Das Neue Testament ist nicht nur ein Buch der Sanftmut,
Barmherzigkeit und Nächstenliebe. Das zeigt das Tagesevangelium aus
Lukas 11,47–54, in dem Jesus scharfe Worte gegen Pharisäer und
Schriftgelehrte richtet. Für Sandra Huebenthal, Professorin für
Exegese und biblische Theologie an der Universität Passau, ist es
wichtig, diesen Text im Zusammenhang zu lesen. Jesus wirft den
Pharisäern vor, den Zugang zur Erkenntnis zu versperren. Sie
errichten Denkmäler für die Väter, die die Propheten ermordet haben
und bestätigen damit aus seiner Sicht die Taten ihrer Vorfahren,
statt sich mit den Opfern zu solidarisieren. Vom Mord an Abel bis
zum Blut des Zacharias spannt der Text einen Bogen durch die
Geschichte menschlicher Ungerechtigkeit. Jesu Vorwurf wiegt
besonders schwer, weil die Schriftgelehrten anderen den Schlüssel
zur Erkenntnis vorenthalten. Dabei ist Jesus im Lukasevangelium
gekommen, um Verlorene zu suchen und zu retten. Seine Botschaft
markiert eine Zeitenwende und fordert dazu auf, das eigene Denken
zu ändern und sich der Nähe Gottes anzuvertrauen.Aus dem Evangelium
nach Lukas:In jener Zeit sprach Jesus: Weh euch! Ihr errichtet
Denkmäler für die Propheten, die von euren Vätern umgebracht
wurden. Damit bestätigt und billigt ihr, was eure Väter getan
haben. Sie haben die Propheten umgebracht, ihr errichtet ihnen
Bauten. Deshalb hat auch die Weisheit Gottes gesagt: Ich werde
Propheten und Apostel zu ihnen senden und sie werden einige von
ihnen töten und andere verfolgen, damit das Blut aller Propheten,
das seit der Erschaffung der Welt vergossen worden ist, von dieser
Generation gefordert wird, vom Blut Abels bis zum Blut des
Zacharías, der zwischen Altar und Tempelhaus umgebracht wurde. Ja,
das sage ich euch: An dieser Generation wird es gerächt werden. Weh
euch Gesetzeslehrern! Ihr habt den Schlüssel zur Erkenntnis
weggenommen. Ihr selbst seid nicht hineingegangen und die, die
hineingehen wollten, habt ihr daran gehindert. Als Jesus von dort
weggegangen war, begannen die Schriftgelehrten und die Pharisäer,
ihn mit vielerlei Fragen hartnäckig zu bedrängen; sie lauerten ihm
auf, um ihn in seinen eigenen Worten zu fangen. (Lk
11,47-54)( Ständige Kommission für die Herausgabe der
gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet)
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