnet – die Partnerbörse für die Kreativwirtschaft. Als Gastgeber war die Hamburger Agentur FischerAppelt auf dem Podium, vertreten durch Mit-Gründer Andreas Fischer-Appelt und Eugenia Lagemann, Chefin von Fischer-Appelt relations. Lagemann erklärt, dass die PR-Branche und ihre Agentur Leute brauchen, “die sehr digital ticken” und wirbt für ihr Trainee-Programm, das alle neuen Mitarbeiter*innen durchlaufen. Die PR-Branche sei längst kein Sammelbecken für Journalist*innen mehr, sagt Fischer-Appelt. In seiner Agentur hätten nur 50 der insgesamt 700 Mitarbeitenden Wurzeln im Journalismus. Auch der Netzwerker und Fachjournalist Nico Kunkel glaubt, dass die PR mehr Gewerke als den Journalismus braucht. Er wünscht sich mehr Quereinsteiger*innen, etwa Menschen mit Wirtschaftsstudium. Wenn eine große, deutsche PR-Agentur für sich als Arbeitgeber trommelt, hört auch die Konkurrenz mit: Auf dem Podium spricht Zuhörer Lars Cords von Scholz & Friends zunächst von seiner Vergangenheit bei FischerAppelt, um gleich hinterher zu erwähnen, dass auch seine Agentur 50 offene Stellen hat. Eine ähnliche Guerilla-Taktik verfolgt Tilo Bonow von Piabo-PR: Er hat zehn offene Stellen zu bieten und via Clubhouse bereits einige Bewerber*innen gefunden. Auch jobs@turi2 geht weiter – am kommenden Dienstag ist die Agentur Serviceplan akustischer Gastgeber der Job-Plattform.
60 Minuten
Die Kurve geht runter: Leider nicht mehr bei den Corona-Zahlen, aber beim Clubhouse-Hype, meinen die Teilnehmer*innen der Montagsrunde im turi2-Clubraum. MDR-Sprecherin Julia Krittian sieht dennoch einen anhaltenden Akustik-Trend: "Die Nachfrage nach Kurzinfos hat abgenommen, weil wir alle spüren, dass man mehr und länger erklären muss. Vielleicht ist das der Grund für den Hype um Audio-Formate." Laut RWE-Pressechef Lothar Lambertz ist zumindest das schriftliche Wortlaut-Interview ein rückläufiges Format. Events sind als Kommunikations-Tool schon weggebrochen, daran erinnert Medientage-Marketerin Kerstin Deixler. Steht jetzt auch das geschriebene Wort kurz vor dem Ableben? Einen solchen Shift in der internen Kommunikation beobachtet Patrick Kammerer von Coca-Cola, sein Team und er greifen auf Corona-Distanz inzwischen ganz selbstverständlich zum Hörer statt in die Tasten zu hauen: "Wir haben keine Lust mehr, lange E-Mails zu schreiben." Für die Deutsche Telekom berichtet zudem Podcast-Chefin Lina Brinkschulte von einem gestiegenen Bedarf nach "nahbarer, authentischer" Kommunikation. "Je ehrlicher, desto erfolgreicher"? Diese einfache Wahrheit über PR gibt Moderatoren-Legende Waldemar Hartmann, Cola Zero statt Weißbier schlürfend, in die Runde. Authentizität könne das gesprochene Wort leisten, meint CEO-Flüsterer Michael Manske von Volkswagen: "Audio ist echter, bringt Nähe." Überhaupt sei der "Hollywood-Filter" weg. Im Hause VW würden Podcasts mit dem Boss schon mal mit Ansteckmikro am Handy produziert. Dass Volkswagen seine Konzern-PR in absehbarer Zukunft nur noch per Audio verbreitet, ist trotzdem eher unwahrscheinlich. Etwa auf Clubhouse eine Meldung mit Schlagkraft zu platzieren, sei schwierig, glaubt Manske: "Außer natürlich, es geht etwas schief." Viel wahrscheinlicher ist indes, dass VW-Boss Herbert Diess bald Clubhouse-Premiere feiert. Wir hätten da mittwochs noch einen Interview-Slot frei.
1 Stunde 4 Minuten
1 Stunde 7 Minuten
Die Sichtbare: Unternehmerin und Profi-Netzwerkerin Tijen Onaran plaudert beim Mittwochs-Clubabend von turi2 mit Peter Turi über Diversität in der deutschen Unternehmenswelt.
