Im Flur. Eine kleine Pfütze. Sieben Menschen gehen vorbei. Alle
sehen sie. Und keiner bleibt stehen.
In dieser Folge geht es um einen Gedanken, der sich wie Vertrauen
anfühlt. Und doch niemanden schützt. Auch nicht deine Leute.
Du erfährst, warum mehr Augen weniger bewirken. Warum Ruhe
ansteckender sein kann als Alarm. Und warum die wirksamste
Gegenmaßnahme fast lächerlich einfach klingt.
Am Ende hast du eine Aufgabe. Sie dauert einen Rundgang. Und sie
beginnt dort, wo du jeden Tag vorbeigehst.
Kontaktaufnahme über E-Mail:
Bitte schreibt mir einige Sätze, wo ihr Unterstützung braucht.
Wir vereinbaren einen Telefontermin und besprechen Weiteres.
Bitte schreibe an:
epsilon-gruppe-6h@icloud.com
Ich freue mich über Deine Kontaktaufnahme.
Drei Reflexionsfragen für Dich:
Wo in meinem Bereich sind alle zuständig, und damit in
Wahrheit niemand?
Wie habe ich zuletzt reagiert, als jemand etwas gemeldet
hat, das sich als harmlos erwies?
Woran könnte mein Team erkennen, dass Hinsehen bei uns
erwünscht ist, außer daran, dass ich es sage?
Goldnuggets
Je mehr Menschen etwas sehen, desto unwahrscheinlicher
handelt der Einzelne. Das liegt nicht an Gleichgültigkeit,
sondern an Verantwortungsdiffusion: Auf sieben Menschen verteilt,
fühlt sich jeder nur zu einem Siebtel zuständig, und das bewegt
niemanden. Latané und Darley zeigten das im Rauch-Experiment:
allein reagierten die meisten schnell, in der Gruppe oft gar
nicht.Die Ruhe der anderen wirkt wie eine
Entwarnung. Wer sieht, dass erfahrene Kolleginnen nicht
reagieren, schließt daraus, dass alles normal ist, und sendet mit
der eigenen Ruhe dieselbe falsche Botschaft zurück. So bleiben
offene Medikamentenschränke, verstellte Fluchtwege oder ein
verrutschter Ton liegen. Und die stärkste Entwarnung im Haus sendet
die Leitung, wenn sie selbst vorbeigeht.Aus „irgendjemand“
muss ein Name werden. Namentliche Ansprache statt „Kann
das mal jemand?“, Zuständigkeiten vor dem Ereignis klären und jede
Meldung wertschätzen, auch wenn sie sich als harmlos herausstellt.
Der Effekt ist ein Strukturproblem, kein Charakterproblem, und er
wird schwächer in eingespielten Teams. Wo Menschen schlicht am
Limit sind, hilft allerdings kein Name, sondern eine ehrliche
Personalrechnung.
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