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Sekunden sprechen. Du hörst echte Stimmen aus der ganzen Welt –
mit der Übersetzung in Deine Sprache zum Mitlesen. Yella gibt es
für 19 Sprachen. Ich habe es ausprobiert und es macht richtig
Spaß! Ich stelle den Link in die Shownotes, dann kannst Du direkt
zu Yella
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Und jetzt zur Episode:
Ich weiß noch, dass meine Cousine aus den USA mal zu Besuch bei
mir war und unbedingt die berühmte deutsche Autobahn sehen
wollte. Sie war enttäuscht. Sie kommt aus Los Angeles, und dort
gibt es ja 10-spurige Straßen, alles ist riesig. Die Autobahn,
die ich ihr gezeigt habe, hatte nur zwei Spuren und war eher
langweilig. Was aber wirklich so ist: Auf vielen Strecken gibt es
kein allgemeines Tempolimit. Das bedeutet, dass Autofahrer dort
so schnell fahren können, wie sie wollen. Und manche wollen sehr,
sehr schnell fahren. Da kann es also passieren, dass ein Auto
mich mit 230 km/h überholt.
Und da kommen wir auch schon zum Problem: Manche Autos und vor
allem auch die LKW fahren natürlich sehr langsam. Vernünftig sind
90 km/h um Benzin zu sparen. Wenn aber ein Auto 90 fährt und das
andere 230 – dann kann es gefährlich werden. Und noch etwas: Zwar
gelten an vielen Stellen Geschwindigkeitsbegrenzungen, aber auf
anderen Abschnitten gibt es keine. Deshalb wird seit vielen
Jahren darüber diskutiert, ob Deutschland ein allgemeines
Tempolimit einführen sollte.
Wie immer der Blick in die Geschichte: Die erste Autobahn wurde
in Deutschland nicht während der Zeit des Nationalsozialismus
gebaut, wie viele Menschen glauben. Bereits 1932 wurde die
Strecke zwischen Köln und Bonn eröffnet. Heute heißt sie Autobahn
A555. Allerdings wurden die Autobahnen später von der
nationalsozialistischen Regierung stark ausgebaut und für ihre
Propaganda genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand das
heutige Autobahnnetz Schritt für Schritt weiter. Inzwischen
umfasst es mehr als 13.000 Kilometer und gehört zu den längsten
Autobahnnetzen Europas.
In den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg gab es nur wenige Autos.
Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der 1950er- und 1960er-Jahre
konnten sich jedoch immer mehr Menschen ein eigenes Fahrzeug
leisten. Das Auto wurde zu einem Symbol für Freiheit und
Wohlstand. Viele Familien fuhren mit dem Auto in den Urlaub oder
besuchten Verwandte in anderen Teilen Deutschlands.
Schon damals stellte sich die Frage nach der Verkehrssicherheit.
Mit mehr Autos stieg auch die Zahl der Unfälle. Deshalb wurden
nach und nach verschiedene Verkehrsregeln eingeführt. Die
Gurtpflicht kam in den 1970er-Jahren, später wurden Airbags,
bessere Bremsen und andere Sicherheitssysteme entwickelt. Auch
die Straßen selbst wurden sicherer.
Während der Ölkrise im Jahr 1973 führte die Bundesregierung
vorübergehend ein Tempolimit von 100 Kilometern pro Stunde auf
Autobahnen ein. Damals wollte man Kraftstoff sparen. Außerdem gab
es an mehreren Sonntagen sogar Fahrverbote für private Autos.
Diese Maßnahmen galten allerdings nur für kurze Zeit.
Im Jahr 1978 wurde in Deutschland die sogenannte
Richtgeschwindigkeit eingeführt. Sie beträgt 130 Kilometer pro
Stunde. Eine Richtgeschwindigkeit ist jedoch keine verpflichtende
Höchstgeschwindigkeit. Wer schneller fährt, wird nicht bestraft.
Es ist also nur ein Vorschlag. Kommt es allerdings zu einem
Unfall, kann eine deutlich höhere Geschwindigkeit schon eine
Rolle spielen.
Aber kann man nun überall in Deutschland auf der Autobahn rasen,
wie man möchte? Nein. Heute gibt es auf vielen
Autobahnabschnitten feste Tempolimits. Gründe dafür können
Baustellen, dichter Verkehr, Lärmschutz oder gefährliche Strecken
sein. Nur auf einem Teil der Autobahnen kann tatsächlich ohne
allgemeines Tempolimit gefahren werden.
