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Auf den Tag genau Archiv

2057 Episoden
13 Minuten
Nachdem sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Weltausstellungen als Leistungsschauen der künstlerischen und technischen Entwicklungen etabliert hatten, kam in Deutschland zur Jahrhundertwende die Idee auf, den technischen Fortschritt der Industrialisierung dauerhaft zu präsentieren. Das „Deutsche Museum von Meisterwerken der Naturwissenschaft und Technik“ in München, kurz „Deutsches Museum“, sollte zum größten deutschen Museum dieser Art werden – und ist es auch noch heute. Hauptinitiator war Bauingenieur und Wasserkraftpionier Oskar von Miller, der seine Kontakte nutzte, um Exponate zusammenzutragen und Geld für den Museumsbau zu sammeln, zu dem 1906 der Grundstein gelegt wurde. In den nächsten zwei Jahrzehnten gab es in provisorisch genutzten Räumlichkeiten Teile der Sammlung zu sehen, bis am 7. Mai 1925, an Oskar von Millers 70. Geburtstag, die endgültige Neueröffnung im eigens für die Sammlungen gebauten Gebäude auf der Münchener Museumsinsel gefeiert wurde. Nahezu alle Zeitungen Hamburgs berichteten darüber. Das Hamburger Echo etwa bot direkt am Eröffnungstag einen ersten Rundgang durchs Museum an. Frank Riede führt uns hindurch.
8 Minuten
Frederick Albert Mitchell-Hedges war ein britischer Abenteurer und Autor, der in Mittel- und Südamerika Entdeckungen und Ausgrabungen machte. Angeblich war er ein Vorbild für die Filmfigur Indiana Jones. Was genau er entdeckte und welche Artefakte er wo und unter welchen Umständen ausgrub, wird sich wohl nicht feststellen lassen. Sein berühmter Kristallschädel zumindest, den er angeblich aus einem Mayatempel hatte, ist mittlerweile als Fälschung enttarnt. Insofern können wir auch keinen Hinweis darauf geben, wie hoch der Wahrheitsgehalt des Berichtes der Altonaer Neuesten Nachrichten vom 6. Mai über Mitchell-Hedges Entdeckungen aus der Maya-Zeit einzuschätzen ist. Die Informationen stammen aus britischen und amerikanischen Zeitungen, in denen er sehr effektiv und geschickt seine Forschungen bewarb und popularisierte, indem er etwa für die entdeckte Stadt den Namen Lubaantun erfand. Der Artikel benutzt die damals gebräuchliche kolonialistische Sammelbezeichnung für alle indigenen Völker des Kontininents. Rosa Leu führt uns zur überwucherten Maya-Stadt.
12 Minuten
Die steigende Bedeutung der professionellen und spezialisierten Reklame für das Wirtschaftsleben war in den 1920er Jahren offenkundig. Und so trieb man diese Branche voran mit einer Leistungsschau im Hause der Funkindustrie am Kaiserdamm in Berlin. Der Hamburgische Correspondent vom 5. Mai 1925 hatte sich auf dieser Reichsreklamemesse umgesehen und berichtete über die Einflüsse aus Amerika und den neuesten Trend: die Kino- und Theaterwerbung. Die politische Werbung spielte allerdings noch keine große Rolle. Frank Riede informiert uns.
7 Minuten
Lorenz Hagenbeck, Jahrgang 1882, war der zweitälteste Sohn des berühmten Hamburger Zoobegründers Carl Hagenbeck. Nach dessen Tod 1913 folgte er dem Vater gemeinsam mit seinem Bruder Heinrich in der Direktion des Tierparks nach. In dieser Funktion wie auch schon zuvor bereiste Lorenz Hagenbeck eifrig die Welt, teils um mit animal shows den heimischen Standort zu finanzieren, teils um auf ihren Touren Wildtiere verschiedenster Art zu erwerben. Von einem dieser Trips nach Nordamerika bzw. einer daran anschließenden Schiffspassage berichtet der Hamburger Zoodirektor in den Altonaer Neuesten Nachrichten vom 4. Mai 1925 und lässt uns anschaulich wissen, dass die Standards für Tiertransporte seinerzeit noch nicht dem entsprachen, was wir davon heutzutage hoffentlich erwarten dürfen. Auf Alligatorenjagd begibt sich für uns Rosa Leu.