1 Stunde 2 Minuten
Der Mix macht's: Social Media zwischen Inspiration und Nerv-Faktor, darüber hat am Montagabend eine Runde aus Journalistinnen und PR-Frauen im turi2 Clubraum bei Clubhouse diskutiert. Einig sind sich Stephanie Tönjes, Content-Strategin der Telekom, Kristin Dolgner, Operativ-Chefin der PR-Agentur hypr, und die Journalistinnen Nalan Sipar, Tess Kadiri und Yasmine M'Barek darüber, dass es ohne soziale Netzwerke nicht geht. Die Schwerpunkte der Diskussions-Teilnehmerinnen unterscheiden sich aber zum Teil erheblich. Stephanie Tönjes etwa schwört auf Linked-in und "Personal Branding" – für sie ist das mehr als Selbstbeweihräucherung, es gehe um Persönlichkeitsentwicklung und die Frage "Wofür möchte ich stehen?". Diese Frage beschäftigt auch Kristin Dolgner, wenn sie PR für Unternehmen macht: "Die Communitys wünschen sich von den Unternehmen eine Haltung, es geht nicht mehr nur um Glossy Fotos und Kampagnen." Für die Journalistinnen Tess Kadiri, Nalan Sipar und Yasmine M’Barek sind Filterblasen in den Netzwerken ein großes Thema. Die deutsch-türkische Journalistin Nalan Sipar hat Angst vor einer gespaltenen Gesellschaft, wie sie sie in der Türkei erlebt, dort gebe es keine öffentliche Debatte mehr. Sie folge in Social Media bewusst Menschen, über deren Beiträge sie sich ärgert, um ihre eigene Filterblase zu durchbrechen. Für Tess Kadiri ist Input, der von außerhalb der sozialen Medien kommt, deswegen so wichtig: Sie begegnet anderen Meinungen und Weltanschauungen im Radio, Fernsehen oder im persönlichen Gespräch und merkt, "aus den Filterblasen muss man raus". Yasmine M’Barek nutzt alle relevanten sozialen Netzwerke: Auf TikTok erfährt sie, wie die ganz jungen Leute ticken, bei Twitter erlebt sie die Journalist*innen-Blase, die sie als "fern der Lebensrealität" bewertet, und auf Instagram sei "alles soft gewaschen" – "der Mix daraus ist für mich persönlich ganz gut".
1 Stunde 10 Minuten
Konstituierende Clubhouse-Session: Mit viel prominent-kollegialere Unterstützung haben Journalist und Blogger Richard Gutjahr und turi2-Gründer Peter Turi am Donnerstagabend ihren "Podcast ohne Namen und Konzept" gestartet. Ihr Ziel: In insgesamt zehn Sessions Inspiration und Ideen für die Nutzung von Audioformaten und Hörräumen zu finden. Die Clubabende laufen jeden Donnerstagabend live auf Clubhouse und tags drauf als turi2-Podcast. Bereits zur Premiere hat sich die turi2-Community aktiv eingebracht – auf dem Podium haben u.a. n-tv-Journalistin Carola Ferstl, der beratende Blogger Thomas Knüwer, die Fotografin Anne Hufnagl, der Neurowissenschaftler Henning Beck und der Immobilien-Unternehmer Konstantin Neven DuMont mitdiskutiert und Einfluss auf das Konzept des Podcasts genommen. So erklärt Henning Beck etwa, dass es bei Clubhouse mehr um Content geht als auf anderen Plattformen, weil kein Bild ablenkt: "Ein Drittel unseres Hirns ist mit der Bildverarbeitung beschäftigt", erklärt der Forscher – das falle hier weg. Zudem sei der Kontakt zu anderen Menschen ein "urmenschliches Bedürfnis", deshalb hält Beck Audio-Räume wie Clubhouse auch nicht für einen kurzlebigen Hype. Fotografin Anne Hufnagl, die u.a. auf der Pioneer One von Gabor Steingart für die Optik sorgt, findet Bilder auf Clubhouse dagegen besonders wichtig, gerade, weil es in der App so wenige davon gibt: "Ich klicke auf Bilder der Leute, die ich ansprechend finde." Auf eine Kritik haben Gutjahr und Turi sofort reagiert: Damit am Ende kein Podcast von alten, weißen Männern entsteht, versprechen sie, sich um die von der Community vorgeschlagenen Frauen als Gäste für die nächsten Ausgaben zu bemühen: Carline Mohr, Sham Jaff, Samira El Ouassil und Maja Göpel. Außerdem soll es, anders als bei der Premiere, keinen rein männlichen Einführungstalk mehr geben.
