In Berlin wurde gerade gewählt. Sehr stark war dabei die Partei
„Die Linke“. Ihr Hauptthema im Wahlkampf war bezahlbares Wohnen.
Die Linke möchte Wohnungen von großen Konzernen
„vergesellschaften“. Das bedeutet, dass sozusagen Berlin den
Konzernen die Wohnungen abkaufen würde. Sie würden dann der
Gesellschaft, also uns allen, gehören. Jemand hat ausgerechnet,
dass das bis zu 36 Milliarden Euro kosten würde.
Und warum wollen die Berlinerinnen und Berliner das? Weil sie
heute, im Jahr 2026, ungefähr 70 Prozent mehr Miete bezahlen
müssen als vor zehn Jahren. Obwohl sie nicht so viel mehr
verdienen und auch andere Kosten gestiegen sind. Grund genug,
dass wir heute mal über die Wohnungssuche in Deutschland
sprechen.
Wer heute in Deutschland eine Wohnung sucht, braucht oft viel
Geduld. Besonders in großen Städten wie München, Berlin, Hamburg
oder Frankfurt ist es schwierig, eine bezahlbare Wohnung zu
finden. Viele Menschen bewerben sich gleichzeitig auf dieselbe
Wohnung. Manchmal kommen mehr als hundert Interessenten zu einer
einzigen Besichtigung. Deshalb wird häufig gefragt: Warum ist
Wohnen in Deutschland so teuer?
Früher war die Situation anders. Nach dem Zweiten Weltkrieg
herrschte in Deutschland eine große Wohnungsnot. Viele Häuser
waren zerstört worden, und Millionen Menschen hatten keine
Wohnung mehr. In den 1950er- und 1960er-Jahren begann deshalb ein
umfangreicher Wohnungsbau. Der Staat unterstützte den Bau neuer
Wohnungen. In vielen Städten entstanden ganze Wohnviertel. Damals
ging es vor allem darum, möglichst schnell genügend Wohnraum zu
schaffen.
In den folgenden Jahrzehnten verbesserte sich die Lage. Neue
Wohnungen wurden gebaut, und viele Familien konnten sich ein
eigenes Haus leisten. Gleichzeitig lebten die Menschen oft anders
als heute. Familien waren größer, und mehrere Kinder teilten sich
häufig ein Zimmer. Heute wohnen mehr Menschen allein oder zu
zweit. Dadurch werden mehr Wohnungen benötigt, obwohl die
Bevölkerung nicht im gleichen Maß wächst.
Ein weiterer wichtiger Unterschied ist, dass Deutschland ein Land
mit vielen Mietern ist. In vielen anderen europäischen Ländern
besitzen deutlich mehr Menschen ihre eigene Wohnung oder ihr
eigenes Haus. In Deutschland lebt dagegen mehr als die Hälfte der
Bevölkerung zur Miete. Deshalb spielt der Mietmarkt eine
besonders große Rolle.
Seit den 1990er-Jahren sind viele Städte für neue Bewohner
attraktiver geworden. Universitäten wachsen, Unternehmen schaffen
Arbeitsplätze, und immer mehr Menschen ziehen in die Großstädte.
Dort gibt es oft bessere Chancen auf einen Job, ein Studium oder
kulturelle Angebote. Gleichzeitig entstehen aber nicht immer
genügend neue Wohnungen. Ich merke das hier in München schon seit
vielen Jahren. In München haben sich Firmen wie Google und Apple
niedergelassen. Bei Google sind das 1500 neue Arbeitsplätze. All
diese Menschen brauchen Wohnungen. Sie verdienen gut, also
steigen auch die Mieten. Für die Menschen mit weniger Geld wird
es also schwieriger, bezahlbare Wohnungen in der Innenstadt zu
finden.
Wenn viele Menschen eine Wohnung suchen, das Angebot aber klein
ist, steigen die Preise. Dieses einfache Prinzip kennt man auch
aus anderen Bereichen der Wirtschaft. Besonders deutlich sieht
man es in beliebten Stadtteilen. Dort sind Wohnungen oft schnell
vermietet, und die Mieten steigen weiter.
Auch die Baukosten haben sich verändert. Heute sind Materialien
wie Holz, Stahl oder Beton häufig teurer als früher. Außerdem
gelten strengere Vorschriften für Energieeffizienz, Brandschutz
und Schallschutz. Diese Regeln haben viele Vorteile, machen den
Bau neuer Häuser aber oft teurer. Hinzu kommen höhere Kosten für
Grundstücke, Handwerker und Kredite.