9 Minuten
Man kennt das Dilemma aus unseren Tagen: Wenn ein Theatergebäude ein paar Jahrzehnte auf dem Buckel hat, bedarf es irgendwann einer grundlegenden Sanierung, die nicht nur nicht selten auf Jahre das Ausweichen in eine Ersatzspielstätte nötig macht, sondern deren Kosten sich oftmals in schwindelerregenden Höhen bewegen. Bisweilen erscheint dann ein Neubau kaum teurer und zudem – wem muss man das in Hamburg sagen! – natürlich deutlich prestigeträchtiger. Ein reicher Sugar Daddy stand vor einhundert Jahren als Mäzen nicht parat, als das städtische Opernhaus, das Stadttheater an der Dammtorstraße, zunehmend Verschleißerscheinungen aufwies. Dennoch diskutierte man in der Hansestadt auch damals kontrovers über eine neue Oper an ganz anderem Standort. Der Zentralausschuss Hamburgischer Bürgervereine, entnehmen wir dem Hamburgischen Correspondenten vom 3. Mai, hatte dazu eine sehr klar positive Meinung – und sollte sich seinerzeit doch nicht durchsetzen: Der Umbau des Bühnenhauses im Art déco-Stil am alten Standort, bei dem es die Bürgerschaft 1926 schließlich per Beschluss bewenden ließ, ist in seiner Struktur bis heute erhalten. Gleiches gilt bekanntlich auch für die Träume von einem repräsentativen Opernneubau an der Elbe. Es liest Frank Riede.
8 Minuten
Auf der Straße, auf der Schiene, in der Luft – von schweren Verkehrsunglücken mit nicht selten erschreckend hohen Opferzahlen liest man häufig in der Presse von vor einhundert Jahren. Am 2. Mai 1925 war es mal wieder ein Zugunglück, das die Schlagzeilen beherrschte. Was die Entgleisung des D-Zuges D 4 von Eydtkuhnen nach Berlin zu einem Politikum machte, war die Tatsache, dass sich diese Katastrophe mit weit über 20 Toten bei Preußisch-Stargard, dem heutigen Starogard Gdánski, im sogenannten Polnischen Korridor zutrug, also dem schmalen polnischen Landstreifen, den man durchqueren wollte, wenn man aus der deutschen Enklave Ostpreußen ins restliche Reichsgebiet reisen wollte. War die Strecke schlecht gewartet? Oder hatte man es sogar mit Sabotage an den Geleisen zu tun? Dass revisionistische Propagandisten schon in den Startlöchern standen, das Unglück für ihre Zwecke zu instrumentalisieren, lässt sich bereits den ersten, teilweise noch widersprüchlichen Meldungen aus der Bergedorfer Zeitung entnehmen, die Rosa Leu für uns verliest.
7 Minuten
Wer regelmäßiger diesen Podcast hört, weiß längst: Die Fliegerei war in den 1920er Jahren ein großes und auch politisch höchst aufgeladenes Thema. Im Zuge des Versailler Vertrages hatte man auch dem Motorsportflug in Deutschland einen Riegel vorgeschoben; erst jetzt im Jahr 1925 durfte, erstmals seit 1911, wieder ein Deutscher Rundflug ausgetragen werden, bei dem Piloten auf verschiedenen Flugzeugtypen eine Zuverlässigkeitsprüfung absolvieren mussten, die auf fünf Tage angelegt. An jedem dieser Tage galt es eine bestimmte Route abzufliegen, die in Summe, abgesehen von der Enklave Ostpreußen, nahezu alle deutschen Länder berücksichtigten. Welche Schleifen der Deutsche Luftfahrtverband und der Aero-Club von Deutschland als Veranstalter den Teilnehmern abverlangten, weiß der Hamburgische Correspondent vom 1. Mai 1925 – und für uns Rosa Leu.