Die Diskussion über ein allgemeines Tempolimit wird in
Deutschland sehr unterschiedlich geführt. Ein wichtiges Argument
der Befürworter ist die Verkehrssicherheit. Sie verweisen darauf,
dass bei sehr hohen Geschwindigkeiten der Bremsweg länger wird
und schwere Unfälle häufiger tödlich enden können. Außerdem könne
ein einheitliches Tempolimit dazu beitragen, dass sich die
Geschwindigkeitsunterschiede zwischen den Fahrzeugen verringern.
Ich persönlich würde noch hinzufügen, dass es so weniger stressig
wäre, auf deutschen Autobahnen zu fahren. Ich genieße es, wenn
ich in den USA oder den Niederlanden Auto fahre, weil es dort
viel entspannter ist.
Ein weiteres Argument betrifft den Klimaschutz. Autos verbrauchen
bei höheren Geschwindigkeiten deutlich mehr Kraftstoff. Dadurch
entstehen auch mehr Kohlendioxid-Emissionen. Verschiedene Studien
kommen zu dem Ergebnis, dass ein Tempolimit die Emissionen des
Straßenverkehrs verringern könnte. Wie groß dieser Effekt wäre,
wird allerdings unterschiedlich eingeschätzt.
Auch der Lärm spielt eine Rolle. Schnell fahrende Autos
verursachen mehr Fahrgeräusche. Für Menschen, die in der Nähe
einer Autobahn wohnen, könnte ein Tempolimit deshalb die
Lärmbelastung reduzieren.
Die Gegner eines Tempolimits haben ebenfalls verschiedene
Argumente. Viele sehen die freie Geschwindigkeit auf Teilen der
Autobahn als Besonderheit Deutschlands. Sie betonen, dass moderne
Autos sehr sicher seien und viele Fahrer verantwortungsvoll
unterwegs seien. Manche halten ein allgemeines Tempolimit deshalb
für unnötig. Wir müssen dabei einfach festhalten, dass
Deutschland ein Autoland ist, viele Deutsche lieben ihre Autos
sehr und es ist ein wichtiges Statussymbol, vor allem bei der
Generation X.
Andere argumentieren, dass viele Autobahnen bereits heute
begrenzt sind und der Verkehr auf den freien Abschnitten oft so
dicht ist, dass hohe Geschwindigkeiten ohnehin selten möglich
sind. Sie glauben deshalb, dass ein allgemeines Tempolimit nur
einen geringen Unterschied machen würde.
Auch wirtschaftliche Argumente werden genannt. Deutschland ist
ein wichtiges Land für die Automobilindustrie. Manche befürchten,
dass ein Tempolimit das Image besonders leistungsstarker
Fahrzeuge verändern könnte. Andere Experten halten diesen
Einfluss dagegen für eher gering, weil die meisten Autos auch in
Länder verkauft werden, in denen Tempolimits selbstverständlich
sind.
Interessant ist ein Blick auf andere Staaten. Fast alle
europäischen Länder haben ein allgemeines Tempolimit auf
Autobahnen. In Frankreich beträgt es bei normalem Wetter meist
130 Kilometer pro Stunde, in Österreich in der Regel ebenfalls
130 Kilometer pro Stunde. In den Niederlanden gilt tagsüber auf
Autobahnen meist eine Höchstgeschwindigkeit von 100 Kilometern
pro Stunde, nachts auf vielen Strecken 130 Kilometer pro Stunde.
Deutschland ist deshalb international eine Ausnahme.
Regelmäßig beschäftigen sich auch Politiker mit diesem Thema. Im
Deutschen Bundestag wurde bereits mehrfach über ein allgemeines
Tempolimit diskutiert. Bisher konnte sich jedoch keine Mehrheit
für eine entsprechende Gesetzesänderung finden. Deshalb gilt
weiterhin die heutige Regelung mit der Richtgeschwindigkeit von
130 Kilometern pro Stunde und den zahlreichen streckenbezogenen
Tempolimits.
Ich fahre freiwillig mit einem Tempolimit. Erstens kann mein
kleines Auto gar nicht so schnell fahren. Zweitens möchte ich
nicht so viel Geld für Benzin ausgeben. Drittens möchte ich
entspannt ankommen und möglichst keinen Unfall bauen. Und
viertens habe ich auf vielen Abschnitten gemerkt, dass man sich
durch schnelleres Fahren wirklich selten einen Vorsprung
verschafft. Oft trifft man sich dann an einer roten Ampel bei
einer Ausfahrt wieder.
Text der Episode als
PDF:https://slowgerman.com/folgen/sg326kurz.pdf
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