Besonders seit dem starken Anstieg der Zinsen in den Jahren 2022
und 2023 ist der Wohnungsbau schwieriger geworden. Viele
Bauprojekte wurden verschoben oder ganz abgesagt, weil die
Finanzierung teurer wurde. Dadurch entstanden weniger neue
Wohnungen als geplant.
Ein weiterer Begriff, der oft in den Nachrichten vorkommt, ist
der soziale Wohnungsbau. Dabei handelt es sich um Wohnungen, die
mit staatlicher Unterstützung gebaut werden. Sie sind für
Menschen mit geringem Einkommen gedacht und haben meist
niedrigere Mieten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in
Deutschland sehr viele Sozialwohnungen gebaut. Später sank ihre
Zahl jedoch, weil viele Wohnungen nach einer bestimmten Zeit
nicht mehr an diese Regelung gebunden waren. Heute versuchen
Bund, Länder und Kommunen wieder, mehr sozialen Wohnungsbau zu
fördern.
In Deutschland gibt es außerdem verschiedene Gesetze zum Schutz
von Mietern. Die Kündigung einer Wohnung ist zum Beispiel nicht
einfach möglich. Außerdem gibt es in einigen Regionen die
sogenannte Mietpreisbremse. Sie soll verhindern, dass die Mieten
bei einer Neuvermietung sehr stark steigen. Die Wirkung dieser
Regel wird allerdings unterschiedlich bewertet. Manche Experten
halten sie für hilfreich, andere glauben, dass sie das Problem
allein nicht lösen kann.
Nicht nur die Miete selbst ist teurer geworden. Wer eine Wohnung
mietet, muss meistens auch Nebenkosten bezahlen. Dazu gehören zum
Beispiel Heizkosten, Wasser, Müllabfuhr und andere
Betriebskosten. Vor allem die Energiepreise haben sich in den
vergangenen Jahren zeitweise deutlich erhöht. Dadurch stiegen für
viele Haushalte die gesamten Wohnkosten.
Auch Ferienwohnungen spielen in manchen Städten eine Rolle.
Wohnungen, die an Touristen vermietet werden, stehen den
Einwohnern nicht mehr dauerhaft zur Verfügung. Einige Städte
haben deshalb Regeln eingeführt, um die Umwandlung normaler
Wohnungen in Ferienwohnungen zu begrenzen.
Interessant ist auch, dass sich die Situation innerhalb
Deutschlands stark unterscheidet. In einigen ländlichen Regionen
gibt es leer stehende Häuser und Wohnungen. Dort suchen Gemeinden
manchmal sogar neue Einwohner. In großen Städten dagegen ist
Wohnraum knapp. Deshalb ziehen manche Menschen bewusst etwas
weiter aufs Land und pendeln jeden Tag zur Arbeit.
Die Wohnungssuche gehört für viele Menschen inzwischen zu den
größten Herausforderungen beim Umzug. Wer sich auf eine
Mietwohnung bewirbt, bringt oft verschiedene Unterlagen mit. Dazu
gehören zum Beispiel Gehaltsnachweise, eine Schufa-Auskunft und
manchmal auch eine Bescheinigung des bisherigen Vermieters. Vor
allem in Städten mit vielen Bewerbern möchten Vermieter möglichst
viele Informationen über ihre zukünftigen Mieter haben.
Auch Wohngemeinschaften, kurz WGs, sind in Deutschland sehr
beliebt. Mehrere Menschen teilen sich dabei eine Wohnung und
bezahlen gemeinsam die Miete. Besonders Studierende entscheiden
sich oft für diese Wohnform, weil sie günstiger ist als eine
eigene Wohnung. Viele junge Berufstätige wohnen ebenfalls einige
Jahre in einer WG.
Noch ein Beispiel aus meiner eigenen Stadt München: Wir haben
einen neuen Oberbürgermeister. Er ist sehr jung und gehört zur
Partei „Die Grünen“. Er heißt Dominik Krause. Und dieser OB
versucht nun, aus leerstehenden Büros Wohnungen zu machen. In
München gibt es nämlich viele leerstehende Büros. Durch die
Pandemie arbeiten viele Menschen im Homeoffice, es werden nicht
mehr so viele Büros gebraucht. Also kann man versuchen, diese
umzubauen – damit Menschen darin wohnen können. 10.000 neue
Wohnungen sollen so entstehen. Ich bin gespannt, ob es klappt.
Text der Episode als PDF:
https://slowgerman.com/folgen/sg325kurz.pdf
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