6 Minuten
Auf dem Gut seiner Schwiegertochter in Groß Schwülper im Kreise Gifhorn in Niedersachsen weilte Paul von Hindenburg, während die Auszählung der zweiten Runde der Reichspräsidentenwahl lief, und erfuhr dort von seinem Wahlsieg. Wie zahlreiche Fans von Hindenburg und Verfechter dessen, wofür er als Kandidat stand, so machte sich auch ein Korrespondent der sich am rechten Rand unseres Zeitungsspektrums befindenden Harburger Anzeigen und Nachrichten auf den Weg nach Groß Schwülper, um dem neuen Präsidenten zu huldigen. Sein Bericht, erschienen am 30. April 1925, ist voller nationalen Pathos und schildert, wie die Menschen zu einem Fackelzug zusammenfanden und an Hindenburg vorbeidefilierten. Uns wird, wenn wir Frank Riede lauschen, klar, dass die unsäglichen Fackelzüge der Nationalsozialisten eine lange Tradition hatten, und auch, warum sie heute nicht mehr zum Repertoire politischer Festveranstaltungen gehören.
7 Minuten
Wenn es ums Geld geht, kann man die Unterdrückung und Benachteiligung der Frauen sehr gut anschaulich machen. Während heute etwa der Gender-Paygap ermittelt werden kann, ging es vor 100 Jahren noch darum, in welchen Berufen Frauen überhaupt Geld verdienen durften, und falls sie sich, was der Normalfall war, um Kinder und Haushalt kümmerten, drehte sich die Debatte darum, welchen Anspruch sie auf ihr eigenes Taschengeld hatten. Diese heute eher verstörende Thematik verhandelte in den Altonaer Neuesten Nachrichten vom 29. April 1925 die 1883 geborene Schriftstellerin Elsa Maria Bud. Rosa Leu liest dieses historische Dokument, welches auch belegt, dass das Taschengeld für Kinder bereits damals nicht unüblich war.
11 Minuten
Der englische Fußballpokal, der FA Cup, wurde erstmals 1871/72 ausgetragen und ist somit der älteste Fußball-Wettbewerb der Welt. Seit 1923 wurde sein Finale alljährlich im neuerrichteten London Wembley-Stadion ausgetragen, in dem am 25. April 1925 mit Sheffield United und Cardiff City zwei Mannschaften aufeinandertrafen, die sich in der englischen Meisterschaft in jenen Jahren meist eher im Mittelfeld der Tabelle wiederfanden. Mit dabei war auch der Hamburger Anzeiger, dessen Leserinnen und Leser am 28. April nicht nur erfuhren, dass die Männer aus Yorkshire am Ende so knapp wie verdient mit 1:0-über die aus Wales triumphierten (und sich damit den bis heute letzten Titel in der Vereinsgeschichte von Sheffield United sicherten). Vor allem erhielten sie einen äußerst lebhaften Eindruck von britischem Sportsmannsgeist und der bereits damals weit entwickelten Fußball-Fankultur auf der „Insel“. Mit dabei für uns war Rosa Leu.
10 Minuten
Nun war es tatsächlich passiert: 14.639.399 Deutsche hatten beim zweiten Durchgang der Reichspräsidentenwahl für den greisen Feldmarschall Paul von Hindenburg votiert und diesen damit zum Nachfolger des verstorbenen Sozialdemokraten Friedrich Ebert gewählt. Der Kandidat der Weimarer Koalition Wilhelm Marx vom Zentrum kam nur auf 13.752.640 Stimmen und entbehrte schmerzlich die knapp zwei Millionen Stimmen, die an den kommunistischen Kandidaten Ernst Thälmann gegangen waren. Die republikanischen Zeitungen erwachten am 27. April in einer Art Schockstarre. Der Hamburger Anzeiger versuchte sich dennoch bereits an einer Analyse und auch in seltsam vertrauter Weise daran, sich und seinen Leserinnen und Lesern Mut zu machen, dass sich dieser republikfeindliche Rechtsruck auch wieder umkehren lasse. Wie, weshalb und warum, erläutert für uns Frank Riede.