1 Stunde 4 Minuten
Frischekur für den Kopf: Was die Kreativität befeuert, wenn Reisen und Konferenzen wegfallen, darüber haben sich sechs kluge Gäste im dritten turi2 Clubabend auf Clubhouse Gedanken gemacht. "Jetzt kommt der Moment, wo man merkt, dass Kreative noch etwas anderes brauchen als einen Monitor und viele Gesichter", sagt ADC-Präsidentin und Jung-von-Matt-Kreativchefin Dörte Spengler-Ahrens und spricht von einer schwierigen Zeit für die Agentur-Arbeit. "Man braucht Austausch, Reibung, das Zusammensein, die Zufälle." Vor dem Bildschirm sei die kreative Kraft niedriger als in der physischen Zusammenarbeit. Gabriele Hässig, als Geschäftsführerin bei Procter & Gamble für Kommunikation zuständig, empfiehlt, die Tage im Lockdown nicht durchzuplanen, um Zufälle zuzulassen. Im Clubraum erklärt Hässig zudem, warum ihr Konzern die Büros nicht komplett dicht macht, und weshalb sie auf mittägliche Meetings verzichtet. Eine ihrer persönlichen Maßnahmen gegen den Corona-Blues: tägliches Spazierengehen. Sport-Marketer Michael Trautmann setzt auf dieselbe Ödnis-Prophylaxe – und zieht Energie aus seinen Podcasts. Medien-Multitalent Laura Karasek berichtet aus dem Zug nach Köln von vorwurfsvollen Laptop-Tastaturen, von Glücksgefühlen auf Clubhouse und von der Schwierigkeit, ohne Kneipen-Recherchen Romane zu schreiben. Sie bleibt kreativ, indem sie "viele kluge Texte von vielen klugen Leuten" liest, Serien schaut und manchmal im Hotelzimmer zu lauter Musik tanzt. Digital-Berater und Home-Office-Skeptiker Thomas Knüwer schreitet im Lockdown weiterhin täglich 70 Meter von seiner Wohnungstür ins Büro und schaut dabei zur Kreativ-Inspiration immer mal wieder auf TikTok vorbei. Für neue Ideen, glaubt Vice-Chefredakteur Felix Dachsel, kann es hilfreich sein, sich auch mal explizit über die Lage zu ärgern: "Ich glaube es ist wichtig, die Wut und die Verzweiflung dieser Situation zuzulassen. Dann kommt die Kreativität leichter wieder hervor."
1 Stunde 2 Minuten
Clubraum – find' ich gut: Alexander Birken, CEO der Otto Group, stellt sich im turi2 Clubraum den Fragen von Peter Turi und der turi2 Community – nur zwei Stunden, nachdem er der Clubhouse-App beigetreten ist. Birken fühlt sich im Audio-Chat ohne Bild hörbar wohl: "Das ist ein schöner Vorteil, dass ich nicht darauf achten muss, halbwegs intelligent in die Kamera zu schauen." Andere Social-Media-Dienste nutzt er "sehr passiv", vor allem aus Neugierde, um zu verstehen, wie die verschiedenen Kanäle für Meinungsbildung und Marketing funktionieren. Selbst aktiv ist er kaum, von Ghostwritern, die für CEOs twittern, hält er nichts: "Das interessiert oft keinen, weil es nicht authentisch ist." Ganz authentisch erzählt Birken, wie froh er ist, dass sein Personal Coach ihn zweimal pro Woche "unter die Fittiche nimmt und quält". "Ich brauche diesen Zwang", sagt Birken, der mit Muskel-Aufbautraining seine Rückenschmerzen besiegt hat. Sein Tipp für Disziplin im Home-Office: "Frischluft schnappen! Ich habe noch nie so viele Spaziergänge gemacht, wie in den letzten Monaten." Ein bis zwei Tage in der Woche fährt er ins Büro und ist dort momentan oft "einsamer als zu Hause", weil ein Großteil der Otto-Mitarbeiter*innen derzeit im Mobile-Office ist. Die Abkehr von der Präsenz-Arbeit war bei Otto schon vor der Pandemie ein großes Thema, nun zeigt sich: "Wir kommen da auch an unsere Grenzen." Mit Kita- und Schulschließungen bleibe eine große Last insbesondere an Frauen hängen. "Da gibt es auch keine Pauschal-Lösung. Da muss man individuell gucken: Wie kriegen wir Entlastung für diese Zeit hin?" Ein Team bei Otto arbeitet an Lösungen für hybrides Arbeiten, in denen auch der Firmen-Campus eine Rolle spielt: "Es gibt bestimmte Situationen, da brauche ich Präsenz. Ein Campus ist auch identitätsstiftend", sagt Birken und ist überzeugt: "Eine rein virtuelle Welt kann ich mir genauso wenig vorstellen, wie ein Zurück in eine komplette Präsenz-Welt."
