Auf der Bestenliste stehen im November die aktuellen Bücher von
Dana Vowinckel, Sarah Elena Müller, Shida Bazyar, Yael Inokai und
Sonja Sophie Kreis. Wir stellen die nominierten Titel vor.
Vordergründig ist «Anton und Alma» die turbulente Liebesgeschichte
zwischen Anton, der in einer jüdischen Akademikerfamilie in Berlin
aufwächst, und Alma, die aus einem Vorort im Osten Berlins stammt,
und nicht zufällig Bormann mit Nachnamen heisst – wie ein enger
Vertrauter Hitlers. Aber es geht um weit mehr: In einer Welt voller
persönlicher und gesellschaftlicher Katastrophen, kann man es da
als Mensch überhaupt noch „richtig“ machen im Leben? Welche Rolle
spielt Religion dabei – und was ist, wenn andere damit nicht
einverstanden sind? Im zweiten Roman «Unwucht» der Schweizer
Autorin Sarah Elena Müller geht es um die Beziehung zwischen zwei
jungen Erwachsenen: Er ist suchtkrank, sie ist
Überlebenskünstlerin. Die Beziehung ist schmerzvoll und belastend.
Jahre später, längst hat man sich getrennt, versucht die Frau,
einen Umgang mit dem Erlittenen zu finden, indem sie darüber
schreibt. Doch dadurch entstehen neue Probleme und brennende
Fragen: Wer hat die Deutungsmacht über das Gewesene? Der neue Roman
von Shida Bazyar ist erschreckend aktuell. «Die Lücken» erzählt von
einem fiktiven Dorf und seinen Bewohnerinnen und Bewohnern:
Figuren, die aus dem Dorf verschwunden, geblieben oder neu
hinzugekommen sind. Der Roman verdichtet neunzig Jahre Geschichte,
springt zwischen den Zeiten und legt nach und nach frei, worüber
lange geschwiegen wurde. Es geht um die NS-Vergangenheit und um
ihre Schatten, die bis in die Gegenwart reichen. Eine Gegenwart, in
der Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg, Familien aus Iran in
diesem fiktiven Dorf auf ein neues Zuhause hoffen. Yael Inokai lebt
seit vielen Jahren in Berlin. Dort spielt auch ihr neuer, nunmehr
vierter Roman, der Krimi «Die Auster». Die Handlung: Dr. Joachim
Bronstett, schwerreicher Geschäftsführer eines Luxus-Kaufhauses,
wird eines Morgens tot in seiner Villa aufgefunden, und zwar von
seiner Putzfrau. Doch anstatt die Polizei zu rufen, tut sie, was
sie immer tut: Sie putzt. Überaus gründlich… Anna besucht ihren
Bruder in Grönland, der aber irgendwo im Landesinnern festsitzt.
Beim Warten notiert sie Erinnerungen an ihre Familie. Im Zentrum
von «Das grosse Eis» von Sonja Sophia Kreis steht Annas Mutter, die
nach dem Krieg von der deutschen auf die Schweizer Bodenseeseite
geheiratet hatte und dort unglücklich wurde. Über vier Generationen
spannt sich die Erzählung und enthüllt das Bild einer Familie, in
der über alles geschwiegen wird und alle einsam sind. Das grosse
Eis in Grönland wird so zum Spiegel für die innerlichen
Vergletscherungen. · Sarah Elena Müller. Unwucht. 336 Seiten.
Limmat, 2026. · Dana Vowinckel. Anton und Alma. 542 Seiten.
Suhrkamp, 2026. · Yael Inokai. Die Auster. 224 Seiten. Hanser
Berlin, 2026. · Shida Bazyar. Die Lücken. 512 Seiten. Kiepenheuer
& Witsch, 2026. · Sonja Sophie Kreis. Das grosse Eis. 256
Seiten. Rowohlt Berlin. 2026 Die Bestenliste wird jeden Monat von
einer Fachjury bestimmt. Zur Jury gehören rund 50
Buchkritikerinnen, Bibliothekare, Buchhändlerinnen,
Literaturwissenschaftler und Vertreterinnen von literarischen
Institutionen. An der Erstellung der Bestenliste November 2026
waren 29 Jurymitglieder beteiligt, die insgesamt 452 Punkte
vergeben haben.
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