5 Minuten
Sonntage waren im Hamburg der Weimarer Republik keine Zeitungstage. Zu den wenigen Blättern, die hier überhaupt mit einer Ausgabe herauskamen, zählte das sozialdemokratische Hamburger Echo, das den Wahltag des 26. April 1925 wenig überraschend mit einem letzten Appell eröffnete, an die Urnen zu streben und das Schlimmste, die Wahl Paul von Hindenburgs, zu verhindern. Dass man mit einer Parteizeitung am Wahlmorgen nicht unbedingt mehr Unentschlossene direkt erreichte, war den Leitartiklern dabei wohl bewusst; ihr Aufruf richtete sich deshalb auch vielmehr an die längst Festentschlossenen, ihrerseits als Multiplikatoren zu wirken und letzte weniger gefestigte Wählerinnen und Wähler in ihrem Umfeld gleichsam auf den letzten Metern zum Wahllokal noch ein- oder umzustimmen. Mit welchen rhetorischen Mitteln man das tat, weiß Rosa Leu.
9 Minuten
Im Jahr 1925 jährte sich zum eintausendsten Mal die Unterwerfung Gieselberts von Lothringen unter den Ostfranken-König Heinrich I., der Lothringen hernach neben Franken, Schwaben, Sachsen und Bayern zum fünften Stammesherzogtum im Reich erhob. Im Grunde handelte es sich hierbei nur um die Wiederherstellung der territorialen Verhältnisse aus der Zeit Karls des Kahlen ein halbes Jahrhundert zuvor, der in den folgenden Jahrhunderten etliche neuerliche Grenzverschiebungen zwischen Frankreich und Deutschland folgen sollten. Dennoch hatte man sich in der Weimarer Republik entschieden, das eher willkürliche Datum 925 zum Anlass für einen großen Jubiläumsmarathon zu nehmen, mit dem man der Erschließung der deutschen Rheinlande mit Ausstellungen, Festen und Sternfahrten gedenken wollte. Der Verdacht liegt nahe, dass es hierbei vor allem um ein Zeichen an Frankreich gehen sollte, das noch immer weite Teile eben dieser Rheinlande besetzt hielt. Die Bergedorfer Zeitung zeigt sich in ihrer Ausgabe vom 25. April indes nicht nur patriotisch ergriffen, sondern auch von der nüchtern-ökonomischen Hoffnung beseelt, dass die Jahrtausendausstellung der rheinischen Tourismusindustrie zugute käme. Es liest ein echter Rheinländer: Frank Riede.
12 Minuten
Über die Zahl der Unentschlossenen gab es am 24. April 1925, zwei Tage vor dem zweiten und entscheidenden Durchgang bei den deutschen Reichspräsidentenwahlen, anders als heute, kaum belastbare Umfragedaten. Dennoch oder vielleicht gerade deswegen zogen die Leitartikler noch ein letztes Mal los, die Zweifelnden und Schwankenden von den besseren Argumenten zu überzeugen. Der Hamburger Anzeiger ging dabei weit in der Geschichte zurück, um dort eine fatale Neigung zu in Deutschland identifizieren, sich im Zweifelsfall, statt vom Verstand, von Gefühlen, und dabei allzu oft auch noch von den falschen leiten zu lassen. Wie richtig er mit dieser Ahnung lag, sollte sich 48 Stunden bestätigen. Frank Riede ist für uns noch voller Hoffnung.
8 Minuten
Die kommunistische Untergrundorganisation, der die Weimarer Presse den Namen Deutsche Tscheka gab, plante politische Morde, Sprengstoffattentate, und weitere Aktionen, die das Deutsche Reich destabilisieren sollten, um einen kommunistischen Umsturz herbeizuführen. Sie verübte allerdings lediglich einen Mord an einem Mitglied der Gruppe, das man verdächtigte, ein Spitzel zu sein. Die Gruppe war, inklusive ihrer Verbindungen nach Russland, aufgeflogen und es wurde über sie vor dem Volksgerichtshof in Leipzig geurteilt. Die Harburger Anzeigen und Nachrichten vom 23. April 1925 berichteten von der Urteilsverkündung. Die aktiven Mitglieder, die teilweise die Planungen zugaben, wurden zu Tode verurteilt. Wahrscheinlich könnte man auch an diesem Urteil zeigen, dass die Justiz geplante Gewalt von links schärfer bestrafte, als tatsächliche rechte Gewalt. Allerdings wurden diese Urteile nicht vollstreckt, ein Teil der Verurteilten wurde im Austausch gegen unter Spionageverdacht verhaftete deutsche Studenten an Russland übergeben. Es liest Rosa Leu.
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