60 Minuten
Full House im Clubhouse: Dass die gehypte Plattform ein großes Experimentier-Labor für das Medien- und Kommunikationspersonal ist, darüber sind sich in der ersten Ausgabe des turi2 Clubraums alle Gäste einig. Vodafone-Sprecher Alexander Leinhos gewinnt Clubhouse etwas regelrecht Intimes ab: "Sprache ist der persönlichste Kanal, den wir haben." Journalistin Marieke Reimann erinnert sich an das erste handfeste Skandälchen des Netzwerks in Deutschland und glaubt, dass die anfängliche Euphorie in der Politik durch den Fauxpas des thüringischen Ministerpräsidenten Bodo Ramelow einen Dämpfer erhalten haben könnte. Darauf, wie sich Clubhouse im Wahljahr 2021 schlägt, ist Digital- und Netzwerk-Expertin Tijen Onaran gespannt. Wer das eigene Blickfeld nicht nur politisch vergrößern möchte, kann es Onaran dort gleichtun: "Ich achte darauf, in Räume von Leuten zu gehen, die ich nicht kenne. Um einen Perspektiv-Wechsel zu bekommen." Radio-Expertin Ina Tenz taucht auf Clubhouse ebenfalls gerne mal in Welten ab, "in denen man sonst nicht unterwegs ist" – wenn sie nicht gerade in Pferdezucht-Gruppen abhängt. Christian Loefert, Kommunikationschef von Telekom Deutschland, wartet auf eine Android-Version zum Mitreden für alle. Und Marketing-Rockstar Philipp Westermeyer macht sich keine Sorgen, dass die Audio-App ihm das Publikum von Konferenzen und/oder Podcasts abgraben könnte. Die OMR-Konferenz werde sie "vielleicht ein paar Besucher kosten". Er bleibt dennoch skeptisch: "Bis das Ding Mainstream ist, wird es noch sehr lange dauern."
1 Stunde 17 Minuten
Nicht nur Likes und Liebe: Gabor Steingart schippert während des digitalen Live-Interviews mit Verleger Peter Turi am Dienstagabend über die Spree in Berlin – und denkt dort laut darüber nach, den "Presseclub" der ARD neu zu erfinden. Wenn es nach ihm geht, soll sich eine Journalist*innen-Runde sonntags nicht mehr "in den Katakomben des WDR", sondern an Deck seines Schiffs treffen, "vielleicht mit einer Dixie-Band". Die Gewinnschwelle will der Medien-Gründer mit seinem Pioneer-Unternehmen 2023 überschreiten, bis dahin sollen jährlich Investments in Millionenhöhe in das Unternehmen fließen, allein 2021 circa 8 Mio Euro. Dass die Einnahmen durch zahlungsbereite Leser*innen oder die Beteiligung namhafter Persönlichkeiten wie geplant sprudeln, daran zweifelt Steingart nicht. Er meint: "Wo Neugierde ist, ist auch Geld". Was andere über ihn denken, blendet er bei seiner Regatta um einen Platz auf dem Medien-Siegertreppchen lieber aus. In Richtung der Leute, denen er 2020 auf die Nerven gegangen ist, sagt er trocken: "Genervt sein ist kein Zustand, da beginnt die Debatte". Richtig "feindliche Gefühle" erlebe er persönlich nur beim Spiegel, gegen den er im Verlauf des Gesprächs gleich mehrfach stichelt. Von seinen eigenen Leser*innen werde er dagegen "in Wärme gebadet". Er glaubt: "Jeder Journalist sollte sich daran messen lassen, dass er Menschen gereizt hat mit dem, was er sagt. Wenn alle ihm nur auf die Schulter klopfen, ist das doch traurig." Anders als Entertainer wie Thomas Gottschalk (der in Media Pioneer investiert hat, wie seit gestern bekannt ist), wolle und müsse er, Steingart, nicht auf Beliebtheit hinarbeiten. Aus seiner Sicht sollten Journalist*innen "wahrhaftig, glaubwürdig, kontrovers und geistreich" sein, "nicht zwingend populär". Monika Schaller, Kommunikationschefin von Deutsche Post DHL, schlägt im Gespräch mit Heike Turi dagegen vergleichsweise ruhige Töne an. Sie berichtet aus ihrem Jahr 2020 und schlägt die Kritik von Globalisierungs-Skeptiker*innen wie Zukunftsforscher Matthias Horx aus: "Mein persönliches Gefühl ist, dass Globalisierung wichtiger ist denn je." Sie erklärt sich als großer Podcast-Fan – und fragt Steingart, was den Kern vom Kern eines richtig guten Podcasts ausmacht. Der antwortet mit einer höher dosierten "Prise Zuversicht", die in anderen Medien aus seiner Sicht zu kurz kommt.